Vorbereitung aufs Stillen in der Schwangerschaft

Schwangere Frau sitzt vor dem Laptop und informiert sich über das Stillen

Für einen optimalen Stillstart können sich die Frauen bereits in der Schwangerschaft gründlich informieren

Der Stillstart stellt für viele Mütter eine große Herausforderung dar. Viele Frauen bekommen den Eindruck, nicht genug Milch zu haben, oder sie geben das Stillen aufgrund von Schmerzen oder einer Brustverweigerung ihres Babys auf, obwohl sie gern gestillt hätten. Dabei könnten – abgesehen von vergleichsweise seltenen medizinischen Gründen fast alle Mütter genug Milch für ihre Babys bilden; Schmerzen und Saugschwierigkeiten ließen sich meist vermeiden. Der folgende Artikel fasst zusammen, wie sich die Frauen während der Schwangerschaft aufs Stillen vorbereiten können, um somit den Grundstein für eine erfolgreiche Stillzeit zu legen.

Sich während der Schwangerschaft übers Stillen informieren

Frauen sitzen in einem Geburtsvorbereitungskurs

Geburts- und Stillvorbereitungskurse sind optimal, um sich aufs Stillen vorzubereiten und sich über Fragen und Sorgen auszutauschen

Die Stillzeit fängt unmittelbar nach der Geburt an. Funktionierendes Stillen in den ersten Stunden direkt nach der Geburt und häufiges, korrektes und effektives Stillen bereits am ersten Tag sind die beste Voraussetzung, damit die Milchbildung gut in Gang kommt und Stillprobleme vermieden werden. Andererseits sind direkt nach der Geburt fast alle Frauen extrem erschöpft und für eine Anleitung, wie Stillen funktioniert, nicht empfänglich. Über die Grundlagen des Stillens sollten die Frauen zum Zeitpunkt der Geburt daher bereits gut informiert sein. Die praktische Übung kann natürlich erst mit der Geburt beginnen. Am besten werden mehrere Informationswege genutzt:

  • gute Stillbücher (siehe Buchempfehlungen für die Stillzeit)
  • Internetquellen (siehe z.B. die Beiträge Erstes Stillen, Das korrekte Anlegen, Stillpositionen, Das richtige Stillmanagement)
  • Geburtsvorbereitungskurse und ggf. zusätzlich ein Stillvorbereitungskurs: Hier werden die Frauen nicht nur informiert, sie können sich über ihre Fragen und Unsicherheiten austauschen und voneinader und von der Leitung (Hebamme oder Still- und Laktationsberaterin IBCLC) lernen
  • Besuch einer Stillgruppe: In den Stillgruppen bekommen die Frauen nicht nur Informationen; Sie können das Stillen auch direkt beobachten und fragen stellen. Sie bekommen mit, was häufige Herausforderungen in der Stillzeit sind und wie sie gemeistert werden können.
  • die betreuende Hebamme kann auch bei individuellen Fragen und Sorgen beraten

Sich rechtzeitig eine Hebamme suchen

Hebammenvorsorge

Die Schwangerenvorsorge in Hebammenhand erhöht auch die Stillchancen (© Kzenon)

Die Betreuung durch eine Hebamme erhöht die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Geburt und eines erfolgreichen Stillstarts. Die Hebammen können sich während der Schwangerenvorsorge mehr Zeit nehmen als die Frauenärzte und stärken das Selbstvertrauen der Frau in ihren Körper und ihre eigenen Fähigkeiten, natürlich gebären und auch stillen zu können. Den Frauenärzten steht in den Vorsorgeuntersuchungen hingegen keine Zeit zur Verfügung, um Frauen ohne besondere Erkrankungen über das Stillen aufklären zu können. Frauenärzte können eine Stillberatung nicht abrechnen und sind dafür auch nicht ausgebildet.

Die Geburt unter der Anleitung der Hebamme, die die Frau bereits in der Schwangerschaft kennengelernt hat, wirkt sich ebenfalls sehr positiv auf den Geburtsverlauf aus. Ein vertrautes Umfeld und vertraute Personen während der Geburt helfen der Mutter, sich zu entspannen und komplikationslos zu gebären. Die Betrachtung der Schwangerschaft und der Geburt als etwas Natürliches – also der „natürliche Blick“ – hilft im Gegensatz zum „Risikoblick“ der Ärzte die Anzahl der Interventionen ebenfalls zu senken. Dies ist mittlerweile wissenschaftlich gut belegt. Leider werden Hebammen-geleitete Geburten in Deutschland aufgrund der immer steigenden Haftpflichtversicherungsprämien und der immer stärker ausgeprägten Medikalisierung zunehmend seltener möglich – sehr aufkosten von komplikationslosen Geburten und des Stillens.

Eine Nachsorgehebamme sollte auch für die Zeit nach der Geburt zur Verfügung stehen. Es empfiehlt sich, eine Nachsorgehebamme ebenfalls schon frühzeitig während der Schwangerschaft zu suchen, da die Hebammen zunehmend ausgebucht sind. Die Unterstützung der jungen Eltern durch die Hebammen spielt auch für die Aufrechterhaltung des Stillens eine große Rolle. Idealerweise betreut die Hebamme, welche die Frau schon während der Schwangerschaft betreut hat, sie auch nach der Geburt. Leider kennen sich nicht alle Hebammen gleichermaßen gut mit dem Stillen aus – einheitliche Standards für die Aus- und Fortbildung fehlen. Ein Abschluss zur Hebamme ist daher keine Garantie für Kompetenz in der Stillberatung. Manche Hebammen geben überholte Ratschläge oder kapitulieren bei Stillproblemen, obwohl das weitere Stillen mithilfe kompetenter Unterstützung durchaus möglich wäre. Über eine qualitätsgesicherte Fortbildung verfügen Hebammen mit der Zusatzausbildung Still- und Laktationsberaterin IBCLC.

Stillberaterinnen finden

Neben den Hebammen können ehrenamtliche Stillberaterinnen der La Leche Liga und der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen sowie Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC effektive Unterstützung zum Stillen anbieten. Idealerweise recherchiert die Mutter Kontaktadressen von Stillberaterinnen noch rechtzeitig während der Schwangerschaft. Ein Stillgruppenbesuch vor der Geburt ist für alle Erstgebärende sinnvoll (Übersicht der Stillgruppen im Verzeichnis des Still-Lexikons).

Ehrenamtliche Stillberaterinnen sind selber Mütter, die lange und erfolgreich stillen konnten. Sie haben große und kleine Herausforderungen in der Stillzeit erfolgreich gemeistert und können ihre Erfahrungen an andere Mütter weitergeben. Darüber hinaus haben sie eine solide Ausbildung zur Stillberaterin absolviert. Frauen, die Stillgruppen besuchen und die Unterstützung der ehrenamtlichen Stillberaterinnen in Anspruch nehmen, haben sehr viel bessere Chancen, erfolgreich und lange stillen zu können.

Eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC berät eine Mutter mit Baby

Freiberufliche Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC können bei komplexen Stillproblemen helfen (© Cathy Yeulet).

Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC haben einen medizinischen Grundberuf (Hebammen, Krankenschwestern, Frauenärztinnen usw.) und eine international anerkannte Zusatzausbildung. Sie leiten das Stillmanagement in vielen Krankenhäusern und sind Spezialisten für komplexe Fälle, die den Rahmen der Hebammenversorgung sprengen. Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC können bereits während der Schwangerschaft kontaktiert werden, wenn Probleme mit dem Stillen zu erwarten sind (z.B. bei Erkrankungen der Mutter oder des Babys, Operationen oder Anomalien der Brust oder der Brustwarzen, bei vorangegangenen Stillschwierigkeiten usw.). Auch nach der Geburt sind sie die richtigen Ansprechpartnerinnen, wenn das Krankenhauspersonal, die Nachsorgehebammen oder ehrenamtliche Stillberaterinnen an ihre Grenzen kommen und der Familie nicht zum Stillen verhelfen können (für Kontaktdaten von IBCLCs siehe u.a. das IBCLC-Verzeichnis des Still-Lexikons). Eine Laktationsberatung findet in der Praxis der Beraterin oder bei der Familie zu Hause statt, dauert oft mehrere Stunden mit anschließenden Telefonaten und kostet 50-120 Euro. Leider übernehmen die Krankenversicherungen die Laktationsberatung bislang nur in Ausnahmefällen. Unterm Strich rentiert sich aber die Laktationsberatung, weil sie in vielen Fällen das (weitere) Stillen erst ermöglicht. Für die industrielle Milchnahrung zahlen die Mütter, wenn sie nicht stillen können, über Tausend Euro im ersten Lebensjahr.

Eine stillfreundliche Geburtseinrichtung wählen

Die wahrscheinlich wichtigste Entscheidung für das Etablieren einer erfolgreichen Stillbeziehung ist die Wahl des Geburtseinrichtung. Aus der Sicht des Stillens sind Babyfreundliche Krankenhäuser, Hausgeburten oder Geburtshäuser am besten.

Gebärende im Krankenhaus

Fremdbestimmung und medizinische Interventionen erschweren die Geburt und den Stillstart

In Deutschland praktiziert die Mehrheit der Geburtseinrichtungen Routinen, die den Stillstart erschweren. Fremdbestimmte Geburten, häufige medizinische Interventionen, Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt und im Wochenbett, wenig Unterstützung beim Stillbeginn, routinemäßiges Zufüttern, der Einsatz von Schnullern und Saugflaschen usw. sind in Geburtseinrichtungen weit verbreitet und können das Stillen sehr erschweren (siehe Warum das Stillen häufig nicht klappt). Die natürlichen, physiologischen Prozesse bei Mutter und Kind kommen durcheinander. Ganz konkret kommt durch diese ungünstigen Rahmenbedingungen die Milchbildung nicht ausreichend in Gang und/oder das Baby bekommt Saugschwierigkeiten an der Brust. Auch wunde Brustwarzen und Brustentzündungen treten mit höherer Wahrscheinlichkeit auf.

Durch Zeitmangel schafft das Personal außerdem kaum, sich ausreichend um das Stillpaar zu kümmern. In vielen Krankenhäusern erhalten die Wöchnerinnen je nach Schicht widersprüchliche Anweisungen und Ratschläge in Bezug aufs Stillen, da einheitliche Stillrichtlinien und eine einheitliche Schulung des Personals fehlen. Mitunter erhalten die Mütter fünf verschiedene Empfehlungen und nichts von denen funktioniert. Die Probleme, die durch die ungünstigen Rahmenbedingungen recht häufig auftreten, können mangels Zeit und Expertise nicht gelöst werden. Das Ziel des ausschließlichen Stillens wird dann aufgegeben und die Babys werden mit künstlicher Säuglingsmilch ernährt.

Einer Babyfreundliche Einrichtung erkennt man am WHO/UNICEF-Logo

Eine Babyfreundliche Einrichtung erkennt man am WHO/UNICEF-Logo

Die Qualität des Stillmanagements ist nur in den Krankenhäusern gesichert, die von der WHO/UNICEF-Initiative Babyfreundliches Krankenhaus zertifiziert sind – das sind in Deutschland 90 von insgesamt 700 Geburtenabteilungen (Stand: Frühling 2015). Man hört und liest zwar immer wieder, dass die Stillförderung auch in den nicht zertifizierten Krankenhäusern genauso gut sein kann wie in den zertifizierten. Dies wird aber kaum der Wahrheit entsprechen. Um das Zertifikat zu erhalten, ist eine enorme, kosten- und arbeitsintensive Umstellung in der Geburtseinrichtung erforderlich, die die Schulung des gesamten Personals und die Umstellung der bisherigen Arbeitsabläufe beinhaltet. Ohne das Zertifikat im Fokus ist es kaum möglich das gesamte Personal, das Krankenhausmanagement und den Träger von diesen aufwendigen Umstellungsmaßnahmen zu überzeugen, welche für die Erstzertifizierung pro Krankenhaus zwischen 60.000 und 80.000 € kosten.

Frauen, die in einem Babyfreundlichen Krankenhaus gebären, haben nachweislich höhere Aussichten, ihre Babys mit Erfolg stillen zu können. Es kann sich daher lohnen, für die Geburt ein Babyfreundliches Krankenhaus zu wählen, auch wenn dieses nicht in unmittelbarer Nähe ist. Babyfreundliche Krankenhäuser setzen sich außerdem nicht nur für das Stillen in besonderem Maße ein, sondern sie stellen auch das Wohlbefinden der Gebärenden und anschließend die Eltern-Kind-Bindung in den Mittelpunkt. Die WHO/UNICEF-Auszeichnung repräsentiert in vielfacher Hinsicht hohe Qualitätsmaßstäbe in der Geburtshilfe. Ein Babyfreundliches Krankenhaus findet man unter: http://www.babyfreundlich.org/eltern/kliniksuche.html.

Hausgeburten sowie Entbindungen in Geburtshäusern können für Frauen mit einer Niedrigrisiko-Schwangerschaft eine sinnvolle Alternative sein. Die Eins-zu-eins-Betreuung durch die Hebamme und der Verzicht auf häufig überflüssige medizinische Interventionen sind optimal für einen erfolgreichen Stillbeginn. Die Hebamme kann anschließend in den ersten 10 Tagen nach der Geburt auch zweimal am Tag einen Hausbesuch machen, um die Mutter beim Stillen anzuleiten und bei Schwierigkeiten zu unterstützen.

Wunschliste ans Krankenhauspersonal, um gute Startbedingungen fürs Stillen zu erreichen

Hebamme unterstützt die Mutter beim Anlegen

Die Mütter können ihre Wünsche dem Personal mitteilen

Nicht alle Mütter haben das Glück, eine stillfreundliche Geburtseinrichtung der WHO/UNICEF-Initiative wählen zu können. Auch in einer weniger stillfreundlichen Einrichtung können die Mütter in gewissen Rahmen eine stillfreundliche Versorgung einfordern, um ihre Stillchancen zu erhöhen. Sie können sich während der Informationsveranstaltung oder einer persönlichen Vorbesprechung im Krankenhaus erkundigen, wie weit bestimmte stillfreundliche Vorgehensweisen umgesetzt werden können. Auch während des Krankenhausaufenthaltes können die Mütter gegenüber dem Krankenhauspersonal ihre Wünsche äußern. Da die Mitarbeiterinnen des Hauses sich über die Wünsche der Eltern in der Regel nicht absprechen, müssen die Eltern evtl. in jeder Schicht neu klarstellen, was ihnen wichtig ist.

Folgende Wunschliste an die Einrichtung basiert auf Empfehlungen von WHO/UNICEF sowie der Academy of Breastfeeding Medicine:

Wunsch für den Kreißsaal:

  • „Ich möchte nach der Geburt mindestens eine Stunde lang oder bis das Baby an der Brust trinken konnte, in direktem und ununterbrochenem Hautkontakt mit meinem Baby verbringen, auch im Falle eines Kaiserschnitts.“

Leider wird diesem Wunsch nicht in jedem Krankenhaus entsprochen, da eingefahrene, für die Mitarbeitenden verpflichtenden Routinen dies verhindern. Wenn die Mutter die Möglichkeit hat, dann soll sie unbedingt ein Krankenhaus wählen, in dem der direkte und ungestörte Hautkontakt nach der Geburt praktiziert wird. Diese Praxis ist ein wichtiger Hinweis auf eine stillfreundliche Einstellung des Hauses, auch wenn die hohen Maßstäbe für die WHO/UNICEF-Auszeichnung nicht in jeder Hinsicht erfüllt werden können. Direkter Hautkontakt nach Kaiserschnitt (das sog. Sectio-Bonding) wird außer den ausgezeichneten babyfreundlichen Krankenhäusern nur in wenigen Einrichtungen praktiziert, da er eine große Umstellung für die Mitarbeiter und neue Wege erfordert (siehe auch Stillen nach Kaiserschnitt).

Folgende Wünsche auf der Wochenstation erhöhen die Stillchancen:

  • „Ich möchte mein Baby den ganzen Tag bei mir im Zimmer haben, auch nachts.“
  • „Ich möchte, dass mein Baby den Großteil des Tages bei mir im Bett verbringen kann, öfter auch nackt, Haut an Haut mit mir. Ich möchte direkt neben meinem Baby schlafen und auch nachts uneingeschränkt stillen können.“
  • „Mein Baby soll keinen Schnuller bekommen.“
  • „Mein Baby soll nur Muttermilch erhalten. Bitte geben Sie meinem Baby keine Flüssigkeiten oder sonstige Nahrung, außer wenn dies medizinisch erforderlich sein sollte.“
  • „Ich möchte mein Baby ganz oft stillen, durchschnittlich 8- bis 12-mal am Tag.“
  • „Bitte begleiten Sie uns bei unseren ersten Stillversuchen direkt nach der Geburt und vor allem am ersten Tag nach der Geburt:
    • Bitte helfen Sie mir bei der Positionierung und beim Anlegen: Bitte zeigen Sie mir, auf welche Weisen ich das Baby gut anlegen kann.
    • Bitte überprüfen Sie, ob das Baby beim Stillen Milch bekommt (Milchtransfer) und zeigen Sie auch mir, woran ich das erkennen kann.
    • Bitte zeigen Sie mir die Hungerzeichen meines Babys.“
  • „Bitte überprüfen Sie mindestens einmal pro Schicht, ob das Stillen gut funktioniert.“
Stillen nach Kaiseschnitt

Wenn das Baby den ganzen Tag in Hautkontakt mit der Mutter verbringt, dann klappt das Stillen auch nach einem Kaiserschnitt

Wenn diese Punkte umgesetzt werden können, dann stehen auch in einem nicht babyfreundlichen Krankenhaus die Chancen gut, dass der Stillstart gut verläuft, wobei die Expertise des Personals natürlich nicht ersetzt werden kann. Wenn eine Mutter in einem nicht babyfreundlichen Krankenhaus entbindet, dann ist es umso wichtiger, dass sie bei Fragen und Problemen andere Stillexpertinnen kontaktieren kann (Hebamme mit Stillexpertise, ehrenamtliche Stillberaterin oder Still- und Laktationsberaterin IBCLC), und das möglichst zeitnah.

Vorsicht: Eine gut gemeinte Entlastung der Mutter, in dem das Baby ins Säuglingszimmer mitgenommen wird, rächt sich später. Durch die Trennung von Mutter und Kind, weniger Körperkontakt und selteneres Anlegen kommt die Milchbildung nicht ausreichend in Gang. Die Gefahr der Zufütterung und von verfrühtem Abstillen erhöht sich. Das Personal in den Geburtseinrichtungen ist zum Glück meist sehr freundlich und wohlwollend. Aber mangels Fortbildung zum Thema Stillmanagement setzt es aus der Sicht des Stillens teilweise kontraproduktive Maßnahmen und Empfehlungen ein.

Auf Herausforderungen vorbereitet sein

Nicht immer verläuft der Stillstart optimal, selbst in babyfreundlichen Krankenhäusern nicht. Wenn die Mutter per Kaiserschnitt entbindet, die Geburt schwierig verläuft, das Baby (vorübergehend) beeinträchtigt ist, dann dauert es manchmal länger, bis es mit dem Stillen reibungslos klappt. Idealerweise weiß die werdende Mutter auch, was bei Stillschwierigkeiten zu tun ist, um das spätere Stillen nicht zu gefährden.

⇒ Falls eine Zufütterung erforderlich wird, dann sollten die Eltern auf stillfreundliche Zufütterungsmethoden bestehen und sich die Entleerung der Brust zeigen lassen

stillende Mutter - Baby trinkt am Sondenschlauch

Auch wenn das Stillen nicht gleich klappt: Zufütterung an der Brust vermeidet eine Saugverwirrung (© Rebdesign)

Idealerweise kann auf eine Zufütterung mit Säuglingsmilch verzichtet werden. Wenn das Baby direkt nach der Geburt das erste Mal angelegt wird und es anschließend regelmäßig, alle 2-3 Stunden gestillt wird, dann wird eine Zufütterung selten erforderlich sein. Aber die Realität verläuft nicht immer optimal. Manchmal verliert das Baby zu viel an Geburtsgewicht (über 10%) und dann wird eine vorübergehende Zufütterung auch medizinisch empfohlen. Dies kann vorkommen, wenn Stillen nur verzögert möglich war, das Baby Saugschwierigkeiten hatte oder die Milchbildung verspätet in Gang kommt. In solchen Fällen greift das Personal in nicht babyfreundlichen Krankenhäusern in der Regel zur Saugflasche, was jedoch zu einer Saugverwirrung führen kann. Wenn das Baby sich einmal an die Flasche gewöhnt hat, dann lehnt es die Brust manchmal hartnäckig ab.

Daher sollten die Eltern darauf bestehen, dass das Baby keine Saugflasche bekommt und mit alternativen Fütterungsmethoden, also per Löffel, Becher oder am besten direkt an der Brust zugefüttert wird. So bleibt die Brustprägung des Babys erhalten und sobald die Milchbildung in Gang gekommen ist, kann das Baby ohne Zufütterung erfolgreich gestillt werden.

Außerdem sollte die Mutter idealerweise bereits vor der Geburt wissen, wie sie Kolostrum per Hand gewinnen kann. Leider ist die Kolostrumgewinnung per Pumpe nicht sehr effektiv. Wenn das Baby nach der Geburt vorübergehend nicht effektiv an der Brust trinken kann, dann muss die Milch von Anfang an per Hand und zusätzlich per Pumpe gewonnen werden, und zwar am besten sollte bereits innerhalb der ersten Stunde, spätestens innerhalb der ersten 4 bis 6 Stunden nach der Geburt mit der Milchgewinnung begonnen werden, insgesamt 8- bis 12-mal am Tag (mehr dazu im Artikel Abpumpen, Aufbewahren und Füttern von Muttermilch). Die Entleerung der Brust ist das Signal für die Milchbildung. Daher ist die sehr frühe und häufige Entleerung der Brust so wichtig, damit die Milchbildung frühzeitig in Gang kommt und eine Zufütterung möglichst gar nicht oder nur möglichst kurz erfolgen muss.

Die Babyausstattung für zu Hause stillfreundlich wählen

Schwangere Frau kauft in der Drogerie Babyausstattung ein

Um Regale mit Fläschchen, Säuglingsmilch und Schnuller besser einen Bogen machen.

Viele Schwangere erzählen, dass sie sich bei der Vorbereitung auf das Baby für alle Fälle eine Notration industrieller Säuglingsmilch und Saugflaschen anlegen. Auch Schnuller werden „rechtzeitig“ besorgt. Mitunter sind es die sorgenden Großeltern oder Ehemänner, die schon mal alle Säuglingsnahrungsprodukte und Saugflaschen unter die Lupe nehmen, Qualität und Preise vergleichen. Manche Hersteller bieten auch so genannte „Starter-Sets“ mit Flaschen und Schnullern an, die von Großeltern, Freunden, Tanten und Onkeln zur Geburt verschenkt werden sollen. Solche Starter-Sets stellen übrigens eine massive Verletzung des WHO-Kodexes zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten dar, weil sie vermitteln, dass Saugflaschen und Schnuller zur Grundausstattung eines Neugeborenen gehören. Dabei kann die Verwendung von Saugflaschen und Schnuller das Stillen erheblich beeinträchtigen.

Mütter mit Stillwunsch können gut gemeinte Unterstützung solcher Art ruhig ablehnen und einen großen Bogen um die Regale mit Säuglingsnahrung sowie Saugflaschen und Schnuller machen. Sie können allen deutlich machen:

„Ich werde mein Kind stillen!“

Ein weiterer Punkt, den man sich gut überlegen sollte, ist das Einrichten eines Kinderzimmers. Heute wollen viele Eltern das Baby mit einem komplett eingerichteten Kinderzimmer samt Gitterbettchen erwarten. Aber warum muss ein Baby von seinen Eltern separiert werden? Warum sollte man viel Geld in ein extra Kinderzimmer investieren, wenn ein Baby doch rund um die Uhr bei seinen Eltern sein möchte? Man kann fürs Baby genauso ein sicheres Plätzchen im elterlichen Schlaf- und im Wohnzimmer einrichten. Die meisten Mütter, die ihre Kinder lange und erfolgreich stillen, schlafen in der direkten Nähe ihrer Kinder (s. auch Stillen in der Nacht). Das Bedürfnis nach einem eigenen Zimmer entwickelt sich frühestens im Kindergartenalter.

Familienbett - Matratzen auf niedrigen Latten

Eine gemeinsame Schlafstätte von Mutter und Kind ist fürs Stillen eine wichtige Voraussetzung (mit freundlicher Genehmigung von Familie Früh)

Wenn einmal teure Besorgungen getätigt wurden und die Wohnung fertig eingerichtet ist, fällt es einem schwer, überflüssige Möbel wieder zu entsorgen oder zumindest auszulagern. Für eine erfolgreiche Stillzeit ist es wichtig, die Schlafstätte von Anfang an so einzurichten, dass die Mutter in direkter Nähe ihres Babys schlafen kann – ohne trennendes Gitter. Dann kann sie auch nachts häufig stillen ohne aus dem Schlaf gerissen zu werden. Neugeborene haben einen sehr kleinen Magen und brauchen auch nachts mehrere Mahlzeiten.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, nachts direkte Nähe herzustellen. Manche Familien bevorzugen das Familienbett. Andere benutzen lieber ein Beistellbettchen, das direkt ans Ehebett gestellt werden kann. Wieder andere stellen eine Futonmatratze auf den Boden. Stillerfahrene Mütter z.B. aus der Stillgruppe können bei der Wahl Hilfestellung geben.

Für eine Übersicht, was für die Stillzeit besorgt werden kann und was überflüssig ist, siehe unseren Artikel Anschaffungsliste für die Stillzeit >>.

Abhärtung der Brustwarzen? Besser nicht!

Häufig wird Schwangeren geraten, ihre Brustwarzen abzuhärten, um sich so auf das Stillen vorzubereiten. Maßnahmen zur Vorbereitung der Brustwarzen z.B. durch Abschrubben mit Frottierhandtüchern sind jedoch sinnlos und überflüssig. Studien konnten keinerlei positiven Effekte dieser Manipulation im Hinblick auf die Entstehung wunder Brustwarzen feststellen, ganz im Gegenteil: eine aggressive Behandlung der Brustwarzen kann sogar zu Verletzungen führen. Die einzig sinnvolle „Vorbereitung“ der Brustwarzen besteht höchstens darin, sie möglichst in Ruhe zu lassen, d.h. nicht mit Seife, sondern nur mit Wasser zu waschen und keine Kosmetika aufzutragen.

Quellenangaben für diesen Beitrag


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Überarbeitung: Dezember 2015.