Soor-Infektion in der Stillzeit

Brustwarze einer Frau

Eine Soor-Infektion ist an den Brustwarzen nicht immer sichtbar. Rosa glänzende Brustwarzen, schuppige oder rissige Haut, nicht heilende Wunden können ein Hinweis auf Soor sein.

Soor ist eine Infektion mit Hefepilzen (Candida). Er kann in der Stillzeit sehr viel Leid verursachen und sogar zum vorzeitigen Abstillen führen. Der folgende Artikel zeigt auf, wie sich eine Candida-Infektion in der Stillzeit bemerkbar macht, wie sie diagnostiziert und behandelt wird.

Eine eindeutige Diagnose des Brust-Soors bleibt eine Herausforderung

Die Symptome des Soors können von Infektion zu Infektion bzw. von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein, daher ist das Stellen einer eindeutigen Diagnose auch für Ärzte nicht einfach. Sichtbare Symptome können auch komplett fehlen, je nachdem, welcher Hefestamm die Krankheit verursacht. Die weißen Belege werden nur durch Candida albicans hervorgerufen, andere Stämme erzeugen einen perlmuttartigen Schimmer. Hinzu kommt, dass sich diese Hefepilze labordiagnostisch trotz Infektion nicht einfach nachweisen lassen, bzw. umgekehrt, selbst der Nachweis von Candida ist noch kein eindeutiger Beweis für eine Infektion, da diese Pilze auch natürlicherweise auf der Haut und möglicherweise auch in der Muttermilch vorkommen. Da eindeutige Symptome häufig fehlen, führen manche Fachleute Brustschmerzen durch das Ausschlussprinzip auf einen Soor zurück: Wenn das Anlegen korrigiert und andere Ursachen für Schmerzen beim Stillen ausgeschlossen sind, können Medikamente gegen Soor-Infektion versucht werden. Eine Besonderheit von Soor-Infektionen im Gegensatz zu anderen Ursachen von Brust(warzen)schmerzen ist die Tatsache, dass sie häufig erst Wochen, Monate bis Jahre nach der Geburt auftreten, während andere Brust(warzen)schmerzen eher zu Beginn der Stillzeit vorkommen. Andererseits begünstigen Verletzungen der Brustwarze durch das anfängliche ungünstige Anlegen die Besiedlung mit den Hefepilzen, was das Abheilen der Wunden erschweren kann.

Allgemeine Symptome der Soor-Infektion in der Stillzeit

Folgende Brustsoor-Symptome bei der Mutter sind möglich:

  • Schmerzen: heftig brennende, stechende Schmerzen während und/oder nach dem Stillen
  • Mögliche Symptome an der Brustwarze: Juckreiz, Rötung, Schwellung, Hautabschilferungen, weiße Beläge, rosafarbene schuppige Haut, oder perlmuttartiges Glänzen der Haut, evtl. tiefe Risse oder Pickelchen
  • Oft steht die Intensität der Schmerzen im auffälligen Widerspruch zu ansonsten unscheinbarer Erscheinung der Brust.

Beim Kind können folgende Symptome vorkommen:

Baby mit belegter weißer Zunge

Mundsoor zeigt sich beim Baby z.B. durch weiße, nicht abwischbare Belege an der Zunge. (© rioblanco)

  • Mundsoor (weiße, nicht abwischbare Belege oder ein perlmuttartiger Glanz an der Mundschleimhaut, Probleme beim Stillen durch Schmerzen im Mund, evtl. Stillstreik)
  • Windelsoor (Rötung, Hautabschilferung, usw.)
  • auch beim Kind sind Symptome äußerlich nicht immer erkennbar

Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

Viele der potenziellen Brustsoor-Symptome können auch andere Ursachen haben. Einseitig auftretende stechende Schmerzen beim Stillen können auch durch einen Milchstau verursacht werden, z.B. wenn ein Milchgang mit einem dünnen Häutchen überwachsen oder durch einen Fettpfropf verstopft wird. Heftige stechende, brennende Schmerzen während und/oder nach dem Stillen werden manchmal durch ein Vasospasmus / Raynaud-Syndrom verursacht, bei dem die Durchblutung der Brustwarzen gestört ist. Soor-Infektionen und Vasospasmen kommen sogar häufig zusammen vor und müssen dann auch gleichzeitig behandelt werden. Auch Infektionen der Brust mit Bakterien (z.B. mit Staphylococcus aureus, s. den Artikel Mastitis) oder eine Dysbiose von Mikroorganismen in den Brustdrüsen können ähnliche Symptome haben wie eine Soor-Infektion. Oft kommen bakterielle und Pilzinfektionen ebenfalls zusammen vor. Eine Minderdurchblutung der Brustwarzen kann auch mit dem so genannten Mammary Constriction Syndrome zusammenhängen. Mitunter verstecken sich hinter den hartnäckigen Schmerzen seelische Ursachen, wie eine starke psychische Belastung, verschiedene psychische Erkrankungen oder eine Schmerzerkrankung (Allodynie).

Auch ein suboptimales Anlegen, Saugprobleme seitens des Babys (z.B. aufgrund von oralen Anomalien wie ein verkürztes Zungen- oder Lippenband oder Muskelverhärtungen) sollten ausgeschlossen werden (siehe auch die Artikel Das korrekte Anlegen, Wunde Brustwarzen und Zu kurzes Zungenbändchen). Ungünstiges Saugen an der Brust kann schon allein große Schmerzen verursachen und darüber hinaus das Risiko einer bakteriellen und einer Pilzinfektion erhöhen, wenn die Integrität der Haut durch die unphysiologische Beanspruchung der Brustwarzen verletzt wird.

Bei Fehlen von sichtbaren Symptomen bleibt oft nur das Ausprobieren verschiedener Maßnahmen, da auch eine Labordiagnostik keine sichere Soor-Diagnose ermöglicht: Hautabstriche von den Brustwarzen zeigen auch bei symptomlosen Frauen oft eine Candida-Besiedlung und Abstriche aus der Muttermilch zeigen eine vorhandene Candida-Besiedlung nicht an, weil Lactoferrin und andere immunologische Komponenten in der Muttermilch das Wachstum der Candida-Stämme hemmt. Bei einer ausprobierenden Vorgehensweise wird z.B. zunächst das Anlegen und das Trinken an der Brust beobachtet sowie die Mundanatomie des Kindes sowie der Brustwarze vor und nach dem Stillen untersucht. Gibt es hier keine Auffälligkeiten, dann geben manche Fachleute testweise z.B. Probiotika, Antibiotika und Antimykotika sequenziell oder gleichzeitig.

Präzisere Brustsoor-Diagnostik anhand von Zeichen und Symptomen

Um allgemeine Symptome einer Soor-Infektion von anderen möglichen Ursachen unterscheiden zu können, orientieren sich einige Fachleute bei der Diagnostik von Brustsoor an einer Arbeit von Francis-Morill und Mitarbeitern (2004). Diese haben Candida-Stämme von Brustwarzen und aus der Milch durch eine besondere Technik kultiviert, bei der die hemmende Wirkung von Laktoferrin durch Eisensulfat aufgehoben wird. Auf diese Weise konnten sie die Kolonisierung durch Hefestämme besser bestimmen als dies durch die übliche Labordiagnostik der Fall ist. Francis-Morill und Kollegen verglichen die Präsenz von möglichen Anzeichen und Symptomen einer Soor-Infektionen mit der Kolonisierung der Hautoberfläche des Brustwarzen-Warzenhof-Komplexes und der Muttermilch mit Candida-Stämmen. Dabei berücksichtigten sie sechs mögliche Anzeichen und Symptome:

  1. schmerzende Brustwarzen ohne Brennen
  2. brennendes Gefühl an den Brustwarzen
  3. Schmerzen in der Brust ohne Stechen
  4. Stechen in der Brust
  5. glänzende Haut am Brustwarzen-Warzenhof-Komplex
  6. schuppige Haut am Brustwarzen-Warzenhof-Komplex

Sie fanden heraus, dass keine der typischen Anzeichen und Symptome einzeln eine Soor-Infektion zuverlässig vorhersagen kann. Wenn mehrere Anzeichen zusammen vorhanden sind, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Candida-Kolonisierung tatsächlich vorliegt. Wenn diese Anzeichen und Symptome entweder glänzende Haut des Brustwarzen-Warzenhof-Komplexes gepaart mit stechenden Schmerzen oder schuppige Haut des Brustwarzen-Warzenhof-Komplexes in Kombination mit Brustschmerzen umfassen, dann ist ein positiver Test auf Candida äußerst wahrscheinlich (Positiver Vorhersagewert > 70%, Wahrscheinlichkeitsquotient > 10). Ab einem positiven Vorhersagewert von 70% kann man laut den Autoren mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Soor-Infektion ausgehen.

Bedeutung verschiedener Anzeichen und Symptome für die Soor-Diagnostik
Symptome Positiver Vorhersagewert (%)
schmerzende BW 27
schmerzende BW + 1 weiteres Zeichen 45-63
schmerzende BW + 2 weitere Zeichen 52-67
schmerzende BW + „brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust 74
schmerzende BW + „brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + glänzende BW
80
schmerzende BW + „brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + schuppige BW 91
schmerzende BW + „brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust + glänzende BW 86
schmerzende BW + „brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust + schuppige BW 100
schmerzende BW + „brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust + glänzende BW + schuppige BW 100
„brennende“ BW
37
„brennende“ BW + 1 weiteres Zeichen 48-55
„brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust
63
„brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + glänzende BW 80
„brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + schuppige BW
85
„brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust + glänzende BW 86
„brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust + schuppige BW 92
„brennende“ BW + Schmerzen in der Brust + Stechen in der Brust + glänzende BW + schuppige BW 100
Schmerzen in der Brust 48
Schmerzen in der Brust + Stechen 57
Schmerzen in der Brust + glänzende BW 78
Schmerzen in der Brust + schuppige BW 87
Schmerzen in der Brust + Stechen + glänzende BW 82
Schmerzen in der Brust + Stechen + schuppige BW 93
Schmerzen in der Brust + glänzende BW+ schuppige BW 92
Schmerzen in der Brust + Stechen + glänzende BW + schuppige BW 100
Stechen in der Brust
45
Stechen + glänzende BW
75
Stechen + schuppige BW
70
Stechen + glänzende BW + schuppige BW
73
Glänzende BW
50
schuppige BW
45
glänzende BW + schuppige BW
76
Auszug aus: Francis-Morrill et al., 2004.
Positiver Vorhersagewert: Anteil der Frauen mit den dargestellten Symptomen, bei denen Candida-Stämme aus Hautabstrichen von den Brustwarzen oder aus der Muttermilch kultiviert werden konnten.
Ab einem positiven Vorhersagewert von 70% kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Soor-Infektion ausgehen.

Therapiemaßnahmen bei Verdacht auf Soor

Bei einem Verdacht auf Soor sollte ein Arzt aufgesucht werden (Haus- oder Frauenarzt, Kinderarzt, evtl. Überweisung an Hautarzt). Die Krankheit wird medikamentös zunächst durch lokale Anwendung von Antipilzmitteln (z.B. mit Nystatin, Miconazol oder Clotrimazol) behandelt, und zwar müssen Mutter und Kind immer beide behandelt werden, auch wenn die Symptome nur bei einem der beiden auftreten, um eine gegenseitige Wiederansteckung zu vermeiden (Ping-Pong-Effekt). Die Brustwarzen der Mutter werden z.B. mit Nystatinsalbe behandelt, beim Kind kommen häufig Nystatin-Suspension oder Miconazol-Mundgel für den Mund und Nystatin-Salbe für den Po zum Einsatz. Falls eine gleichzeitige Behandlung von Mutter und Kind von den Ärzten nicht veranlasst wird, dann kann es sinnvoll sein, ggf. den anderen zuständigen Facharzt (Kinderarzt oder Frauenarzt) ebenfalls zu besuchen, wobei einige der Medikamente in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich sind. Einige Hefe-Stämme sind resistent gegen bestimmte Antipilzmittel, sodass mitunter mehrere Mittel ausprobiert werden müssen, bis eins hilft. Falls die lokale Anwendung nicht ausreicht bzw. wenn Soor der Milchgänge vermutet wird, dann werden zusätzlich Medikamente zum Einnehmen (Fluconazol) eingesetzt. So gelangt das Medikament in den Blutkreislauf der Mutter und kann die Soor-Infektion auch in den Milchgängen bekämpfen, welche durch das Eincremen der Brustwarzen allein nicht erreicht wird. Weiterstillen ist sowohl unter der lokalen als auch unter der Arzneimitteltherapie zum Einnehmen uneingeschränkt möglich. Die Therapie muss über das Ende der Symptome hinaus mindestens 14 Tage lang fortgesetzt werden, um das Wiederaufflammen der Erkrankung zu vermeiden. Leider verschreiben aufgrund der hohen Kosten nicht alle Gynäkologen Fluconazol. In solchen Fällen kann ein weiterer Arzt aufgesucht werden. Einige Hebammen und Stillberaterinnen können darüber informieren, welche Ärzte Fluconazol verschreiben.

Begleitende Maßnahmen

Eine Soor-Infektion kann sehr hartnäckig sein und öfter wiederkommen. Daher sind ergänzende Maßnahmen empfehlenswert.

Milch, die während der Soor-Infektion gewonnen wird, sollte nicht eingefroren und für später aufbewahrt werden, sondern noch am gleichen Tag verfüttert, pasteurisiert (20 Minuten leicht kochen) oder weggeschüttet werden, da Hefe durch Einfrieren nicht abgetötet wird und die infizierte Milch das Kind nach der Heilung wieder infizieren kann. Bei Stilleinlagen sind wegwerfbare Einmal-Stilleinlagen zu empfehlen. Diese sollten regelmäßig gewechselt werden, damit die Brust immer trocken bleibt. Insbesondere Seide-Wolle-Stilleinlagen, die nicht ausgekocht werden dürfen, sind ungeeignet bei einer Soor-Infektion. Auch der BH und Handtücher sollten regelmäßig gewechselt und im Kochwaschgang gewaschen werden. Regelmäßiges Händewaschen ist ebenfalls wichtig, um die Verbreitung der Ansteckung zu vermeiden: ganz wichtig nach dem Toilettengang und nach dem Windelwechseln. Manche Autoren empfehlen sogar Händewaschen vor jedem Stillen und dem Anfassen der Brust. Dies könnte das spontane Anlegen jedoch beeinträchtigen.

Auch Milchpumpen, Schnuller, Fläschchen, Sauger, Zahnungsringe usw., also alles, was mit der Brustwarze und dem Mund des Kindes während der Soor-Infektion in Kontakt kommt, sollte ausgekocht oder weggeworfen werden.

Wenn Soor an anderen Stellen auftritt (im Windelbereich des Kindes oder in der Scheide der Mutter), dann sollten auch diese Regionen mit behandelt werden. Eventuell müssen auch andere Familienangehörige mit behandelt werden, falls sie von der Infektion betroffen sind.

Als begleitendende und vorbeugende Maßnahme sollte die Brust viel an der frischen Luft und an der Sonne gelüftet werden. Auch der Babypopo soll möglichst trocken sein und ebenfalls viel gelüftet werden. Hefe wächst an dunklen, feuchten Orten. Trockenheit und Licht hemmen das Wachstum.

Quellen:

  • Maier C: Extreme Vasospasmen. Laktation & Stillen. 2018;01.
  • Jahnke M: Der etwas ander Fall aus der Praxis. Laktation & Stillen 2017;04.
  • Glaß A: Schmerzen beim Stillen: Eine Herausforderung in der Stillberatung. Laktation & Stillen 2016;4.
  • Lauwers J, Swisher A: Counseling the Nursing Mother. A Lactation Consultant´s Guide. Jones & Bartlett Learning, 2016, 6. Aufl. S. 388-389.
  • Academy of Breastfeeding Medicine. Clinical Protocol #26. Persistent Pain with Breastfeeding.
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning. 2017, 4. Aufl. S. 589-591.
  • Guóth-Gumberger M, Hormann E: Stillen. Einfühlsame Begleitung durch alle Phasen der Stillzeit. Gräfe & Unzer, 2014.
  • Franzis-Morrill J, Heinig J, Pappagianis D, Dewey KG: Diagnostic value of signs and symptoms of mammary candidosis among lactation women. J Human Lact 2004;20(3):288-295.
  • Grützmacher A: Beratung bei Stillproblemen. Stillen und Muttermilchernährung: Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2001.
  • Scheele M: Stillen bei Erkrankungen der Mutter aus frauenärztlicher Sicht. Stillen und Muttermilchernährung: Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2001.

 


Weitere Online-Publikationen zum Thema


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2018. Letzte Ergänzungen: Februar 2018.