Wunde Brustwarzen in der Stillzeit

Brustwarze

Gesunde Brustwarze (© photo 5000)

Wunde Brustwarzen können beim Stillen zu unerträglichen Schmerzen führen und gehören zu den häufigsten Gründen für vorzeitiges Abstillen. Dabei lassen sich wunde Brustwarzen in den meisten Fällen vorbeugen oder effektiv behandeln. Im folgenden Artikel werden die Ursachen und die Behandlung wunder Brustwarzen umfassend vorgestellt.

In den ersten Tagen nach der Geburt empfinden viele Frauen das Stillen als leicht schmerzhaft, vor allem das Ansaugen. Dies liegt an der gesteigerten Empfindlichkeit der Brustwarzen nach der Geburt sowie an der ungewohnten Belastung. Diese Anfangsschmerzen sind tolerierbar, lassen nach wenigen Tagen nach und die Haut bleibt intakt. Das Anlegen und die Brustwarzen sollten täglich durch die Hebamme überprüft werden, wenn beim Stillen Schmerzen bestehen. Starke Schmerzen sowie eine Beschädigung der Haut an den Brustwarzen müssen behandelt werden. Hierzu zählen Einrisse, Hautabschürfungen, Schorfbildung und/oder Entzündungszeichen (Schmerzen, Rötung, Schwellung, Überwärmung). Offene Brustwarzen können zusätzlich eine bakterielle und/oder Pilz-Infektion nach sich ziehen, welche sich im ungünstigen Fall auf das Milchdrüsengewebe ausbreitet.

Wunde Brustwarzen sind leider ein sehr häufiger Grund für vorzeitiges Abstillen – Schätzungen zufolge gibt etwa ein Drittel der Mütter an, aufgrund von schmerzhaften Brustwarzen abgestillt zu haben. Die Stillposition und das Saugverhalten des Kindes sollten daher von Anfang an von einer Stillexpertin (Hebamme, Stillberaterin) kontrolliert und eventuell korrigiert werden. Durch eine Korrektur des Anlegens und der Stillposition heilen die Brustwarzen bei der überwiegenden Mehrheit der Fälle in kurzer Zeit wieder ab. In komplexen Fällen kann es empfehlenswert sein, eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC zu kontaktieren (siehe z.B. unser IBCLC-Verzeichnis). Die Behandlung von bakteriellen oder Pilz-Infektionen der Brustwarzen gehört in den Zuständigkeitsbereich von Ärzten.

Wieso entstehen wunde Brustwarzen?

Die Ursachen wunder Brustwarzen sind vielfältig. Vor allem am Anfang der Stillzeit entstehen Beschädigungen der Brustwarzen in erster Linie durch eine unphysiologische mechanische Beanspruchung beim Stillen. Weitere Faktoren kommen begünstigend hinzu.

Es gibt zwei charakteristische Ursachen für die primäre Verletzung der Haut:

  1. Die Haut platzt entlang eines „Druckstreifens“ auf, wenn beim Saugen die Brustwarze deformiert wird.
  2. Saugschädigungen entstehen, wenn das Baby mit einem zu hohen, unphysiologischen Vakuum saugt.

1. Verformung der Brustwarzen durch suboptimales Anlegen oder ungünstiges Saugmuster

Grafik zur Entstehung wunder Brustwarzen

Der sog. Druckstreifen entsteht, wenn beim Saugen falsche Druckkräfte auf die Brustwarze ausgeübt werden.

In den allermeisten Fällen führen eine ungünstige Stillposition oder ein ungünstiges Saugmuster seitens des Neugeborenen zur Verformung der Brustwarzen beim Stillen und als Folge davon zu Verletzungen der Haut – d.h. das Baby erfasst das Brustgewebe nicht tief genug und hat beim Stillen somit „nicht genug Brust“ im Mund. Wenn das Halten des Babys für die Armen der Frau zu anstrengend ist, dann lässt sie das Baby beim Stillen sinken. Ist das Baby von der Brustwarze beim Anlegen zu weit entfernt, dann zerrt es an der Brustwarze, saugt nur noch an der Brustwarzenspitze und/oder es muss einen höheren Druck erzeugen, um an die Milch heranzukommen. Liegt das Baby nicht Bauch an Bauch mit der Mutter, sind die Ärmchen im Weg, macht das Baby den Mund nicht weit genug vor dem Andocken auf, dann kann es die Brustwarze samt Brustwarzenhof nicht ausreichend erfassen und die Brustwarze liegt dann nicht tief genug im Mund des Kindes. Beim richtigen Anlegen sind die Lippen in einem 160 Grad-Winkel geöffnet und nach außen gestülpt. Mehr zum richtigen Anlegen inklusive Bildergalerie zur Veranschaulichung im Beitrag Das korrekte Anlegen des Babys.

Neben dem suboptimalen Positionieren und Anlegen gibt es noch weitere Gründe, die das korrekte Saugen an der Brust erschweren. Um diese zu identifizieren, beobachten Stillfachleute das Anlegen, untersuchen die Brust und die Mundanatomie des Kindes:

  • Das Baby ist in den ersten Tagen aufgrund von Medikamenten unter der Geburt, schweren Geburten, Kaiserschnitt, Frühgeburt, Erkrankungen oder vorübergehenden Beeinträchtigungen noch nicht in der Lage, die Brust korrekt zu erfassen und effektiv daran zu saugen.
  • Die Brustwarze kann aufgrund von intravenös verabreichten Medikamenten unter der Geburt angeschwollen und flach sein, sodass das Baby die Brust nicht tief erfassen kann.
  • Häufig entstehen wunde Brustwarzen bei spannenden Brüsten infolge der initialen Brustdrüsenschwellung (Milcheinschuss), welche wenige Tage (3-7) nach der Geburt auftritt. Die Brüste sind vorübergehend groß, spannend und prall und das Neugeborene kann die Brustwarze samt Warzenhof nicht korrekt, sondern nur oberflächlich erfassen. In diesen Fällen kann das Baby einerseits nicht effektiv saugen und andererseits übt es an falschen Stellen Druck/Sog auf die Brustwarzen aus. Die spannende Haut ist leicht verletzlich und kann schnell aufplatzen. Mehr zum Umgang dazu finden Sie im Artikel Initiale Brustdrüsenschwellung (Milcheinschuss).
  • Durch anatomische Variationen passen die Brustwarze der Mutter und der Mund des Kindes nicht gut zueinander: Flach- und Hohlwarzen, zu kurze, wenig elastische oder sehr große und lange Brustwarzen seitens der Mutter oder medizinische Saugprobleme seitens des Kindes (z.B. aufgrund einer Fehlanlange oder einer zu kurzen Zunge, eines zu kurzen Zungen– oder Lippenbändchens, eines sehr kleinen Mundes, (Unter)Kiefer-Asymmetrien, eines zu hohen Gaumens, Gaumen- und oder Lippenspalten) erschweren das Saugen an der Brust. Im Falle eines zu kurzen Zungenbändchens wurde in einer Studie die Spitze der Brustwarze verformt, weil die Brustwarze nicht tief genug in den Mund des Kindes eingesaugt werden konnte, oder die Basis der Brustwarzen waren zusammengedrückt. Macht das Baby während des Stillens klickende Geräusche, dann verliert es den Saugschluss. Das kann ein Hinweis auf ein zu kurzes Zungenbändchen oder andere anatomische Variationen sein. Ist die Brustwarze zu groß für den Mund des Babys, dann löst sich das Problem mit der Zeit durch das Wachstum des Kindes. In der Zeit kann die Milch abgepumpt werden.
  • Das Kind kann eine falsche Saugtechnik entwickeln, wenn es auch mit der Flasche gefüttert wird (siehe unter Saugverwirrung). Auch Schnuller können störend wirken, obwohl das Risiko geringer ist als bei der Flaschenfütterung. Wird eine Zufütterung erforderlich, sollte dies mit alternativen Techniken erfolgen.
  • Auch „zu viel Milch“, verbunden mit einem starken Milchspendereflex, kann zu Verletzungen der Brustwarzen führen, wenn das Baby die Brustwarze zudrückt, um den Milchfluss zu drosseln. Die Brustwarze ist in diesem Fall nach dem Stillen verformt. Die Schmerzen treten nach dem Milcheinschuss auf, wenn die üppige Milchproduktion eingesetzt hat.
  • Auch die falsche Anwendung von Stillhilfsmitteln, insbesondere Milchpumpen oder Stillhütchen kann zu wunden Brustwarzen führen.
  • Es kann auch bei routinierten, gesunden und in anatomischem Normbereich liegenden Mutter-Kind-Paaren vorkommen, dass das Kind die Brustwarze beim Anlegen nicht korrekt erfasst, so dass die Brustwarze ungünstig im Mund des Kindes liegt. Wenn Schmerzen beim Saugen auftreten, soll der Saugschluss gelöst und das Kind erneut, bei weit geöffnetem Mund angelegt werden.

2. Das Baby saugt „zu stark“

Eine zweite Ursache für Hautschädigungen ist ein zu hohes Vakuum beim Stillen. Dies kann durch ungünstiges Anlegen mit verursacht werden, aber auch beim optimalen Anlegen vorkommen.

  • Brustwarzen von oben und von der Seite mit Saugbläschen und Verkustungen

    Verletzung der Brustwarzen durch zu starkes Saugen

    In den ersten Tagen nach der Geburt steht noch wenig Kolostrum zur Verfügung. Manche Babys üben ein hohes Vakuum aus, vielleicht, um mehr Milch zu bekommen. Viele Frauen berichten, dass sich die Situation bessert, sobald die Milch nach dem Milcheinschuss reichlich fließt.

  • Frauen mit längerfristig niedriger Milchbildung klagen oft über Schmerzen beim Stillen und wunde Brustwarzen. Wenn die Milch nur langsam fließt, versuchen manche Babys mit einem stärkeren Vakuum an die verfügbare Milch heranzukommen und beschädigen dabei die Haut. Manche Frauen finden eine Brustmassage oder die Brustkompression hilfreich, um den Milchfluss zu steigern und dadurch das Vakuum zu senken. Eine geringe Milchbildung lässt sich zum Teil kompensieren, wenn die Frau häufiger anlegt, z.B. jede Stunde (s. auch Die Milchmenge steigern: Wie man mehr Milch bilden kann). Auch das Zufüttern an der Brust mit einer Sonde oder dem Brusternährungsset kann das hohe Vakuum und die Schmerzen beheben.
  • Auch Frauen, die mit einem zu starken Vakuum „trocken“ abpumpen, meist um die Milchbildung zu steigern, sind einem Verletzungsrisiko an den Brustwarzen ausgesetzt. Das Vakuum soll daher unterhalb der Schmerzgrenze eingestellt sein. Die Pumptrichter sollten zur Größe der Brustwarzen passen (siehe Abbildung im Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch) und sorgfältig zentriert werden, um Verletzungen zu vermeiden.
  • Manche Neugeborene versuchen Schmerzen oder Unwohlsein z.B. nach einer traumatischen Geburt durch starkes Saugen an der Brust zu bewältigen. Es handelt sich um einen vorübergehenden Zustand, der sich bessert, sobald sich das Baby wohler fühlt.
  • Manche Babys, die stark ausgehungert sind, trinken mit einem höheren Sog. Häufiges Anlegen (8- bis 12-mal in 24 Stunden oder häufiger), Anlegen bei den ersten Hungerzeichen des Babys oder bereits im Halbschlaf vor dem Aufwachen, kann eine hilfreiche Maßnahme sein, damit das Baby ruhig an der Brust ist und entspannter saugt.
  • Anspannung, Angst, Stress blockieren den Milchspendereflex. Um trotz ausbleibendem Milchspendereflex an die Milch zu gelangen, saugen Babys mit einem starken Vakuum. Stressreduktion, Entspannungsübungen und Rituale sind hilfreich, damit die Milch gut fließt.
Silverette

ANZEIGE

Nicht immer kann die Ursache für das zu starke Saugen eruiert werden. Offenbar gibt es Neugeborene, die ein zu hohes Vakuum ausüben. Bei manchen Müttern scheinen Silikon-Stillhütchen zu helfen, bei anderen nicht. Wenn es nicht anders geht, kann die Frau eine hochwertige Klinikmilchpumpe mit Doppelpumpset ausleihen, um damit die Milchbildung aufzubauen / aufrechtzuerhalten, und das Baby mit ihrer Muttermilch füttern. Wenn die Frau nicht direkt stillen kann, dann muss sie ihre Milch mind. 8- bis 12-mal in 24 Stunden für jeweils 15 Minuten abpumpen und zur gründlichen Entleerung der Brust z.B. das Hands-on-Pumping oder das Power-Pumping anwenden (siehe Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch). Es lohnt sich auszuprobieren, ob das Stillen angenehmer wird, wenn das Baby an der Brust mit einer Sonde oder dem Brusternährungsset zugefüttert wird. Zur Zufütterung kann idealerweise die eigene, abgepumpte Muttermilch verwendet werden. Wenn die Milch auch aus dem Schlauch fließt, wird das Vakuum geringer. Einige der betroffenen Mütter können im Laufe der Monate mit dem Abpumpen aufhören, das Brusternährungsset beiseite legen und noch lange Monate oder Jahre direkt weiterstillen. Möglicherweise werden die Brustwarzen robuster und/oder der Mund des Säuglings wächst mit der Zeit und das Saugen verändert sich.

Faktoren, welche die Entstehung wunder Brustwarzen begünstigen

Neben der unphysiologischen mechanischen Beanspruchung gibt es noch weitere Faktoren, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung wunder Brustwarzen beitragen können.

  • Feuchtigkeit: Insbesondere in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt läuft Muttermilch bei vielen Müttern spontan aus. Ein ständiges feuchtwarmes Milieu ist eine Brutstätte für Bakterien und Hefepilze. Die Feuchtigkeit weicht außerdem die Haut auf und macht sie verletzlicher. Daher empfiehlt sich die Anwendung saugfähiger und atmungsaktiver Stilleinlagen, die regelmäßig gewechselt werden, und atmungsaktive Unterwäsche wie Oberbekleidung. Von Feuchtigkeit besonders betroffen sind Schlupf- oder Hohlwarzen: Hier bleibt Feuchtigkeit nach dem Stillen in den Hautfalten liegen. Betroffene Mütter sollten daher darauf achten, dass ihre Brustwarzen nach dem Stillen an der Luft trocknen können, noch bevor sich diese zurückfalten.
  • „Auslaufsichere“ Stilleinlagen mit einer wasserundurchlässigen Plastikschicht halten die Brustwarzen zu feucht. Es gibt in der Zwischenzeit viele moderne Einmalstilleinlagen mit einer guten Atmungsaktivität. Seide-Wolle-Stilleinlagen werden häufig empfohlen, weil sie eine ausgezeichnete Atmungsaktivität haben und Seide als antibakteriell gilt und mit der Wunde nicht verklebt. Gegen Seide-Wolle-Stilleinlagen spricht allerdings, dass diese nur bei 30°C gewaschen werden dürfen und lange an der Luft trocknen müssen. Dadurch sind sie weniger hygienisch. Sind offene Wunden oder sogar Infektionen bereits aufgetreten, empfehlen sich aus hygienischen Gründen atmungsaktive Stilleinlagen, die häufig gewechselt werden und nach jedem Wechsel entweder ausgekocht oder weggeworfen werden. Unter den waschbaren Stilleinlagen eignen sich die auskochbaren Baumwoll-Stilleinlagen am ehesten, allerdings saugen diese nur wenig Milch auf und nässen schnell durch (mehr zu geeigneten Stillenlagen im Artikel Die richtigen Stilleinlagen kaufen). Klebt die Stilleinlage oder der BH an der Brustwarze, dann kann man diese anfeuchten und dann ohne Schmerzen und Beschädigung der Haut ablösen.
  • Austrocknung: Während zu viel Feuchtigkeit der Haut schadet, sollte die Haut andererseits auch nicht austrocknen, weil sie dadurch verletzlicher wird und schneller einreißt. Daher soll man die Brustwarzen nicht einseifen und auch nicht mit desinfizierenden Lösungen behandeln. Vor allem alkoholische Lösungen entziehen der Haut Feuchtigkeit. Gesunde Brustwarzen brauchen darüber hinaus keine besondere Pflege: Die so genannten Montgomery-Drüsen am Brustwarzenhof bilden das fettreiche Sebum, das die Brustwarzen pflegt und mit speziellen Duftstoffen das Baby anlockt. Um diesen Duft zu erhalten, sind Cremes bei gesunder Haut nicht angezeigt. Ist die Haut jedoch verletzt, dann trocknet sie schnell aus. Dann werden für die feuchte Wundheilung bestimmte Mittel empfohlen (siehe auch: Mittel bei wunden Brustwarzen).
  • Ein Abnehmen des Kindes von der Brust, während das Kind noch saugt, kann die Brustwarze ebenfalls verletzen. Zum Ablösen wird der Saugschluss durch einen Finger im Mundwinkel des Kindes gelöst und die Brustwarze erst dann entfernt.

Bakterielle oder Pilz-Infektionen als Folge von Hautverletzungen

Ist die Hautintegrität durch unphysiologische mechanische Beanspruchung verletzt, besteht die Gefahr einer Wundinfektion durch Bakterien, gelegentlich zusammen mit Hefepilzen. Je länger das inkorrekte Saugmuster bestand, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Unter den Bakterien sind Stämme von Staphylococcus aureus sowie Streptokokken häufig anzutreffen. Die entzündeten, infizierten Brustwarzen weisen nässende Bläschen, Pusteln, Erosionen mit gelben bis braunen Krusten auf, die Wunden heilen nicht. Die Bakterien bilden an der Brustwarze einen Biofilm. Infektionen der Brustwarzen können sich auf das Brustdrüsengewebe weiter ausbreiten (Brustentzündung, Mastitis) und in ungünstigstem Fall sogar zu einem Abszess führen. Tiefe Brustschmerzen während und nach dem Stillen sind ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion des Brustdrüsengewebes. Hautabstriche und Milchkulturen sind positiv auf diese Bakterienstämme. Es kommt auch vor, dass die Symptome durch eine Mischinfektion durch Bakterien und Hefepilzen (meist Candida) hervorgerufen werden. Die Behandlung von Infektionen gehört in den Zuständigkeitsbereich von Ärzten (z.B. Hausärzte oder Gynäkologen).

Therapiemaßnahmen bei wunden Brustwarzen

Mutter stillt ihr Baby in zurückgelehnter Stillposition

Wurde die Brustwarze durch ungünstiges Anlegen beschädigt, hilft oft das zurückgelehnte Stillen, bei dem das Baby selbstständig andockt.

Die erste und wichtigste Maßnahme bei wunden Brustwarzen ist die Überprüfung und Korrektur der Stillposition, des Anlegens und des effektiven, physiologischen Saugens vom Baby durch eine Hebamme oder Stillberaterin (s. z.B. unser Stillberaterinnen-Verzeichnis). Zur Optimierung des Anlegens siehe den Beitrag Das korrekte Anlegen des Babys. Wunde Brustwarzen entstehen in den allermeisten Fällen, weil das Baby nicht genug Brust im Mund hat. Nach der Korrektur des Anlegens lassen die Schmerzen beim Stillen in den allermeisten Fällen (~95%) unmittelbar nach. Die Brustwarzen sind nach dem Stillen nicht mehr verformt. Die Wundheilung macht innerhalb weniger Tage deutliche Fortschritte.
Das optimale Anlegen lässt sich in aller Regel in der zurückgelehnten Stillposition am besten erzielen, bei der das Baby anhand seiner angeborenen Reflexe die Führung übernimmt und selbstständig andockt (siehe auch den Abschnitt Laid-back-Nursing). In dieser Position klappt das Stillen oft am besten. Auch andere Stillpositionen können hilfreich sein, z.B. das Stillen über der Schulter: Die Mutter legt sich auf ein Bett oder lehnt sich in eine zurückgelehnte Position zurück, das Baby liegt auf ihrer Schulter mit den Beinchen neben dem Kopf der Mutter und dockt von oben an. Für andere Stillpaare ist wiederum der Hoppe-Reiter-Sitz am besten, bei dem das Kind aufrecht sitzend gestillt wird (gestützt von der Mutter). Die Mutter kann verschiedene Stillpositionen ausprobieren und die Stillposition am häufigsten anwenden, die sich für sie am besten anfühlt. Die wunde Stelle an der Brustwarze wird am besten entlastet, wenn sie im Mundwinkel des Kindes liegt. Die Position der Wunde gibt Rückschlüsse über geeignete Stillpositionen.

Abbildung der Brust mit verschiedenen Positionen der Wunde

Die Position der Wunde gibt Aufschluss darüber, in welcher Stillposition sie entstanden ist: meist zeigt das Kinn des Babys zur Wunde. Um die wunde Stelle zu entlasten, sollten andere Stillpositionen eingenommen werden, bei denen das Kinn nicht zur Wunde zeigt.

Bei Babys mit einem zu kurzen Zungenband hilft die so genannte Frenotomie, d.h. die chirurgische Durchtrennung des Zungenbändchens. Eine Verbesserung des Saugverhaltens und das Nachlassen der Schmerzen sind nach der Frenotomie unmittelbar spürbar. Eine anschließende Therapie für die Verbesserung der Zungenbeweglichkeit und -muskulatur ist bei manchen Kindern ebenfalls hilfreich (je nach regionalen Anbietern Logopädie, Osteopathie, Craniosacraltherapie, Castillo-Morales usw.).

Gehen die wunden Brustwarzen mit einer vorübergehend oder langfristig zu geringen Milchbildung einher, dann ist Zufüttern an der Brust mithilfe einer Sonde oder des Brusternährungssets doppelt sinnvoll: Erstens, weil das Baby keine Saugverwirrung durch die Flaschenfütterung bekommt, zweitens entlastet die aus der Sonde fließende Milch die Brustwarze beim Stillen, weil das Baby ein geringeres Vakuum ausüben muss.

Wundreinigung: Während intakte Brustwarzen nicht speziell gereinigt werden sollten, müssen Wunden zur Prävention und Behandlung bakterieller Infektionen regelmäßig gespült werden. Geeignet sind physiologische Kochsalzlösung (z.B. aus der Apotheke/Drogerie oder selbst herstellen: 9 g Salz auf 1000 ml Leitungswasser), oder eine pH-neutrale Seifenlösung. Es gibt verschiedene Empfehlungen zur Häufigkeit der Spülung: Walker (2017, S. 600) empfiehlt eine Wundspülung einmal am Tag mit Kochsalz- oder Seifenlösung, Wilson-Clay und Hoover (2013, S. 56) empfehlen einmal am Tag Seifenspülung und Spülung mit Kochsalzlösung oder Leitungswasser nach jedem Stillen. Wambach und Riordan empfehlen das Abspülen der Brustwarzen nach jedem Stillen (2016, S. 282). Die Temperatur der Wundspülung soll angenehm warm sein. Durch das Spülen der Brustwarzen nach jedem Stillen reduziert man die Keimzahl. Kochsalz- und Seifenlösung wirken der Bildung des bakteriellen Biofilms entgegen. Werden die Wunden mit Antiseptika behandelt, müssen Jod-freie Alternativen gewählt werden, weil Jod in zu hohen Konzentrationen die Schilddrüsenfunktion des Babys beschädigt. Gut geeignet sind z.B. Octenisept-Sprays aus der Drogerie. Um eine Infektion der wunden Brustwarzen zu vermeiden, soll man vor dem Anfassen der Brust immer gründlich Hände waschen.

Wenn nur eine Brust betroffen ist, kann man das Kind zuerst an der gesunden Brust anlegen, um den Milchspendereflex dort auszulösen und so die betroffene Brust zu entlasten. Wenn beide Brüste betroffen sind, kann es günstig sein, den Milchspendereflex manuell auszulösen ( (Lauwers & Swisher, 2017, S. 382; mehr Infos zum Handentleeren im Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch).

Zur Pflege wunder Brustwarzen empfiehlt man heute die feuchte Wundheilung. Viele Jahre lang wurde die trockene Wundheilung propagiert, d.h. Trocknenlassen an der Luft, Sonnenlicht und ggf. sogar Fönen oder Rotlichtlampe. In der Zwischenzeit hat man jedoch festgestellt, dass durch Austrocknung die Haut einreißt und die Wundheilung sich verzögert. Daher versucht man heute die Feuchtigkeit der Haut zu bewahren. Hierzu gibt es eine Reihe von verschiedenen Mitteln, vor allem Brustwarzensalben und -hütchen sowie Hydrogelkompressen (mehr Infos im Produktguide des Still-Lexikons). Eine Überlegenheit bestimmter Mittel gegenüber anderen konnte bis heute wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Auch das Antrocknen von Muttermilch an der Brustwarze soll die Wundheilung fördern. Viele Naturvölker behandeln Hautirritationen mit Frauenmilch.

Ibuprofen wird empfohlen (Walker, 2017, S. 600), um die Entzündung, die Schwellung und die Schmerzen zu lindern. Die Dosierung sollte hoch genug sein, damit Stillen trotz Schmerzen möglich ist. Sie sollte mit der behandelnden Ärztin, Hebamme oder Laktationsberaterin festgelegt werden. Nicht sinnvoll sind jedoch lokale Betäubungsmittel (z.B. Lidocain-Salben). Diese stören den Milchspendereflex und wirken auch auf das Kind.

Frauen mit schmerzenden, wunden Brustwarzen erhalten oft als Erstes Silikon-Stillhütchen. Die Anwendung von Stillhütchen ist unter Stillförderern allerdings sehr umstritten. Vor allem soll das Risiko von Infektionen unter der Anwendung von Stillhütchen erhöht sein. Einige Stillfachleute vertreten die Ansicht, dass Stillhütchen grundsätzlich mehr schaden als nutzen. Andere gehen pragmatisch vor und empfehlen Stillhütchen, wenn es die Stillbeziehung retten kann. Stillhütchen sollten jedoch erst eingesetzt werden, wenn Stillfachleute die Positionierung und das Anlegen überprüft und ggf. korrigiert haben und diese Maßnahme allein nicht geholfen hat. Das Stillhütchen sollte in einer Größe gewählt werden, welche zur Brustwarze der Mutter und zum Mund des Babys passt. Außerdem müssen die Stillhütchen regelmäßig gründlich gereinigt werden, um das Infektionsrisiko zu reduzieren.

Halten die Schmerzen auch zwischen den Stillmahlzeiten an, heilt die Wunde trotz richtigen Anlegens und Saugverhaltens seitens des Kindes nicht ab, dann besteht der Verdacht auf eine Infektion mit Bakterien ggf. gemischt mit Pilzen. Infektionen bedürfen ärztlicher Behandlung. In diesen Fällen sollte der Arzt vor dem Therapiebeginn Material zur mikrobiologischen Untersuchung entnehmen, um die geeignete Therapie auswählen zu können. Der kanadische Kinderarzt und Laktationsberater Dr. Jack Newmann empfiehlt eine Salbe zur Behandlung wunder Brustwarzen (all-purpose nipple ointment, APNO) aus einem lokalen Antibiotikum (Mupirocin), aus einem Glukokortikoid zur Behandlung von Entzündung und Schmerzen (Betamethason) und einem Antipilzmittel (Miconazol)(für 30 g Salbe 15 g 2% Muporicin, 15 g 0,1% Betamethason und Miconazol-Pulver für eine Endkonzentration von 2%). In den USA und Kanada ist die APNO-Salbe weit verbreitet und allgemein akzeptiert. Sie enthält sowohl ein Antibiotikum gegen Bakterien als auch ein Antipilzmittel, weil bei wunden Brustwarzen häufig Mischinfektionen vorliegen. Diese Salbe wird nach jedem Stillen sparsam auf die Brustwarzen aufgetragen, sodass sie von der Haut absorbiert wird. Sie darf nicht abgewaschen oder abgewischt werden, weil das die Haut zusätzlich strapaziert. Für das Baby ist die Salbe nicht gefährlich. Sie wird in der Regel 2-3 Wochen lang angewendet.

Liegen Anzeichen von Impetigo vor (nässende Bläschen, Pusteln, Erosionen mit gelben bis braunen Krusten), ist Eiter sichtbar oder breitet sich die Entzündung aus, reicht eine oberflächliche (topische) Behandlung mit Antibiotika nicht mehr aus (Walker, 2017, S. 593): Es werden Antibiotika zum Einnehmen (oral) empfohlen, um die Ausbreitung der Entzündung auf die Brust (Mastitis) und die Entstehung eines Abszesses zu verhindern. Antibiotika, mindestens 14 Tage lang genommen und anhand der Bakterienkulturen ausgewählt, bekämpfen die Infektionen und die Schmerzen. Bei Verdacht auf Candida albicans-Infektionen wird Miconazol (2%) empfohlen.

Ist bei wunden Brustwarzen Abstillen oder eine Stillpause erforderlich?

Es ist nachvollziehbar, dass von wunden Brustwarzen betroffene Frauen das Abstillen in Erwägung ziehen. Sie fragen sich, ob das Weiterstillen die Schädigung der Brustwarzen verschlimmert / das Heilen verhindert oder ob das Baby schaden nehmen kann, wenn es Blut oder sogar Eiter schluckt. Auch Mediziner wollen betroffenen Frauen mitunter „helfen“, indem sie ihnen Medikamente für Abstillen verschreiben. Dabei lassen sich wunde Brustwarzen in den allermeisten Fällen effektiv behandeln, ein Abstillen ist nicht nötig. Nach der Überwindung der schwierigen Anfangszeit können Mutter und Kind über viele Monate bis Jahre eine glückliche und gesunde Stillzeit genießen. Betroffene Frauen können beruhigt sein, dass das Baby durch das Schlucken von Blut keinen Schaden nimmt. Es kann sein, dass es vorübergehend Blut spuckt oder schwarzen Stuhl bekommt. Diese Symptome gehen vorüber, sobald die Brustwarzen heilen. Eine eventuelle Infektion mit Bakterien oder Pilzen kann mit Antibiotika bzw. Antimykotika behandelt werden. Der behandelnde Arzt kann ein stillverträgliches Medikament auswählen. Das Weiterstillen unter der Einnahme von Medikamenten ist im Vergleich zum Abstillen das deutlich kleinere Übel (siehe auch den Artikel Arzneimittel und Stillen).

Die Beschädigung der Brustwarzen beim Stillen findet nur statt, solange die Brustwarzen unphysiologisch beansprucht werden. Nach der Korrektur des Anlegens heilen die Brustwarzen trotz (häufigem) Weiterstillen ab. Das regelmäßige Stillen / Entleeren der Brust soll sogar die Wunde reinigen und das Infektionsrisiko vermindern (Wilson-Clay & Hoover, 2013, S. 54).

Es gibt Situationen, in denen das ungünstige Anlegen oder das falsche Saugmuster seitens des Kindes nicht gleich behoben werden können, z.B. weil die Frau auf die Schnelle keine kundigen Fachleute findet oder weil anatomische Besonderheiten ein optimales Saugen vorübergehend nicht erlauben. In diesen Fällen kann eine Stillpause sinnvoll sein, um die Brustwarzen nicht weiter zu beschädigen. Manchmal ist es die schiere Angst vor Schmerzen, die dem direkten Stillen im Weg steht. Angst und Schmerzen können den Milchspendereflex blockieren. Dann sollte die Brust anders – manuell oder per Pumpe – entleert werden. Idealerweise dauert die Stillpause nicht länger als einzelne Stillmahlzeiten oder Tage (Lauwers & Swisher, 2017, S. 382, 386 und Wambach & Riordan, 2016, S. 282).

Es stellt sich die Frage, auf welche Weise die Milchbildung der Mutter während der Stillpause aufrechterhalten bzw. gesteigert wird und wie das Baby in dieser Zeit ernährt werden soll. Idealerweise wird das Baby auch während der Stillpause mit Muttermilch ernährt. Wenn die Mutter noch nicht genug Milch bildet, kann vorübergehend Säuglingsmilch zugefüttert werden. Die Zufütterung soll nicht mit der Flasche erfolgen, weil dies das spätere Stillen erschweren kann. Die Eltern können einen Becher aus dem Haushalt nehmen oder spezielle Trinkbecher für Säuglinge besorgen. Die Fütterung sollte am besten immer direkt neben der nackten Brust der Mutter stattfinden, damit das Baby Wohlbefinden und Milch mit dem Duft und dem Anblick der Brust verbindet. Sehr viel direkter Haut-zu-Haut-Kontakt auch in der Zeit der Stillpause hilft die Milchbildung zu steigern/aufrechtzuerhalten. Bildet die Frau wenig Milch, kann sie nach der Becherfütterung mit dem Brusternährungsset oder der Ernährungssonde zufüttern (mehr Infos im Artikel Muttermilch oder Säuglingsmilch stillfreundlich füttern). Möchte die Frau mit der Flasche füttern, dann soll sie bei der Flaschenfütterung und der Wahl der Flasche und des Saugers stillfreundliche Gesichtspunkte berücksichtigen, um das Risiko einer Saugverwirrung zu verringern (siehe den Abschnitt Flaschenfütterung von gestillten Säuglingen).

Um die Milchbildung während der Stillpause aufrechtzuerhalten und ggf. zu steigern, muss die Brust in regelmäßigen Abständen entleert werden, mindestens 8- bis 12-mal in 24 Stunden an beiden Brüsten gleichzeitig für etwa 15 Minuten mit einer hochwertigen Klinikmilchpumpe mit Doppelpumpset (Lauwers & Swisher, 2017, S. 386). Sehr schonend ist die manuelle Entleerung der Brust. Die höchste Milchmenge wird jedoch durch eine Kombination aus Handentleeren und Pumpen mit einer hochwertigen Klinikmilchpumpe mit Doppelpumpset erzielt (mehr Infos im Beitrag Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch). Es gibt spezielle elektrische Milchpumpen zur Schonung wunder Brustwarzen. Bei allen hochwertigen Pumpen kann man das Vakuum individuell einstellen, sodass die Frau unterhalb der Schmerzgrenze pumpen kann. Am Anfang sollte die Pumpe mit dem niedrigsten Vakuum eingestellt werden, um Schmerzen zu vermeiden. Mit der Zeit kann die Frau das Vakuum bis unterhalb ihrer Schmerzgrenze steigern. Manche Frauen empfinden es hilfreich, den Pumptrichter mit einer kleinen Menge Öl einzuschmieren.

Zur Steigerung der Milchbildung wird bei Frauen mit intakten Brustwarzen häufig empfohlen, weiterzupumpen, nachdem keine Milch mehr fließt. Im Falle von wunden Brustwarzen ist diese Empfehlung jedoch nicht sinnvoll, weil das Trockenpumpen die Brustwarzen stark beansprucht. Zur Steigerung der Milchbildung sollte die Brust lieber öfter und vor allem auch mit der Hand gründlich entleert werden (mehr Infos zur Steigerung der Milchbildung im Beitrag Die Milchmenge steigern: Wie man mehr Milch bilden kann). Frauen, bei denen die Milchbildung bereits gut aufgebaut ist, können während der Stillpause auch mit einer Handpumpe ihre Milch gewinnen.

Um zum Stillen zurückzukehren, kann die Mutter bei jeder zweiten bis dritten Mahlzeit wieder direkt stillen und die Häufigkeit der Mahlzeiten an der Brust entsprechend ihrer Toleranzgrenze zunehmend steigern.

Um wunden Brustwarzen vorzubeugen und die Heilung zu fördern, wird auch heute noch oft empfohlen, die Dauer einer Stillmahlzeit auf 10 oder 20 Minuten zu beschränken. Zu beachten ist jedoch, dass sich eine Unterbrechung der Stillmahlzeit, bevor das Kind das Trinken beendet hat, negativ auf die Milchmenge auswirkt: Das Kind bekommt zu wenig und vor allem zu wenig fettreiche Milch. Die Milchbildung der Mutter vermindert sich außerdem, wenn die Brust nicht gründlich entleert wird. Statt auf die Dauer der Stillmahlzeit sollte man auf das gute (tiefe) Anlegen und die Effektivität des Milchtransfers achten, damit die Brustwarzen physiologisch beansprucht werden und das Kind zügig trinken kann. Auf der anderen Seite heißt das nicht, dass das Baby uneingeschränkt an der Brust weiternuckeln darf. Babys tendieren dazu, an der Brust ohne oder mit halbherzigem Vakuum weiterzunuckeln, wenn sie satt sind und eindösen. Dann ziehen sie die Brustwarze nicht mehr tief in den Mund ein und nuckeln nur noch an der Spitze. Das ist sehr schmerzhaft und beschädigt die Brustwarzen. Wenn das Baby das Trinken an der Brustwarze beendet hat, kann es mit dem kleinen Finger von der Brust abgelöst werden.

Erkrankungen, die mit wunden Brustwarzen in Zusammenhang stehen können

Neben Problemen mit dem Anlegen und dem Saugen gibt es auch weitere mögliche Ursachen für wunde Brustwarzen, die eine ganz andere Behandlung erfordern.

Ausschlag

Frauen mit Neurodermitis und Psoriasis haben ein erhöhtes Risiko, Ekzeme auch an den Brustwarzen zu entwickeln. Die Haut ist gegenüber mechanischen Strapazen in der Stillzeit verletzlicher, auch das Risiko für eine bakterielle oder Hefepilzinfektion ist erhöht, welches durch Antibiotika oder Antimykotika behandelt wird. Psoriasis kann in der Stillzeit aufflammen. Juckreiz und Brennen sind typisch für Ekzeme.

Auch allergische Ekzeme können vorkommen. Typische Allergene in der Stillzeit sind Brustwarzensalben und ab dem zweiten Halbjahr Beikostspuren aus dem Mund des Kindes. Diese allergischen Ekzeme heilen ab, wenn kein Kontakt mehr zu ihnen besteht. Wenn das Kind schon Beikost bekommt, sollte der Mund bei empfindlichen Frauen evtl. nach dem Essen und vor dem Stillen ausgespült werden.

Ist nur eine Brustwarze durch ein langsam wachsendes Ekzem betroffen, sollte das Paget-Karzinom durch eine ärztliche Abklärung ausgeschlossen werden.

Herpes

Auch Herpes-Infektionen an der Brust können in der Stillzeit vorkommen. Zahlreiche, für sich allein stehende Wunden an der Grenze zwischen Brustwarze und Brustwarzenhof oder weiter hinten am Brustwarzenhof können eine Infektion mit dem Virus Herpes simplex darstellen. Auch winzige Bläschen auf einer geröteten, empfindlichen Fläche kann eine Herpes-Infektion sein. Die Frau hat extrem starke Schmerzen. Eine Herpes-Infektion beim Neugeborenen ist sehr gefährlich und kann sogar tödlich verlaufen. Daher darf an der betroffenen Brust nicht gestillt werden, bis die Herpes-Läsionen komplett abgeheilt sind. Jegliche Berührung der Herpes-Läsionen durch das Baby sind zu vermeiden. Die Mutter soll ihre Hände besonders sorgfältig waschen. An der gesunden Brust darf weiter gestillt werden.

Raynaud-Syndrom

Das Raynaud-Syndrom umfasst Durchblutungsstörungen vor allem der Finger (Weißfingerkrankheit) und der Zehen. Weitere Körperteile, wie die Brustwarzen, können ebenfalls betroffen sein. Frauen sind vom Raynaud-Syndrom häufiger betroffen als Männer, ihr Anteil wird auf bis zu 20% zwischen 21 und 50 Jahren geschätzt. Ausgelöst werden die Durchblutungsstörungen in erster Linie durch Kälte. Manche Autoren verbinden die Erkrankung auch mit psychosomatischen Beschwerden.

Die sehr schmerzhaften Vasospasmen der Brustwarzen, welche – je nach Hautton – weißlich bis bläulich verblassen, können eine Ausprägung des Raynaud-Syndroms darstellen. In diesem Fall treten die Beschwerden auch an anderen Körperregionen auf. Schmerzen und Verblassen der Brustwarzen können aber auch andere Ursachen haben, in der Stillzeit vor allem ungünstiges Anlegen oder Saugmuster beim Säugling, wodurch die Brustwarzen mechanisch beschädigt werden. Laut der Autorin und Hebamme Regine Gresens werden Vasospasmen in der Stillzeit weitaus häufiger durch ungünstiges Anlegen und Saugen verursacht als durch das echte Raynaud-Syndrom und können durch die Korrektur des Anlegens wieder behoben werden. Manche Babys neigen dazu, ihr Kiefer beim Stillen zusammenzupressen, wodurch die Blutversorgung der Brustwarzen behindert wird und ein Vasospasmus entsteht. In solchen Fällen hilft oft das zurückgelehnte Stillen, bei dem das Baby selbstständig andockt.

Neben der Korrektur des Anlegens werden Vasospasmen der Brustwarzen mit den gleichen Therapiemaßnahmen behandelt wie beim Raynauld-Syndrom: Meiden von Kälte, Warmhaltung des Körpers und der Brustwarzen (warm anziehen, warme Decken, evtl. Wärmekissen an der Brust). Manche Frauen tauchen ihre Brüste in warmes Wasser, um akute Symptome zu lindern. Koffein und Nikotin ziehen die Blutgefäße zusammen und wirken sich ungünstig aus.

Medikamentös können Vasospasmen der Brustwarzen mit Nifepidin behandelt werden (verschreibungspflichtig). Nifedipin geht kaum in die Muttermilch über und kann auch in der Stillzeit eingesetzt werden. Laut Embryotox ist Nifedipin das Kalziumantagonist der Wahl in der Stillzeit (siehe Link). Als Nahrungsergänzungsmittel werden Kalzium, Magnesium, Vitamin B6 und Omega-Fettsäuren, Lecithin oder Nachtkerzenöl empfohlen (s. auch den Abschnitt Vasospasmus der Brustwarzen im Artikel Schmerzen beim Stillen).

Verstopfung und Entzündung der Montgomery-Drüsen

Wenn die Infektion den Warzenhof und nicht die Brustwarzen betrifft, dann können die Montgomery-Drüsen entzündet sein. Die Montgomery-Drüsen bilden Schmier- und Duftstoffe, um die Brustwarzen zu schützen und für das Baby auffindbar zu machen. Bei einer Verstopfung der Montgomery-Drüsen beobachtet man eine schmerzhafte, entzündete oder infizierte Stelle (gerötete Erhebung oder ein Bläschen mit Flüssigkeit oder Eiter) am Brustwarzenhof. Meist heilen entzündete Montgomery-Drüsen von allein. Gelegentlich werden zusätzliche Maßnahmen erforderlich, wie warme Kompressen oder Antibiotika für die lokale Anwendung oder zum Einnehmen.

Es stellt sich die Frage, wodurch die Montgomery-Drüsen beschädigt wurden. Hier kommen Trichter von Milchpumpen, Stillhütchen, Milchauffangsschalen oder bestimmte Anwendungen an der Brust in Betracht, welche die Drüsen verstopfen oder an ihnen reiben.

Multifaktorielle Dermatitis der Brustwarzen

Wunde Brustwarzen können multifaktorielle Ursachen haben wie Neurodermitis, bakterielle Infektion und Vasospasmen. In solchen komplexen Fällen ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hautärzten und Stillberaterinnen sinnvoll.

Infektionen vom Kind ausgehend

Manchmal infizieren die Kinder ihre Mütter beim Stillen mit pathogenen Mikroorganismen, wie z.B. Staphylokokken oder Soor. Um eine Staphylokokkus-Infektion zu erkennen, entnimmt der Arzt einen Rachenabstrich vom Baby und einen Brustwarzenabstrich von der Mutter und behandelt die Infektion bei beiden mit Antibiotika. Bei Soor müssen ebenfalls sowohl Mutter als auch Kind behandelt werden.

 

Quellen:

  • Lauwers J, Swisher A: Counseling the Nursing Mother. Jones & Bartlett Learning 6. Aufl. 2016, S. 380-387.
  • Gresens R: Intuitives Stillen. Einfach und entspannt, Kösel Verlag 2016.
  • Cadwell K, Turner-Maffei C: Pocket Guide for Lactation Management. Jones & Bartlett Learning 2017, 3. Aufl. S. 52-60.
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Jones & Bartlett Learning, 4. Aufl. 2017. S. 578-600.
  • Wambach K und Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation, Jones and Bartlett Publishers, 5. Aufl., 2016; D. 280-284.
  • Wilson-Clay B, Hoover K: The Breastfeeding Atlas. 5. Aufl. 2013, LactNews Press, S. 51-54.
  • S3-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit 2013.

 


Weitere Online-Publikationen zum Thema:


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Vollständige Überarbeitung: Januar 2017; letzte Ergänzungen: Juni 2017.