Ein schläfriges Baby zum Stillen wecken

Mutter weckt Neugeborenes
Hallo kleines Baby, jetzt ist Stillzeit! (© Kati Molin)

Wenn ein Neugeborenes zu schläfrig ist, um regelmäßig, ausdauernd und effektiv zu stillen, dann muss es dazu geweckt werden, damit es genug Nahrung erhält. Der folgende Beitrag fasst zusammen, welche Ursachen die Schläfrigkeit haben kann und wie das Baby zum Stillen animiert werden kann.

Kleine Babys, und insbesondere Neugeborene, brauchen häufige Stillmahlzeiten, mindestens 8 bis 12 in 24 Stunden. Meldet sich das Neugeborene alle 1 bis 3 Stunden zum Stillen – auch nachts – und trinkt dabei ausdauernd und effektiv, dann kann es den Rest der Zeit ruhig schlafen.

Doch, manche Babys wachen aufgrund verschiedener Probleme nicht häufig genug auf, um auf ihren Hunger aufmerksam zu machen, und trinken nicht ausdauernd und effektiv genug, um satt zu werden und die Milchbildung der Mutter ausreichend anzuregen. So nehmen sie nach der Geburt zu viel ab bzw. nicht genug zu. Manchmal erkennen die Eltern die Stillzeichen ihres Babys nicht rechtzeitig. Wichtige Gelegenheiten zum Stillen werden dann verpasst. Oder die Milchbildung der Frau kommt nicht schnell genug ausreichend in Gang, das Baby erhält nicht genug Muttermilch an der Brust. Manche Babys schlafen bereits nach wenigen Zügen an der Brust ein oder bevor sie ausreichend getrunken haben. Lange Pausen zwischen Stillmahlzeiten – typischwerweise nachts – können auch dazu führen, dass das Baby auch tagsüber zu schläfrig ist. Schläft das neugeborene Baby länger als 3 Stunden am Stück, trinkt es seltener als 8-mal am Tag oder produziert es weniger als 4 volle Stuhlgang-Windeln (siehe Stuhlgang und Urin eines Neugeborenen) und verläuft seine Gewichtsentwickung nicht altersgemäß, dann sollte es regelmäßig zum Stillen geweckt werden, um mindestens zehn Stillmahlzeiten am Tag zu „absolvieren“ und auf diese Weise aufzuholen.

Mögliche Ursachen für die Schläfrigkeit des Neugeborenen

  • Bestimmte Erkrankungen der Mutter (z.B. Diabetes)
  • gewisse Medikationen vor oder während der Geburt (z.B. Analgetika)
  • Komplikationen während der Geburt
  • (späte) Frühgeburt
  • unreifes Neugeborenes, z.B. wenn ein Baby geholt wird, bevor die Geburt natürlicherweise losgeht
  • Erkrankungen, Fehlbildungen oder Syndrome beim Neugeborenen, zu schwacher Muskeltonus
  • Kaiserschnitt
  • Geburtstraumata
  • Viel Schreien
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Reizüberflutung
  • Stillzeichen werden übersehen und das Baby wird nicht genug angelegt
  • (vorübergehende) Saugschwäche, ineffektives Saugen
  • Trennung von Mutter und Kind bzw. zu wenig Körper- und Hautkontakt
  • Unterernährung des Babys z.B. durch die Verzögerung des Milcheinschusses und beginnender Teufelskreis (Baby erhält zu wenig Milch und ist zu schwach, um ausdauernd, effektiv und häufig an der Brust zu trinken und stimuliert dadurch die Milchbildung der Mutter nicht ausreichend)

Maßnahmen

Baby liegt auf dem Körper der Mutter im Bonding-Tuch
In einem gemeinsamen Bonding-Tuch können Mutter und Baby den ganzen Tag in Hautkontakt bleiben. Sie werden warm gehalten und bedeckt. (© Hoppediz)

Wenn Mutter und Baby viel zusammen sind und möglichst direkten Haut-zu-Haut-Kontakt pflegen, dann schreit das Baby kaum und wird körperlich wie seelisch stabilisiert. Auf diese Weise verbraucht das Neugeborene auch weniger Kalorien. Babys, die mit ihrer Mutter in permanentem Haukontakt sind, melden sich früher zum Stillen und haben mehr Kraft zu trinken. Durch den ständigen Körperkontakt kann die Mutter die Stillzeichen des Babys unmittelbar erkennen und darauf reagieren. Schreien ist bereits ein spätes Hungersignal. Auch nachts sollte das Baby in umittelbarer Nähe zur Mutter schlafen, damit die Mutter seine Stillzeichen unmittelbar wahrnimmt und das Baby sich durch die Nähe zur Mutter öfter zum Stillen meldet.

Baby stillt im Tragetuch
Die Milchbar direkt vor der Nase

Ist das Baby zu schläfrig, dann muss es geweckt werden. Der ideale Zeitpunkt zum Wecken ist, wenn das Baby – ggf. im Halbschlaf – von sich aus Stillzeichen zeigt. Ist dies zu selten der Fall, dann muss es aus dem Schlaf geholt werden. Schläft ein Baby ganz tief und ist nicht weckbar, dann lohnt es sich, es 15 bis 20 Minuten später zu probieren. Auch wenn das Baby Schwierigkeiten hat, wach zu bleiben und sich an der Brust lange genug anzustrengen, muss es immer wieder zum Weiterstillen animiert werden. Dabei kommt es nicht darauf an, dass das Baby am Stück lange trinkt. Vorgaben, nach denen das Baby pro Brust mind. 15 Minuten trinken sollte, machen keinen Sinn und sind nicht hilfreich. Sehr häufige kurze Stillepisoden mit Pausen zum Dösen können mindestens so effektiv sein wie länger dauernde Stillmahlzeiten am Stück (s. auch Hintergrundwissen zum Milchspendereflex und Fettgehalt der Muttermilch).

So kann das Baby zum Stillen geweckt und wach gehalten werden:

Mutter kitzelt ihrem schläfrigen Baby die Füße, um es zum Stillen zu wecken
Ein schläfriges Baby kann z.B. durch Ansprechen, Hochheben, Ausdecken, Ausziehen, Wickeln, Reiben am Rücken oder an den Füßen geweckt und wach gehalten werden. (© famveldman)
  • Das Baby möglichst rund um die Uhr an der nackten Brust halten. Wenn die Brust in Mundnähe ist, braucht sich das Baby am wenigsten anzustrengen. Es kann oft für kurze Zeit trinken.
  • Streicheln und beim Namen nennen
  • Seine Füße kitzeln oder massieren
  • Unter dem Kinn kitzeln
  • Das Gesicht des Babys mit einem feuchten Tuch abwischen
  • Das Licht ein bisschen heller machen
  • Das Baby teilweise oder komplett ausziehen, Windeln wechseln (über 26 °C nimmt das Saugverhalten ab)
  • Das Baby vorsichtig im Liegen hin- und herrollen oder es ebenfalls vorsichtig und gut abgestützt immer wieder aufrichten
  • Das Baby immer wieder umlagern, z.B. an die zweite Brust legen
  • Ein Wattepad mit Kolostrum oder Milch unter die Nase des Babys halten
  • ein wenig Muttermilch in seinen Mund tropfen und warten, bis es sie schluckt und dann wieder ein bisschen Muttermilch hineintropfen. Dies wird idealerweise in der Nähe der Brust durchgeführt. Man kann hierzu z.B. einen kleinen weichen Löffel, eine Pipette, eine Spritze oder eine Ernährungssonde benutzen (Stillfreundliche Fütterungsmethoden). Die Mutter kann durch eine Brustmassage den Milchfluss schneller auslösen oder ihre Brust auch direkt in den Mund des Babys ausdrücken. Das stimuliert das Baby und erleichtert seine Arbeit.
Mutter drückt ihrem schläfrigen Baby Milch in den Mund aus, um es zum Stillen zu wecken
Milch direkt unter der Nase des Babys oder in seinen Mund ausgedrückt animiert es zum Trinken (© Kindestmilk).

Der Flüssigkeitsfluss hilft, das Saugen und das Schlucken auszulösen und aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise soll das Baby regelmäßig (mind. 10-mal am Tag) gefüttert werden, bis es von sich aus kräftiger und wacher ist und aktiv trinken kann. Die Mutter kann ihre Muttermilch per Pumpe und Hand gewinnen, wenn ihr Baby nicht von sich aus die Brust häufig und ausreichend entleert.

Wenn das Baby einschläft, bevor es an die zweite Brust kann, dann sollte diese nach wenigen Minuten, einer Stunde, bzw. wenn das Baby Stillsignale zeigt, wieder angeboten werden.

Schläfrigkeit wegen Reizüberflutung

Flüchtet sich das Baby vor zu viel Stress in den Schlaf, dann ist weitere Stimulation kontraproduktiv. In solchen Fällen empfiehlt es sich, eine ruhigere, leisere, ggf. dunklere Umgebung zu schaffen. Das Baby kann sich wieder durch viel Hautkontakt mit der Mutter und durch Herumtragen regenerieren.

Schläfrigkeit aufgrund von schlechtem Milchtransfer und schlechter Gewichtszunahme

Wenn das Baby zu schläfrig ist, um längere Zeit an der Brust effektiv zu saugen, dann können immer wieder Pausen eingelegt werden. Der Milchfluss kann auch händisch unterstützt werden (siehe Brustkompression). Dadurch wird das Baby immer wieder zum Weiterstillen animiert und nimmt mehr Milch zu sich.

Manchmal ist die Milchbildung der Mutter nicht ausreichend in Gang gekommen oder das Baby kann an der Brust aus unterschiedlichen Gründen nicht effektiv genug saugen, sodass der Milchtransfer an der Brust nicht ausreicht und das Baby an der Brust nicht ausreichend genug ernährt werden kann. Dies kann dazu führen, dass das Baby nicht altersgemäß zunimmt, an der Brust einschläft, bevor es satt ist, und auch ansonsten schwer zu wecken ist. In solchen Fällen kann eine Zufütterung von handgewonnener /abgepumpter Muttermilch oder industrieller Säuglingsnahrung angebracht sein. Dadurch, dass das Baby genug Kalorien bekommt, wird es wieder agiler. Um das Stillen zu schützen, ist eine Zufütterung an der Brust, zum Beispiel mit dem Brusternährungsset, sehr sinnvoll (siehe auch folgende Artikel zum Thema: Stillschwierigkeiten im Frühwochenbett, Muttermilch oder Säuglingsmilch stillfreundlich zufüttern, Bekommt mein Baby genug Muttermilch?, Mit dem Brusternährungsset Schritt für Schritt starten, Teilstillen — Wenn Muttermilch nicht ausreicht). Bei solchen komplexen Herausforderungen ist eine Beratung und Begleitung durch eine Stillberaterin sehr hilfreich (siehe unser Verzeichnis für Unterstützungsangebote rund ums Stillen).

Quellen:

  • Guóth-Gumberger G: Gewichtsverlauf und Stillen: Dokumentieren, Beurteilen, Begleiten. Mabuse Verlag, 2018.
  • Wiessinger D, West D, Pitman T, La Leche League International: Waking a sleepy newborn. In: The womanly art of breastfeeding. 2010, 8. Aufl., S. 453.
  • Walker M: Sleepy infant. In: Breastfeeding management for the clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning, S. 294 ff. 2014, 3. Aufl.

 


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2022. Letzte Änderungen: September 2022

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