Verstärkte initiale Brustdrüsenschwellung (schmerzhafter Milcheinschuss)

Zeichnung mit spannenden Brüste
Im Zuge der initialen Brustdrüsenschwellung schwillt die Brust an. Manchmal verläuft der sog. Milcheinschuss schmerzhaft und das Baby kann Probleme bekommen, an der Brust gut anzudocken.(© still-lexikon.de)

Etwa zwei Drittel der frisch gebackenen Mütter empfinden zwischen dem 2. und 5. Tag nach der Geburt ein gewisses Anschwellen und Spannen der Brust, die auf den Beginn der reichlichen Milchbildung folgt. Umgangsprachlich wird dieser Prozess Milcheinschuss genannt, in der Fachsprache spricht man von initialer Brustdrüsenschwellung.

Der Milcheinschuss kann mild und allmählich verlaufen und keine Probleme verursachen. Manchmal treten Schmerzen und Ödeme auf: Die Haut ist gerötet und glänzend, die Venenzeichnung der Brust ist ausgeprägt. Die Körpertemperatur kann leicht erhöht sein (< 38,4 ºC). Manche Frauen mit ausgeprägter Brustdrüsenschwellung beschreiben ihre Brüste als hart und fest wie ein Stein und haben sehr starke Schmerzen. Die verstärkte initiale Brustdrüsenschwellung tritt an beiden Seiten auf und geht mit einem gestörten Milchfluss einher.

Der große Druck in den Brüsten entsteht durch eine verstärkte Durchblutung, die beginnende Milchbildung und durch Lymphstauungen im Zwischendrüsengewebe.

Die Brustdrüsenschwellung kann durch Ödeme – also durch Wassereinlagerungen im Zwischendrüsengewebe – weiter verstärkt werden. Diese sind die Folge von allgemeinen Wassereinlagerungen während der späten Schwangerschaft und insbesondere intravenös verabreichter Flüssigkeiten unter der Geburt (z.B. bei „Wehentropf“ oder Periduralanästhesie). Große Mengen intravenöser Flüssigkeiten während der Geburt verstärken und verlängern die Brustschwellung, mitunter bis nach Tag 9.

Ein verstärktes und langes Anschwellen der Brust hat verschiedene unerwünschte Auswirkungen: Schmerzen, eine Hemmung der Milchbildung und Saugprobleme seitens des Kindes. Denn die Brustwarze wird durch Spannung und Schwellung flach ausgezogen und das Neugeborene bekommt Schwierigkeiten, Brustwarze und Warzenhof zu fassen. In der Folge kann es die Brust nicht effizient entleeren. Das Risiko für eine Brustentzündung und wunde Brustwarzen steigt.

Maßnahmen bei einem verstärkten Anschwellen der Brust

Darf ein Baby direkt nach der Geburt ausgiebig, mindestens eine Stunde, noch besser 2–3 Stunden mit der Mutter Haut an Haut kuscheln und stillen, treten schwere Brustdrüsenschwellungen seltener auf.

Generell wirkt viel Körper- und Hautkontakt (24-Stunden-Rooming-in / Bedding-in) und häufiges, uneingeschränktes Stillen rund um die Uhr (mindestens 8–12-mal in 24 Stunden und auch nachts) einer verstärkten Brustdrüsenschwellung entgegen. Übrigens, Stillen in zurückgelehnter Stillposition ist ebenfalls mit seltenerem Auftreten von verstärktem Milcheinschuss assoziiert, weil in dieser Position das Stillen oft besser funktioniert.

Die Optimierung des Anlegens kann bei Bedarf den Milchtransfer verbessern und somit einer verstärkten Brustdrüsenschwellung entgegenwirken.

Eventuelle Schmerzen der Mutter können bei Bedarf durch stillverträgliche Schmerzmittel, und zwar Ibuprofen oder Paracetamol gelindert werden (siehe Arzneimittel und Stillen).

Die therapeutische Brustmassage, entwickelt durch die Laktationsberaterin Maya Bolmann anhand von traditionellen Techniken aus der ehemaligen Sowjetunion, hilft den Abfluss der Lymphflüssigkeit anzuregen: Der Lymphfluss wird zunächst durch sanfte Massage in den Achselhöhlen angeregt (die Mutter greift mit vier Fingern in ihre gegenüberliegende Achselhöhle und bewegt ihre Finger geschlossen hin- und her, um das Gewebe zu lockern, etwa 10-12-mal). Anschließend wird die Brust sanft von der Brustwarze Richtung Achselhöhle und Schlüsselbein gestrichen (ggf. Hände mit einem geruchsneutralen Öl vorher einölen, damit sie gut auf der Haut gleiten) und die „Brustgymnastik“ ausgeübt: Dabei nimmt die Frau ihre Brust in beide Hände und bewegt sie ganz sanft hoch und runter, rechts und links, kreisend in beide Richtungen (s. Video zur Brustgymnastik auf Facebook). Die Prozedur kann mehrfach wiederholt und vor jedem Stillen eingesetzt werden. Zusätzlich helfen Bewegungen, Lymphstauungen zu beseitigen: Bewegung der Arme hoch und runter, des Kopfes hin- und her, der Nacken wird massiert.

Video von Brustgymnastik - Massage und Bewegung der Brust - Achselhöhlenmassage - Streichen Richtung Achselhöhle, Schlüsselbein, Bewegung der Brust hoch, runter, rechts, links und kreisförmigAnschließend kann bei Bedarf noch ein wenig Muttermilch per Hand oder Pumpe gewonnen werden, damit das Baby die Brust besser erfassen kann (s. Video zur Brustmassage und Handgewinnung von Maya Bolman). Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Milchgewinnung schmerzfrei ist. Schmerzhafter Druck auf das Brustgewebe könnte das Risiko für Brustentzündungen steigern. Außerdem sollte nicht mehr Milch gewonnen werden als für das Anlegen erforderlich, um die Milchbildung der Mutter nicht über den Bedarf des Babys hinaus zu steigern.

Zurückdrängen von Stauungen am Brustwarzenhof mit den FingernDamit das Baby an der Brust wieder saugen kann, darf das so genannte „reverse pressure softening“ angewendet werden, bei dem eine Druckmassage mit den Fingern um die Brustwarze herum für etwa 20 Sekunden die Ödeme nach weiter hinten verschiebt und eine Vertiefung erzeugt. Das Baby kann dadurch besser an die Brust andocken. Hierzu gibt es verschiedene Video-Anleitungen.

Eine neue Behandlungsmethode ist das „Tapen“: Durch das Anbringen elastischer Bänder an der Brust sollen das Lymphgefäßsystem angeregt und Schmerzen und Stauungsprobleme behoben werden.

Auch Stillhütchen werden manchmal eingesetzt, wenn ein Baby aufgrund der Brustdrüsenschwellung vorübergehend nicht andocken kann, allerdings haben Stillhütchen zahlreiche Nachteile und eine Abgewöhnung kann schwierig werden.

Wenn es nicht gelingt, das Baby erfolgreich anzulegen, sodass es effektiv saugen kann, dann soll die Milch vorübergehend per Pumpe oder manuell gewonnen werden (etwa 8- bis 12-mal in 24 Stunden, s. den Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch) und das Baby mit alternativen Techniken gefüttert werden. Auf diese Weise wird die Milchbildung trotz Probleme in Gang gebracht und das Baby ernährt.

Traditionell werden zur Linderung von Schmerzen und Entzündung auch vorgekühlte Weißkohlblätter oder Quarkwickel eingesetzt. Die äußeren Weißkohlblätter werden entsorgt, weil sie Pestizid-belastet sein können. Dann werden einzelne Kohlblätter durch Beklopfen oder Auswalzen geöffnet und die Brust wird darin eingehüllt. Man kann die Weißkohlblätter in den BH legen und so befestigen oder im Liegen einfach lose auf die Brust legen. Der Brustwarzenbereich wird ausgespart. Der ausgetretene Saft von Kohl und die Kühlung sollen abschwellend und entzündungshemmend wirken. In der Regel werden die Kohlblätter nach dem Stillen eingesetzt, solange bis die Blätter welk sind (ca. 2 Stunden) oder die Mutter sie gegen gekühlte Blätter frisch aus dem Kühlschrank austauschen möchte (nach ca. 20 Minuten).

Kohlwickel - gekühlte Kohlblätter waschen, ausklopfen, um die Brust legen

 

Quarkwickel lassen sich mit handelsüblichem Quark aus dem Supermarkt zu Hause herstellen: auf Tücher Quark aus dem Kühlschrank streichen und die gesamte Brust abdecken – auch hier gilt: Brustwarze und Warzenhof aussparen, weil die empfindliche Haut der Brustwarzen durch die Säuren im Quark angegriffen werden kann. Auch Quarkwickel werden nach dem Stillen aufgetragen und wieder abgenommen, bevor der Quark austrocknet (nach ca. 20 bis 40 Minuten). Auch der gekühlte Quark soll abschwellend und entzündungshemmend wirken.

Quark zwischen zwei Tuchlagen streichen und auf die Brust legen - Brustwarze und Brustwarzenhof auslassen

Darüber hinaus kann die Brust mit Kühlkompressen aus dem Tiefkühlfach gekühlt werden, und zwar sowohl vor als auch nach dem Stillen (Achtung: kein direkter Kontakt zwischen Haut und Eis, da die Haut durch Erfrierung beschädigt werden kann!).

Auch Akupunktur linderte in einer Studie die Symptome einer übermäßigen Brustdrüsenschwellung. Oxytocinsprays, welche bei schmerzhaften Milchstaus früher häufig angewendet wurden, haben sich in Studien als unwirksam herausgestellt und werden heute nicht mehr angewendet.

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