Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch

abpumpen-swDer folgende Artikel bietet über das Abpumpen, Handgewinnen, Aufbewahren und Erwärmen von Muttermilch einen Überblick:  über die Methoden der Milchgewinnung, die verschiedenen Milchpumpenmodelle, wie die gewonnene Milchmenge gesteigert werden kann, wann der beste Zeitpunkt für das Pumpen ist und worauf man beim Aufbewahren und Erwärmen von Muttermilch achten muss. Eine Reihe praktischer Tipps und Hinweise runden den Artikel ab.

Abpumpen oder per Hand gewinnen?

Milch per Hand gewinnen

Um per Hand Milch zu gewinnen, werden Zeigefinger und Daumen ca. 2 cm hinter dem Brustwarzenhof positioniert, dann zuerst Richtung Brustkorb gedrückt und dann aufeinander zubewegt. Dieser Vorgang wird zyklisch wiederholt, bis der Milchspendereflex einsetzt und anschließend das Brustsegment entleert ist.

Es gibt verschiedene Methoden, Milch aus der Brust zu entleeren. Idealerweise sollte jede stillende Mutter wissen, wie sie Milch aus der Brust von Hand entleert, um sich bei Saugschwierigkeiten beim Baby, bei starkem initialen Milcheinschuss, Milchstau, wunden Brustwarzen, vorübergehender Trennung vom Kind oder bei einer Brustverweigerung helfen zu können. Man lernt das manuelle Gewinnen idealerweise unter persönlicher Anleitung in der Entbindungsklinik oder von einer Hebamme / einer Stillberaterin. In der Realität beherrschen allerdings viele medizinische Fachkräfte, die junge Mütter betreuen, die Technik des Handentleerens nicht oder es steht ihnen keine Zeit zur Verfügung, den Müttern die Technik beizubringen. Anhand von Beschreibungen ist das Erlernen nicht ganz einfach. Im Internet ist ein deutschsprachiger Lehrfilm zur Handentleerung kostenfrei zugänglich. Eine schriftliche Anleitung hat u.a. die WHO/UNICEF-Initiative erarbeitet.

In den ersten Tagen nach der Geburt wird das Kolostrum am effektivsten per Hand gewonnen. Außerdem kann man die geringen Kolostrummengen bei einer Handgewinnung viel besser auffangen als beim Abpumpen (siehe den englischsprachigen Lehrfilm zur Kolostrumgewinnung direkt nach der Geburt). Wenn das Baby an der Brust noch nicht effektiv saugen kann, dann wird durch die häufige Handentleerung vom Kolostrum ab dem ersten Tag (mind. 6-mal täglich) die Milchbildung trotzdem gut in Gang gebracht. Anschließend erreicht man durch elektrische Doppelpumpen jedoch höhere Milchmengen als durch die Handentleerung allein.

=> Die höchsten Milchmengen werden durch eine Kombination aus Abpumpen und Handentleeren erzielt.

Auch für Frauen, deren Babys effektiv saugen können, lohnt es sich, die Handgewinnung zu erlernen. Der große Vorteil der manuellen Gewinnung ist, dass sie – im Gegensatz zu Milchpumpen – überall und jederzeit verfügbar ist, auch ohne technische Hilfsmittel. Die Handgewinnung kostet nichts und es muss nichts zusammen- bzw. auseinandergeschraubt und anschließend gereinigt werden. Manche Frauen können ihren Milchspendereflex per Hand besser auslösen als mit der Pumpe. Das Erlernen der Handgewinnung braucht eine gewisse Zeit und Übung. Um eine komplette Stillmahlzeit zu gewinnen, sind 20-30 Minuten notwendig. Falls die gewonnene Muttermilch ans Baby verfüttert werden soll, kann sie in großen, sauberen Schalen gesammelt werden. Geübte Frauen können auch kleinere Auffanggefäße wählen.

Welche Milchpumpe für welchen Zweck?

Der Handel bietet eine große Auswahl an verschiedenen Milchpumpen an. Es ist nicht einfach, das für sich geeignete Modell auszuwählen. Auch bezüglich der Qualität gibt es große Unterschiede. Schlechte Milchpumpen verursachen Schmerzen und beschädigen die Brustwarze, das Abpumpen ist langwierig und wenig effektiv. Gute Milchpumpen sind schonend und entleeren die Brust effektiv. Es ist sinnvoll, sich bei Stillorganisationen, Hebammen oder Laktationsberaterinnen IBCLC persönlich beraten und unterstützen zu lassen, um die für sich geeignete Pumpe zu finden.

Handpumpe

Handpumpe

Die in Drogerien, Apotheken und Online-Händlern erhältlichen Handpumpen sind praktisch, wenn man gelegentlich Milch abpumpen will. So kann die Mutter Milch auf Vorrat gewinnen, falls sie sich kurzfristig von ihrem Kind trennen muss, wie z.B. für einen Arztbesuch. Handpumpen sind vergleichsweise preiswert, leicht, leise, passen gut in die Handtasche und benötigen keinen Strom. Die wiederholten Pumpbewegungen können für die Hände allerdings etwas anstrengend sein, wenn man regelmäßig abpumpen muss.

Die so genannten Zylinderpumpen bestehen aus einem inneren und einem äußeren Teil. Sie sind zwar preiswert, sollten jedoch höchstens für den gelegentlichen Gebrauch eingesetzt werden. Die Saugstärke kann bei ihnen nicht reguliert werden und fürs Abpumpen an einer Brust sind beide Hände erforderlich. Es handelt sich um ein Auslaufmodell.

Gummiballpumpe

Von Gummiballpumpen ist dringend abzuraten.

Von den immer noch erhältlichen Gummiball-Pumpen wird in Fachkreisen dringend abgeraten, auch wenn sie sehr günstig sind. Da die Saugstärke durch das Drücken des Gummiballs nicht fein genug eingestellt werden kann, können Verletzungen an der Brustwarze entstehen. Zudem wird die Brust nicht effektiv entleert. Außerdem gerät Milch unvermeidlich auch in den Gummiball, der nicht ausreichend gereinigt werden kann. Aufgrund der hohen Gefahr einer bakteriellen Kontamination darf die gewonnene Milch nicht verfüttert werden.

transportable elektrische Milchpumpe

transportable elektrische Milchpumpe

Für berufstätige Mütter sind transportable elektrische Milchpumpen, bei denen beide Brüste gleichzeitig abgepumpt werden, die beste Wahl. Bei einer effektiven elektrischen Pumpe mit Doppelpumpset braucht die Mutter nur 10 bis 15 Minuten, um eine komplette Stillmahlzeit zu gewinnen. Batteriebetriebene Modelle haben den Vorteil, von einem Stromanschluss unabhängig zu sein; die Mutter kann sie flexibel in eine geeignete Ecke am Arbeitsplatz mitnehmen und auch auf Geschäftsreisen verwenden. Diese Milchpumpen sind bei zahlreichen Online-Händlern und in spezialisierten Apotheken erhältlich. Wenn man sich für eine elektrische Pumpe entscheidet, lohnt sich meist ein Modell, das von Anfang an mit einem Doppelpumpset ausgestattet ist oder dazu aufgerüstet werden kann.

Geburtskliniken setzen auf elektrische Klinik- und Verleihpumpen, die von mehreren Wöchnerinnen im Wechsel viele Jahre im Einsatz sind. Sie müssen besonders leistungsfähig und robust, einfach zu reinigen und zu sterilisieren sein. Die Anforderung an eine verunreinigungsfreie Milchgewinnung ist ebenfalls höher als bei Milchpumpen für einzelne Familien mit gesunden Säuglingen. Verschiedene Modelle wurden speziell für Mütter von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen entwickelt. Sie sind am besten geeignet, um die Milchbildung aufzubauen und aufrechtzuerhalten, wenn direktes Stillen nicht möglich ist. Aufgrund der hohen Kosten ist der Erwerb von Klinik- und Verleihpumpen für einzelne Familien nicht sinnvoll. Sie können in vielen Apotheken und Sanitätshäusern gemietet werden. Für die korrekte Anwendung von Milchpumpen können sich die Mütter nicht nur von ihren Hebammen und Stillberaterinnen beraten lassen.

Die meisten Hersteller von Milchpumpen verletzen den WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten. Eltern können ein Stück weit zur Stillförderung beitragen, indem Sie bei der Wahl der Milchpumpe die Kodex-Konformität berücksichtigen (siehe Übersicht von Kodex-konformen Milchpumpen).

Einstellungen der Milchpumpe: Saugfrequenz und Vakuum

Bei den meisten elektrischen Milchpumpen kann man die Saugfrequenz einstellen. Um den Milchspendereflex auszulösen, eignen sich etwa 120 Zyklen /Minute und ein niedriges Vakuum (Stimulationsphase). Etwa in dieser Frequenz fängt auch das Baby an zu saugen, um den Milchfluss in Gang zu bringen. Fängt die Milch an zu laufen, dann wird die Saugfrequenz niedriger und das Vakuum höher eingestellt. Somit wird die Milch effektiver entleert. Das Vakuum sollte auf das Maximum eingestellt werden, was die Frau ohne Schmerzen ertragen kann, da die Brust auf diese Weise am effektivsten geleert wird. Dieses maximal erträgliche Vakuum liegt zwischen -98 mmHg und -270 mmHg und ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Die Brustwarzen können sich mit der Zeit auf größere Vakuumstärken gewöhnen. Ein Hauch Brustwarzencreme über die Spitze der Brustwarzen kann das Spannungsgefühl lindern.

Bei Handmilchpumpen kann man die Pumpfrequenz und das Vakuum bei den meisten modernen Modellen ebenfalls anpassen. Zum Starten wird der Milchspendereflex durch häufiges Drücken auf den Hebel ausgelöst (also etwa zweimal pro Sekunde). Wenn die Milch spritzt, dann drückt man den Hebel tiefer und seltener.

Die richtige Trichtergröße für die Milchpumpe

verschieden große Brustglocken / Brusthauben / Pumpentrichter

Mit dem richtigen Pumpentrichter lassen sich Verletzungen vermeiden und die Milch wird effektiv entleert.

Die Größe der Brustwarzen ist bei jeder Frau individuell unterschiedlich, oft unterscheiden sich sogar die beiden Brustwarzen bei einer Frau. Die Größe des Milchpumpen-Trichters sollte zur Brustwarze der Mutter passen. Ist der Trichter zu klein, passt die Brustwarze nicht in den Tunnel oder reibt sich an der Tunnelwand, was zu Schmerzen, Schwellungen und Verletzungen führen kann. Seitliche Milchgänge werden blockiert, aber auch die mittleren können nicht effektiv entleert werden. Ist der Trichter zu groß, wird zu viel Warzenhof-Gewebe in den Tunnel gezogen. Der Sog wird auf den Warzenhof ausgeübt, was ebenfalls zu Schmerzen und Verletzungen führen kann, und die Milch wird nicht effektiv entleert. Idealerweise füllt die Brustwarze den Tunnel weitgehend aus, kann sich darin aber noch frei bewegen. Die meisten einfachen Milchpumpen aus der Drogerie sind nur mit einer Standard-Trichtergröße ausgestattet. Diese passt vielen Frauen, viele andere können damit jedoch nicht effektiv abpumpen. Auf Milchpumpen spezialisierte Hersteller bieten drei bis fünf verschiedene Trichtergrößen an.

Milchpumpen-Marken mit Brustglocken in verschiedenen Größen
Standard Weitere Größen
Ardo medical
26 mm
22, 28, 31, 36 (z.T. mithilfe von Brustglockeneinsätzen)
Mamivac 24 mm
20 (S), 28 (L), 36 (XL)
Medela 24 mm
21 (S), 27 (L), 30 (XL), 36 (XXL)

Um die richtige Trichtergröße zu bestimmen, kann die Frau den Durchmesser ihrer Brustwarzen mit einem Lineal an der Basis ausmessen, oder eine Kreisschablone aus Papier selbst herstellen oder aus dem Schreibwarengeschäft besorgen und ausprobieren, durch welchen Kreis die Brustwarze passt. Oder man probiert die Milchpumpen mit den mitgelieferten Standard-Hauben aus und sucht anschließend nach besser passenden Größen. Viele Frauen haben Brustwarzen mit einem Durchmesser von 12 bis 17 mm. Es kommen aber auch Brustwarzen mit unter 10 mm und über 24 mm Durchmesser vor. In der ersten Zeit nach der Geburt und auch durch das Pumpen können die Brustwarzen zusätzlich anschwellen. Die Hauben sollten mind. 4-5 mm größer als die Brustwarzen gewählt werden, damit sich die Haut an der Tunnelwand nicht reibt und Platz für eine gewisse Schwellung bleibt.

Wenn bei der Handgewinnung oder beim Abpumpen kaum Milch gewonnen werden kann …

Mutter pumpt beide Brüste gleichzeitig ab.

Wenn beide Brüste gleichzeitig abgepumpt werden, spart man Zeit und der Milchspendereflex wird effektiver ausgelöst. (© Fotolia, Foto-Point)

Es kann beunruhigend sein, wenn man bei seinen Bemühungen kaum Milch erhält … Die meisten Probleme beim Abpumpen / Handgewinnen ergeben sich aus dem Ausbleiben des Milchspendereflexes und nicht aus einer zu geringen Milchproduktion. Bei der Handgewinnung kommt es u.a. auf die richtige Technik an, die es zu erlernen gilt. Sowohl das Abpumpen als auch die Handgewinnung müssen geübt werden. Die ersten Versuche sollten als Übung betrachtet werden. Auch die verschiedenen Milchpumpenmodelle unterscheiden sich bezüglich ihrer Effektivität, den Milchspendereflex auszulösen. Wenn beide Brüste gleichzeitig abgepumpt werden, wird der Milchspendereflex  außerdem effektiver ausgelöst als wenn nur eine Brust abgepumpt wird und die Brust wird stärker entleert. Manchmal ist es möglich, dass das Baby an der einen Brust trinkt, während die andere Brust abgepumpt wird: So hilft das Baby den Milchspendereflex auszulösen.

Während der Handgewinnung / des Abpumpens kann der Milchspendereflex immer wieder ausgelöst werden, wenn man das Entleeren nach 5-7 Minuten für eine Brustmassage unterbricht oder wenn man auf die andere Brust wechselt, sobald der Milchfluss nachlässt. Kleine Pausen zur Entspannung sind ebenfalls sinnvoll. Der Milchspendereflex kann mit einer Brustmassage unterstützt werden, indem man an der Brust z.B. spiralförmig von außen nach innen sanft entlangstreicht oder sternchenförmig von außen nach innen streicht – in die Richtung also, in die sich auch die Milch bewegen soll. Ältere Säuglinge und Kleinkinder wissen übrigens instinktiv, wie sie den Milchspendereflex fördern können – viele Mütter können ein Lied davon singen: Während des Trinkens „massieren“ die Kleinen die Brüste, spielen mit der Brustwarze der anderen Brust und wechseln mehrfach zwischen den Brüsten hin- und her.

Berufstätige Mutter entspannt im Sessel vor dem Abpumpen

Entspannung und Gedanken ans Baby unterstützen den Milchspendereflex

Folgende Punkte können zur Unterstützung des Milchspendereflexes zusätzlich beachtet werden:

  • Der Milchspendereflex wird durch Stress blockiert. Daher ist es wichtig, dass sich die Mutter entspannen kann: Sie sollte das Telefon abstellen, die Tür abschließen und evtl. entspannende Musik oder eine Relaxations-CD anmachen. Frauen, die sich Relaxations-CDs oder entspannende Musik während des Abpumpens anhörten, konnten in Studien signifikant mehr Milch gewinnen.
  • Das Einhalten eines Rituals kann den Milchspendereflex zusätzlich anregen, z.B. Wärmeanwendungen an den Brüsten oder eine sanfte Brustmassage.
  • Außerdem kann es sehr hilfreich sein, wenn die Mutter direkt neben ihrem Baby sitzt, während sie ihre Brust entleert, oder bei einer Trennung intensiv an ihr Baby denkt, evtl. ein Photo von ihm betrachtet oder an einem Kleidungsstück von ihm riecht. Denn Oxytocin, das „Liebeshormon“ lässt die Milch fließen.
  • Um den Milchspendereflex wieder auszulösen, nachdem der Milchfluss nachgelassen hat, kann eine elektrische Milchpumpe wieder in die Stimulationsphase geschaltet werden. Bei einer Handpumpe drückt man wieder häufiger und oberflächlicher, bis die Milch wieder fließt.

Durch die Erwärmung der Brust vor dem Abpumpen kann die Effektivität der Entleerung gesteigert werden, d.h. man kann die Brust durch die Erwärmung schneller und stärker entleeren. Dazu kann man z.B. ein Handtuch mit warmem Wasser (39 °C) um die Brust wickeln, um diese vor und während des Abpumpens zu wärmen. Bei der manuellen Entleerung sollten auch die Hände warm sein. Wer die Brust häufig entleert, kann im Handel auch Temperatur-Kompressen erwerben, die eigens für die Brust entwickelt worden sind (für Kodex-konforme Produktbeispiele siehe unseren Artikel Temperatur-Kompressen für die Brust).

Eine weitere Möglichkeit, die Milchgewinnung zu steigern, ist das so genannte Hands-on-Pumping, d.h. die manuelle Unterstützung der Milchgewinnung während des Abpumpens (siehe den Englisch-sprachigen Lehrfilm: Newborns.stanford.edu/Breastfeeding/MaxProduction.html). Diese Technik wurde für Mütter von Frühgeborenen entwickelt, die ihre Milchbildung nur durch Abpumpen / Handentleeren aufbauen müssen. Durch das Hands-on-Pumping steigt die Milchbildung mit der Zeit auf das Doppelte an als durch das Abpumpen allein. Denn durch das Hands-on-Pumping lässt sich die Brust viel gründlicher entleeren. Die gründliche Entleerung der Brust ist das Signal an die Brustdrüsen, die Milchbildungsrate zu steigern (mehr über den Entleerungsgrad der Brust und die Milchbildungsrate: Wie man mehr Milch bilden kann).

Das Hands-on-Pumping besteht aus folgenden Schritten:

  • Schritt 1: Beide Brüste massieren
  • Schritt 2: Beide Brüste gleichzeitig mit einem Doppelpumpset pumpen, bis keine Milch mehr kommt – Während des Abpumpens ein Pumpbustier anhaben, um die Hände frei zu haben. Mit den freien Händen Brustkompression ausüben (mit der Hand die Brust weiter oben, auch am Ansatz und draußen, zusammendrücken – kräftig, aber nicht schmerzhaft) und die Brust massieren. Die Mutter spürt, wo noch Milch ist, dort massieren
  • Schritt 3: Wenn keine Milch mehr kommt, beide Brüste wieder mit der Hand durchmassieren.
  • Schritt 4: Anschließend gibt es zwei Möglichkeiten. Die Mutter kann beide probieren:
    1. Die Mutter gewinnt ihre Milch per Hand
    2. Die Mutter pumpt auf einmal nur eine Brust ab und bearbeitet diese Brust mit der anderen Hand. Anschließend wird die zweite Brust abgepumpt und bearbeitet und dann wieder die erste und wieder die zweite usw.

Häufigkeit des Abpumpens / Handgewinnens

Wie oft man die Brüste entleert, hängt von der Zielsetzung ab. Wenn ein früh- oder neugeborenes Baby nicht an der Brust trinken kann und daher ausschließlich von abgepumpter Muttermilch ernährt werden soll, ist 8- bis 12-maliges Abpumpen an einem Tag erforderlich, also alle 2-3 Stunden und einmal während der Nacht. Achtmaliges Abpumpen am Tag für jeweils 15 Minuten gilt als Untergrenze, um die Milchbildung aufbauen zu können. Wenn sich die Milchproduktion nach den ersten Wochen stabilisiert hatte, ist 6-maliges Abpumpen in der Regel ausreichend, manche Frauen müssen nur 5-mal abpumpen, um ihre Milchbildung aufrechtzuerhalten. Wie oft eine Mutter Milch gewinnen muss, um die Milchbildung längerfristig aufrechtzuerhalten, kann also individuell unterschiedlich ausfallen. Wenn die Milchproduktion nachlässt, sollte wieder häufiger, und nicht unbedingt länger abgepumpt werden und die Brüste müssen ggf. wieder gründlicher entleert werden. Um bei frühgeborenen und kranken Neugeborenen eine ausreichende Milchmenge bilden und aufrechterhalten zu können, ist es sinnvoll, in Zusammenarbeit mit Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC einen Pumpplan aufzustellen. Bei berufstätigen Müttern mit einer üblichen Arbeitszeit reicht 1- bis 3-maliges Abpumpen in der Regel aus, wenn in der gemeinsamen Zeit und nachts das Stillen nachgeholt wird. Wenn das Baby bereits größere Mengen Beikost isst, dann kann einmaliges Abpumpen ausreichen, bei älteren Babys und gestillten Kleinkindern muss die Mutter am Arbeitsplatz gar nicht mehr abpumpen.

Vor oder nach dem Stillen abpumpen?

Vor allem für Mütter, die neben dem Stillen einen Milch-Vorrat aufbauen möchten, stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt fürs Abpumpen ist: Vor oder nach dem Stillen? Wenn beide Brüste weitgehend entleert werden und sich dann das hungrige Baby meldet, wird es vielleicht nicht gleich satt und muss dann öfter wieder an die Brust. Wenn die Mutter über den Tag verteilt und auf einmal nur kleine Mengen, z.B. 1-2-mal 50 ml abpumpt, kann sie Milch gewinnen, ohne dass das Baby an der Brust hungrig bleibt. Bei vielen Babys lässt sich nicht vorhersagen, wann sie wieder an der Brust trinken wollen. Bei Babys mit einem relativ stabilen Stillrhythmus ist Abpumpen vielleicht eine Stunde nach der Stillmahlzeit eine gute Idee. Man kann auch während des Stillens Pumpen. Dann läuft die Milch besonders gut, weil das trinkende Baby den Milchspendereflex auch an der anderen Brust anregt.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, neben dem Stillen nur relativ kleine Mengen zu pumpen. Wenn man auf einmal zu viel abpumpt, kommt die Milchbildung nicht schnell genug nach und das Baby bekommt nicht genug Muttermilch. Andererseits steigert das zusätzliche Abpumpen die Milchbildung, und wenn die Mutter plötzlich nicht mehr pumpt, produziert sie zu viel Milch und bekommt pralle Brüste, die Gefahr für Milchstau und Brustentzündung erhöht sich. Kleine Mengenunterschiede gleicht die Brust ohne weiteres kurzfristig aus. Bei größeren Mengenunterschieden braucht die Brust mehrere Tage bis Wochen, um die Milchbildung anzupassen.

Pumpbustier

Pumpbustier

Handfrei abpumpen

Wenn Mütter z.B. aufgrund einer Berufstätigkeit oder bei kranken Neugeborenen viel Zeit mit Abpumpen verbringen müssen, sind sie sehr froh, wenn ihre Hände trotzdem frei bleiben. Auch für die manuelle Unterstützung der Brustentleerung sind solche Tops sehr hilfreich. Bei elektrischen Milchpumpen können die Trichter mithilfe eines engen Tops oder Bustiers, in die auf der Höhe der Brustwarzen Löcher geschnitten werden, festgehalten werden. In der Zwischenzeit bietet auch der Handel eigene Pumpbustiers an. Für „Vielpumper“ können diese sinnvoll sein.

So sieht gewonnene Muttermilch aus

Kolostrum

Kolostrum

Es kann beunruhigend sein, wenn die gewonnene Muttermilch ganz anders aussieht als erwartet.

Vordermilch

Vordermilch

Das in den ersten Tagen gewonnene Kolostrum ist gelblich bis orange. Es wird während der Schwangerschaft und den ersten Tagen nach der Geburt gebildet und liefert alles, was das Neugeborene in den ersten Tagen braucht: Flüssigkeit, Nahrung und Abwehrkräfte. Durchschnittlich ab dem 10. Tag nach der Geburt bildet sich die reife Frauenmilch, die weißlich aussieht. Die zunächst intensive gelbliche Farbe der Muttermilch hellt sich nach und nach auf.

Hintermilch

Hintermilch

Das Aussehen der Milch verändert sich auch im Laufe des Entleerens: Die wässrige Vordermilch wird zu Beginn entleert: Sie löscht hauptsächlich den Durst. Zum Schluss wird die sättigende, fettreiche Hintermilch entleert.

Wenn man Muttermilch stehen lässt, setzt sich die Fettschicht oben ab: man sieht eine weißliche obere Phase. Darunter liegt die wässrige untere Phase. Vor dem Verfüttern sollte die Milch vorsichtig geschwenkt werden, um das Milchfett gleichmäßig zu verteilen. Frauenmilch kann auch bläuliche oder bräunliche Töne annehmen. Nahrungsmittel und Medikamente können die Milch auch rosa, orange, grün oder sogar schwarz anfärben. Das ist alles kein Grund zur Beunruhigung, die Milch schadet dem Kind nicht.

Aufbewahren von Muttermilch

Die folgenden Angaben beziehen sich auf gesunde Säuglinge, die die Milch ihrer eigenen Mutter erhalten. Wenn Muttermilch gespendet oder einem kranken oder frühgeborenem Kind gegeben wird, sollten die Richtlinien des Krankenhauses befolgt werden.

Muttermilchaufbewahrungsbeutel

Beutel für die Aufbewahrung von Muttermilch (© plepraisaeng)

Eine Voraussetzung für das hygienische Aufbewahren von Muttermilch ist Händewaschen kurz vor dem Abpumpen und Einfüllen der Milch und die Verwendung sauberer Aufbewahrungsbehälter. Am besten sind eigens für diesen Zweck entworfene verschließbare Glasgefäße. Trübes Hartplastik (Polypropylen, PP) ist nach neuesten Erkenntnissen die zweite Wahl. Klares Hartplastik aus Polycarbonat (PC) ist wegen des enthaltenen Bisphenol A in Kritik geraten. Weiterhin sind Einmalbeutel für Muttermilch aus der Apotheke oder Drogerie erhältlich (siehe Kodex-konforme Produktbeispiele). Die Glas- und Plastikgefäße sollten gründlich mit warmem Spülwasser gereinigt und an der Luft getrocknet werden. Die Behälter sollten mit Datum beschriftet werden, um die Milch in der Reihenfolge zu verbrauchen, in der sie abgepumpt wurde. Grundsätzlich gilt, dass Muttermilch so frisch wie möglich verfüttert werden soll. Wenn sie innerhalb von 3 Tagen nach dem Abpumpen verbraucht wird, wird sie am besten im Kühlschrank zwischen 0-4°C aufbewahrt. Denn beim Einfrieren gehen gewisse Eigenschaften der Muttermilch verloren. Für eine längere Aufbewahrung muss die Milch eingefroren werden.

Haltbarkeit von Muttermilch:

  • Bei 25°C: 4-6 Stunden
  • Bei 19-22°C: 10 Stunden
  • Bei 15°C: 24 Stunden
  • Im Kühlschrank (nicht in der Kühlschranktür!): 3 Tage; wenn 0-4°C gewährleistet sind, 5 (max. 8) Tage
  • Im Tiefkühlgerät (bei -19°C ): 6 Monate und länger

Auftauen und Erwärmen der Muttermilch

Muttermilch sollte schonend aufgetaut werden. Entweder sehr langsam im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur. Wenn es schnell gehen soll, kann sie unter fließend kaltem Wasser und allmählich wärmerem Wasser (bei maximal 37 °C) aufgetaut werden. Muttermilch sollte nicht in der Mikrowelle erhitzt werden, da Bestandteile der Milch zerstört werden. Außerdem kann die ungleichmäßige Erwärmung Verbrennungen beim Kind verursachen. Einmal aufgetaute Muttermilch kann im Kühlschrank 24 Stunden gekühlt werden. Sie sollte jedoch nicht wieder eingefroren werden. Muttermilch muss nicht unbedingt bei 37°C gefüttert werden. Raumtemperatur reicht aus.


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Quellenangaben für diesen Beitrag

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© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Änderungen: April 2017. Der unterste Teil des Artikels zum Thema Fütterung von Muttermilch wurde in einen eigenen Artikel ausgelagert.