Teilstillen – Wenn Muttermilch nicht ausreicht

27. Februar 2021 | Von | Kategorie: Leitartikel

Teilstillen und Zwiemilchfütterung – Wenn Muttermilch nicht ganz ausreicht. (© Kirill Ryzhof)

Nicht immer reicht die Milchbildung einer Mutter aus, um ihr Baby vollstillen zu können. Dies kann ganz unterschiedliche Gründe haben, wie eine Brustoperation, bestimmte chronische Erkrankungen, Komplikationen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett, oder ein suboptimales Stillmanagement gleich am Anfang der Stillzeit oder zu einem späteren Zeitpunkt (s. Zu wenig Milch). Unter bestimmten Umständen lässt sich die Milchmenge steigern und ausschließliches Stillen im Laufe der Zeit erreichen, in anderen Fällen wird eine Zufütterung langfristig erforderlich.

In aller Regel stellt es sich in den ersten Tagen bis Wochen heraus, wenn die Milchbildung der Mutter für die Versorgung ihres Babys nicht ausreicht: Das Neugeborene verliert zu viel an Gewicht und nimmt anschließend nicht ausreichend zu, die Ausscheidungen sind spärlich. Wenn die Optimierung des Stillmanagements und die Zufütterung von gewonnener Muttermilch nicht ausreichen, damit das Baby gut zunimmt und reichlich Ausscheidungen hat (s. Stillschwierigkeiten im Frühwochenbett), werden das Personal der Wochenstation, die Nachsorgehebamme, die Kinderärztin oder die Stillberaterin der Mutter empfehlen, industriellen Muttermilchersatz zuzufüttern. Zunächst besteht noch die berechtigte Hoffnung, dass die Milchmenge deutlich gesteigert werden kann und bald zum Vollstillen ausreicht, aber in manchen Situationen nimmt stattdessen die Zufüttermenge zu, das Stillen gestaltet sich für Mutter und Kind zunehmend frustrierender, sodass dieses schließlich ganz aufgegeben wird. Diesem ungünstigen Verlauf gilt es vorzubeugen.

Wenn das Baby in den ersten Tagen 10% vom Geburtsgewicht oder mehr verliert, die Optimierung des Stillmanagements und Zufütterung von gewonnener Muttermilch nicht ausreichen, dann wird oft eine Zufütterung industrieller Säuglingsmilch erforderlich.

Manchmal kann überwiegendes Stillen erreicht werden, sodass das Baby nur wenige Male am Tag zugefüttert werden muss. Manchmal schlittern Frauen nach einer Phase des erfolgreichen Vollstillens ins Teilstillen, weil die Milchbildung unbeabsichtigt zurückgeht, z.B. weil nicht häufig genug gestillt wird oder das Baby eine gewisse Saugschwäche hat und die Milchbildung der Mutter nicht ausreichend anregt. Auch dann kann es mitunter erforderlich sein (vorübergehend) zuzufüttern.

Unabhängig davon, was die primäre Ursache für die eingeschränkte Milchbildung ist: Teilstillen ist um ein Vielfaches komplexer als das ausschließliche Stillen oder die ausschließliche Flaschenfütterung. Es müssen zwei Systeme miteinander kombiniert werden, die nach ganz unterschiedlichen Regeln funktionieren und sich gegenseitig beeinflussen. Je nachdem, wie die Zufütterung gehandhabt wird, entsteht eine Abstillspirale oder das Stillen lässt sich aufrechterhalten oder gar weiter ausbauen.

Wahl der Zufütterungsmethode

Fläschen

Die Zufütterung mit der Flasche ist verbreitet. Sie kann jedoch zu einer Abstillspirale führen.

Muss ein Baby zugefüttert werden, bekommt es in der Regel die Flasche. Die meisten Fachpersonen und Eltern kennen keine andere Methode der Zufütterung. In der Tat ist die Flasche ein hocheffektives Instrument, ein Baby zu füttern, auch bei Babys, die an der Brust nicht effektiv trinken können. Der relativ steife Sauger der Flasche löst beim Baby als „Supersaugstimulus“ den Saugreflex aus – selbst, wenn es eigentlich gar keinen Hunger (mehr) hat. Anschließend muss das Baby nur schlucken, die Milch läuft von allein in seinen Mund. Die Handhabung der Flasche ist für die Erwachsenen vergleichsweise einfach, die Fütterung ist schnell erledigt. Und sie kann von jeder Person übernommen werden, auch wenn die Mutter nicht zur Verfügung steht.

Das Problem mit der Flasche ist jedoch, dass sie oft zu einer Abstillspirale führt. Das Risiko einer Saugverwirrung und somit Brustverweigerung ist bei der Flaschenfütterung hoch, insbesondere, wenn das Stillen noch nicht etabliert ist und die Milchmenge der Mutter vergleichsweise gering ist. Entwickelt das Baby eine Brustverweigerung, ist der Weg zurück zur Brust beschwerlich und manchmal nicht mehr möglich. Zudem neigen Babys dazu, aus der Flasche mehr zu trinken als sie wirklich brauchen, was zum weiteren Rückgang der Milchbildung führt, da das Baby an der Brust keinen Appetit mehr hat.

Zufütterung an der Brust ist ideal bei Teilstillen.

Damit die Milchbildung aufrechterhalten und idealerweise sogar gesteigert werden kann, empfiehlt es sich, alternative Zufütterungsmethoden anzuwenden.

Die erste Wahl ist die Zufütterung an der Brust mithilfe einer Spritze, des Brusternährungssets oder einer Nahrungssonde. Durch Zufütterung an der Brust wird eine Brustverweigerung vermieden oder sogar behoben, das Saugbedürfnis des Babys wird an der Brust befriedigt und gleichzeitig wird die Milchbildung der Mutter stimuliert.

Durch Becherfütterung lässt sich eine Saugverwirrung vermeiden. (© Parinya Agsararattananot)

Die zweite Wahl ist die Becherfütterung: Hier wird während der Fütterung die Milchbildung zwar nicht stimuliert, aber die Saugverwirrung wird auch hier vermieden.

Die Anwendung alternativer Fütterungsmethoden ist zunächst etwas umständlicher als die Flaschenfütterung: Sie braucht eine Anleitung, etwas Erfahrung, Geduld und vorübergehend auch Assistenz („eine dritte Hand“). Vielen Frauen fehlt neben ihrem kleinen Baby oft die Zeit („Der Tag hat nur 24 Stunden“) sowie die praktische und moralische Unterstützung durch Fachpersonen und Familienangehörige („Gib doch endlich die Flasche!“). Doch, falls umsetzbar, lohnt sich die Umstellung auf alternative Fütterungstechniken, um das weitere Stillen zu fördern. Nach etwa 1-2 Wochen Dranbleiben und Weiterprobieren ist die alternative Zufütterung meist etabliert (s. Mit dem Brusternährungsset Schritt für Schritt starten).

Falls die Mutter sich entscheidet, bei der Flasche zu bleiben, dann kann sie durch die Auswahl einer relativ „stillfreundlichen“ Flasche und einer babygerechten, achtsamen Fütterungsweise das Risiko der Abstillspirale etwas verringern. Weithalsflaschen mit weichem Silikonsauger und einem kleinen Saugerloch (Größe S) gelten als am ehesten geeignet, wenn gestillte Kinder mit der Flasche zugefüttert werden sollen. Eine babygerechte, achtsame Flaschenfütterung (s. unten), hilft eine Überfütterung zu vermeiden und fördert stillgerechtes Trinkverhalten.

Flaschenfütterung an der nackten Brust: Das Baby verbindet die Milch mit der Brust und der Wechsel ist einfacher. (© Kirill Ryzhof)

Um die Brustfokussierung zu fördern, kann konsistent neben der nackten Brust zugefüttert werden, falls die Umstände dies zulassen. Ein gewisses Risiko der Saugverwirrung bleibt jedoch bestehen und die Milchbildung während der Fütterung wird nicht stimuliert.

Übrigens, die verschiedenen Zufütterungsmethoden können auch kombiniert werden: Die Mutter füttert so oft wie möglich mithilfe alternativer Methoden zu und nimmt die Flasche, wenn die alternativen Methoden gerade unpassend sind.

Die Zufütterungsmenge einschätzen: nicht zu viel und nicht zu wenig

Vollstillende Mütter können sich auf ihre Intuition verlassen und ihr Baby nach Bedarf anlegen. Wenn aber zugefüttert werden muss, stellt sich die Frage, wie viel. Füttert man zu wenig zu, wird das Baby unterernährt und nimmt nicht altersgerecht zu. Füttert man zu viel, trinkt das Baby weniger an der Brust und die Milchbildung der Mutter geht zurück. Kein Wunder, dass teilstillende Mütter oft unsicher über die richtige Zufüttermenge sind.

Eine Mutter stellt aus Milchpulver und Wasser Säuglingsmilch her.

(© Robert Hainer)

Die Einschätzung der Zufüttermenge lässt sich nicht unabhängig von der Zufüttermethode betrachten. Füttert die Mutter an der Brust zu, sodass ihr Baby für die Milch aktiv saugen muss,  kann sie davon ausgehen, dass ihr Baby die Milch übrig lässt, wenn es keinen Hunger mehr hat. Das heißt, das Baby kann „ad libitum“ zugefüttert werden, das heißt, so viel es trinken möchte. Die Milchbildung der Mutter wird aufrechterhalten oder gar gesteigert, wenn vor oder während der Zufütterung gestillt und die Brust dabei gut entleert wird.

Auch bei der Becherfütterung kann man sich darauf verlassen, dass sich das Baby nicht länger anstrengt, sobald es gesättigt ist.

Die Zufütterung mit der Flasche ist jedoch eine heikle Sache. Hier besteht die Gefahr der Überfütterung. Um eine Überfütterung zu vermeiden, empfiehlt es sich, die so genannte Paced Bottle Feeding anzuwenden (Babygerechte, achtsame Flaschenfütterung). Hier wird der Flaschensauger erst in den Mund des Babys gelegt, wenn es Interesse signalisiert und den Mund weit aufmacht. Das Baby wird möglichst aufrecht, die Flasche möglichst waagerecht gehalten, damit das Baby aktiv saugen muss. Es wird langsam, mit vielen Pausen gefüttert. Das Baby braucht die Flasche nicht auszutrinken und sollte auch nicht mit einer abgestützten Flasche im Mund alleingelassen werden, u.a. da dies die Überfütterung begünstigt.

Wiegeproben – also das Wiegen des Babys vor und nach dem Stillen, um die getrunkene Milchmenge festzustellen – können der Fachkraft bei der ersten groben Einordnung der benötigten Zufüttermenge helfen. Längerfristig ist Wiegen vor und nach dem Stillen zu aufwendig und störend.

Perzentilenparalleles Wachstum zeigt an, dass das Baby mit Nahrung perfekt versorgt ist. Verläuft das Wachstum weniger steil als die WHO-Perzentilen, braucht das Baby mehr Nahrung. Wird das Baby mit Nahrung wieder reichlicher versorgt, zeigt es häufig ein Aufholwachstum. Weiteres perzentilenparalleles Wachstum ist aber genauso gut.

Langfristig bieten die WHO-Wachstumskurven die beste Orientierung, um sicherzustellen, dass das Baby ausreichend Nahrung bekommt (für Mädchen, für Jungen, Ausfüllhilfe). Hierzu ist regelmäßiges Wiegen des Babys auf einer Säuglingswaage erforderlich. Bei teilgestillten Babys ist es empfehlenswert, das Wiegen in regelmäßigen Abständen langfristig fortzuführen. Nimmt das Baby anhand seiner Perzentile zu, wird es perfekt versorgt. Verläuft seine Gewichtskurve weniger steil als die WHO-Wachstumskurve, braucht das Baby mehr Nahrung. Nach reichlicherem Nahrungsangebot zeigen Babys öfter ein Aufholwachstum, bevor sie perzentilenparallel weiterwachsen. Andere wachsen ohne Aufholwachstum auf einer niedrigeren Perzenile weiter. Auch das ist vollkommen ausreichend und zeigt ein ausreichendes Nahrungsangebot an. Hebammen und Stillberaterinnen können bei der Interpretation der Wachstumskurve helfen (s. auch das Fachbuch von Márta Guóth-Gumberger dazu).

Stillen und Milchbildung maximieren

Viel Haut- und Körperkontakt und häufiges Stillen rund um die Uhr unterstützen die Milchbildung.

Während die Fütterung von industrieller Säuglingsmilch nur zur Sättigung des Hungers dient, ist Stillen auch Nahrung für die Seele. Stillen ist hilfreich zur Beruhigung, zur Förderung des Wohlbefindens, zum Einschlafen und Weiterschlafen. Die Verwendung eines Schnullers würde die Zeit an der Brust und somit die Milchbildung reduzieren. Sehr viel Körper- und Hautkontakt zwischen Mutter und Baby mit sehr häufigem intuitiven Stillen Tag und Nacht hilft, das Milchbildungspotenzial der Mutter maximal auszuschöpfen.

Um die Milchbildung aufrechtzuerhalten oder ggf. sogar zu steigern, ist es hilfreich, keine Stillmahlzeit auszulassen, auch wenn das Baby mit der Flasche oder einem Becher zugefüttert wird. Oft wird gemeint, wenn die Mutter ohnehin nicht die volle Milchbildung hat, dann könnte sie Flaschenfütterung und Stillen abwechseln – doch dann erhält ihr Baby weniger Milch als möglich wäre und ihre Milchbildung kann weiter zurückgehen. Denn die Brust funktioniert ganz anders als eine Flasche. Die Brust ist kein Milchcontainer mit unterschiedlichem Füllungsgrad. Die Milchbildung ist ein hochdynamischer Prozess: Je häufiger und gründlicher die Brust entleert wird, umso mehr und schneller wird Milch nachgebildet, auch bei Frauen mit reduziertem Milchbildungspotenzial (s. kurzfristige Steigerung der Milchmenge). Wenn eine Mutter Stillmahlzeiten zugunsten der Flasche auslässt, dann wird ihr Baby weniger Muttermilch erhalten.

Das heißt, wenn zur Zufütterung eine Flasche oder ein Becher verwendet werden, empfiehlt es sich, vor jedem Zufüttern zuerst zu stillen, idealerweise an beiden Brüsten bis beide gründlich entleert sind und ggf. auch wechselzustillen, um die Milchbildung maximal anzukurbeln und auszuschöpfen. Nach der Zufütterung, bevor das Baby von der Zusatzmilch ganz satt wird, kann es wieder an die Brust gebracht werden. In der Zwischenzeit hat sich wieder etwas Milch nachgebildet und das Baby kann an der Brust die Stillmahlzeit beenden und dort zufrieden einschlafen.

Die Brust ist der perfekte Ort zum Einschlafen. (© Kirill Rhyzov)

Sollte das Baby noch weiter Hunger haben, kann es noch ein bisschen Zusatzmilch erhalten, bevor es an der Brust einschläft. Satte Babys entspannen sich, die Fäustchen öffnen sich.

8-12 Stillmahlzeiten in 24 Stunden gelten als Minimum, wobei vollgestillte Neugeborene durchschnittlich 11-mal in 24 Stunden gestillt werden wollen, bei reduziertem Milchbildungspotenzial empfiehlt es sich eher noch häufiger zu stillen, gerne auch mehrmals die Stunde, falls dies für die Mutter umsetzbar ist und das Baby mitmacht – so oft wie möglich.

Wenn eine Mutter es als Befreiung erlebt, nicht jedes Mal stillen zu müssen, ist es auch in Ordnung. Vielleicht braucht sie diese Freiheit, damit es ihr gut geht. Ihr Baby wird dann etwas weniger Muttermilch bekommen, aber das Teilstillen kann aufrechterhalten werden, wenn ansonsten häufig und nach Bedarf gestillt wird. Ähnliches gilt für die Benutzung des Schnullers: Manche Frauen erleben es als Erleichterung, ihrem Baby in bestimmten Situationen einen Schnuller anbieten zu können, wie während einer Autofahrt oder in Anwesenheit bestimmter Personen. Solange dies nur sporadisch und begrenzt vorkommt, wird die Milchbildung nicht gleich reduziert.

Wenn das Baby die Brust nur mit Zufütterschlauch akzeptiert

Stillen mit dem Brusternährungsset: ein Schlauch führt aus einem Milchbehälter Milch zur Brustwarze

Manche Babys nehmen die Brust nur mit Zufütterschlauch, da sie ansonsten keine oder wenig Milch erhalten können.

Manche Babys trinken gerne an der Brust der Mutter, die Zusatznahrung wird nur bei einem Teil der Mahlzeiten benötigt. Andere Babys akzeptieren die Brust nur, wenn der Schlauch des Brusternährungssets oder der Sonde angeklebt ist und daraus Milch kommt. Das ist eher der Fall, wenn die Mutter vergleichsweise wenig Milch bildet oder das Baby nicht gut an der Brust saugen kann. Auch dann lässt sich sehr viel Körper- und Hautkontakt mit sehr häufigem intuitiven Stillen umsetzen, um die Milchbildung zu maximieren – die Mutter kann das Brusternährungsset einen Großteil des Tages tragen, sodass das Baby immer spontan nuckeln darf und mit Milch belohnt wird. In diesem Fall braucht die Mutter aus hygienischen Gründen mehrere Sets, die sie regelmäßig mit frischer Milch auswechselt.

Zusätzlich pumpen?

Mutter pumpt beide Brüste gleichzeitig ab.

Abpumpen mit Doppelpumpset (© Fotolia Foto-Point)

Oft fragen sich die Frauen, ob sie zur Steigerung bzw. Aufrechterhaltung ihrer Milchbildung noch zusätzlich pumpen sollen. Füttert die Mutter mit der Flasche zu, kann diese zusätzliche Bruststimulation zur Aufrechterhaltung der Milchbildung in manchen Fällen nötig sein. Auch bei saugschwachen Babys kann ein zusätzliches Pumpen erforderlich sein, selbst wenn die Zufütterung an der Brust erfolgt, zumindest ergänzend. Bei saugkräftigen Babys, die an der Brust zugefüttert werden, wird die Milchbildung während der Zufütterung optimal angeregt, vorausgesetzt, der Milchfluss ist so eingestellt, dass das Baby für die zusätzliche Milch aktiv saugen muss. In diesem Fall ist das Pumpen nur eine zusätzliche Belastung, die die Zeit der Mutter nur unnötig in Anspruch nimmt. Hier ist es am sinnvollsten, die Zeit des Babys an der Brust zu maximieren, um die Milchbildung am besten anzuregen. Auf das Pumpen kann verzichtet werden.

Der Wert des Teilstillens

Teilstillen kann herausfordernd sein. Doch, die Mühe lohnt sich: Jeder Tropfen Muttermilch enthält Immunglobuline, lebende Immunzellen, Wachstumsfaktoren, embryonale Stammzellen, Enzyme, Oligosaccharide und weitere probiotische Faktoren für eine gesunde Darmflora. Auch wenn in Europa Nicht-Stillen nur selten zu Todesfällen führt, lässt sich der Wert des Teilstillens anhand von Werten in armen Ländern demonstrieren: Teilstillen reduziert dort die Sterblichkeit in den ersten 6 Monaten auf ein Drittel bis auf ein Viertel.

Auch die Mutter profitiert gesundheitlich vom Stillen, selbst wenn sie nicht vollstillen kann. Stillen reduziert das Risiko einer Reihe von Erkrankungen wie Brustkrebs, Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs, Diabetes Typ II, Bluthochdruck und Herzinfarkt. Je länger eine Frau in ihrem Leben stillt, umso ausgeprägter ist diese protektive Wirkung. Es lohnt sich für die maximale Ausschöpfung des Milchbildungspotenzials zu kämpfen – dies führt zu nachhaltiger Vermehrung von Brustdrüsengewebe, was sich auch in der nächsten Stillzeit bemerkbar machen kann, sodass die produzierte Milchmenge nach weiteren Geburten oft höher ausfällt. Nicht wenige Frauen, die beim ersten Kind nur teilstillen konnten, erreichen bei nachfolgenden Kindern Vollstillen.

Teilstillen macht sich auch finanziell bemerkbar: Je mehr Milch die Mutter selber bilden kann, umso weniger Geld muss die Familie für künstliche Säuglingsmilch ausgeben.

Nach der Beikosteinführung kann die künstliche Säuglingsmilch allmählich ausgeschlichen und das Stillen zum Einschlafen, Trost, Herunterkommen noch lange Zeit beibehalten und genossen werden. Das Wichtigste beim Stillen – „Teil- oder Voll-“ – ist wahrscheinlich die besondere Nähe und Innigkeit zwischen Mutter und Kind.

Quellen:

  • Bartick MC, Bimla Schwarz E, Green BD, Jegier BJ, Reinhold AG, Colaizy TT, Bogen DL, Schaefer AJ, Stuebe AM: Suboptimal breastfeeding in the United States: Maternal and pediatric health outcomes and costs. Matern Child Nutr 2017;13(1).
  • Guóth-Gumberger G: Gewichtsverlauf und Stillen. Dokumentieren, Beurteilen, Begleiten. Mabuse verlag, 2. Aufl. 2018.
  • Lawrence RA, Lawrence RM: Breastfeeding – A guide for the medical profession. Elsevier, 8. Aufl., 2016.
  • Sankar MJ, Sinha B, Chowdhury R, Bhandari N, Taneja S, Martines J, Bahl R. Optimal breastfeeding practices and infant and child mortality: a systematic review and meta-analysis. Acta Paediatr. 2015 Dec;104(467):3-13.
  • Wiessinger D, West D, Pitman T: Das Handbuch für die stillende Mutter. Hrsg. La Leche League Schweiz 2016.

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