Initiale Brustdrüsenschwellung und schmerzhafter Milcheinschuss

Weißkohl

Zur Linderung der Brustdrüsenschwellung werden traditionell Weißkohlblätter angewendet (© Tagstock Japan)

Etwa zwei Drittel der frisch gebackenen Mütter empfinden zwischen dem 3. und 5. Tag nach der Geburt (bei Kaiserschnitt tendenziell 24–48 Stunden später) ein Anschwellen und Spannen der Brust. Bei manchen Frauen tritt diese initiale Brustdrüsenschwellung – im Volksmund Milcheinschuss genannt – erst am Tag 9 oder 10 auf.

Der Milcheinschuss kann mild und allmählich verlaufen und keine Probleme verursachen. Sie verläuft schätzungsweise bei 25–50% der Mütter unter Auftreten von Schmerzen und Ödemen: Die Haut ist gerötet und glänzend, die Körpertemperatur ist leicht erhöht (< 38,4 ºC) und die Venenzeichnung der Brust ist sehr ausgeprägt. Die verstärkte initiale Brustdrüsenschwellung tritt meist an beiden Seiten auf und geht mit einem gestörten Milchfluss einher.

Der große Druck in den Brüsten entsteht durch eine verstärkte Durchblutung, die beginnende Milchbildung und durch Lymphstauungen im Zwischendrüsengewebe.

Die Brustdrüsenschwellung kann durch Ödeme – also durch Wassereinlagerungen im Zwischendrüsengewebe – noch verstärkt werden. Diese sind die Folge von allgemeinen Wassereinlagerungen während der späten Schwangerschaft und insbesondere intravenös verabreichter Flüssigkeiten unter der Geburt (z.B. bei „Wehentropf“ oder Periduralanästhesie). Große Mengen intravenöser Flüssigkeiten während der Geburt verstärken und verlängern  die Brustschwellung, mitunter bis nach Tag 9.

Ein verstärktes und langes Anschwellen der Brust hat verschiedene unerwünschte Auswirkungen: Schmerzen, eine Hemmung der Milchbildung und Saugprobleme seitens des Kindes. Denn die Brustwarze wird durch Spannung und Schwellung flach ausgezogen und das Neugeborene bekommt Schwierigkeiten, Brustwarze und Warzenhof zu fassen. In der Folge kann es die Brust nicht effizient entleeren. Das Risiko für eine Brustentzündung und wunde Brustwarzen steigt.

Maßnahmen bei einem verstärkten Milcheinschuss

Generell wirkt viel Körper- und Hautkontakt (24-Stunden-Rooming-in / Bedding-in) und häufiges, uneingeschränktes Stillen rund um die Uhr (10–12-mal in 24 Stunden und auch nachts) einer verstärkten Brustdrüsenschwellung entgegen.

Die Schmerzen der Mutter können durch stillverträgliche Schmerzmittel, und zwar Ibuprofen oder Paracetamol gelindert werden (siehe Arzneimittel und Stillen).

Damit das Baby an der Brust wieder saugen kann, empfiehlt man heute in erster Linie das so genannte „reverse pressure softening„, bei dem eine Druckmassage um die Brustwarze herum die Ödeme nach weiter hinten verschiebt und eine Vertiefung erzeugt. Das Baby kann dadurch besser an die Brust andocken. Hierzu gibt es verschiedene Video-Anleitungen. Eine weitere Vorgehensweise ist die Tiefdruckmassage der Brust. Hierbei massieren geschulte Fachkräfte die Lymphstauungen zurück. Allerdings wird eine Tiefdruckmassage von vielen Frauen als unangenehm – zu invasiv – empfunden und daher abgelehnt. Eine neue Behandlungsmethode ist das „Tapen“: Durch das Anbringen elastischer Bänder an der Brust sollen das Lymphgefäßsystem angeregt und Schmerzen und Stauungsprobleme behoben werden.

Eine weitere Methode, um die Brustwarze für das Baby erfassbar zu machen, ist das Ausdrücken oder Abpumpen von etwas Muttermilch vor dem Stillen. Dadurch wird die Brust weicher. Diese Vorgehensweise ist allerdings umstritten, da das Abpumpen von Muttermilch die Ödeme um die Brustwarzen herum verstärkt. Manche Stillberaterinnen empfehlen daher, beim Pumpen ein möglichst geringes Vakuum zu wählen. Andere bevorzugen das manuelle Entleeren der Brust, wobei auch das die Ödeme um die Brustwarzen herum verstärken kann.

Wenn es nicht gelingt, das Baby erfolgreich anzulegen, sodass es effektiv saugen kann, dann soll die Milch per Pumpe oder manuell gewonnen werden (etwa 8- bis 12-mal in 24 Stunden, s. den Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch) und das Baby mit alternativen Techniken gefüttert werden. Auf diese Weise wird die Milchbildung trotz Probleme in Gang gebracht und das Baby ernährt.

Traditionell werden zur Linderung von Schmerzen und Entzündung Weißkohlblätter oder Quarkwickel eingesetzt. Die äußeren Weißkohlblätter werden entsorgt, weil sie zu sehr Pestizid-belastet sein können. Dann werden einzelne Kohlblätter durch Beklopfen oder Auswalzen geöffnet und die Brust wird darin eingehüllt. Man kann die Weißkohlblätter in den BH legen und so befestigen oder im Liegen einfach lose auf die Brust legen. Die Brustwarzen werden ausgespart. Quarkwickel lassen sich mit handelsüblichem Quark aus dem Supermarkt zu Hause herstellen: auf Baumwolltücher dünn Quark aus dem Kühlschrank streichen und die gesamte Brust abdecken – auch hier gilt: Brustwarze und Warzenhof aussparen, weil die empfindliche Haut der Brustwarzen durch die Säuren im Quark angegriffen werden kann. Der Handel bietet fertige Quarkwickel extra für den Brustbereich an: den Quarkpack. Der Quarkpack kann lange Zeit im Schrank bei Raumtemperatur aufbewahrt werden, d.h. man braucht keinen frischen Quark zu Hause. Außerdem hat der Quarkpack eine Form, die speziell für den Brustbereich entwickelt wurde.

Darüber hinaus kann die Brust mit Kühlkompressen gekühlt werden, und zwar sowohl vor als auch nach dem Stillen (Achtung: kein direkter Kontakt zwischen Haut und Eis, da die Haut durch Erfrierung beschädigt werden kann!). Die Kühlung wirkt der Schwellung entgegen. Bei Milchstau und Mastitis wird die Brust vor dem Stillen gewärmt (um den Milchfluss zu fördern) und nur nach dem Stillen gekühlt, aber beim Milcheinschuss wird von einigen Stillberaterinnen auch vor dem Stillen Kühlung empfohlen. Auch hierzu bietet der Handel praktische Kühlkompressen für die Brust mit Aussparung für die Brustwarzen (z.B. von Ardo oder Mamivac).

Auch Akupunktur linderte in einer Studie die Symptome einer übermässigen Brustdrüsenschwellung. Oxytocinsprays, welche bei schmerzhaften Milchstaus früher häufig angewendet wurden, haben sich in Studien als unwirksam herausgestellt und werden heute nicht mehr angewendet.

Quellen:

  • Kraus B: Anlegen nach mütterlichen und kindlichen Reflexen. Workshop auf dem BDL-Kongress, 25.03.2017
  • Berens P, Brodribb W and the Academy of Breastfeeding Medicine: ABM Clinical Protocol #20: Engorgement, Revised 2016. Breastfeeding Medicine 2016;11(4).
  • Mangesi L, Zakarija-Grkovic I: Treatments for breast engorgement during lactation (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 6. Art. No.: CD006946.
    DOI: 10.1002/14651858.CD006946.pub3.
  • S3-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit 2013.
  • Scheele M: Stillen bei Erkrankung der Mutter aus frauenärztlicher Sicht. In Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
  • Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. 5. Auflage, 1999, Mosby and 6. Auflage, 2005, Elsevier Mosby

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Überarbeitung: April 2017.