Schmerzen beim Stillen

Schmerzen beim Stillen

Stillen kann manchmal mit Schmerzen verbunden sein (© muro)

Schmerzen beim Stillen gehören zu den häufigsten Gründen für vorzeitiges Abstillen: Etwa ein Drittel der Frauen, die das Stillen vorzeitig beendet haben, gaben in einer Untersuchung Schmerzen als wichtigen Abstillgrund an. Der folgende Beitrag zählt die wichtigsten Ursachen für Schmerzen in der Stillzeit auf. Typische Schmerzen am Anfang der Stillzeit und später auftretende Schmerzen werden getrennt besprochen.

Schmerzen am Anfang der Stillzeit

Es gibt Schmerzen, die typischerweise am Anfang der Stillzeit vorkommen und entweder von allein aufhören oder mit kompetenter Unterstützung bald überwunden sind.

In den ersten Tagen nach der Geburt ist Stillen mit Bauchschmerzen verbunden: Diese entstehen durch Kontraktionen der Gebärmutter und fördern deren Rückbildung. Stillen reduziert den Blutverlust und senkt das Risiko von Komplikationen. Nachdem die Gebärmutter zurückgebildet ist, sind diese Schmerzen vorbei: Sie lassen nach wenigen Tagen nach und verschwinden innerhalb weniger Wochen vollständig.

In den ersten Tagen kann Stillen auch bei korrekter Stilltechnik vorübergehend schmerzhaft sein, weil die Brustwarzen aufgrund der besonderen hormonellen Situation nach der Geburt besonders empfindlich sind und sich an das kräftige Saugen durch das Baby noch gewöhnen müssen. Diese typischen Schmerzen in den ersten Tagen sind erträglich und gehen von allein vorüber, die Haut bleibt unverletzt. Sie sind beim Anlegen am unangenehmsten und lassen im Laufe der Stillmahlzeit – meist nach dem Auslösen des ersten Milchspendereflexes, also innerhalb von 10 Sekunden – nach, weil dann die Milch anfängt zu fließen. Deshalb spricht man hier auch von Ansaugschmerzen. Mithilfe einer Brustmassage (nach Marmet oder Plata Rueda) kann der Milchspendereflex vor dem Stillen ausgelöst werden. Dann fließt die Milch gleich beim Anlegen des Babys.

Bleiben die Schmerzen während der ganzen Stillmahzeit bestehen und hören auf, sobald das Baby die Brust loslässt, dann ist das Baby inkorrekt angelegt oder trinkt mit einer ungünstigen Saugtechnik. Hier ist es unabdingbar, das korrekte Anlegen und Saugverhalten des Babys zu überprüfen, da ansonsten die Brustwarzen wund werden können (siehe Das korrekte Anlegen des Babys und den Video-Online-Kurs Gut Anlegen der Hebamme Regine Gresens (kostenpflichtig). Das richtige Anlegen müssen neue Mütter noch erlernen. Damit das Baby effektiv aus der Brust trinken kann, muss es nicht nur die Brustwarze selbst, sondern auch den größten Teil des Warzenhofs mit einsaugen. Dafür sollte das Baby den Mund vor dem Anlegen ganz groß aufmachen. Macht das Baby den Mund nicht richtig auf, kann es die Brust nicht korrekt erfassen. Durch ein oberflächliches Anlegen des Babys wird die Brustwarze zwischen Gaumen und Zunge falsch zusammengedrückt. Dies ist unmittelbar sehr schmerzhaft und kann zu Verletzungen der Brustwarzen und zu lang anhaltenden Schmerzen sowie Infektionen führen (siehe auch Wunde Brustwarzen).

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Ist das Baby inkorrekt angelegt, kann die Mutter es von der Brust nehmen, indem sie im Mundwinkel den kleinen Finger zwischen die Kieferleisten schiebt und auf diese Weise das Saugvakuum löst. Anschließend kann sie das Kind wieder anlegen. Es kann sein, dass dieser Vorgang mehrere Male wiederholt werden muss, bis das Kind korrekt angelegt ist.

Mehr Ursachen für Schmerzen beim Anlegen siehe im Abschnitt Hartnäckige Anlegeprobleme. Sollten sich die heftigen Schmerzen beim Stillen nicht durch die Korrektur des Anlegens beheben, kann es sinnvoll sein, die Milch vorübergehend – bis das Problem behoben ist – abzupumpen und das Kind mit der abgepumpten Milch mithilfe alternativer, stillfreundlicher Fütterungstechniken zu füttern (siehe auch Stillschwierigkeiten im Frühwochenbett).

Schmerzhafter Milchspendereflex: Die meisten Frauen können den ersten Milchspendereflex, bei dem feine Muskelkontraktionen die Milch Richtung Brustwarze treiben, spüren, die nachfolgenden Milchspendereflexe sind meist nicht spürbar (siehe hier mehr zum Milchspendereflex). Er wird oft als Ziehen, Wärme, Kribbeln oder leichter Druck in der Brust beschrieben und ist in aller Regel ein angenehmes oder neutrales Gefühl. Manche Frauen empfinden ihn vorübergehend als unangenehm oder als leicht schmerzhaft. Meist spürt man den Milchspendereflex an der zweiten Brust, die gerade pausiert, deutlich stärker als an der gerade stillenden Brust. Vielfach lassen auch diese Schmerzen im Laufe der Wochen nach und verschwinden mit der Zeit von alleine. Ein Milchspendereflex, der Weh tut, kann auch ein Symptom anderer Probleme sein (z.B. für zu viel Milch, Milchstau oder Brustentzündung, siehe unten).

Später auftretende, lang anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen beim Stillen

Einer Untersuchung zufolge leiden zwei Monate nach der Geburt etwa 20% der stillenden Mütter unter Schmerzen. Die Diagnostik und die Therapie solcher anhaltenden, wiederkehrenden oder neu auftretenden Schmerzen gehören zu den komplexesten Herausforderungen in der Stillberatung. Sie erfordern häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hebammen, Stillberaterinnen, Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen (Frauen-, Allgemein-, Kinder-, Hautärzte usw.) und weiteren Therapeuten (wie z.B. Osteopathen oder Psychotherapeuten). Unter den Hebammen und Stillberaterinnen können häufig diejenigen mit der Zusatzqualifikation IBCLC am ehesten weiterhelfen, weil sie in persönlichen Beratungen eine genaue Diagnostik mit körperlicher Untersuchung durchführen und auch bei einer erforderlichen Medikation beraten können. In unserem IBCLC-Verzeichnis finden Sie Kontaktadressen.

Mögliche Ursachen von anhaltenden, neu auftretenden und/oder wiederkehrenden Schmerzen:

  • ungünstiges Anlegen des Babys: Manche Mutter-Kind-Paare praktizieren über längere Zeit hinweg ein ungünstiges Anlegen. Zwar trinkt das Baby, aber nicht effektiv und das Stillen ist schmerzhaft. Durch die Korrektur des Anlegens und eine Behandlung eventueller Infektionen lassen die Schmerzen nach.
  • Verletzungen durch Milchpumpen: In einer Untersuchung gaben 15% von pumpenden Müttern an, dass das Pumpen Verletzungen an der Brustwarze verursacht hat. Der Pumptrichter muss zur Brustwarze passend gewählt und richtig positioniert werden. Das Vakuum soll unterhalb der Schmerzgrenze eingestellt werden. Wenn der Milchfluss nachgelassen hat, sollte nicht mehr ausgiebig gepumpt werden (evtl. noch 2-5 Minuten, wenn die Milchmenge noch gesteigert werden soll, aber nicht länger).
  • anatomische Besonderheiten im kindlichen Mundbereich und/oder abnormales Saugmuster seitens des Babys: Die Fähigkeit eines Babys, an der Brust korrekt anzudocken und zu saugen, hängt von zahlreichen Faktoren ab: u.a. von der Mund- und Kieferanatomie, vom neurologischen Reifegrad des Neugeborenen (z.B. im Falle von Frühgeburten) oder vom Muskeltonus. Babys mit Reflux, Atmungsproblemen, mit einem niedrigen Muskeltonus, neurologischen Problemen oder angeborenen Anomalien haben ein hohes Risiko für abnormales Saugen. Hier ist die Unterstützung von Laktationsberaterinnen sowie Kinderärztinnen erforderlich, die Milchbildung muss ggf. durch Abpumpen/Handentleeren aufgebaut und aufrechterhalten werden, damit das Kind mit Muttermilch ernährt werden kann.
  • Zu kurzes Zungenbändchen: Eine vergleichsweise häufig auftretende anatomische Besonderheit ist das zu kurze Zungenbändchen. Dieses behindert die Beweglichkeit der Zunge, wodurch das Baby die Brust nicht korrekt ausmelken kann. Stillen ist schmerzhaft und das Baby andererseits kann nicht korrekt saugen und effektiv trinken. Mehr dazu im Artikel verkürztes Zungenbändchen.
  • anatomische Besonderheiten der Brustwarzen: besondere Brustwarzenformen können das effektive Saugen erschweren. Manchmal ist die Brustwarze zwar normal geformt, aber ihre Größe passt nicht zum Mund des Kindes, weil sie zu groß oder zu klein ist. Hier können verschiedene Stillpositionen ausprobiert werden. Wenn das Anlegen auch unter professioneller Unterstützung nicht gelingt, helfen manchmal Stillhütchen. Stillen mithilfe eines Brusternährungssets oder einer Sonde kann in solchen besonderen Situationen ebenfalls dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern, weil die Milch gut läuft und die Brustwarzen entlastet werden.
  • Saugverwirrung: Eine falsche Saugtechnik und dadurch Schmerzen beim Stillen können auch durch eine Saugverwirrung entstehen. In diesen Fällen hat das Baby bereits die Flasche erhalten und das Saugen an der Flasche erlernt, was sich vom Saugen an der Brust prinzipiell unterscheidet. Auch hier ist es wichtig, dass das Baby den Mund vor dem Andocken ganz groß aufmacht, damit es die Brustwarze korrekt erfassen kann. Beim Fläschchen ist dies nicht erforderlich. Mehr dazu im Artikel Das Baby von der Flasche an die Brust gewöhnen.
  • Baby beißt an der Brust bzw. drückt seine Kiefer zusammen: Dieses Verhalten kann verschiedene Ursachen haben, wie u.a. ein gebrochenes Schlüsselbein, Schiefhals, Geburtstrauma vom Hals, Schädel oder des Gesichts, Kieferasymmetrie, Ablehnung der Brust (z.B. aufgrund von Forcieren), tonischer Bissreflex, verstopfte Nase, Reaktion auf einen starken Milchspendereflex und Zahnen (mehr dazu im Artikel Beißen beim Stillen).
  • Zu viel Milch: Zu viel Milch kann zu unangenehmen Spannungen und Schmerzen in der Brust und der Brustwarze führen und erhöht das Risiko von Milchstau und Brustentzündungen. Zu viel Milch kann auch mit Schmerzen beim Milchspendereflex einhergehen. Ist das Baby vom schnellen Milchfluss überfordert, quetscht es manchmald die Brustwarze zusammen (mit der Zunge oder dem Kiefer), was sehr schmerzhaft ist. Mehr dazu im Artikel Zu viel Milch.
  • Milchstau: Auch bei einem Milchstau treten Schmerzen auf, weil der Milchfluss behindert wird. Ein Teil der Brust verhärtet sich und kann extrem Weh tun.
  • Milchbläschen: ein überhäutetes weißes bis gelbliches Bläschen an der Brustwarze, das meist mit einem Milchstau einhergeht und heftige stechende Schmerzen verursachen kann. Zuerst ist das Milchbläschen nur direkt nach dem Stillen, anschließend permanent sichtbar.
  • Mastitis: Des Weiteren ist die Brustentzündung (Mastitis) eine häufige Ursache von Schmerzen während der Stillzeit. Als eine schwerwiegende Komplikation entwickelt sich mitunter ein Abszess.
  • Ungleichgewicht von Hautkeimen (Dysbiose / subklinische Mastitis): Manche Autoren zählen ein Ungleichgewicht von normalerweise auf der Haut vorkommenden Keimen zur Brustentzündung (Mastitis), andere Autoren bilden eine eigene Kategorie. Denn die eigentliche Entzündung soll sich bei einer Mastitis im umliegenden Gewebe, nicht in den Milchgängen stattfinden, während die Dysbiose nur die Milchgänge betrifft. Daher spricht man bei der Dysbiose auch von einer Milchgangsentzündung. Bei einer Dysbiose vermehren sich bestimmte Bakterienstämme – mitunter zusammen mit Candida-Stämmen –, die auch normalerweise zur Hautflora gehören, übermäßig stark und bilden einen Biofilm. Die Milchgänge verengen sich, das Epithelium der Milchgänge entzündet sich. Ein Ungleichgewicht von Hautkeimen macht sich durch beidseitige dumpfe, tiefe, brennende Brustschmerzen, Schmerzen während und nach dem Stillen (scharfe, stechende Schmerzen während des Milchspendereflex) und Druckschmerzen insbesondere auf der Unterseite der Brust bemerkbar. Ansonsten sieht die Brust unauffällig aus. Wiederkehrende Milchstaus, Schwellung, zu viel Milch und Risse an den Brustwarzen können mit diesem Zustand einhergehen. Diese Erkrankung kann mit Probiotika für die laktierende Brust und Probiotika behandelt werden, um das bakterielle Gleichgewicht wieder herzustellen.
  • Vasospasmus der Brustwarze (weiße Brustwarzen): Ein Vasospasmus wird durch ein Verblassen der Brustwarzen zu Blau oder Weiß (abhängig vom Hautton) sowie scharfe, stechende oder brennende Schmerzen bis tief in die Brust charakterisiert. Schmerzen direkt nach dem Stillen, wenn die Brustwarze aus dem warmen Mund des Babys an die kühle Luft kommt, sind typisch. Vasospasmen treten selten direkt nach der Geburt of, typischerweise erst nach Wochen bis mehreren Monaten. Die Blutgefäße in der Brustwarze verengen sich, wodurch es zu einer Minderdurchblutung der Brustwarzen kommt. Betroffene Frauen haben oft auch kalte Füße und Hände. Frauen mit einer Diagnose von rheumatoider Arthritis oder Raynaud-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko für Vasospasmus der Brustwarzen. Vasospasmen der Brustwarzen wurden auch als Nebenwirkung von Beta-Blockern beschrieben, die gegen Bluthochdruck z.B. in der Schwangerschaft eingenommen wurden. Die nicht-medikamentösen Maßnahmen umfassen bei Vasospasmen die Überprüfung des Anlegens (durch eine Optimierung des Anlegens kann das Problem manchmal bereits gelöst werden), den Verzicht auf (Passiv)Rauchen und koffeinhaltige Getränke sowie die Überprüfung von ggf. eingenommenen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln mit möglicher gefäßverengender Wirkung. Die Brustwarzen sollten als eine zentrale Therapiemaßnahme stets warm gehalten werden. Als Nahrungsergänzungsmittel zur Therapie werden Kalzium, Magnesium, Vitamin B6 und Omega-Fettsäuren, Lecithin oder Nachtkerzenöl empfohlen. Es wird empfohlen, sowohl Magnesium (1000 mg pro Tag) als auch Kalzium (2000 mg pro Tag) einzunehmen, aber nicht gleichzeitig, sondern das eine Mittel morgens, das andere abends. Vasospasmen treten oft auf, wenn die Frauen während der Schwangerschaft hochdosiertes Magnesium genommen und es nach der Geburt abrupt abgesetzt haben. In einem solchen Fall kann es hilfreich sein, weiter Magnesium und auch Kalzium zu nehmen und es nur langsam auszuschleichen. Mit den bisher genannten Therapiemaßnahmen lässt sich Schmerzfreiheit in den meisten Fällen erreichen. Oft nehmen die Schmerzen allmählich nach mehreren Wochen ab. In hartnäckigen Fällen kann das verschreibungspflichtige Medikament Nifedipin eingesetzt werden. Dieses wirkt gefäßerweiternd und ist für die Behandlung des Raynaud-Syndroms zugelassen. Auch unter Nifedipin dauert es mehrere Tage, bis eine deutliche Besserung eintritt. Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollten stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt genommen werden.
  • Pilzinfektion (Soor) der Brustwarze und/oder der Milchgänge mit Candida: Soor tritt meist nicht unmittelbar nach der Geburt, sondern oft nach einer problemlosen Stillperiode auf. Typisch sind sehr starke Schmerzen im Vergleich zu ansonsten eher unauffälligen Brustwarzen. Die Schmerzen treten typischerweise mit Beginn der Stillmahlzeit auf und halten bis nach der Stillmahzeit an. Vasospasmus und Soor treten öfter gleichzeitig auf. Denn die Minderdurchblutung der Brustwarzen durch Vasospasmus begünstigt die Entwicklung von Soor. Mehr darüber im Artikel Soor-Infektion.
  • Virusinfektion der Brustwarze mit Herpes simplex oder Herpes zoster: Diese Infektionen können unter anderem auch die Brust betreffen. In einem solchen Fall darf man an der betroffenen Seite nicht stillen, weil auch das Kind angesteckt werden kann. Auch die gewonnene Muttermilch muss verschüttet werden, bis die Infektion ausheilt.
  • Psoriasis: Eine Psoriasis kann während der Stillzeit (typischerweise vier bis sechs Wochen nach der Geburt) oder als Reaktion auf Verletzungen der Brustwarze durch suboptimales Anlegen aufflammen.
  • Ausschlag:
    • atopische Ekzeme können auch in der Stillzeit vorkommen und die Brust betreffen.
    • Kontakt-Dermatitis und Allergien: Überempfindlichkeit gegen Reibung an der Kleidung, Unverträglichkeit gegen bestimmte Stilleinlagen, Überempfindlichkeitsreaktion bei Kontakt zur Beikost bei älteren Stillkindern oder bestimmten Medikamenten, die das Baby über den Mund einnimmt, Allergien gegen Brustwarzensalben (recht häufig bei Lanolin) usw.
  • Infektionen von Verletzungen oder Ekzemen: Sowohl durch ungünstiges Anlegen/Saugen entstandene Verletzungen als auch Ekzeme anderer Ursachen können durch Bakterien (Staphylococcus aureus) infiziert werden. Typisch sind nicht abheilende Entzündungen und Fissuren, nässende Bläschen und gelbe Krusten. Bakterielle Infektionen werden mit topischen oder oralen Antibiotika behandelt.
  • (Postnatale) Depression: Schmerzen beim Stillen und Depressionen treten häufig gemeinsam auf. Betroffene Patientinnen profitieren neben der Behandlung von Schmerzen auch von einer Psychotherapie.
  • Verspannte Brustmuskulatur (Mammary Constriction Syndrome): Eine relativ neue Entdeckung von Edith Kernerman, IBCLC. Hier führen Verspannungen in den Schultern oder im Brustkorb zu Verspannungen der Brustmuskulatur. Dieser drückt auf die Blutgefäße, welche die Brust und die Brustwarzen versorgen. Durch die Minderdurchblutung entstehen dann die Schmerzen. Diese Verspannungen können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. eine ungünstige Stillposition oder Angst vor Schmerzen beim Stillen. Auch sonstige orthopädische oder muskuloskelettäre Ursachen können zu diesen Verspannungen führen, die auch außerhalb der Stillzeit auftreten können. Auch hier helfen eine gute Positionierung an der Brust und Entspannungsübungen. Zusätzlich können die Muskeln durch eine zielgerichtete Massage gelockert werden. Mehr zum Mammary Constriction Syndrome und der Brustmassage hier.
  • Schwangerschaft: Tritt eine erneute Schwangerschaft auf, werden die Brustwarzen bei manchen Frauen empfindlicher, sodass das Stillen unangenehm wird. Das muss sich nicht gleich zu Beginn der Schwangerschaft bemerkbar machen, sondern manchmal erst im Laufe der Wochen und Monate. Nicht immer wissen Frauen, dass sie schwanger sind, und daher werden oft auch Vasospasmen und Soor als Ursache für die Schmerzen  in Erwägung gezogen. Im Gegensatz zu diesen Ursachen tut die Brustwarze während einer erneuten Schwangerschaft nicht mehr Weh, wenn das Baby die Brust losgelassen hat. In einer erneuten Schwangerschaft empfinden viele Frauen ein bisher ungekanntes ablehnendes Gefühl gegenüber dem Stillen.
  • Allodynie / funktionelle Schmerzen: Allodynie ist eine schmerzhafte Reaktion auf Reize, die normalerweise keine Schmerzen verursachen, wie bloße Berührungen. Bei betroffenen Frauen verursacht die Reibung von Kleidung, Stilleinlagen oder das Abtrocknen der Brustwarzen bereits unerträgliche Schmerzen. Allodynie der Brust kann isoliert oder zusammen mit anderen Schmerzerkrankungen vorkommen.

Geeignete Schmerzmittel und weitere Medikamente in der Stillzeit

Falls erforderlich, können bei Schmerzen in der Brust auch Schmerzmittel eingenommen werden. In der Stillzeit sind Ibuprofen und Paracetamol geeignete Schmerzmittel, nicht jedoch Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin oder Ass), welche in der Stillzeit nicht eingenommen werden sollte (bei einer einzelnen Tablette ist jedoch keine Stillpause erforderlich). Nebenwirkungen bei Säuglingen bei der Einnahme von Ibuprofen oder Paracetamol durch die stillende Mutter wurden nicht beobachtet. Diese beiden Wirkstoffe sind auch bei Säuglingen Mittel der Wahl, falls diese Schmerzen oder Fieber haben. Bei therapeutischer Gabe bis 1600 mg / Tag ist Ibuprofen in der Muttermilch nicht einmal nachweisbar. In vielen Fällen ermöglicht die Einnahme dieser Schmerzmittel erst das Weiterstillen.

Das Gleiche gilt auch bei weiteren Medikamenten wie Antibiotika. Durch die Einnahme geeigneter Medikamente, welche die zugrunde liegenden Krankheiten effektiv behandeln, kann das Stillen aufrechterhalten werden. Bei der Auswahl der in der Stillzeit geeigneten Medikamente sind die üblichen Arzneimittelinformationen (Beipackzettel, Rote Liste usw.) wenig geeignet, da sie von der Anwendung in der Stillzeit meist pauschal abraten. Die Arzneimittelhersteller schützen sich durch diese generelle Warnung vor möglichen Klagen bei einer für sie unbedeutenden, kleinen Zielgruppe, die gleichzeitig besonders viel Aufmerksamkeit erfordert. Mehr über Medikamente in der Stillzeit und geeignete Nachschlagewerke finden Sie im Artikel Arzneimittel und Stillen.

Quellen:

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  • Wilson-Clay B, Hoover K: The Breastfeeding Atlas, 2013
  • Wiessinger D, West D, Pitman T: The womanly art of breastfeeding. La Leche League International. 8. Aufl. 2010. S. 418.
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  • Schaefer C, Spielmann H, Vetter K: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit. Urban und Fischer. 7. Aufl. (2006)
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Using the Evidence. Jones and Bartlett Pubishers, 2014. und 2016 (S. 591).

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2019. Letzte Ergänzungen: September 2019.