Initiale Brustdrüsenschwellung beim Milcheinschuss

Weißkohl

Zur Linderung der Brustdrüsenschwellung werden traditionell Weißkohlblätter angewendet (© Tagstock Japan)

Der Beginn der Milchbildung (Milcheinschuss) findet meist am dritten (bzw. am zweiten bis zehnten Tag) nach der Geburt statt. Sie kann mild und allmählich verlaufen und keine Probleme verursachen. Sie verläuft schätzungsweise bei 25-50% der Mütter unter Auftreten von Schmerzen und Ödemen: Die Brust schwillt an und spannt, die Haut ist gerötet und glänzend, die Körpertemperatur ist leicht erhöht (< 38,4 ºC) und die Venenzeichnung der Brust ist sehr ausgeprägt. Die verstärkte initiale Brustdrüsenschwellung tritt meist an beiden Seiten auf und geht mit einem gestörten Milchfluss einher.

Der große Druck in den Brüsten entsteht nicht durch große Milchmengen, sondern durch Lymphstauungen im Zwischendrüsengewebe.

Die Brustwarze wird durch Spannung und Schwellung flach ausgezogen und das Kind kann Schwierigkeiten bekommen, Brustwarze und Warzenhof zu fassen und korrekt zu saugen. In der Folge kann die Brust nicht effizient entleert werden. Das Risiko für eine Brustentzündung und Brustwarzenverletzungen steigt. Damit das Baby an der Brust wieder saugen kann, empfiehlt man heute das so genannte „reverse pressure softening“, bei dem geschulte Fachkräfte durch eine Druckmassage um die Brustwarze herum eine Vertiefung erzeugen. Medikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol können gegen eventuelle Schmerzen genommen werden.

Die beste Behandlung einer Brustdrüsenschwellung ist identisch mit der Vorbeugung, und zwar das häufige Anlegen (10-12-mal in 24 Stunden und auch nachts) mit der richtigen Technik. Holen Sie sich zum Anlegen ggf. Unterstützung. Wenn nicht gestillt werden kann, muss die Brust manuell oder einer Milchpumpe entleert werden.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Methoden, die in der Stillberatung zur Linderung von initialen Brustdrüsenschwellungen empfohlen werden, auch wenn wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit fehlen:

  • Nach dem Stillen kann die Brust für 15-20 Minuten gekühlt werden, z.B. durch Auflage von kalten Quarkwickeln oder Kühlkissen (Achtung: kein direkter Kontakt zwischen Haut und Eis, da Gefahr der Hautschädigung durch Erfrierung!). Im Handel sind verschiedene Kühlkompressen bzw. auch Quarkwickel extra für den Brustbereich erhältlich (z.B. von Ardo, Mamivac und Quarkpack), die mit einer Aussparung der Brustwarze die gesamte Brust samt Achselbereich abdecken. Quarkwickel lassen sich auch gut mit handelsüblichem Quark aus dem Supermarkt zu Hause herstellen: auf Tüchern dünn Quark aus dem Kühlschrank streichen und die gesamte Brust abdecken – auch hier gilt: Brustwarze und Warzenhof unbedingt aussparen.
  • Ebenfalls empfohlen wird die Anwendung von Weißkohlblättern, mit denen die Brust eingehüllt werden kann, nachdem die Oberfläche der einzelnen Kohlblätter durch Beklopfen oder Auswalzen geöffnet wurde.
  • Eine Tiefdruckmassage kann von geschultem Personal zur Linderung der Symptome eingesetzt werden.

Das Ausmaß der Brustdrüsenschwellung nimmt mit jeder Geburt ab. Erstgebärende leiden am häufigsten darunter.

Quellen:

  • S3-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit 2013.
  • Scheele M: Stillen bei Erkrankung der Mutter aus frauenärztlicher Sicht. In Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
  • Kroth C: Stillen und Stillberatung. Ullstein Medical 1998
  • Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. 5. Auflage, 1999, Mosby and 6. Auflage, 2005, Elsevier Mosby
  • Riordan J und Auerbach KG: Breastfeeding and Human Lactation, 2. Auflage, 1999; Jones and Bartlett Publishers
  • American Academy of Pediatrics: New mother’s guide to breastfeeding. Bantam books, 2002

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Korrektur: Februar 2017.