Stillen senkt Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit auch bei Müttern

15. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Hätten Sie es gewusst?
Frau auf der Intensivstation

Stillen reduziert auch das Risiko für mütterliche Erkrankungen wie Brustkrebs, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Herzinfarkt. (© chaikom)

Dass Stillen für die Gesundheit von Säuglingen wichtig ist, weiß heute fast jeder. Dass es auch die Erkrankungshäufigkeit und die Sterblichkeit von Müttern senkt, ist noch nicht allgemein bekannt. Die amerikanische Medizin-Professorin Melissa Bartick und ihre Kollegen haben eine neue Analyse veröffentlicht, in der sie durch suboptimales Stillen verursachte Erkrankungen, Sterblichkeit sowie Gesundheitskosten bei Kindern und ihren Müttern mittels einer Computersimulation abschätzen. Eins der interessantesten Ergebnisse ihrer Analyse ist, dass die Mütter durch suboptimales Stillen viel öfter vom vorzeitigen Tod betroffen sind als ihre Kinder. Auch die Gesundheitsausgaben sind bei ihnen durch suboptimales Stillen deutlich höher als bei ihren Kindern. Durch optimales Stillen ließen sich laut Bartick und Kollegen mütterliche Erkrankungs- und Sterbefälle an Brustkrebs, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Herzinfarkt vermeiden. Die Auswirkung von Stillen auf die mütterliche Gesundheit entspricht laut den Wissenschaftlerinnen der von etablierten medizinischen Interventionen, wie z.B. der Aspirin-Gabe zur Sekundärprävention von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Grafik mit optimalen und reellen Stillraten in den USA

Optimale und tatsächliche Stillraten, die in der Studie für den Vergleich herangezogen wurden.

Würden 90% der Mütter anstelle der aktuellen Realität entsprechend den medizinischen Empfehlungen in den USA stillen (6 Monate ausschließlich und anschließend neben Beikost mindestens bis zum 1. Geburtstag), so würden nicht nur den Kindern, sondern auch den Müttern viele Erkrankungs- und sogar Todesfälle erspart. Auch die Kosten für medizinische Behandlungen würden sinken.

Bei Kindern wurden bei der Analyse neun Erkrankungen berücksichtigt, deren Schwere und Häufigkeit anhand des heutigen wissenschaftlichen Stands durch optimales Stillen reduzieren lässt, wie Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Infektionen, Bronchitis und Lungenentzündung. Optimales Stillen schützt auch vor dem plötzlichen Kindstod: Bei 100.000 Mutter-Kind-Paaren können durch optimales Stillen etwa 25 Kinder vor dem plötzlichen Kindstod gerettet werden. Wenn alle pädiatrischen Todesfälle berücksichtigt werden, die sich durch optimales Stillen vermeiden lassen, werden bei 100.000 Mutter-Kind-Paaren 36 Kinder gerettet. Hier werden neben dem plötzlichen Kindstod auch Leukämie-Erkrankungen und Fälle von nekrotisierender Enterokolitis berücksichtigt (eine schwere Darmerkrankung, die vor allem bei Frühgeborenen vorkommt).

Auf der Seite der Mütter können durch optimales Stillen Fälle von Brustkrebs, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Herzinfarkt vermieden werden. Insgesamt lassen sich bei 100.000 Müttern laut Studie 136 vorzeitige Todesfälle vermeiden. Somit betrafen in der Computersimulation 78% der vorzeitigen Todesfälle die Mütter und nur 22% der Fälle die Kinder.Grafik mit Zahlen zu durch optimales Stillen vermeidbaren Erkrankungs- und Todesfällen

Quelle:

  • Melissa C. Bartick, Eleanor Bimla Schwarz, Brittany D. Green, Briana J. Jegier, Arnold G. Reinhold, Tarah T. Colaizy, Debra L. Bogen, Andrew J. Schaefer, Alison M. Stuebe: Suboptimal breastfeeding in the United States: Maternal and pediatric health outcomes and costs. Maternal & Child Nutrition 2016;1–13.

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