Das korrekte Anlegen des Babys

Die Hebamme kontrolliert das richtige Anlegen

Die Hebamme kontrolliert das richtige Anlegen

Der Saugreflex ist bei Säuglingen zwar angeboren, aber sowohl die Mutter als auch das Neugeborene müssen das Stillen erst kennenlernen und einüben. Der folgende Artikel zeigt, wann und wie das Baby optimal angelegt und wie der effektive Milchtransfer erkannt wird.

Inhaltsübersicht:

In der Neugeborenenzeit ist das korrekte Anlegen für das Still-Paar eine kleine Herausforderung. Daher wird es bei den ersten Anlegeversuchen idealerweise durch kompetentes Fachpersonal in der Klinik und zu Hause unterstützt.

Wann anlegen?

Im Zuge des Industrialisierung hat sich die zweifelhafte Vorstellung durchgesetzt, dass auch die Säuglinge nach der Uhr – etwa alle 4 oder alle 3 Stunden – angelegt werden sollten, was oft dazu führte, dass die Milchmenge nicht zu reichen schien und die Mütter verfrüht abstillten. Die Bedeutung des Stillens nach Bedarf wurde in den letzten Jahrzehnten erkannt. Jedoch wurde vielfach erst das Weinen des Babys als Hungersignal betrachtet. Es ist allerdings nicht unbedingt einfach, ein bereits aufgebrachtes Baby an die Brust zu bringen. Der beste Zeitpunkt zum Anlegen ist, wenn das Neugeborene dabei ist, langsam aufzuwachen bzw. schon aufgewacht ist und erste Anzeichen von Hunger zeigt.

Anzeichen von Hunger

Frühe Hungerzeichen:

Man kann das Baby bereits bei ersten Hinweisen auf Hunger an die Brust bringen:

  • schnelle Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern im Halbschlaf
  • Zucken der Augenlider, bevor sie sich öffnen
  • saugende Bewegungen der Lippen oder Sauggeräusche
  • Schlecken an den Lippen, Schmatzen, Mundbewegungen
  • leicht herausgestreckte Zunge

Aktive Hungerzeichen:

Baby stopft Faust in den Mund

Hunger! Je öfter das Baby die Hand zum Mund führt, umso stärker ist der Hunger.

Im nächsten Schritt zeigt das Baby bereits aktive Hungerzeichen. Es wird in diesem Stadium die Brust gut nehmen.

  • Hand/Finger im Mund
  • allgemeine Unruhe
  • Bewegen von Armen und Beinen,
  • Wimmern, Quietschen
  • nickende Suchbewegungen mit dem Kopf

Späte Hungerzeichen:

Baby schreit vor Hunger

Immer noch keine Milch? Nun schreit das kleine Baby. (© Jaromar Chalabala)

  • Erhöhung der Atemfrequenz und der Körperspannung
  • Schreien

Werden die frühen und aktiven Hungerzeichen verpasst, gerät das Baby in einen Alarmzustand. In diesem Zustand kann ein kleines Baby schon zu hektisch und aufgebracht sein, um die Brust gut nehmen zu können. Es muss evtl. zuerst beruhigt werden. In manchen Fällen muss das Baby zuerst mit einem Löffel oder Becher gefüttert werden, bis es sich soweit beruhigt hat, dass es an die Brust angelegt werden kann.

Ein neugeborenes Baby sollte mindestens 8- bis 12-mal in 24 Stunden gestillt werden. Dabei ist es nicht sinnvoll, gleichmäßige Intervalle einzuhalten, sondern die Signale des Baby sollten beachtet werden. Das Baby darf 10 Minuten oder auch 4 Stunden nach dem letzten Stillen wieder angelegt werden, wenn es erste Anzeichen von Hunger oder jegliche Unruhe zeigt.

Das Baby gut anlegen

Mutter stillt ihr Baby Haut an Hautin zurückgelehnten Position

In den ersten Tagen und Wochen ist das zurückgelehnte Stillen eine ideale Stillposition. (© Kati Molin)

In den ersten Tagen und Wochen ist zum Anlegen das so genannte zurückgelehnte Stillen („Laid-back-Nursing“ / „Biological Nurturing“) ideal, weil in dieser Stillposition das Baby die Führung übernimmt und anhand seiner angeborenen Reflexe selbständig andockt (siehe den Abschnitt „Laid-back-Nursing“ im Artikel Stillpositionen). Bei diesem zurückgelehnten Stillen ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung erforderlich, es geht um die Gestaltung von Rahmenbedingungen: Mutter und Baby sollen gut abgestützt sein, sich entspannen und wohlfühlen können. Wichtig dabei ist die Bauchlage des fast nackten Babys auf dem nackten Oberkörper der Mutter, denn nur dann kann das Baby mithilfe seiner Reflexe und dem Gewicht seines Kopfes die Brust selbstständig erfassen. Hier ist zunächst Geduld gefragt: Das Baby braucht Zeit, bis es die Brustwarze korrekt geortet und erfasst hat.

Baby asymmetrisch angelegt

In der modifizierten Wiegehaltung hält die Mutter das Köpfchen des Babys in ihrer Hand und kann es auf diese Weise am besten führen. (© vitalinka)

Nicht immer ist allerdings Stillen in der zurückgelehnten Stillposition möglich. Bei aufrechten Stillpositionen muss die Mutter die Führung übernehmen. In der Neugeborenenperiode eignet sich unter den aufrechten Stillpositionen die modifizierte Wiegehaltung sehr gut: Hier hält die Mutter das Köpfchen des Babys in der Hand und kann es auf diese Weise am besten führen. Die Mutter nimmt eine gut abgestützte, bequeme und stabile Position ein, in der sie sich auch längere Zeit entspannt und wohl fühlt. Das Baby wird mithilfe von Stillkissen ebenfalls gut abgestützt und stabil auf Brusthöhe gebracht. Bei aufrechten Stillpositionen eignen sich feste Stillkissen am besten, die nicht nachgeben bzw. absacken (siehe Welches Stillkissen ist sinnvoll).

Die Mutter berührt mit ihrer Brustwarze die Lippen des Babys

Die Mutter berührt oder streichelt mit ihrer Brustwarze die Haut oberhalb der Lippen des Babys, damit es den Mund groß aufmacht und andockt.

Das Baby liegt Bauch an Bauch zur Mutter, mit an die Mutter ganz nah anliegenden Oberschenkeln. Die Brustwarze der Mutter liegt etwas oberhalb der Oberlippen vom Baby, auf der Nasenhöhe. Um das Andocken zu initiieren, berührt und streichelt die Mutter die Haut oberhalb der Oberlippe des Babys mit ihrer Brustwarze. Dieser sanfte Reiz sowie der charakteristische Duft der Brustwarze regen das Baby dazu an, den Kopf Richtung Brustwarze zu drehen und den Mund aufzumachen. Zum Andocken neigt das Baby den Kopf leicht nach hinten. Idealerweise berühren die untere Lippe sowie das Kinn die Brust zuerst. Wenn das Baby den Mund weit öffnet (wie zum Gähnen), dann zieht die Mutter es am Schultergürtel schnell an die Brust heran, das Baby dockt reflexartig an.

Zeichnung asymmetrisches Anlegen

Die Brustwarze ist auf der Höhe der Nase. Um die Brustwarze gut zu erfassen, muss das Baby den Kopf etwas nach hinten legen und den Mund groß aufmachen. Zuerst berührt das Kinn die Brust. So ist das Baby etwas asymmetrisch angelegt: Vom Oberen Teil des Brustwarzenhofs ist mehr sichtbar als vom unteren. Das Baby wird viel Brustgewebe erfassen und gut trinken können. [modifiziert nach Rebecca Glover]

Der Kopf darf nicht gedrückt oder festgehalten werden, das stört das Andocken. Um den Kopf zu stützen, kann die Mutter die Schädelbasis des Kindes unterhalb der Ohren mit ihrem Daumen und ihrem Zeigefinger festhalten. Die anderen Finger und der Handballen stabilisieren den Nacken und die Schulter. Das weite Öffnen des Mundes ist für das korrekte Anlegen von zentraler Bedeutung – sonst kann das Baby die Brustwarze samt Brustwarzenhof nicht tief genug erfassen. Beim richtigen Anlegen sind die Lippen in einem 160-Grad-Winkel geöffnet.

Die Mutter kann das weite Anlegen fördern, indem sie ihren Mund selber groß aufmacht: Babys imitieren den Gesichtsausdruck anderer. Wenn das Baby den Mund noch nicht weit genug aufhat oder ihn schon wieder kleiner gemacht hat, dann kann die Mutter das Anlegen ein zweites Mal versuchen (Kind mit dem kleinen Finger abdocken). Die Mutter darf das Kinn des Babys bei Bedarf auch sanft nach unten schieben, um den Öffnungswinkel zu vergrößern.

Zeichnung vom Anlegen

In der asymmetrischen Stillposition drückt das Kinn etwas in die Brust und die Nase ist frei. Die Brustwarze ist tief im Mund des Babys (in einer Comfort-Positiion). [modifiziert nach Rebecca Glover]

Eine gewisse asymmetrische Position am Brustwarzenhof ist beim Anlegen ideal, damit die Brustwarze leicht nach oben, Richtung Gaumen des Babys zeigt (die sog.“Comfort-Zone“ für die Brustwarze). Das heißt, das Baby erfasst mehr vom unteren Teil des Brustwarzenhofs (also vom Brustwarzenhofbereich, der jeweils zum Kinn des Babys zeigt) als vom oberen. Idealerweise wird das Baby zuerst mit dem Kinn angelegt. So drückt das Kinn in die Brust, während die Nase frei bleibt (s. auch die englisch-sprachigen Infos zum Thema asymmetrisches Anlegen mit aufschlussreichen Zeichnungen, und einen Kurzfilm, der dieses asymmetrische Anlegen, das schnelle Heranziehen des Babys an die Brust und das Runterschieben des Kinns zum weiteren Öffnen des Mundes zeigt).

Das asymmetrische Anlegen ist zur Heilung wunder Brustwarzen, zur Verbesserung des Milchtransfers bei „zu wenig Milch“ oder schlechtem Gedeihen und bei kurzem Zungenbändchen besonders wertvoll. Viele Mutter-Kind-Paare stillen andererseits lange und erfolgreich mit einer symmetrischen Positionierung an der Brust.

nach außen gestülpte Lippen beim Stillen

Die Lippen sind bei einem gut angelegten Baby nach außen gestülpt. (© Kati Molin)

Das korrekte Anlegen erkennt man u.a. an der nach außen gestülpten Unterlippe des Babys. Außerdem hat das Baby nicht nur die Brustwarze selbst, sondern korrekterweise den Großteil des Brustwarzenhofs im Mund.

Mutter drückt ihre Brust beim Stillen zusammen.

Die Brust muss ggf. mit der Hand gestützt werden.

Je nach Stillhaltung / Anatomie muss die Brust zum Stillen gestützt werden, damit die Brustwarze nicht aus dem Mund des Babys herausrutscht bzw. damit das Gewicht der Brust nicht auf das Kinn des Babys drückt. Bei der so genannten C-Haltung liegen die vier Finger vielleicht 5 cm von der Brustwarzenspitze entfernt unterhalb der Brust, der Daumen liegt oberhalb, ebenfalls weit weg. Durch leichten Druck der Finger kann die Brust geformt werden. Bei einer kleinen Brust sollte die Hand möglichst weit hinten angesetzt werden, bei einer großen Brust so, dass der Abstand zur Brustwarze groß genug ist, um das Baby beim Andocken nicht zu behindern. Wenn die Finger zu nahe zur Brustwarze sind, dann kann das Baby nicht tief genug andocken.

Hinweise auf suboptimales Anlegen

Folgende Anzeichen weisen auf ein suboptimales Anlegen hin, welches bei der Mutter Schmerzen verursacht und den Milchtransfer behindert.

Infografik mit dem tiefem und oberflächlichem Anlegen

Optimales und suboptimales Anlegen

Körperhaltung des Säuglings:

  • Kopf, Rumpf und Becken sind nicht in einer Linie: Die verdrehte Haltung behindert das Trinken.
  • Säugling zu weit oder nicht Bauch an Bauch mit der Mutter, die Hüften des Säuglings sind nach hinten gedreht, der Hals ist verdreht: So ist kein tiefes Erfassen der Brust und kein Schlucken möglich.
  • Die Nase ist tief in die Brust vergraben, statt die Brust nur oberflächlich oder gar nicht zu berühren. Das Baby bekommt keine Luft und die Brustwarze liegt ungünstig im Mund.
  • Der Kopf ist zu weit oben oberhalb der Brust: Das Baby muss den Kopf nach vorne kippen, um anzudocken – so ist kein Schlucken möglich.
  • Weder Nase noch Kinn berühren die Brust. So ist kein tiefes Erfassen der Brust möglich. Laut der Theorie des asymmetrischen Anlegens sollte das Kinn in die Brust vertieft und die Nase frei sein, damit die Brustwarze optimal im Mund des Babys liegt und das Baby viel Milch bekommt.

Mund und Zunge:

  • Der Mund ist nicht weit genug auf: Die Lippen sind beim Stillen weniger als 160 Grad geöffnet: So erfasst das Baby nicht genug vom Brustgewebe.
  • Obere, untere oder beide Lippen sind nicht nach außen gestülpt.
  • Die Lippen schließen nicht dicht um die Brustwarze herum und so kann kein Vakuum entstehen.
  • Die Wangen bilden beim Saugen Grübchen (das Vakuum wird auf die Wangen statt auf die Brust ausgeübt).

Brustwarzen:

  • Die Brustwarze schlittert hin- und her beim Stillen oder das Baby verliert sie sogar zwischendurch (unzureichender Saugschluss).
  • Die Brustwarze ist direkt nach dem Stillen verformt, flach gedrückt oder geknickt (senkrecht, waagerecht oder quer => falsche Druck- und Sogkräfte auf die Brustwarzen)
  • Brustwarzenödem durch Infusionen während der Geburt (die Brust lässt sich durch das Baby nicht richtig erfassen)
  • angeschwollene, flach gezogene Brustwarzen durch die initiale Brustdrüsenschwellung (die Brust lässt sich durch das Baby nicht richtig erfassen)

Reaktionen des Babys:

Viele Neugeborene schlafen bei ungünstigem Anlegen an der Brust ein, bevor sie satt zu werden. Andere sind sehr unruhig an der Brust (fuchteln z.B. mit Ärmchen und Beinchen), lehnen die Brust scheinbar ab oder verlangen sehr häufig nach der Brust.

Bildergalerie zur Visualisierung des optimalen und suboptimalen Anlegens

Um das Verständnis des richtigen Anlegens zu vertiefen, werden im Folgenden Fotos von optimal und suboptimal angelegten Babys gezeigt.

Baby an der Brust

Perfekt angedockt! Dieses Baby liegt in der zurückgelehnten Stillposition Bauch an Bauch zur Mutter, hat die Ärmchen rechts und links, hat den Mund weit geöffnet und die Brustwarze samt Warzenhof tief im Mund. (© Kati Molin)

Baby an der Brust - oberflächlich angelegt.

Autsch! Das tut Weh! Das ist das Paradebeispiel des oberflächlichen Anlegens. Nur die Brustwarze ist im Mund, der zu wenig geöffnet ist. (© kno)

Baby ungünstig angelegt.

Dieses Baby ist ungünstig angelegt: Es liegt mit dem Oberkörper von der Mutter weggedreht, d.h. nicht Bauch an Bauch, muss den Kopf zum Stillen zur Seite drehen, das linke Ärmchen liegt im Weg. Es erfasst die Brustwarze nur oberflächlich, der Öffnungswinkel des Mundes ist zu gering, der Mund ist nicht weit genug auf. (© mitarart)

Baby ungünstig angelegt mit Daumen nach unten

Dieses Baby ist ungünstig angelegt: Sein Oberkörper ist von der Mutter weggedreht, zum Stillen muss er den Kopf zur Brust drehen. Das Baby erfasst die Brustwarze nur oberflächlich, der Öffnungswinkel des Mundes ist zu gering. (© Litauische Universität für Gesundheitswissenschaften)

Mutter stopft Brustwarze in den Mun des Kindes

Hier versucht die Mutter das Baby anzulegen, indem sie ihm ihre Brustwarze in den kaum geöffneten Mund „stopft“. Die Unterlippe des Babys ist „im Weg“, nach innen gedrückt. Korrektes Andocken ist so nicht möglich. Dafür müsste das Baby den Mund erst groß aufmachen wie beim Gähnen. Dazu kann die Mutter die Haut oberhalb der Oberlippe des Babys mit ihrer Brustwarze stimulieren. Erst, wenn das Baby den Mund weit geöffnet hat, wird angelegt. (© jackf)

Baby stillt und ist perfekt angelegt.

Zum Schluss noch einmal ein Bild für perfektes Anlegen in einer aufrechten Stillposition: Das Baby ist Bauch an Bauch, in ganz engem Körperkontakt zur Mutter, die Ärmchen sind links und rechts. Das Baby hat den Mund ganz weit auf, die Lippen sind nach außen gestülpt. Nase und Kinn berühren die Brust.

Anzeichen für das effektive Saugen durch das Baby

Alle Mütter sollten in der Lage sein zu erkennen, ob ihr Baby effektiv an der Brust saugt oder nur ineffektive Saugbewegungen ausübt, bei denen kein oder nur wenig Milchtransfer stattfindet. Dabei unterscheidet man zwischen nutritivem und non-nutritivem Saugen: Am Anfang der Stillmahlzeit saugt das Baby etwa zweimal pro Sekunde, um den Milchspendereflex auszulösen. Dabei fließt noch keine Milch (non-nutritives Saugen). Sobald die Milch anfängt zu fließen, wechselt das Baby zum nutritiven Saugen (etwa einmal pro Sekunde) und macht regelmäßig Pausen, um die Milch zu schlucken. Lässt der Milchfluss nach und am Ende der Stillmahlzeit wechselt das Baby wieder zum häufigeren non-nutritiven Saugen.

An folgenden Anzeichen kann man den Milchtransfer erkennen:

  1. Das Baby löst durch das non-nutritive Saugen den Milchspendereflex bei der Mutter aus. Die Mutter spürt ein leichtes Ziehen in ihrer Brust: Winzige Muskelzellen an den Milchbläschen ziehen sich zusammen, um die Milch über die Milchkanäle fürs Baby Richtung Brustwarze zu befördern. Der Milchspendereflex setzt an beiden Brüsten übrigens gleichzeitig ein. Dadurch kann auch aus der zweiten Brust Milch herausschießen oder -tropfen, vor allem in den ersten Wochen nach der Geburt. In der ersten Zeit nach der Geburt zieht sich die Gebärmutter durch den Milchspendereflex zusammen. Das kann in der ersten Woche etwas schmerzhaft sein, später lassen die Schmerzen nach. Das spürbare Einsetzen des Milchspendereflexes und Milchfluss an der zweiten Brust sind also positive Anzeichen für das effektive Saugen durch das Baby.
  2. Man hört und sieht das Schlucken des Babys in regelmäßigen Abständen – die Mutter spürt das rhythmische Melken. Das Schlucken kann nicht immer gehört werden.
  3. Man sieht die Kieferbewegungen des Babys bis zu den Ohren mit regelmäßigen Pausen: Das Kinn bleibt unten, während der Mund sich mit Milch füllt. Je länger die Pause, umso mehr Milch bekommt das Baby.
  4. Milch kann im Mund des Babys sichtbar sein.
  5. Das Stillen tut nicht weh, sondern es ist für die Mutter angenehm. In den ersten Tagen nach der Geburt kann es vor allem zu Beginn einer Stillmahlzeit das für die Brustwarze noch ungewohnte Ansaugen etwas unangenehm sein. Schmerzen beim Stillen sind ansonsten ein Hinweis darauf, dass das Baby nicht tief genug angelegt ist oder dass das Baby nicht effektiv saugt.
  6. Die Mutter bekommt Durst – trinken zu jeder Stillmahlzeit ist sinnvoll, vor allem in den ersten Monaten.
  7. Das Baby entspannt sich während der Mahlzeit langsam, die Fäuste öffnen sich.
  8. Die Brust ist nach dem Stillen fühlbar weicher, die Brustwarze deutlich länger.
  9. Das Baby spuckt ggf. Milch nach der Mahlzeit.
Baby lässt die Brustwarze los und nickt ein

Das Baby lässt nach der erfolgreichen Stillmahlzeit die Brustwarze los und nickt ein.

Es gibt keine allgemeingültigen Zeitangaben, wie lange eine Stillmahlzeit dauert. Babys trinken individuell sehr unterschiedlich. In der Neugeborenenzeit brauchen sie außerdem noch länger, manche Neugeborenen brauchen 30-40 Minuten für eine Stillmahlzeit. Im Laufe der Monate trinken die Säuglinge schneller und zügiger. Die Dauer der Stillmahlzeit sollte durch das Baby bestimmt werden. Gegen Ende der Stillmahlzeit schluckt das Baby seltener, die Pausen werden länger. Das Baby entspannt sich, die Fäustchen öffnen sich, das Baby lässt schließlich die Brust los. Häufig schlafen die Babys anschließend ein.

Kurzfilme über das korrekte Anlegen

Einen ausführlichen Lehrfilm zum korrekten Anlegen hat die Hebamme, Still- und Laktationsberaterin Regine Gresens erarbeitet (kostenpflichtig, s. unter www.stillkinder.de). Weiterhin hat der kanadische Laktationsberater Dr. Jack Newmann eine Reihe von Kurzfilmen ins Internet gestellt, die das optimale wie suboptimale Anlegen sowie die Zeichen des Milchtransfers visualisieren: http://ibconline.ca/breastfeeding-videos-2/.

Ein ausgezeichneter neuer Film zum Thema wurde vom Global Health Media produziert und ins Deutsche übersetzt: https://globalhealthmedia.org/portfolio-items/das-anlegen-des-babys-an-die-brust/?portfolioID=15344

Hartnäckige Anlegeprobleme

Manchmal klappt das Anlegen trotz aller Bemühungen und Optimierungen nicht. Dies kann verschiedene Ursachen haben.

  1. Das Baby ist nach einer stressigen Geburt mit Interventionen, Medikamenten und Infusionen (inklusive Kaiserschnitt und operativen Geburten) in den ersten Tagen noch nicht ausreichend fit. Seine Such- und Saugreflexe funktionieren noch nicht richtig. In solchen Situationen sollte Muttermilch auf andere Weise gewonnen und dem Baby verfüttert werden, und zwar 8- bis 12-mal in 24 Stunden, mindestens einmal auch nachts, um die Milchbildung der Mutter in Gang zu bringen und das Baby zu versorgen (siehe auch Stillschwierigkeiten im Frühwochenbett). Gut geeignet in solchen Fällen sind Handentleerung mit anschließendem Pumpen mithilfe eines Doppelpumpsets (siehe Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch). Das Kolostrum sollte dem Baby ohne Flasche, z.B. mithilfe eines Löffels oder Bechers gegeben werden, um eine gute Saugfähigkeit zu erhalten (siehe Muttermilch oder Säuglingsmilch stillfreundlich füttern).
  2. Trennung von der Mutter, zu seltenes Anlegen: Mutter und Baby gehören zusammen, und zwar in direkten Körper- und Hautkontakt mit uneingeschränktem Zugang zur Brust möglichst rund um die Uhr. 24-Stunden Rooming-in ist heute in den meisten Geburtskliniken Standard. Ideal ist darüber hinaus 24-Stunden Bedding-in, d.h. Mutter und Kind verbringen möglichst den ganzen Tag in einem Bett, davon möglichst viele Stunden in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt (siehe Die Bedeutung des direkten Hautkontakts). Wenn die Mutter schon viel aufsteht und z.B. im Haushalt aktiv ist, kann sie ihr Baby in einem Tragetuch an ihren nackten Oberkörper binden (siehe auch Mit Tragetüchern die Milchbildung fördern). Der ausgiebige Hautkontakt ist ein Zaubermittel, welches das Stillen meist innerhalb weniger Tage ins Lot bringt. Das Baby findet auf diese Weise die Brust, wenn es noch zufrieden ist. Dann klappt auch das Anlegen besser.
  3. Geburtsverletzungen: Dem Baby geht es nach der Geburt nicht gut. Es hat Verletzungen wie ein gebrochenes Schlüsselbein, Schmerzen, Verspannungen. Solange diese bestehen, kann es nicht gut an der Brust trinken.
  4. Besondere Brustwarzenformen: Flache oder invertierte Brustwarzen können das Andocken manchmal erschweren. Doch, es gibt Wege, wie das Stillen auch bei besonderen Brustwarzen klappen kann (siehe Stillen bei Flachwarzen, Schlupfwarzen und Hohlwarzen).
  5. Frühgeburtlichkeit: Babys, die deutlich vor dem errechneten Geburtstermin, insbesondere vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen sind, haben oft noch Mühe, effektiv und ausdauernd an der Brust zu trinken. Sie können die Brustwarze nicht ausreichend einziehen und behalten, sie saugen zu schwach und ermüden zu schnell. Etwa um den errechneten Geburtstermin herum können sie mit gleicher Kraft saugen wie ein Neugeborenes. Sie müssen zunächst oft nach dem Stillen zusätzlich gefüttert werden, z.B. per Becher oder an der Brust. Flaschen sind auch in diesem Fall nicht ideal. Manchen frühgeborenen Babys hilft, wenn ihr Kiefer beim Stillen festgehalten wird (DanCer-Hold). Auch Stillhütchen kommen in Betracht, um den Milchtransfer zu verbessern.
  6. Stress, Schmerzen, Angst, Sorgen der Mutter können dazu führen, dass ihre Milch nicht fließt, weil ihr Milchspendereflex blockiert ist. Bereits die Angst vor „zu wenig Milch“, vor einem schreienden Baby an der Brust, vor Schmerzen beim Stillen kann dazu führen, dass die Milch nicht ausreichend fließt. So entsteht eine Negativspirale. Entspannung und Zuversicht sind hilfreich: „Es wird schon! Es muss nicht alles auf Anhieb klappen, wir kriegen das mit der Zeit schon hin!“
  7. Verzögerte Laktogenese II (verspäteter Milcheinschuss): Nach einer stressvollen Geburt, nach einem Kaiserschnitt, bei bestimmten Vorerkrankungen der Mutter, bei Trennung von Mutter und Kind oder zu seltenem / wenig effektivem Anlegen braucht es manchmal länger als üblich, bis die reife Muttermilch gebildet wird und die Milchmenge der Mutter ansteigt. Babys zeigen dies mitunter mit Unzufriedenheit an der Brust, mitunter durch übermäßige Schläfrigkeit, auch wenn sie korrekt angelegt sind. In manchen Situationen – in der Regel, wenn das Baby nach der Geburt mehr als 10% Gewicht verloren hat – wird das Baby in solchen Fällen zugefüttert. Dabei ist der Verzicht auf Saugflaschen sinnvoll, um die Stillfähigkeit nicht zu beeinträchtigen. Weiteres häufiges Anlegen und zusätzliche häufige Entleerung der Brust bringen die Milchbildung in Gang und helfen das Stillen aufrechtzuerhalten. Wenn das Baby ausreichend ernährt ist und die Milch fließt, klappt auch das Anlegen besser.
  8. Gelbsucht: Ist ein Baby übermäßig gelb geworden, ist es meist zu schläfrig und schlapp, um sich zum Stillen zu melden und effektiv an der Brust zu trinken. Auch in diesem Fall muss die Milch der Mutter per Hand und Doppelpumpe entleert werden, um die Milchbildung in Gang zu bringen und das Baby zu füttern (siehe auch: Stillen bei Neugeborenen-Gelbsucht (Ikterus) und Ein schläfriges Baby zum Stillen wecken).
  9. Verkürztes Zungenband oder Lippenband: Ist die Bewegung der Zunge eingeschränkt, wird das Stillen beeinträchtigt. Bei manchen Babys reicht ein optimiertes, asymmetrisches Anlegen, bei anderen Babys muss die Zunge mithilfe einer Frenotomie befreit werden (siehe Zu kurzes Zungenbändchen). Auch ein verkürztes Lippenband kann in manchen Situationen zu Anlegeproblemen führen, z.B. weil das Baby Mühe hat seine Lippen dicht um die Brust zu legen und ein Vakuum zu erzeugen. Dies ist allerdings selten.
  10. Falsches Saugmuster aufgrund von Gewöhnung an die Flasche: An der Flasche sind ganz andere Bewegungsabläufe zum Trinken erforderlich als an der Brust. Unter anderem aus diesem Grund wird empfohlen, auf Saugflaschen und möglichst auch auf Schnuller zu verzichten, mindestens in den ersten 6–8 Wochen, idealerweise komplett. Häufig verbessert sich das Anlegen, indem auf Flaschen verzichtet wird. Das Baby kann z.B. aus einem Becher oder an der Brust gefüttert werden. Bei der Umstellung sollte das Baby ausgeruht und nicht allzu hungrig sein. Zufütterung aus einem Becher und an der Brust helfen in den meisten Fällen, das Baby an die Brust zu gewöhnen (siehe auch Muttermilch oder Säuglingsmilch stillfreundlich füttern und Das Baby von der Flasche an die Brust gewöhnen).
  11. Unterernährung: Zu wenig Kalorien und Flüssigkeit schwächen ein Baby, sodass seine Fähigkeit, die Brust effektiv zu entleeren, beeinträchtigt wird. Seine Saugfähigkeit verbessert sich, wenn es mit Nahrung gut versorgt wird.
  12. Geringe Milchbildung der Mutter: Nicht alle Babys sind bereit an der Brust zu trinken, wenn nur wenig Milch daraus fließt. Die Bereitschaft erhöht sich, wenn das Baby keine andere Saugmöglichkeit erhält als die Brust, also auf Schnuller und Saugflaschen konsequent verzichtet wird und das Baby z.B. per Becher und an der Brust zugefüttert wird. Durch Zufütterung an der Brust wird das Baby gleich belohnt, das Saugverhalten verbessert sich schnell (siehe auch Zu wenig Milch und Die Milchmenge steigern: Wie man mehr Milch bilden kann).
  13. Eine Reihe von weiteren Erkrankungen und Anomalien können ebenfalls zu Anlegeproblemen führen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, weiteren Therapeuten und Stillfachpersonen können in diesen Fällen das Stillen ermöglichen.

Hebammen und Stillberaterinnen können helfen, die Ursache für die Anlegeprobleme zu identifizieren und Lösungen zu finden (siehe auch unser Verzeichnis für lokale Stillberatungsangebote).

Quellen:

  • Noble A, Eventov-Friedman S, Hand I, Meerkin D: Breastfeeding Intensity and Exclusivity of Early Term Infants at Birth and 1 Month. Breastfeeding Med 2019, https://doi.org/10.1089/bfm.2018.0260
  • Lauwers J, Swisher A: Counseling the Nursing Mother. A lactation Constultant´s Guide. 6. Aufl. 2016. S. 353-367: Chapter 16: Infant Latch and Sucking.
  • Wiessinger D, West Diana, Pitman T: Das Handbuch für die stillende Mutter. La Leche League Schweiz, 2016. S. 453
  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learning, 5. Aufl. 2016.
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Jones & Bartlett Learning, 4. Aufl. 2017. S. 578-600.
  • Mohrbacher N, Stock J: Handbuch für die Stillberatung. La Leche Liga Deutschland, 2002. S. 86-87.
  • Wilson-Clay B, Hoover K: The Breastfeeding Atlas. 5. Aufl. 2013, LactNews Press.
  • Guóth-Gumberger M: Gewichtsverlauf und Stillen: Dokumentieren, Beurteilen, Begleiten. Mabuse Verlag, 2011. S. 106-109.
  • Guóth Gumberger M, Hormann, E: Stillen. So versorgen Sie Ihr Baby rundum gut. Gräfer und Unzer Verlag, 2004
  • Both D, Frischknecht K: Stillen kompakt. Atlas zur Diagnostik und Therapie in der Stillbeziehung. Urban Fischer, 2006
  • Lawrence A, Lawrence RM: Breastfeeding. A Guide for the Medical Profession. Elsevier Mosby, 6. Auflage, 2005

 


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