Soor-Infektion in der Stillzeit

Baby mit weißen Belegen im Mund

Weiße Belege im Mund des Babys deuten auf eine Soor-Infektion hin (© J. Heilman)

Soor ist eine Infektion mit Hefepilzen (Candida). Die Symptome können von Infektion zu Infektion bzw. von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein, daher ist eine eindeutige Diagnose auch für Ärzte nicht einfach. Sichtbare Symptome können auch komplett fehlen, je nachdem, welcher Hefestamm die Krankheit verursacht. Die weißen Belege werden nur durch Candida albicans hervorgerufen, andere Stämme erzeugen einen perlmuttartigen Schimmer. Hinzu kommt, dass sich diese Hefepilze labordiagnostisch trotz Infektion nicht unbedingt nachweisen lassen, bzw. umgekehrt, selbst der Nachweis von Candida ist noch kein Beweis für eine Infektion, da diese Pilze auch natürlicherweise auf der Haut vorkommen. Daher führt die mikrobiologische Untersuchung eines Abstriches von der Haut oder aus der Milch zu keinerlei Erkenntnisgewinn. Da eindeutige Symptome häufig fehlen, werden Brustschmerzen durch das Ausschlussprinzip auf eine Soor-Infektion zurückgeführt: Wenn das Anlegen korrigiert und andere Ursachen für Schmerzen beim Stillen ausgeschlossen sind, können Medikamente gegen Soor-Infektion versucht werden. Eine Besonderheit von Soor-Infektionen im Gegensatz zu anderen Ursachen von Brust(warzen)schmerzen ist die Tatsache, dass sie häufig erst Wochen, Monate bis Jahre nach der Geburt auftreten, während andere Brust(warzen)schmerzen eher zu Beginn der Stillzeit vorkommen. Andererseits begünstigen Verletzungen der Brustwarze durch das anfängliche falsche Anlegen die Besiedlung mit den Hefepilzen, was das Abheilen der Wunden erschweren kann.

Symptome der Soor-Infektion in der Stillzeit

Folgende Symptome bei der Mutter sind möglich:

  • Schmerzen: heftig brennende, stechende Schmerzen während und/oder nach dem Stillen
  • Mögliche Symptome an der Brustwarze: Juckreiz, Rötung, Schwellung, Hautabschilferungen, weiße Beläge, rosafarbene schuppige Haut, oder perlmuttartiges Glänzen der Haut, evtl. tiefe Risse oder Pickelchen
  • Oft steht die Intensität der Schmerzen im auffälligen Widerspruch zu ansonsten unscheinbarer Erscheinung der Brust.

Beim Kind können folgende Symptome vorkommen:

  • Mundsoor (weiße, nicht abwischbare Belege oder ein perlmuttartiger Glanz an der Mundschleimhaut, Probleme beim Stillen durch Schmerzen im Mund, evtl. Stillstreik)
  • Windelsoor (Rötung, Hautabschilferung, usw.)
  • auch beim Kind sind Symptome äußerlich nicht immer erkennbar

Therapiemaßnahmen bei Verdacht auf Soor

Bei einem Verdacht auf Soor muss ein Arzt aufgesucht werden (Haus- oder Frauenarzt, Kinderarzt, evtl. Überweisung an Hautarzt). Die Krankheit wird medikamentös zunächst durch lokale Anwendung mit Antipilzmitteln (z.B. mit Nystatin, Miconazol oder Clotrimazol) behandelt, und zwar müssen Mutter und Kind immer beide behandelt werden, auch wenn die Symptome nur bei einem der beiden auftreten. Beim Kind kommt dann Nystatin oder Miconazol-Mundgel zum Einsatz. Falls eine gleichzeitige Behandlung von Mutter und Kind von den Ärzten nicht veranlasst wird, sollten die Eltern darauf bestehen und ggf. den anderen zuständigen Facharzt (Kinderarzt oder Frauenarzt) ebenfalls besuchen. Einige Hefe-Stämme sind resistent gegen bestimmte Antipilzmittel, sodass mitunter mehrere Mittel ausprobiert werden müssen, bis eins hilft. Falls die lokale Anwendung nicht ausreicht, werden zusätzlich Medikamente zum Schlucken (Fluconazol) eingesetzt. So gelangt das Medikament in den Blutkreislauf der Mutter und kann die Soor-Infektion auch in den Milchgängen bekämpfen, welche durch das Eincremen der Brustwarzen nicht erreicht wird. Weiterstillen ist sowohl unter der lokalen als auch unter der Arzneimitteltherapie zum Einnehmen uneingeschränkt möglich. Die Therapie muss über das Ende der Symptome hinaus mindestens 14 Tage lang fortgesetzt werden.

Begleitende Maßnahmen

Eine Soor-Infektion kann sehr hartnäckig sein und öfter wiederkommen. Daher sind ergänzende Maßnahmen empfehlenswert.

Milch, die während der Soor-Infektion gewonnen wird, sollte nicht eingefroren und für später aufbewahrt werden, sondern noch am gleichen Tag verfüttert, pasteurisiert (20 Minuten leicht kochen) oder weggeschüttet werden, da Hefe durch Einfrieren nicht abgetötet wird und die infizierte Milch das Kind nach der Heilung reinfizieren kann. Bei Stilleinlagen sind wegwerfbare Einmal-Stilleinlagen zu empfehlen. Diese sollten regelmäßig gewechselt werden, damit die Brust immer trocken bleibt. Insbesondere Seide-Wolle-Stilleinlagen, die nicht ausgekocht werden dürfen, sind ungeeignet bei einer Soor-Infektion. Auch der BH und Handtücher sollten regelmäßig gewechselt und im Kochwaschgang gewaschen werden. Regelmäßiges Händewaschen ist ebenfalls wichtig, um die Verbreitung der Ansteckung zu vermeiden: ganz wichtig nach dem Toilettengang und nach dem Windelwechseln. Manche Autoren empfehlen sogar Händewaschen vor dem Stillen und dem Anfassen der Brust. Dies könnte das spontane Anlegen jedoch beeinträchtigen.

Auch Milchpumpen, Schnuller, Fläschchen, Sauger, Zahnungsringe usw., also alles, was mit der Brustwarze und dem Mund des Kindes während der Soor-Infektion in Kontakt kommt, sollte ausgekocht oder weggeworfen werden.

Wenn Soor an anderen Stellen auftritt (im Windelbereich des Kindes oder in der Scheide der Mutter), dann sollten auch diese Regionen mit behandelt werden. Eventuell müssen auch andere Familienangehörige mit behandelt werden, falls sie von der Infektion betroffen sind.

Als begleitendende und vorbeugende Maßnahme sollte die Brust viel an der frischen Luft und an der Sonne gelüftet werden. Auch der Babypopo soll möglichst trocken sein und ebenfalls viel gelüftet werden. Hefe wächst an dunklen, feuchten Orten. Trockenheit und Licht hemmen das Wachstum.

Quellen:

  • Lauwers J, Swisher A: Counseling the Nursing Mother. A Lactation Consultant´s Guide. Jones & Bartlett Learning, 2016, 6. Aufl. S. 388-389.
  • Academy of Breastfeeding Medicine. Clinical Protocol #26. Persistent Pain with Breastfeeding.
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning. 2013, 3. Aufl.
  • Guóth-Gumberger M, Hormann E: Stillen. Einfühlsame Begleitung durch alle Phasen der Stillzeit. Gräfe & Unzer, 2014.
  • Grützmacher A: Beratung bei Stillproblemen. Stillen und Muttermilchernährung: Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2001.
  • Scheele M: Stillen bei Erkrankungen der Mutter aus frauenärztlicher Sicht. Stillen und Muttermilchernährung: Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2001.

 


Weitere Online-Publikationen zum Thema


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Ergänzungen: Oktober 2016.