Milchstau

Frau tastet ihre Brust ab

Milchstau offenbart sich mit Schmerzen und harten Knoten in der Brust (© Jacek Chabraszewski)

Milchstau macht sich durch eine sehr schmerzhafte, harte Stelle in der Brust bemerkbar. Die harte Stelle kann klein sein oder eine größere Fläche umfassen und wird durch Stillen nicht wieder weich. Beim fortschreitenden Milchstau sind harte Knötchen, mit Milch überfülltes Drüsengewebe, spürbar. Die Haut kann über der betroffenen Stelle gerötet sein. Milchstau kann eine Infektion mit Bakterien begünstigen (siehe Brustentzündung).

Ursachen und Risikofaktoren

Bei einem Milchstau wird der Milchfluss mechanisch behindert:

  1. durch ein Häutchen an der Öffnung eines Milchganges, wie beschrieben unter: weiße Bläschen auf der Brustwarze
  2. durch  einen Fettpfropf. Fett lagert sich zwischen zwei Stillmahlzeiten normalerweise in Form von kleinen Globuli an der Wand der Milchgänge ab, bis ein Milchspendereflex die Fettglobuli Richtung Ausgang (Brustwarzen) spült. Wenn diese Globuli verklumpen, entsteht ein Milchstau.
  3. Bei manchen Müttern wurden weiße, sandartige Körnchen in der Milch beobachtet. Es wird vermutet, dass sich Kalzium-Körnchen in der Muttermilch bilden und die Milchgänge verstopfen.
  4. Es wird auch vermutet, dass abgestorbene Zellklumpen die Milchgänge verstopfen können.

Wahrscheinlich bestehen die Pfröpfe meist aus einer Mischung aus Milchfett, abgestorbenen Zellen und sonstigen festen Milchbestandteilen. Das Material löst sich beim Stillen mit der Zeit meist auf bzw. wird herausgespült. Mitunter finden sich solche Pfröpfe direkt an der Brustwarze. Beim Entfernen sehen sie wie eingedickte Spaghetti-Paste aus, manchmal von brauner, gelber oder grüner Farbe. Für das Baby ist das Material unbedenklich.

Folgende Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Milchstaus:

  1. ungenügende oder seltene Entleerung der Brust, z.B. wenn das Kind vorzeitig von der Brust genommen wird, bevor es die Brust gründlich entleert, oder eine ungewöhnlich große Pause zwischen den Stillmahlzeiten besteht. Das Kind kann plötzlich weniger oder gar nicht mehr trinken, z.B. bei Ablenkung, einer Reise, Fremdbetreuung, Berufstätigkeit der Mutter oder einem Stillstreik.
  2. reichliche Milchproduktion. Die Wahrscheinlichkeit für einen Milchstau ist in den ersten Wochen und Monaten am größten, wo reichlich Milch gebildet wird, und am niedrigsten, wenn ein älterer Säugling oder Kleinkind nur noch wenig Milch trinkt. Wenn die Mutter mehr Milch bildet als ihr Kind trinkt (siehe Zu viel Milch), ist ihr Risiko für wiederkehrende Milchstaus erhöht.
  3. Beeinträchtigung des Milchspendereflexes z.B. durch Stress (Besuch, Reise, Zeitdruck usw.), Erschöpfung, Rauchen oder Alkoholkonsum der Mutter. Wird der Milchspendereflex der Mutter beeinträchtigt, verbleibt mehr Milch in der Brust, das Baby bekommt weniger (siehe auch Wenn der Milchspendereflex blockiert ist).
  4. Das Einschnüren der Brust durch Babytragetücher, Pumptrichter oder einen einengenden BH, z.B. einen ungünstig sitzenden Bügel-BH, der das Brustgewebe einschnürt. Milchgänge können unter dem Druck vorübergehend „verkleben“ bzw. lokal kollabieren, sodass die Milch nicht oder schlechter durchfließen kann.

Zusammenfassend begünstigt eine „Milchstase“ die Entstehung von Milchstaus. Verbleibt Milch in der Brust, wird sie mit der Zeit wieder in die Blutbahn resorbiert. Dabei kann die Milch etwas eindicken, und gelegentlich verklumpen. So wird der Abfluss in einem Milchgang blockiert (Milchstau).

Stillposition, indem das Baby über der Schulter der Mutter liegt.

Das Kinn des Babys soll zur gestauten Stelle zeigen. Liegt der Milchstau in einem oberen Segment der Brust, dann kann das Baby beim Stillen über die Schulter gelegt werden. Ist eine Innenseite der Brust gestaut, dann eignet sich die Wiegehaltung gut, bei einem äußeren Segment die Footballhaltung und bei einem unteren Segment Stillen im Liegen (Zeichnung: bearsky23).

Behandlung

Die wichtigste Maßname zur Therapie eines Milchstaus ist die regelmäßige und gründliche Entleerung der Brust. Oft verbessert sich die Situation ganz von alleine, wenn das Baby weiterhin häufig (z.B. alle 1–3 Stunden) gestillt wird. Zusätzlich kann die Milch manuell oder mithilfe einer Milchpumpe gewonnen werden, wenn das Baby die Brust nicht ausreichend entleert. Es wird auch empfohlen, beim Stillen mit der betroffenen Brust anzufangen, um diese Brust besonders effektiv zu leeren. Um die effektive Entleerung weiter zu fördern, sollte das Baby beim Stillen so angelegt werden, dass sein Kinn zur betroffenen Stelle zeigt. In diesem Bereich ist der Sog am stärksten.

Um die Verklumpung aufzulösen und den Milchfluss zu fördern, kann an der betroffenen Stelle wenige Minuten vor dem Stillen bzw. vor der Brustentleerung Wärme angewendet werden, z.B. mithilfe einer warmen Kompresse (bitte nicht zu heiß, um Verbrühungen zu vermeiden).

Zur Schmerzlinderung darf die stillende Mutter Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen, dabei kann sie weiterstillen (Fragen Sie Ihre Ärztin, Apothekerin, Hebamme oder Laktationsberaterin).

Beim Stillen in Vierfüßlerstand unterstützt die Schwerkraft den Milchfluss.

Nach dem Stillen bzw. der Entleerung der Brust werden Kälteanwendungen empfohlen: Quarkwickel oder kalte Umschläge. Die Kälteanwendung sollte etwa 20–30 Minuten dauern. Die Brustwarze sollte bei einem Quarkwickel immer ausgespart werden, ganz besonders, wenn die Brustwarze wund ist! Quark greift die empfindliche Haut der Brustwarzen an, außerdem sollte das Baby keinen Quark verzehren.

Weißkohlblätter (vor der Anwendung mit einem Nudelholz ausgewälzt) können zwischen den Stillmahlzeiten in den BH gelegt werden. Weißkohlblätter wirken entzündungshemmend und kühlend.

Versucht man den Milchstau mit Gewalt auszudrücken, steigt das Risiko eines Brustabszesses. Eine Brustmassage sollte bei bestehendem Milchstau daher nur sehr vorsichtig und sanft durchgeführt werden und darf nicht weh tun! Es darf eine sehr sanfte Massage vor dem Milchstau, also zwischen der Brustwarze und dem Milchstau (und nicht hinter oder am Milchstau) durchgeführt werden. Falls ein Pfropf den Milchabfluss behindert, so liegt er vor dem Milchstau. Man kann die sanfte Massage in der Nähe der Brustwarze beginnen und sich dann langsam Richtung Stau vorarbeiten. Das Gewebe wird zur Lockerung leicht bewegt und dann Richtung Brustwarze gestrichen. Die Massage kann unter warmem Wasser z.B. unter der Dusche durchgeführt werden.

Falls der Ausgang eines Milchgangs an der Brustwarze durch ein zugewachsenes Hautbläschen oder einen Fettpfropf verstopft wird, kann der Milchgang z.B. unter der warmen Dusche durch Reiben oder vorsichtiges manuelles Entfernen wieder eröffnet werden (nicht quetschen!) (siehe weiße Bläschen auf der Brustwarze).

Prophylaxe

Bei manchen Frauen treten Milchstaus (vorübergehend) immer wieder auf. Zur Vorbeugung weiterer Milchstaus können sie ihre Brust einmal täglich unter der warmen Dusche und mehrmals am Tag vor dem Stillen durchmassieren, um eventuelle Verklumpungen und Verklebungen zu lösen. Die Plata-Rueda-Massage kann innerhalb weniger Sekunden durchgeführt werden, damit das Baby nicht warten muss.

Betroffene Frauen sollten darauf achten, dass ihre Brust regelmäßig und gründlich entleert wird und keine Milchstase entsteht. Wenn die Brust spannt, dann können sie ihr Baby zum Trinken wecken. Sind sie von ihrem Baby getrennt, dann können sie in der Zeit ihre Brust manuell oder mit einer Pumpe entleeren. Wenn sie Beikost einführen, sollten sie keine Stillmahlzeiten auslassen, sondern häufig weiterstillen und die Beikost auf mehrere kleine Portionen über den Tag verteilen (wie von der WHO empfohlen). So lässt sich Beikost brustschonend einführen.

Damit alle Segmente der Brust gut entleert werden, kann die Stillposition abgewechselt werden.

Entstehen die Milchstaus aufgrund eines vorübergehenden Milchüberschusses, kann die Milchbildung durch Kühlen nach dem Stillen gedrosselt werden. Kühlung lässt die Blutgefäße zusammenziehen und alle Stoffwechselprozesse verlangsamen. Es kann in der ersten Zeit nach der Geburt einige Wochen in Anspruch nehmen, bis sich die Milchbildung auf den Bedarf des Säuglings einstellt.

Frauen, die zur Verklumpung von Milchfett neigen, können auf die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren durch die Nahrung achten und Lezithin (Lecithin) zusätzlich einnehmen (z.B. täglich 1 bis 4 Esslöffel Granulat oder 1–2 magensaftresistente Kapseln mit je 1200 mg). Lezithin ist ein Emulgator und bringt Fett in Lösung, sodass Fettklumpen vermieden werden. In der natürlichen Nahrung kommt Lezithin in pflanzlichen Samen und im Eidotter vor. In der Industrie wird Lezithin meist aus Soja gewonnen.

Bei wiederkehrenden Milchstaus können auch Probiotika für die laktierende Brust prophylaktisch eingenommen werden (mehr hierzu im Abschnitt Dysbiose).

Wenn Milchstau immer und immer wieder an derselben Stelle auftritt, kann eine fibrozystische Mastopathie (knotige Vermehrung des Brust-Bindegewebes) oder ein Tumor in Erwägung gezogen werden. In solchen Fällen ist es empfehlenswert, sich von einem Frauenarzt untersuchen zu lassen. In der Regel handelt es sich um gutartige Veränderungen der Brust.

Quellen:

  • Lawers J, Swisher A: Conseling the Nursing Mother. A Lactation Consultant´s Guide. 6. Auf. 2016. S. 393-394.
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Using the Evidence. 4. Aufl. 2016. S. 605-606.
  • Berens P, Eglash A, Malloy M, Steube A, Academy of Breastfeedinf Medicine: ABM Clinical Protocol #26: Persistent Pain with Breastfeeding. Breastfeeding Medicine 2016;11(2).
  • Kloster I: Stillmanagement in diversen Stillsituationen. Seminar des Ausbildungszentrums Laktation & Stillen, August 2019.
  • S3-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit 2013.
  • Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. 5. Auflage, 1999, Mosby and 6. Auflage, 2005, Elsevier Mosby
  • Riordan J und Auerbach KG: Breastfeeding and Human Lactation, 2. Auflage, 1999; Jones and Bartlett Publishers

 


Weitere Online-Publikationen zum Thema:


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2019. Letzte Überarbeitung: September 2019.