Weiße Bläschen oder Stellen auf der Brustwarze

Wässrige, weiße bis gelbliche Bläschen oder Stellen auf der Brustwarze der stillenden Brust können aus verschiedenen Gründen entstehen:

Milchbläschen

Weißes Bläschen auf der Brustwarze
Weißes Bläschen auf der Brustwarze

Ein Milchgang an der Brustwarze wird gelegentlich durch ein dünnes Häutchen überwachsen (Milchbläschen), möglicherweise aufgrund kleinster Verletzungen beim Stillen, im Zuge des Wundheilungsprozesses (Douglas, 2022). Überhäutete Milchgänge sind mit starken, stechenden Schmerzen beim Stillen verbunden, weil der Milchfluss durch das Häutchen behindert wird, und es entsteht dahinter ein schmerzhafter Milchstau. Zunächst sieht man nur unmittelbar nach dem Stillen ein weißes, mit Milch gefülltes Bläschen an der Brustwarze, das erst nach mehreren Stillmahlzeiten permanent hervortritt. Das Häutchen perforiert oft von alleine beim Stillen. Man kann dies unterstützen, indem vor dem Stillen eine feuchtwarme Kompresse an die Stelle gelegt und die Haut so aufgeweicht wird. Wenn das nicht hilft, dann kann die Haut über dem Milchbläschen mit einer sterilen, abgeflachten Kanüle / Nadel schräg nach oben abgehoben werden. Das Abheben des Häutchens per Kanüle sollte wegen der Verwechslungs-, Verletzungs- und Infektionsgefahr möglichst von einer Fachperson vorgenommen werden, die sich mit Milchbläschen in der Stillzeit auskennt, z.B. einer Hebamme oder Stillberaterin mit medizinischem Hintergrund. Wenn keine kompetente Fachperson zeitnah zur Verfügung steht, sterilisieren Sie eine Nadel durch Auskochen oder mit 70% Alkohol und waschen sich die Hände und die Brust gründlich. Die Nadel sollte auf keinen Fall in die Brustwarze hineingedrückt werden, sondern die Haut sollte vorsichtig mit der Nadel hochgehoben und dabei perforiert werden. Die Brust muss anschließend zügig entleert werden. Es können mehrere Stillmahlzeiten nötig sein, um die Stauung aufzulösen. Häufiges Stillen hilft die Öffnung offen zu halten. Nach der Eröffnung des Milchgangs fließt die gestaute Milch manchmal schwallartig ab oder es schiebt sich Spaghetti-artige Milchpaste aus dem Milchgang heraus.

Saugbläschen

Saugbläschen an der Brustwarze
Saugbläschen an der Brustwarze durch zu starken Unterdruck: (wasserhell oder blutgefüllt). A: entstandene Saugbläschen; B: Saugbläschen weiter vergrößert; C+D: Saugpläschen nach dem Platzen beim Stillen von der Seite (C) und von oben (D)

Ein wasserhelles Bläschen auf der Brustwarze kann dadurch verursacht werden, dass das Kind beim Saugen einen sehr hohen Unterdruck anwendet. Dadurch wird die äußere Hautschicht der Brustwarze abgehoben. Solche Bläschen treten häufig in den ersten Tagen der Stillbeziehung auf und bilden sich spontan zurück, wobei sie auch zu späteren Zeitpunkten vorkommen können. Es treten manchmal mehrere solcher Bläschen zusammen auf. Die Bildung solcher Bläschen kann ein Alarmsignal dafür sein, dass das Kind ein hohes Vakuum braucht, um die Brust zu entleeren, z.B. wenn das Kind nicht genug Brustgewebe im Mund hat, wenn der Milchspendereflex schwerer ausgelöst werden kann, wie z.B. bei Stress, Rauchen oder Alkoholkonsum der Mutter, oder bei geringer Milchbildung. Auch bei erfolgreich stillenden Mutter-Kind-Paaren kann es passieren, dass das Baby in einem unachtsamen Moment nicht korrekt angelegt ist und Bläschen verursacht. Solche Bläschen dürfen nicht eröffnet werden, sie heilen mit der Zeit spontan ab.

Hyperkeratose („Schwielen“)

Bei einer Hyperkeratose ist die Haut durch wiederholte unphysiologische Beanspruchung beim Stillen oder Pumpen oder in Stillhütchen verdickt (Schwielen). Die hyperkeratotische Stelle kann blassweiß, cremefarben oder gelblich sein, die Farbe kann sich beim Stillen oder bei der Milchgewinnung durch die Feuchtigkeit ändern. Die hyperkeratotische Stelle ist tendenziell größer und diffuser als ein Milchbläschen, sie ist selbst bei leichtem Druck äußerst schmerzhaft. Es können auch mehrere ungleichmäßige Stellen entstehen. Versuche, die Hyperkeratose zu entfernen, verschlimmern die Situation und können starke Blutungen verursachen. Es gibt gute Erfahrungen mit einer täglichen Behandlung durch eine Steroid-Creme mittlerer Stärke unter einer Plastikhaube (Douglas 2022, S. 9-10). Dabei sollte vermieden werden, dass der Säugling beim Stillen Kortikosteroide aufnimmt. Daher empfiehlt es sich die Creme vor dem Stillen gründlich, aber sehr vorsichtig von den Brustwarzen zu entfernen, z.B. mit einem weichen Taschentuch oder Handtuch. Die Creme sollte so kurz wie möglich und auf der kleinstmöglichen Fläche verwendet werden.

Die Optimierung des Anlegens ist zentral für die Abheilung der Hyperkeratose.

Entzündungszellen aus den Milchgängen

Mitchell und Kolleginnen gehen davon aus, dass weiße Bläschen an der Oberfläche der Brustwarzen Entzündungszellen aus den Milchgängen darstellen, welche zur Oberfläche der Brustwarzen wandern und dort stecken bleiben. Sie warnen vor dem Versuch, die Haut zu entfernen, weil dies die Entzündung verschlimmern könnte. Sie empfehlen ebenfalls eine Steroid-Creme mittlerer Stärke und Lecithin zum Einnehmen (5-10 g/Tag; aus Soja oder Sonnenblumen). Milde Steroid-Cremes sollen mit dem Stillen vereinbar sein (Mitchell et al., 2022). Dabei sollte vermieden werden, dass der Säugling beim Stillen Kortikosteroide aufnimmt. Daher empfiehlt es sich die Creme vor dem Stillen gründlich, aber sehr vorsichtig von den Brustwarzen zu entfernen, z.B. mit einem weichen Taschentuch oder Handtuch. Die Creme sollte so kurz wie möglich und auf der kleinstmöglichen Fläche verwendet werden. Erfahrungsgemäß wird sie weniger als eine Woche gebraucht.

Milien

Milien sind schmerzlose, kleine, weiße Hautzysten, welche nach dem Stillen oder Pumpen hervortreten können. Sie bedürfen keiner Behandlung (Douglas 2022, S. 10).

Herpesbläschen

Herpesbläschen können in seltenen Fällen auch die Brustwarze betreffen. Herpes wird medikamentös behandelt. An einer mit Herpes befallenen Brustwarze darf nicht gestillt werden, ein Hautkontakt zum Baby muss vermieden werden. Die Milch wird per Hand oder Pumpe gewonnen, je nachdem, was erträglicher ist. Die gewonnene Milch kann nach einer Pasteurisierung dem Baby gegeben werden (s. auch Stillen bei Infektionskrankheiten der Mutter).

Quellen:

  • Douglas P. Re-thinking lactation-related nipple pain and damage. Womens Health (Lond). 2022 Jan-Dec;18:17455057221087865. doi: 10.1177/17455057221087865.
  • Drugs and Lactation Database (LactMed®) [Internet]: Triamcinolone, Topical; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK501123/, zuletzt aktualisiert am 18.01.2021.
  • Mitchell KB, Johnson HM, Rodríguez JM, Eglash A, Scherzinger C, Zakarija-Grkovic I, Cash KW, Berens P, Miller B; Academy of Breastfeeding Medicine. Academy of Breastfeeding Medicine Clinical Protocol #36: The Mastitis Spectrum, Revised 2022. Breastfeed Med. 2022 May;17(5):360-376. doi: 10.1089/bfm.2022.29207.kbm. Erratum in: Breastfeed Med. 2022 Nov;17(11):977-978. 
  • Lawrence RA, Lawrence RM: Breastfeeding. A Guide for the Medical Profession. Elsevier Mosby, 2005, 6. Aufl.
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Jones & Bartlett Learning, 2017, 4. Aufl., S. 588.
  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learning, 2015, 5. Aufl.

 


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