Das Baby von der Flasche an die Brust gewöhnen

Mutter stillt ihr Baby Haut an Hautin zurückgelehnten Position

Viel Zeit in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt, Geduld und „Baby-led-Latching“ erhöhen die Chance auf eine erfolgreiche Rückführung an die Brust. (© Kati Molin)

Saugverwirrung und Ablehnung der Brust durch das Baby sind häufige Erscheinungen. Im folgenden Beitrag geht es darum, wie ein Baby, das an die Flasche gewöhnt ist, an die Brust zurückgeführt werden kann, wenn Muttermilch durch Abpumpen und Handentleeren gebildet wird oder wenn das Baby an der Brust zugefüttert werden soll.

Hat sich ein Baby an die Flasche gewöhnt, lehnt es die Brust mitunter ab. Solchen Situationen geht in aller Regel ein sehr schwieriger Stillstart voraus, bei dem die Milchbildung nur verzögert in Gang kam und/oder das Baby Schwierigkeiten hatte, an der Brust effektiv zu saugen. Schwierige Geburten, Kaiserschnitte, unreife Neugeborene, unzureichende Unterstützung im Wochenbett, Trennung von Mutter und Kind können neben weiteren Ursachen zu einer solchen Situation führen. Klappt das Stillen an der Brust innerhalb von 12 bis 24 Stunden nach der Geburt nicht, wird das Baby in vielen Kliniken mit der Saugflasche ernährt, aus der die Milch anders kommt als aus der Brust – und zwar bei den Saugern aller Hersteller, unabhängig von deren Werbebotschaften. Das Baby prägt sich auf die Flasche, aus der die Milch kommt, und kann das Saugmuster, welches für die Entleerung der mütterlichen Brust erforderlich ist, nicht ausüben (mehr zum Thema Saugverwirrung). Durch den schwierigen Stillstart und das Forcieren des Stillens verbindet das Baby Stress, Frustration und Angst mit der Brust. Es fängt mitunter schon an zu schreien und sich zu verkrampfen, sobald es in die Nähe der Brust gelegt wird.

Mitunter liegen anatomische Probleme vor (z.B. ein zu kurzes Zungenbändchenn), evtl. Verspannungen im Kopf-, Schulter-, Nackenbereich durch die Geburt, eine übermäßige Schläfrigkeit z.B. aufgrund einer Neugeborenengelbsucht oder Medikationen, oder bestimmte (vorübergehende) neurologische Schwierigkeiten. Besondere Brustwarzenformen können das Anlegen ebenfalls erschweren. Erfahrende Stillberaterinnen und Hebammen, insbesondere erfahrene Still- und Laktationsberaterin IBCLC können durch eine gründliche Untersuchung die Ursachen des Problems oft identifizieren und Lösungswege finden. Mitunter kann die korrekte Positionierung bereits Wunder wirken.

Vielfach lösen sich die Ursachen für die ursprünglichen Saugprobleme im Laufe der Tage und Wochen auf, die Ablehnung der Brust seitens des Babys kann jedoch bestehen bleiben. Die folgenden Vorschläge gelten für grundsätzlich gesunde Mütter und Babys, bei denen ungünstige Startbedingungen zur Ablehnung der Brust führten und die Mutter durch regelmäßiges Entleeren der Brust (s. Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch und Die Milchmenge stiegern: Wie man mehr Milch bilden kann) ihre Milchbildung aufbauen konnte, um ihr Baby ausschließlich oder teilweise mit Muttermilch ernähren zu können. Die folgenden Vorschläge können jedoch auch dann zum Einsatz kommen, wenn das Baby mit Säuglingsnahrung zugefüttert werden muss. Dann wird das Baby mithilfe alternativer Fütterungsmethoden an der Brust zugefüttert. Grundsätzlich klappt die Umgewöhnung besser, wenn die Milch gut fließt.

Grundsätzliche Hinweise

Für die Mutter ist es extrem frustrierend, wenn es ihr nicht gelingt, ihr Baby anzulegen und das Baby ihre Brust nur noch anschreit. Das Baby lehnt jedoch nicht seine Mutter ab. Ein Baby, das nicht stillt, KANN NICHT stillen, zumindest im Augenblick. Unzählige Mütter mussten solche negativen Erfahrungen schon durchmachen.

Die Mutter braucht für die Rückführung des Babys an die Brust sehr viel Zuspruch, Geduld und Ausdauer und sollte auf einen steinigen Weg mit Rückschlägen vorbereitet sein. Grundsätzlich sind die Chancen bei einem jungen Säugling besser als bei älteren: In den ersten Wochen bis Monaten stehen die Chancen noch gut und nehmen mit der Zeit ganz langsam ab. Es ist aber nie zu spät, es zu versuchen. Wenn man sich darauf einstellt, dass der Rückführungsprozess mehrere Wochen oder Monate dauern kann und auch darf, dann erspart man sich und auch dem Baby viel Stress.

Eine Grundregel bei der Rückführung ist, dass das Baby niemals zum Stillen gedrängt werden darf, d.h. Babys Köpfchen sollte niemals gegen die Brust gedrückt werden, sonst verstärkt sich die Ablehnung der Brust. Das Baby soll letztlich selbst entscheiden können, ob und wann es an die Brust zurückkehrt. Die Eltern „locken“ es an die Brust, üben aber keinen Zwang aus.

Desweiteren sollte das Baby gerade zufrieden und satt sein, wenn es an die Brust gewöhnt wird. Das Ziel ist nicht, dass es gleich aus der Brust trinkt, sondern zunächst, dass es die Nähe der nackten Brust erträgt, dass es langsam lernt sich dort wohl zu fühlen, irgendwann die Brustwarze in den Mund nimmt, dann ab und zu daran leckt oder nuckelt, dann öfter und länger daran nuckelt – zunächst um sich wohl zu fühlen (non-nutritives Saugen) und schließlich auch dann, wenn es hungrig ist, um zu trinken (nutritives Saugen).

Das Baby an die Nähe der Brust gewöhnen

Baby im Tuch auf nackter Haut mit der Mutter

Die weichen, elastischen Tragetücher eignen sich hervorragend zum Känguruen auf nackter Haut. Mutter und Kind tragen nur das Tragetuch. (© Rebdesign)

Lehnt das Baby die Brust der Mutter vehement ab, dann muss es ganz langsam wieder an die Nähe der Brust gewöhnt werden. Die Mutter kann sich hierzu zu Hause viel oben ohne aufhalten (den Rücken und Schulter z.B. mit einem Jäckchen bedecken, aber ohne Hemd und BH bleiben) und alle Aktionen mit dem Baby (wickeln, umziehen, baden usw.) auf diese Weise ausführen. So lernt das Baby, dass von der Brust keine „Gefahr“ ausgeht.

Oft muss sich das Baby in einem nächsten Schritt daran gewöhnen, mit der Mutter in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt zu sein. Viel Zeit in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt mit dem Baby unterstützt die Milchbildung, stabilisiert das Baby und erhöht auch die Chance, dass das Baby die Brust annimmt:

  • Die Mutter kann mit ihrem Baby im Bett auf nackter Haut schmusen, sich mit dem Baby zusammen entspannen, baden und sich wohl fühlen.
  • Wenn die Mutter sich drinnen oder draußen aktiv bewegt, kann sie das Baby auf nackter Haut in ein elastisches Tuch binden, sodass der direkte Hautkontakt aufrechterhalten wird. Das elastische Tuch fungiert praktisch wie ein gemeinsames T-Shirt für Mutter und Kind und kann auch in Gesellschaft getragen werden (s. auch „Mit Tragetüchern die Milchbildung fördern“). Wenn Mutter und Kind viel schwitzen, kann das Baby z.B. ein Baumwollbody anhaben. Babys Köpfchen ist aber idealerweise in der Nähe von Mamas nackter Brust.
  • Mutter und Kind sollten möglichst direkt nebeneinander schlafen und auch dabei viel Hautkontakt genießen. Auch da kann sich das Baby an die direkte Nähe zur nackten Brust gewöhnen.

Die Fokussierung auf die Brust fördern

Das Baby wird direkt an der nackten Brust gefüttert.

Wenn das Baby immer neben der nackten Brust gefüttert wird, lernt es die Milch mit der Brust zu assoziieren. Idealerweise wird das Baby nicht mit der Flasche, sondern einem Becher zugefüttert. (© Kirill Ryzhov)

Das Baby soll im nächsten Schritt lernen, dass Milch und Brust zusammenhängen. Die Mutter kann das Baby beim Füttern immer an die nackte Brust nehmen. Sie kann, als würde sie stillen, ihre Bluse und ihren Still-BH öffnen und das Baby in einer Stillposition direkt neben der nackten Brust füttern. Das Baby assoziiert die Stillposition, die warme, weiche Haut der Mutter und den angenehmen Duft der Brustwarzen, der speziell für das Baby in den Montgomery-Drüsen am Brustwarzenhof gebildet wird, mit der süßen Milch.

Falls das Baby mit einer Saugflasche gefüttert wird, sollten noch weitere Hinweise beachtet werden, damit die Rückführung an die Brust gefördert wird. Die Mutter sollte das Baby dazu animieren, den Mund vor dem Trinken immer weit zu öffnen, indem sie Babys Lippen von der Nase zum Kinn mit dem Sauger streichelt. Wenn das Baby den Mund weit öffnet, wie zum Gähnen, dann kann es an die Flasche andocken. Dies lehrt das Baby, dass es vor dem Trinken den Mund immer weit öffnen muss, was das spätere Andocken an der Brust sehr erleichtert. Unter den Saugflaschen sind Weithalsflaschen mit möglichst rundem, weichem Sauger und einer breiten Lippenauflage und kleiner Öffnung zu bevorzugen (für mehr Hinweise siehe den Abschnitt Stillfreundliche Flaschenfütterung).

Wie das Baby die Brustwarze in den Mund nimmt

Baby schläft direkt neben der nackten Brustwarze

Wenn das Baby genügend Gelegenheiten erhält, wird es irgendwann vielleicht spontan andocken. (© Aleksey Mnogosmyslov)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Baby an die Brust zu bekommen. Verbringt das Baby viel Zeit in direktem Hautkontakt mit der Mutter (z.B. im Bett, beim Baden oder im Tuch), nimmt es die Brustwarze vielleicht ganz nebenbei irgendwann spontan in den Mund: Wenn es gerade satt und zufrieden ist und nur ein bisschen nuckeln möchte. Wichtig ist, dass auch die Mutter sich dabei entspannen kann und keinen Druck auf sich und das Baby ausübt. Sie soll dem Baby lediglich die Gelegenheit durch Nähe und Hautkontakt bieten und die Sache nicht forcieren. Es liegt am Baby, die Gelegenheit zu nutzen – oder auch nicht.

In Indien wurde zur Heranführung des Babys an die Brust die sogenannte „Drop and Drip“-Methode entwickelt. Hier tropft man Milch über die Brust der Mutter und lässt diese über die Brustwarze laufen. Hierzu kann man eine Pipette, eine kleine Spritze oder einen Fingerfeeder benutzen. Das Baby riecht die leckere Milch und leckt sie auf. Auf diese Weise entsteht ein Zungenkontakt und wiederum die Assoziation zwischen Brustwarze und Milch. Die „Drop and Drip“-Methode kann man z.B. ausführen, wenn Mutter und Baby zusammen baden oder gerade im Bett Haut an Haut kuscheln, am besten in der zurückgelehnten Stillposition (siehe Laid-Back-Nursing), mit Babys Kopf in direkter Nähe zur Brustwarze. In dieser Position kann sich das Baby zur Brustwarze bewegen und daran lecken. Mit etwas Glück fängt es an, die Brustwarze in den Mund zu nehmen und daran zu saugen. Man kann das jeden Tag, ggf. auch mehrfach wiederholen. Mulltücher fangen die Milch auf, die nicht vom Baby aufgeleckt werden.

Handgewinnung Schritt 5

Etwas Milch ausdrücken und das Baby so an die Brust locken. (Foto: Thea Juppe-Schütz)

Mütter, die ausreichend Milch bilden, können auch einfach etwas Milch ausdrücken. Das Baby leckt die Milch auf.

Die Bereitschaft des Babys, an der Brust zu saugen, kann erhöht werden, indem andere Saugmöglichkeiten, vor allem der Schnuller und das Fläschchen, nicht angeboten werden (sog. „Saugdeprivation“).

=> Der Schnuller sollte möglichst weitgehend eingeschränkt und am besten komplett weggelassen werden.

Wenn das Baby sein Saugbedürfnis am Schnuller stillen kann, wird es weniger Interesse an der Brust haben. Durch das Weglassen des Schnullers wird das Baby eher bereit sein, an der Brust zu saugen. Zur Beruhigung des Babys und als Begleitung zum Einschlafen eignet sich die Brust hervorragend.

Auch nachts kann die Mutter als erstes die Brust zum Nuckeln anbieten, sobald das Baby unruhig wird. Wenn das Baby noch nicht ganz wach ist, akzeptiert es die Brust eher.

In dieser Phase sollte die Brust nicht zur Ernährung angeboten werden, sondern nach dem Trinken, zur Beruhigung, zum Einschlafen oder zum Aufwachen. Ein hungriges Baby gerät schnell in Aufruhr und verbindet die Brust wieder nur mit Frustration.

=> Falls möglich, sollte auch auf die Saugflasche verzichtet werden. Erhält das Baby die Milch aus einem Becher, dann kann es sein Saugbedürfnis nicht mehr bei der Fütterung befriedigen. Seine Bereitschaft, an der Brust zu saugen, steigt.

Baby trinkt aus Trinkbecher (Alternative Fütterung)

Das Baby schleckt die Milch aus dem Becher heraus.  Zufütterung ohne künstliche Sauger erleichtert die Umgewöhnung auf die Brust. (© Thea Juppe-Schütz)

Es gibt kontroverse Meinungen dazu, wie konsequent die Flasche weggelassen werden sollte. Eine solche Umstellung und die fehlende Möglichkeit für das Baby, sein Saugbedürfnis auf gewohnte Weise zu befriedigen, bedeuten Stress für das Baby. Auch für die Mutter kann die Umstellung eine zusätzliche Belastung darstellen. Die Mutter kann ausprobieren, ob das Weglassen der Flasche für ihre individuelle Situation machbar und sinnvoll ist. Verschiedenen Studien zufolge ist die Chance, dass ein Baby an die Brust gewöhnt werden kann, deutlich höher, wenn es keine Saugflaschen und Schnuller bekommt.

Ans Stillen gewöhnen

Für die Rückführung des Babys an die Brust ist es sehr hilfreich, wenn die Mutter lernt, ihre Brust auch mit der Hand zu entleeren. Die Handentleerung kann einerseits die Milchbildung steigern (siehe Hands-on-Pumping), und andererseits kann die Mutter ihre Milch auch direkt zum Mund des Babys ausdrücken und somit das Interesse des Babys wecken.

Handgewinnung Schritt 1

Vor dem Anlegen kann mithilfe einer Brustmassage der Milchfluss in Gang gesetzt werden, damit das Baby gleich belohnt wird. (Foto: Thea Juppe-Schütz)

Auch Milchtropfen an der Brustwarze animieren das Baby zum Andocken. So kann das Baby, wie bei der „Drop-and-Drip-Methode“ die Milch ablecken. Außerdem kennen es Babys, die mit der Flasche gefüttert wurden, mitunter gar nicht mehr, dass sie zum Beginn erstmal trocken ansaugen müssen, damit der Milchfluss angeregt wird. Bei der Flasche läuft die Milch sofort, ohne dass das Baby etwas dafür tun müsste. Wenn das Baby an der Brust trinken will und nicht sofort etwas kommt, ist es frustriert. Wenn die Mutter mit der Hand den Milchspendereflex vor dem Ansetzen des Babys auslöst, läuft die Milch sofort, das Baby wird gleich belohnt.

Eine Sonde ist an die Brust geklebt, Spritze mit Milch gefüllt.

Zufütterung an der Brust mittels Ernährungssonde und Spritze (© Thea Juppe-Schütz)

Wenn die Mutter aus der Brust keine Milch gewinnen kann oder wenn sie keine volle Milchproduktion hat, dann kann sie direkt an der Brust zufüttern, z.B. mit dem  so genannten „Fingerfeeder“, einer Spritze mit gebogener Spitze, einer Sonde oder dem Brusternährungsset: Dann träufelt sie zunächst Milch über die Brust und sobald das Baby anfängt an der Brust zu saugen, füttert sie es mit dem Fingerfeeder über dem Mundwinkel oder direkt über die Schläuche der Sonde / des Brusternährungssets zu. Wenn die Milch aus den Schläuchen fließt, fängt das Baby an, an der Brust richtig zu saugen.

Selbst bei voller Milchbildung kann es hilfreich sein, vorübergehend an der Brust – z.B. mit dem Brusternährungsset – zuzufüttern, weil die Milch zunächst auch ohne Sauganstrengung kommt. Saugverwirrte Babys sind zunächst nicht in der Lage, aus der Brust die Milch effektiv auszumelken, selbst wenn die Mutter ausreichend Milch bildet. Durch Zufütterung an der Brust verbessert sich das Saugverhalten des Babys. Außerdem kann dann die Mutter das Abpumpen reduzieren, weil das Baby einen Teil der Milch beim Saugen direkt aus der Brust erhält und die Milchbildung stimuliert.

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Das korrekte Anlegen (das Baby soll den Mund groß aufmachen, um die Brustwarze und den Warzenhof tief erfassen zu können) ist natürlich auch hier das A und O, um das effektive Saugen zu ermöglichen und wunde Brustwarzen zu vermeiden. Idealerweise wird das Anlegen von einer Hebamme oder Stillberaterin überprüft und korrigiert. Gleichzeitig verbessert der Milchfluss aus dem Schlauch des Brusternährungssets / der Sonde automatisch das Saugverhalten des Babys, es dockt besser an. Das Brusternährungsset muss vor dem Anlegen gut angeklebt werden, damit das Anlegen klappt. Die steifere Ernährungssonde kann auch nach dem Ansaugen noch nachträglich in den Mund des Babys geschoben werden, sie kann aber auch vor dem Anlegen angeklebt werden, je nach Präferenz der Mutter und Steifigkeit der verwendeten Sonde.

Manche Babys lassen sich mit Stillhütchen an die Brust locken. Denn das Stillhütchen erinnert an die Plastiksauger. Man kann die Stillhütchen mit Milch befüllen, und auch auf diese Weise das Andocken schmackhaft machen, denn da läuft die Milch gleich beim ersten Ansaugen. Das Stillhütchen lässt sich gut mit dem Brusternährungsset kombinieren. Die Anwendung des Stillhütchens ist aufgrund seiner zahlreichen Nachteile ein zweischneidiges Schwert (siehe auch den Artikel Stillhütchen – ein Stillhilfsmittel mit bedingtem Nutzen). Manche Stillberaterinnen vertreten die Ansicht, dass die Abgewöhnung vom Stillhütchen noch schwieriger ist als die von der Flasche. Auf der anderen Seite kann das mühsame Abpumpen reduziert werden, wenn das Baby direkt aus der Brust trinkt, auch mit Hütchen, und: Das Baby ist an der Brust!

Brusternährungsset und Stillhütchen mit tropfender Milch

Hier tropft die Milch regelrecht in den Mund des Babys. Das Stillhütchen wird mit Milch befüllt und die Milch über das Brusternährungsset laufen gelassen.

Es lohnt sich eine Reihe verschiedener und auch ungewöhnlicher Stillpositionen auszuprobieren, bis das Baby die Brust in einer der Positionen annimmt. Denn oft verbindet das Baby bestimmte Stillpositionen mit Frustration. Viel Geduld und Ausdauer ist gefragt. Wenn das Anlegen nicht klappt, kann es eine Viertel- oder halbe Stunde, einen halben Tag später oder am nächsten Tag wieder versucht werden.

Um ein aufgebrachtes Baby zu beruhigen, kann die Mutter während des Anlegens auf einem Gymnastikball oder in einem Schaukelstuhl sitzen und sich rhythmisch bewegen. Vor allem senkrechtes Wippen soll beruhigend wirken.

Babys, die mit der Flasche gefüttert wurden, verlernen manchmal das korrekte Saugen an der Brust und können nicht effektiv an der Brust trinken, selbst wenn die Mutter ausreichend Milch bildet. Durch das konsequente Weglassen von künstlichen Saugern (Saugflaschen und Schnuller – inklusive der so genannten „Muttermilchsauger“) und durch die Zufütterung an der Brust mithilfe von Sonden oder dem Brusternährungsset erlernen viele Babys das korrekte Saugen an der Brust neu. Vor allem junge Babys sind meistens noch in der Lage, das korrekte Saugmuster an der Brust zu erlernen, also in den ersten Wochen bis Monaten. Mit der Zeit sinkt die Fähigkeit der Babys, effektiv an der Brust saugen zu lernen, aber auch Kleinkinder konnten schon wieder an die Brust gewöhnt werden. Wenn das Baby noch nicht in der Lage ist, die Milch effektiv aus der Brust zu melken, dann kann selbst bei vorhandener Milchbildung an der Brust mithilfe des Brusternährungssets oder eine Sonde zugefüttert werden. Die Milch soll dann zunächst ohne Anstrengung fließen. Mit der Zeit kann der Milchfluss aus dem Schlauch verringert werden, damit das Baby intensiver saugt.

Für Babys, die nicht in Stillposition gebracht werden und mit den bisherigen Methoden nicht an die Brust gewöhnt werden können, hat Márta Guóth-Gumberger eine Methode entwickelt, bei der der vom Baby geliebte Flaschensauger über die Brustwarze gelegt wird und über das Brusternährungsset mit Milch befüllt wird. Der Schlauch des Brusternährungssets wird dabei durch das Saugerloch gefädelt. Um Frustration zu vermeiden, ist die normale Flasche immer parat. Sobald das Baby mit dieser Methode zurechtkommt, wird der Sauger verkleinert: immer weiter von der Basis her abgeschnitten. Dabei darf der Flaschensauger nicht so über die Brustwarze gestülpt werden, dass dadurch ein oberflächliches Saugen an der Brustwarze zustandekommt: Das könnte die Brustwarze beschädigen. Auch bei dieser Methode dauerte die Umgewöhnung über zwei Monate.

Solange das Baby noch nicht effektiv an der Brust saugt, muss zur Aufrechterhaltung der Milchbildung die Brust zusätzlich (z.B. nach jedem Stillen oder so oft möglich und umsetzbar) manuell oder per Pumpe entleert werden (siehe auch Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch und Die Milchmenge stiegern: Wie man mehr Milch bilden kann). Wird das Baby an der Brust zugefüttert und saugt das Baby effektiv, kann das zusätzliche Pumpen weggelassen oder reduziert werden. Die Milchbildung wird ausreichend durch das Baby stimuliert.

Die Häufigkeit der Mahlzeiten

Mütter, die bislang die Flasche gegeben haben, sind manchmal daran gewöhnt, dass das Baby relativ selten (z.B. 4- bis 7-mal in 24 Stunden) und dann jeweils viel auf einmal trinkt. Viele gestillte Babys trinken aber ganz häufig, z.B. alle 1–3 Stunden im Schnitt (vom Beginn einer Mahlzeit bis zum Beginn der nächsten, insgesamt 8- bis 16-mal in 24 Stunden) und häufig auch alle 10 Minuten, und sie trinken oft nur relativ geringe Mengen auf einmal. Das so genannte Cluster-Stillen, bei dem das Baby zu bestimmten Tageszeiten (vor allem abends) Stunden lang immer wieder an der Brust trinkt, ist unter gestillten Säuglingen weit verbreitet.

=> Ein häufiges Trinkmuster kann sowohl für die Milchbildung als auch für die Rückführung des Babys an die Brust hilfreich sein.

Es ist einfacher, das Baby an die Brust zu gewöhnen, wenn es häufig an der Brust ist und möglichst viel Zeit direkten, ungehinderten Zugang zur Brust hat. Um das häufige Stillen zu fördern, empfiehlt es sich, dem Baby pro Mahlzeit weniger Säuglings- oder Muttermilch aus der Flasche / dem Becher zu geben und gleichzeitig aber auch nicht zu warten, bis es ausgehungert ist, sondern es bei den ersten Hungerzeichen zu füttern. Abgepumpte Muttermilch kann bei Raumtemperatur 4–8 Stunden lang gelagert werden (siehe Haltbarkeit von Muttermilch). Auch angerührte Säuglingsmilch kann bei Raumtemperatur in der Regel 2–3 Stunden aufbewahrt werden. Sowohl Mutter- als auch industrielle Säuglingsmilch können bei Raumtemperatur gefüttert werden. Dies vereinfacht den Alltag der Eltern erheblich.

Bekommt mein Baby genug Milch an der Brust?

Bei der Umgewöhnung des Babys von der Flasche an die Brust stellt sich für die Mutter die Herausforderung, dass sie beim Stillen – im Gegensatz zur Flasche – nicht abschätzen kann, wieviel das Baby trinkt und ob das reicht. Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen, die für diese Einschätzung herangezogen werden können:

  • Ist das Baby gut an der Brust angelegt (Brustgewebe tief erfasst, Lippen nach außen gestülpt)? (siehe Bildergalerie zum guten Anlegen)
  • Saugt das Baby am Anfang schnell und nach wenigen Sekunden langsam (weil die Milch fließt und zwischendurch geschluckt werden muss)?
  • Kann man ggf. Schlucken beobachten oder hören? Man kann auf alle Fälle die tiefen Kieferbewegungen beobachten, die mit dem Füllen des Mundes mit Milch und dem Schlucken zusammenhängen. Tiefe Kieferbewegungen etwa einmal pro Sekunde deuten darauf hin, dass das Baby gut Milch bekommt.
  • Spürt die Mutter den Milchspendereflex? (siehe Anzeichen für das effektive Saugen)

Mit einer sehr präzisen, hochwertigen Babywaage kann man das Baby vor und nach einer Stillmahlzeit wiegen. Der Unterschied ist die verzehrte Milchmenge. Eine Mahlzeit ist dabei nicht aussagekräftig. Es sollte bei mehreren Mahlzeiten gewogen werden, um eine Einschätzung treffen zu können.

Eine andere Methode ist das Wiegen der Windeln über 24 Stunden. Hier werden alle Windeln über 24 Stunden in einer verschlossenen Plastiktüte gesammelt und gewogen. Das Gewicht der leeren Windeln gleicher Anzahl wird abgezogen. Das Gewicht aller Ausscheidungen ist geringer als die verzehrte Milchmenge, sollte nach der Umgewöhnung von der Flasche an die Brust aber etwa gleich bleiben.

Ebenfalls aussagekräftig ist das Führen eines Ausscheidungsprotokolls (siehe z.B. unsere Vorlage). Auch die Anzahl und Menge der Ausscheidungen sollte während der Umgewöhnung gleich bleiben.

Darüber hinaus sollte das Gewicht des Babys regelmäßig bestimmt und in die WHO-Wachstumskurven eingetragen werden (siehe unsere Vorlagen). Nimmt das Baby perzentilenparallel zu, ist es mit Muttermilch gut versorgt (mehr Infos hierzu im Abschnitt Habe ich wirklich zu wenig Milch?). Hebammen und Stillberaterinnen können hier begleiten.

Unterstützung ist wichtig!

Idealerweise wird die Mutter im Haushalt und von der Betreuung von Geschwisterkindern entlastet und mit allem versorgt, was sie braucht, damit sie viel Zeit mit ihrem Baby verbringen und sich entspannen kann. Meist muss sie ohnehin bereits viele Stunden am Tag Milch gewinnen, um ihre Milchbildung zu steigern oder aufrechtzuerhalten. Es gibt viele Stillberaterinnen, die die Mutter bei der Rückführung des Babys an die Brust Schritt für Schritt unterstützen können, sie bei der Aufrechterhaltung der Milchbildung begleiten und die Anwendung von Stillhilfsmitteln zeigen, falls diese erforderlich werden. In einer Stillgruppe kann sich die Mutter mit anderen Müttern austauschen, Rat, Rückhalt und Ermutigung einholen. Besonders wichtig ist auch der Zuspruch und die emotionale Unterstützung durch die Angehörigen.

Quellen:

  • Australian Breastfeeding Society: Relaktation. https://www.breastfeeding.asn.au/bfinfo/relactation-and-adoptive-breastfeeding
  • Bonyata K: Help — My Baby Won’t Nurse! http://kellymom.com/ages/newborn/nb-challenges/back-to-breast/
  • Guóth-Gumberger M: Brusternährungsset: Frust oder Durchbruch? Workshop des Europäischen Instituts für Stillen und Laktation, Oktober 2019.
  • Wambach K, Riordan J: The infant who has not latched on. In: Breastfeeding and human lactation. Jones & Bartlett Learning, S. 240 ff. 2016, 5. Aufl.
  • Walker M: Reluctant nurser. In: Breastfeeding management for the clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning, S. 287 ff. 2014, 3. Aufl.
  • Walker M: Previous or concurrent use of artificial nipples and pacifiers. In: Breastfeeding management for the clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning, S. 273 ff. 2014, 3. Aufl.
  • Wiessinger D, West D, Pitman T, La Leche League International: None of this is working! My baby isn´t latching! In: The womanly art of breastfeeding. 2010, 8. Aufl., S. 76 ff.

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