Stillen schützt Dosis-abhängig vor chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

12. Oktober 2017 | Von | Kategorie: Leitartikel
Frau mit Bauchschmerzen

Stillen schützt vor der Entwicklung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Je länger ein Mensch gestillt wurde, umso geringer ist sein Erkrankungsrisiko. (© Tharakorn Arunothai)

Die bis dato unheilbaren chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind vor allem in Westeuropa und Nordamerika sehr verbreitet und betreffen immer mehr Menschen. Die Ursachen dieser Erkrankungen sind bislang noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wird angenommen, dass neben genetischer Prädisposition eine Fehlregulation der Immunreaktion im Darm der Patienten eine Rolle spielt. Insbesondere Faktoren, die im frühen Lebensalter das Darm-Mikrobiom stören, stehen unter dem Verdacht, zur Entstehung dieser Erkrankungen beizutragen.

Eine aktuelle Metaanalyse (Xu et al. 2017), welche die Ergebnisse von 35 Primärstudien zu diesem Thema berücksichtigt hat, kommt zum Schluss, dass zwischen Stillen und dem Auftreten chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen ein starker umgekehrter und Dosis-abhängiger Zusammenhang besteht: Je länger ein Mensch in seiner frühen Kindheit gestillt wurde, umso geringer ist sein späteres Risiko, an Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa zu erkranken.

Der schützende Effekt des Stillens zeigt sich bereits bei jeglichem Stillen im Vergleich zu gar keinem Stillen (relatives Risiko 0,71 bei Morbus Crohn und 0,78 bei Colitis Ulcerosa) und verstärkt sich mit längerer Stilldauer. Bei einer Stilldauer von mindestens 3 Monaten betrug das relative Risiko 0,62 bei Morbus Crohn und 0,63 bei Colitis Ulcerosa. Bei einer Stilldauer von mindestens 12 Monaten betrug dieses bereits 0,20 bei Morbus Crohn und 0,21 bei Colitis Ulcerosa. Das heißt, der größte Effekt zeigt sich, wenn ein Mensch mindestens 12 Monate lang gestillt wurde.

Stillen beugt durch verschiedene Wirkmechanismen entzündlichen Darmerkrankungen vor: So schützt es den Darm vor der Besiedlung durch das Bakterium Clostridium difficile. Dieses Bakterium begünstigt eine allergische Sensibilisierung, atopische Reaktionen und Immunerkrankungen. Zweitens schützen verschiedene Komponenten in der Muttermilch – Lysozym, Laktoferrin und Immunglobuline – das Kind vor Infektionen. Sowohl die Infektionen selbst als auch die Antibiotika, welche zur Behandlung dieser Infektionen eingesetzt werden, sind mit einem erhöhten Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen assoziiert. Drittens beeinflussen Bestandteile der Muttermilch, wie das epidermale Wachstumshormon, der Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor, Leptin und Adiponectin, die Entwicklung der Schleimhautimmunität des Darms und reduzieren auf diese Weise das Risiko von Immunerkrankungen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die schützende Wirkung des Stillens weit über das Säuglingsalter hinausgeht.

Quelle:

  • Xu L, Lochhead P, Ko Y, Claggett B, Leong RW, Ananthakrishnan AN: Systematic review with meta-analysis: breastfeeding and the risk of Crohn’s disease and ulcerative colitis. Aliment Pharmacol Ther 2017 Sep 11. doi: 10.1111/apt.14291.

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