Baby unruhig beim Stillen

Baby schreit an der Brust

Es ist sehr beunruhigend, wenn das Baby an der Brust quengelig ist. (© Kanstantsin Prymachuk)

Für die Mutter ist es beunruhigend und frustrierend, wenn ihr Baby an der Brust oder nach dem Stillen unruhig ist. Der folgende Artikel listet die häufigsten Ursachen für Unruhe an der Brust auf.

Manchmal wird ein normales Stillverhalten seitens des Säuglings als „Unruhe“ interpretiert. Neugeborene docken manchmal mehrfach mit weniger offenem Mund an, bevor sie den Mund richtig groß aufmachen und und zum richtigen Stillen andocken. Manchmal trinken Babys häufig und für jeweils kurze Zeit und docken an, ab, wieder an, ab, dösen zwischendurch usw. Wieder andere Babys trinken zunächst zügig und effektiv und nach einer Weile geht es mit der „Unruhe“ los, indem sie nicht mehr richtig trinken, sondern oft ab- und andocken. All das kann ein normales Stillverhalten darstellen, wenn das Baby dabei ausreichend Ausscheidungen hat und gut zunimmt. Manche Mütter finden es hilfreich, das Baby in einem Tragetuch oder einer Babytrage so zu tragen, dass es immer Zugang zur Brust hat. Dann kann sich das Baby an der Brust bedienen, wenn es möchte, und die Mutter kann sich frei bewegen. Hierzu muss das Baby evtl. weiter unten als zum Tragen üblich eingebunden werden oder die Gurte des Schulterriemens werden vorübergehend gelockert, damit der Mund des Babys auf der Höhe der Brustwarzen liegt, ggf. kann die Brust mit einer Rolle etwas hochgehoben werden.

Die Unruhe kann daraus resultieren, dass das Baby noch nicht bereit ist, an der Brust zu trinken, z.B. weil es noch nicht hungrig ist (s. Die ersten Hungerzeichen) oder weil es noch nicht wach genug ist (s. Ein schläfriges Baby zum Stillen wecken). Solange das Baby noch keine Hungerzeichen zeigt, wird es am besten mit der Mutter in direktem Hautkontakt gehalten ohne es anzulegen. Beim Auftreten der Hungerzeichen kann das Baby dann andocken.

Häufig entsteht Unruhe an der Brust, weil das Baby in einer ungünstigen Position angelegt wird. In aufrechten Stillpositionen fehlt häufig der stabile Halt, Mutter und Baby sind oft zu weit voneinander entfernt und die angeborenen Such- und Andockreflexe des Babys stören das Andocken, anstatt hilfreich zu sein. Häufig kommt es bei Andockversuchen in ungünstigen Stillpositionen zu einem oberflächlichen Erfassen der Brust. Auf diese Weise kann das Baby die Brust nicht effektiv entleeren, für die Mutter ist das Stillen sehr schmerzhaft, das Baby wird zunehmend frustriert. In zurückgelehnten Stillpositionen kann das Baby anhand seiner angeborenen Reflexe selbstständig andocken und effektiv trinken. In dieser Position sind Mutter und Baby bequem und stabil abgestützt und das Stillen klappt häufig am besten (s. den Abschnitt Laid-back-Nursing und den Artikel Das korrekte Anlegen des Babys).

Wenn das Anlegen in den ersten Tagen nach der Geburt auch in der zurückgelehnten Stillposition nicht funktioniert, müssen weitere Ursachen z.B. mithilfe einer erfahrenen Still- und Laktationsberaterin IBCLC eruiert werden (s. z.B. unser IBCLC-Verzeichnis). Es kommen ein verkürztes Zungen- (oder Lippen-)Bändchen (s. den Artikel Zu kurzes Zungenband), Muskelverspannungen, Geburtstraumata, vorübergehende neurologische Probleme nach der Geburt (z.B. bei zu früh geborenen Babys) und weitere mögliche Ursachen in Betracht.

Bestimmte Arzneimittel oder Rauchen in der Schwangerschaft oder Medikamente unter der Geburt können ebenfalls dazu führen, dass ein Neugeborenes viel schreit und an der Brust unruhig ist. Manchmal hängt die Unruhe an der Brust oder nach dem Stillen mit einem Reflux zusammen. Die Unruhe wird manchmal durch Luft im Magen verursacht: Wenn Babys schreien, verschlucken sie Luft. Hier kann ein Bäuerchen helfen, um den Magen von der Luft zu befreien und den Druck zu lösen. Manchmal ist das Baby zu sehr ausgehungert, um ruhig und konzentriert an der Brust saugen zu können. Möglicherweise muss es dann häufiger angelegt werden: Ein Baby sollte in den ersten sechs Monaten und darüber hinaus mindestens 8- bis 12-mal in 24 Stunden an der Brust trinken. Um ein ausgehungertes Baby zu beruhigen, kann die Mutter ein wenig Muttermilch per Hand gewinnen und das Baby z.B. mit einem Löffel füttern. Das nimmt den quälenden Hunger und das Baby kann anschließend effektiv an die Brust gelegt werden.

Zu viele Reize (z.B. zu viel Besuch), Stress in der Familie können ebenfalls dazu führen, dass das Baby keine Ruhe findet, an der Brust zu trinken.

Grafik Milchspendereflex

Beim ersten Milchspendereflex (MSR) schießt große Menge Milch in kurzer Zeit. Mit den nachfolgenden Milchspendereflexen nimmt der Milchfluss ab. [Grafik nach Garnder et al. 2017]

Unruhe an der Brust kann auch mit „zu viel Milch“ und einem zu starken Milchspendereflex zusammenhängen, welche oft zusammen auftreten. Dieses Problem kommt vor, nachdem die Milchbildung bereits aufgebaut ist, also allerfrühestens nach dem Milcheinschuss oder erst nach Wochen. Hier tritt die Unruhe ab dem Anfang der Stillmahlzeit auf, nach dem Auslösen des ersten Milchspendereflexes. Das Baby verschluckt sich, hustet, würgt oder dockt sich ab, um wieder Luft zu bekommen. Die nachfolgenden Milchspendereflexe sind nicht so heftig, das Baby kann besser trinken. In solchen Fällen hilft, wenn die Mutter sich zum Stillen auf den Rücken legt – die Milch schießt gegen die Gravitation nicht so heftig, oder wenn der erste Milchspendereflex manuell ausgelöst wird und die spritzende Milch z.B. in einem Tuch aufgefangen wird (s. den Artikel Zu viel Milch). Bei häufigeren Mahlzeiten, wenn die Brust nicht so voll ist, spritzt die Milch nicht so heftig wie am Anfang seltenerer, größerer Mahlzeiten. Durch die Erhöhung der Stillhäufigkeit kann die Unruhe an der Brust daher manchmal behoben werden. Bei einer ausgeprägten Überproduktion kann der Milchfluss auch nach mehreren Milchspendereflexen zu stark bleiben. Wird das Baby an einer entleerten Brust angelegt, kann es jedoch gut trinken, der Milchspendereflex ist dann nicht so heftig (s. auch die Artikel Zu viel Milch und Hintergrundwissen zum Milchspendereflex und Fettgehalt der Muttermilch).

Manchmal bietet die Mutter im Laufe der Stillzeit die Brust nicht mehr so häufig an wie in den ersten Wochen: Sie führt Mindestabstände ein (Stillen nur alle 2 / 3 / 4 Stunden), sie stillt nicht mehr in der Öffentlichkeit, kehrt zur Arbeit zurück, stillt nachts ab usw. Dies kann in manchen Fällen dazu führen, dass die Milchbildung und der Milchfluss zurückgehen und dass das Baby an der Brust frustriert ist. Trinkt ein Baby am Anfang der Stillmahlzeit noch zufrieden und wird nach einer Weile unruhig (strampelt mit den Beinchen, hantelt mit den Ärmchen, boxt in die Brust), dann hat der Milchfluss möglicherweise zu sehr abgenommen, obwohl das Baby noch Hunger hat. Hier können Brustkompression, das Anlegen des Babys an der zweiten Brust und Wechselstillen (d.h. Zurückkehren an die erste Brust, nachdem auch die zweite geleert wurde und mehrfaches Wechseln hin und her) sowie häufigeres Stillen helfen. Auf diese Weise wird der Milchspendereflex immer wieder neu ausgelöst und die Milchbildung kann in kurzer Zeit wieder deutlich gesteigert werden (siehe auch: Praktische Maßnahmen zur Steigerung der Milchbildung). Hat die Mutter die Befürchtung, dass ihr Baby an der Brust nicht ausreichend zunimmt, dann sollte das Gewicht in regelmäßigen Abständen kontrolliert und durch die Hebamme, Stillberaterin und den Kinderarzt ausgewertet werden (mehr Infos im Artikel Zu wenig Milch).

Tritt die Unruhe an der Brust erst nach mehreren Monaten erfolgreichen Stillens auf, dann liegt dies möglicherweise daran, dass das Baby anfängt, sich für sein Umfeld zu interessieren. Es wird schnell abgelenkt und hat keine Geduld mehr in Ruhe zu trinken. Hier kann eine Reizreduktion helfen, z.B. indem das Baby in einer ruhigen, ungestörten Ecke gestillt wird. Oft holen die Kinder die Stillmahlzeiten in diesem Alter nachts nach, indem sie dann besonders häufig und ausgiebig trinken (oft zum Leidwesen der Mütter).Vielen Dank für Ihre Spende für das Still-Lexikon!

Wenn grundsätzlich gut trinkende Babys an der Brust gelegentlich unruhig sind, signalisiert das mitunter, dass das Baby „muss“, d.h. Stuhl oder Urin ausscheiden möchte. Dann hilft das „Abhalten“ des Babys z.B. über einem Töpfchen. Das Baby erleichtert sich und kann anschließend an der Brust konzentriert trinken (Stichwort „windelfrei“).

Kann das unruhige Stillverhalten durch eine professionelle Stillberatung nicht behoben werden, dann liegen evtl. medizinische Probleme beim Kind vor, die vom Kinderarzt abgeklärt werden sollten.

Manchmal ist das Baby erkältet – die Nase ist verstopft und das Baby bekommt beim Stillen keine Luft. Oder es hat Schmerzen beim Stillen z.B. durch Druck auf die Ohren oder eine Mittelohrentzündung.  Auch Mundsoor (Infektion mit Hefepilzen) kann beim Baby während des Stillens Schmerzen verursachen und eine vorübergehende Ablehnung der Brust, Weinen an der Brust oder unruhiges Stillen zur Folge haben. Meist ist bei einer Soor-Infektion die Mutter mitbetroffen (siehe auch: Soor-Infektion in der Stillzeit).

Auch eine Allergie auf ein Nahrungsmittel aus der Ernährung der Mutter kann unruhiges Verhalten an der Brust auslösen. Der Kinderarzt Carlos González beschreibt, dass manche Babys mehr oder weniger zufrieden mit dem Trinken an der Brust anfangen und dann unruhig werden und weinen, „sobald die Milch im Magen ankommt“. Laut Gonzalez lässt sich dieses Verhalten manchmal (aber nicht immer!) durch eine Unverträglichkeit z.B. gegen Kuhmilcheiweß oder andere Nahrungsbestandteile aus der Muttermilch erklären. Bei einem Verdacht auf eine Kuhmilcheiweißallergie wird eine Eliminationsdiät empfohlen, bei der die Mutter Kuhmilch, alle Milchprodukte (Käse, Joghurt usw.) und alle Nahrungsmittel mit Milchbestandteilen (Kekse, Schokolade usw.) konsequent für 7–10 Tage weglässt. Auch Eier, Fisch, Nüsse usw. können Allergien auslösen, auch wenn viel seltener als Kuhmilch (mehr zu Eliminationsdiäten im Artikel Ernährung der stillenden Mutter).

Ein und dasselbe Baby kann mitunter schläfrig, dann unruhig an Brust sein und sogar die Brust komplett verweigern. Ein unruhiges Baby an der Brust kann daher auf dieselben Maßnahmen reagieren, die für schläfrige oder brustverweigernde Babys vorgesehen sind.

Übersicht der möglichen Ursachen für Unruhe beim Stillen:

  • ungünstige, ineffektive Stillposition
  • das Baby ist noch nicht bereit, an der Brust zu trinken
  • verstopfte Nase
  • ein zu kurzes Zungenband beeinträchtigt das Stillen, das Baby bekommt nicht genug Milch
  • Geburtstrauma (z.B. ein gebrochenes Schlüsselbein oder Verletzungen am Schulter oder Arm)
  • Muskelverspannungen infolge der Geburt
  • anatomische oder (vorübergehende) neurologische Probleme, die das effektive Saugen an der Brust beeinträchtigen. Manche, oft zu früh geborene Babys, sind noch nicht in der Lage, das Saugen, Schlucken und Atmen miteinander zu koordinieren.
  • Medikamente während der Schwangerschaft oder der Geburt
  • Tabak- oder Drogenkonsum der Mutter
  • Reizüberflutung / Überempfindlichkeit des Babys
  • Ausgehungertes Baby
  • Zu viel Milch
  • Zu heftiger Milchspendereflex
  • Reflux
  • Mundsoor
  • Prägung auf künstliche Sauger
  • Luft im Magen
  • Schmerzen beim Baby oder der Mutter
  • Allergie z.B. gegen Kuhmilcheiweß aus der Nahrung der Mutter
  • Rückgang der Milchbildung durch ineffektives / zu seltenes Anlegen und ein zu langsamer Milchfluss
  • Kommunikation von Ausscheidungen (das Baby „muss“, möchte aber nicht in die Windel machen)

Erfahrene Stillberaterinnen beobachten die Stillmahlzeiten und erfragen relevante Angaben, um die Ursachen und Lösungen für die Unruhe an der Brust herauszufinden (s. z.B. unser Stillberatungsverzeichnis).

Quellen:

  • Walker M: Fussy infant. In: Breastfeeding management for the clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning, S. 301 ff. 2014, 3. Aufl.
  • Gonzalez C: Mein Kind will nicht essen. 2018, 7. Aufl. S. 44–48.
  • Gardner H, Kent JC, Prime DK, Lai CT, Hartmann PE, Geddes DT: Milk ejection patterns remain consistent during the first and second lactations. Am J Hum Biol 2017;e22960.
  • Schmidt N: Artgerecht. Das andere Baby-Buch. Kösel Verlag. 2015, S. 202. (Babyzeichen zur Ankündigung von Geschäften)
  • Cadwell K, Turner-Maffei: Pocket guide for the lactation management. Jones & Bartlett Learning, 3. Aufl. 2017. S. 109 ff: My baby is not comfortable at the breast.
  • La Leche League Schweiz: Das Handbuch für die stillende Mutter, 2016.
  • Newmann J, Pitman T: Dr. Jack Newman´s Guide to Breastfeeding, 2014.

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2018. Letzte Ergänzung: Oktober 2018.