Die Milchmenge steigern: Wie man mehr Milch bilden kann

Mutter stillt ihr 5 Tage altes Baby

Frühes, häufiges und effektives Stillen bringt die Milchbildung in Gang: Idealerweise wird das Baby innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt zum ersten Mal effektiv gestillt und anschließend alle 2-3 Stunden. (© Kati Molin)

Wie kann ich meine Milchmenge steigern? Diese Frage beschäftigt einen großen Teil der stillenden Mütter. Um die Milchmenge steigern zu können, ist es hilfreich zu verstehen, wie die Milchbildung beim Stillen geregelt wird. In diesem Artikel werden zum besseren Verständnis die Phasen der Milchbildung von der Schwangerschaft bis zum etablierten Stillen vorgestellt, um dann die Theorie zur kurzfristigen und längerfristigen Steigerung der Milchbildung zu erläutern. Schließlich werden praktische Tipps aufgelistet.

Der folgende Artikel ist in erster Linie für gesunde Mütter entstanden, bei denen die Zufütterung aufgrund ungünstiger Startbedingungen bereits im Krankenhaus begonnen hat. In anderen Fällen und bei Unsicherheiten, ob die Mutter tatsächlich zu wenig Milch bildet, lesen Sie auch den Artikel Zu wenig Milch.

Phasen der Milchbildung

Laktogenese I

Die erste Phase der Milchbildung, bei der sich die Brustdrüsen der Frau während der Schwangerschaft zur Produktion von Milch differenzieren und die gelbliche Vormilch (Kolostrum) bilden, nennt man Laktogenese I. Durch diese Brustentwicklung während der Schwangerschaft nehmen die Brüste an Umfang zu. Interessanterweise sagt das Ausmaß dieser Vergrößerung nichts über die spätere Milchmenge aus. Das heißt, Frauen, bei denen die Brüste während der Schwangerschaft nur leicht zugenommen haben, können in aller Regel trotzdem ausreichend Milch bilden – mit sehr seltenen Ausnahmen, in denen die Brüste tatsächlich unterentwickelt sind und kein ausreichendes Drüsengewebe enthalten (sog. hypoplastische Brüste), um ein Baby ohne Zufütterung versorgen zu können.

Etwa ab der Hälfte der Schwangerschaft bilden die Milchdrüsen Kolostrum. Die Laktogenese I wird hormonell, d.h. „endokrin“ gesteuert.

Laktogenese II

Die anschließende Phase, bei der die Bildung der meist weißen, reifen Muttermilch initiiert wird, nennt man Laktogenese II. Der Auslöser für die Bildung reifer Muttermilch ist die Geburt – genauer genommen das Ausscheiden der Plazenta. Die Milchmenge nimmt etwa 30 bis 40 Stunden nach der Geburt zu. Etwa 50 bis 73 Stunden, also 2–3 Tage nach der Geburt, nimmt das Volumen der Brüste noch einmal drastisch zu (Milcheinschuss). Die Brüste fühlen sich schwer, voll, hart und angeschwollen an, die Haut spannt. Der Übergang vom Kolostrum zur Bildung reifer Muttermilch dauert 7 bis 14 Tage (s. auch Milchbildung in den ersten Tagen nach der Geburt). Die Bildung reifer Muttermilch startet immer noch durch eine „endokrine“ Steuerung, d.h. unabhängig davon, ob das Kind angelegt wird oder nicht. Ab dem 3. bis 4. Tag nach der Geburt lässt die Bildung reifer Muttermilch allerdings nach, wenn die Milch aus der Brust nicht entfernt wird. Die Milchdrüsen bilden sich dann zu ihrem inaktiven Stadium zurück (Involution). Daher ist es so wichtig, dass die Brust in dieser kritischen Phase häufig (d.h. 8- bis 12-mal am Tag) und gründlich entleert wird.

Mutter füttert im Krankenhaus ihr Baby mit der Flasche

Die Probleme beginnen meist im Krankenhaus während Laktogenese II. (© Tyler Olson)

Bei ungünstigen Verläufen während Laktogenese II (Kaiserschnitt, schwere, langwierige Geburten, Medikationen während der Geburt, zu spätes oder zu seltenes Anlegen, schläfriges Baby, unnötiges Zufüttern des Babys, Schnuller-Verwendung, Frühgeburten, Diabetes-Erkrankungen der Mutter usw.) und/oder wenn das Baby an der Brust nicht effektiv genug trinken kann, dann verzögert sich die Laktogenese II, d.h. reife Muttermilch wird zu spät bzw. in zu kleinen Mengen gebildet. Das Baby verliert in diesen Fällen zu viel an Gewicht und muss oft zugefüttert werden. Die Phase der Laktogenese II ist der typische Zeitpunkt, wo die Probleme mit der Milchbildung beginnen. Das richtige Stillmanagement zu diesem Zeitpunkt mit häufigen und gründlichen Entleerungen der Brust hat einen starken Einfluss auf den langfristigen Stillerfolg. Aber auch wenn der Start nicht optimal verläuft, lässt sich die Milchmenge meist noch steigern.

Laktogenese III

Die Laktogenese III (früher Galaktopoese genannt) ist die Phase, in der die Bildung reifer Muttermilch aufrechterhalten wird. In dieser Phase wird die Milchbildung nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage („autokrin“) reguliert, wobei ein gesundes Hormonsystem weiterhin die Voraussetzung für die Milchproduktion darstellt. Die Milchmenge wird im Wesentlichen durch den Appetit des Kindes bestimmt, sofern es uneingeschränkt nach Bedarf angelegt wird. Das heißt, grundsätzlich wird so viel Milch gebildet, wie aus den Brüsten entleert wird.

In den ersten 3 bis 6 Wochen nach der Geburt wird die Milchbildung auf den individuellen Milchbedarf des Babys kalibriert. Die meisten Babys trinken in den ersten 6 Monaten 700 bis 900 ml am Tag (und zwar über die ganzen Monate konstant gleich viel und nicht zunehmend, wie oft vermutet), wobei manche gesunde Babys nur 400 ml Muttermilch am Tag verzehren, andere über 1300 ml, d.h. die Spannweite ist enorm und unterscheidet sich um das Dreifache. Manchmal bilden die Brüste am Anfang mehr Milch als das Baby benötigt und die Milchbildung reguliert sich im Laufe der Wochen herunter. Bei anderen Müttern muss die Milchbildung wiederum hochreguliert werden, um den Bedarf des Säuglings zu decken. Das milchbildende Brustdrüsengewebe kann sich in dieser Zeit noch vermehren.

Die kurzfristige Steigerung der Milchmenge

Grafik mit voller und leerer Brust

Je stärker die Brust entleert wird, umso schneller wird Muttermilch produziert. (© Dr. Z.Bauer & Nerthuz)

Die Geschwindigkeit, mit der Muttermilch in der Brust während der Laktogenese III gebildet wird – also die Milchbildungsrate – hängt in erster Linie vom Entleerungsgrad der Brust ab. Wissenschaftler haben gezeigt, dass die Rate der Milchbildung innerhalb eines Tages in derselben Brust normalerweise um mehr als das Fünffache schwankt, ohne dass die Mutter davon etwas bemerkt. So wurden im Labor des australischen Professors Hartmann bei verschiedenen Frauen innerhalb eines Tages folgende Milchbildungsraten gemessen: Frau A: 2 bis 13 ml/h, Frau B: 10 bis 50 ml/h, Frau C: 19 bis 101 ml/h (Daly et al. 1993; Frau C stillte ihr Baby ausschließlich an der rechten Brust und das Baby trank am Tag an dieser rechten Brust insgesamt etwa 1000 ml Muttermilch; Frau A und B stillten an beiden Brüsten und ihre Babys tranken am Tag insgesamt 535 ml (Frau A) bzw. 950 ml (Frau B)).

Diagramme mit der Milchbildunsrate und der gebildeten Milchmenge

Die Geschwindigkeit der Milchbildung ändert sich mehrfach im Laufe des Tages – in Abhängigkeit vom Entleerungsgrad der Brust (nach Cregan et al., 1999; Beispiel einer stillenden Frau)

Ein Baby entleert die Brust niemals vollständig. Im Durchschnitt trinken Babys etwa drei Viertel der in einer Brust vorhandenen Milchmenge, aber die Schwankungen sind sehr groß. Babys, die gerade wenig Appetit haben, trinken nur wenig Milch aus der Brust. Anschließend wird die Milch nur langsam nachgebildet. Babys mit viel Appetit entleeren die Brust stark. Dann schaltet die Milchfabrik auf Hochtouren um.

Übrigens, die beiden Brüste kontrollieren die Milchbildungsrate unabhängig voneinander, je nach dem Entleerungsgrad der jeweiligen Brust. Das heißt, in der stark entleerten Brust läuft die Milchbildung auf Hochtouren. Ist die andere Brust hingegen recht voll, dann ist dort die Milchbildungsrate niedrig.

Durch diese kurzfristige Regelung der Milchbildung können Babys ihren Milchverzehr an ihre Bedürfnisse anpassen. In der Praxis wird das zum Beispiel bei älteren Babys und Kleinkindern sehr deutlich. Diese essen bereits Beikost, aber die Menge, die sie an Beikost essen, schwankt von Tag zu Tag, von Woche zu Woche sehr stark. So kann ein älteres Baby bereits mehrere Wochen lang größere Mengen Beikost essen und dann auch ohne ersichtlichen Grund für weitere Wochen wieder vollständig an die Brust zurückkehren. Auch bei Erkrankungen können gut essende Kleinkinder wieder vollkommen an die Brust zurückkehren: Sie bekommen so viel Milch wie sie benötigen. In solchen Episoden trinken die Kinder kräftiger und häufiger und so kann die Milchbildung innerhalb kürzester Zeit um das Mehrfache ansteigen. An diesen Tagen fühlt sich die Brust ganz leer an, sie ist tatsächlich auch kleiner. Aber genau in diesen „leeren“, weichen Brüsten läuft die Milchbildung auf Hochtouren.

Grafik mit dicker und dünner Fettschicht auf abgepumpter Muttermilch

Lässt man Muttermilch stehen, setzt sich die Fettschicht an der Oberfläche ab. Eine dicke Fettschicht weist auf eine gründliche Entleerung der Brust hin. (© Dr. Z. Bauer)

Übrigens, wie gründlich die Brust entleert wurde, kann man auch am Fettgehalt der abgepumpten Milch erkennen. Ist der Fettgehalt gering (< 4%), dann ist die Brust noch ziemlich voll, es wird nur langsam Milch nachgebildet. Ein hoher Fettgehalt (>10%) weist auf eine gründliche Entleerung hin, die Milchbildung läuft anschließend auf Hochtouren. Denn die Milch, die am Anfang einer Mahlzeit oder einer Pumpsitzung entleert wird (Vordermilch) hat einen niedrigen Fettgehalt. Sie erscheint wäßrig. Mit der Entleerung der Brust steigt der Fettgehalt der Muttermilch an. Die Milch, die zum Schluss entleert wird (Hintermilch) hat einen hohen Fettgehalt und erscheint weißlich. Die Farbe der Muttermilch können die Frauen daher als Indiz für den Entleerungsgrad der Brust nutzen, unabhängig davon, ob sie viel Milch bilden oder wenig (s. mehr über das Aussehen von Vorder- und Hintermilch). Wissenschaftler zentrifugieren die Milch, um das genaue Volumenprozent an Fett exakt zu bestimmen. Sie schließen auf diese Weise auf den Entleerungsgrad der Brust.

⇒ In vollen Brüsten wird die Milchbildung gehemmt. Je stärker die Brust entleert ist, umso schneller wird Milch produziert. Füllt sich anschließend die Brust, verlangsamt sich wieder die Milchbildung. Um die maximal mögliche Milchmenge zu bilden, muss die Brust möglichst stark und häufig entleert werden.

Die längerfristige Steigerung der Milchmenge

Manchmal muss ein Neugeborenes vorübergehend zugefüttert werden, weil die Milchbildung nicht rechtzeitig/ausreichend in Gang gekommen ist. Wird die Brust in den ersten Tagen und Wochen – also während der Kalibrierungsphase – nur wenig entleert, dann wird das milchbildende Brustdrüsengewebe, das während der Schwangerschaft entstanden ist, nicht weiter vermehrt und zum Teil wieder abgebaut. Es hängt von der Menge des aktiven, milchbildenden Brustdrüsengewebes ab, wie viel Milch die Brust maximal bilden kann. Durch häufiges und gründliches Entleeren kann man zwar die Milchmenge bereits kurzfristig steigern, aber bei zu wenig aktivem Brustdrüsengewebe reicht sie nicht immer aus, um das Baby vollstillen zu können.

Kurve mit Prolaktinspiegel

Der Prolaktinspiegel nimmt nach der Geburt kontinuierlich ab. Möglicherweise hängt damit zusammen, dass die Milchbildung vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt effektiv gesteigert werden kann.

Durch häufiges und gründliches Entleeren der Brust kann sich wieder Milchdrüsengewebe zur Milchproduktion bilden. Dieser ist aber ein längerfristiger Vorgang und braucht Wochen bis Monate. In den ersten 3 bis 6 Wochen lässt sich die Milchbildung noch relativ schnell steigern. Danach braucht der Körper mehr Zeit dafür und die Mutter muss mehr Arbeit über eine längere Zeit investieren, indem sie ihre Brüste häufig und stark entleert. Nicht immer ist es noch möglich, Brustdrüsengewebe für eine volle Milchbildung aufzubauen, da die erforderlichen hormonellen Rahmenbedingungen für die Differenzierung von Brustdrüsengewebe mit der Zeit schwinden. Ist der Übergang zum Vollstillen nicht möglich, dann kann aber Teilstillen beibehalten werden, bis mit der Einführung von Beikost die Säuglingsmilch weggelassen wird. Das Teilstillen kann dann bei Bedarf über Jahre fortgesetzt werden.

Je früher nach der Geburt die Frau mit dem häufigen und gründichen Entleeren der Brust beginnt, umso besser sind ihre Chancen, noch zum Vollstillen zu gelangen. Es wird vermutet, dass in erster Linie hohe Prolaktinspiegel für die Differenzierung von Milchdrüsengewebe erforderlich sind: Dieser ist vor allem unmittelbar nach der Geburt anzutreffen und nimmt im Laufe der Monate kontinuierlich ab. Für die Aufrechterhaltung der Milchbildung sind hohe Prolaktin-Spiegel allerdings nicht mehr erforderlich, bestehende aktive Brustdrüsen arbeiten auch bei niedrigen Prolaktin-Spiegeln. Der Zusammenhang zwischen Prolaktin und Milchbildung ist noch nicht vollständig aufgeklärt.

Zeichnung der Brust mit Milchdrüsen

Die Milchdrüsen vermehren und differenzieren sich zu ihrem aktiven, milchbildenden Stadium in der Schwangerschaft und nach der Geburt, wenn die Brust häufig und gründlich entleert wird. Durch regelmäßiges und gründliches Entleeren können sich auch später noch aktive Milchdrüsen ausbilden, ein Übergang zum vollen Stillen ist dann aber nicht immer möglich. (Tigatelu, Fotolia)

Bei niedrigem Prolaktin-Spiegel können so genannte Galaktogoga eingesetzt werden, welche den Prolaktin-Spiegel steigern. In Europa wird hierzu am häufigsten Domperidon verwendet, das anhand von Erfahrunsberichten von Stillberaterinnen sehr effektiv ist und vergleichsweise schnell anschlägt. Domperidon ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das gegen Magenbeschwerden zugelassen ist. Über die richtige Dosierung herrscht auch unter den Fachleuten Unsicherheit. Mit höherer Dosierung steigt die Wirksamkeit, aber auch die potenziellen Nebenwirkungen. Nur Frauen mit einem gesunden Herz dürfen Domperidon nehmen. Es gibt auch weitere Galaktogoga, z.B. Metoclopramid (MCP), das infrage kommt, wenn Domperidon kontraindiziert ist (mehr über die Anwendung, Dosierung und Nebenwirkungen von Domperidon und Metoclopramid im Anhang des ABM-Protokolls Nr. 9). Freiverkäufliche Globuli oder Milchbildungstees haben höchstens eine psychische Wirkung. Ein milchsteigernder Effekt konnte bei diesen Hilfsmitteln bislang nicht nachgewiesen werden. Bockshornkleesamen sind unter Fachleuten heftig umstritten, da unter ihrer Einnahme in mehreren Fällen schwere allergische Reaktionen dokumentiert worden sind und weil ihre Wirksamkeit ebenfalls nicht belegt ist. Einige Hebammen und Stillberaterinnen vertreten aber die Ansicht, dass sie als ergänzendes Hilfsmittel eingesetzt werden können.

Setzen Frauen pflanzliche Präparate zur Steigerung der Milchmenge ein, dann sollten sie diese aufgrund der Gefahr von Fälschungen und giftigen Substanzen nicht im Internet von unbekannten Anbietern, sondern nur von bekannten, seriösen Herstellern beziehen. Bier wird traditionell ebenfalls zur Steigerung der Milchmenge eingesetzt, allerdings zeigt Alkohol den gegenteiligen Effekt: Er vermindert die Milchmenge. Falls stillende Frauen Bier trinken, sollten sie alkoholfreie Varianten wählen.

Galaktogoga sollten nur dann eingesetzt werden, wenn die Milchbildung durch nichtmedikamentöse Maßnahmen allein nicht ausreichend gesteigert werden kann und auch dann nur ergänzend zur Stimulierung der Brust. Ohne häufiges und gründliches Entleeren der Brust zeigen Galaktogoga keinen Effekt. Sie wirken außerdem nicht bei jeder Mutter. Desweiteren können Milchbildungsprobleme auch andere Ursachen haben, wie z.B. Schilddrüsenerkankungen, Verbleiben von Plazentaresten in der Gebärmutter, Anämie, polyzystisches Ovarsyndrom usw. (s. Zu wenig Milch). Auch in solchen Fällen zeigen Galaktogoga keine Wirkung. Hier müssen die zugrundeliegenden Ursachen behandelt werden.

Es wird oft beschrieben, dass die Milchmenge plötzlich absackt, sobald die Galaktogoga abgesetzt werden. In einem solchen Fall wird in der Stillberatung empfohlen, die Galaktogoga weiterzunehmen und die Dosierung nur ganz langsam auszuschleichen. Die niedrigste Dosierung sollte gewählt werden, die erforderlich ist, bis das Medikament komplett weggelassen werden kann.

Die Methoden zur langfristigen Steigerung der Milchbildung sind – abgesehen von eventuellem Einsatz von Galaktogoga – identisch wie die zur kurzfristigen Steigerung.

Praktische Maßnahmen, um die Milchmenge zu steigern

Frauen, die ihre Milchbildung steigern wollen, müssen also darauf achten, dass ihre Brüste möglichst stark entleert werden und das möglichst rund um die Uhr. Im folgenden werden praktische Ratschläge zur Steigerung der Milchbildung genannt:

Baby stillt in schöner Anlegeposition

Am gründlichsten entleert ein korrekt angelegtes, effektiv saugendes Baby die Brust. (© chiyacat)

  • Wenn das Baby an der Brust grundsätzlich effektiv trinken kann, dann erreicht man durch das korrekte Positionieren und Anlegen des Babys die gründlichste Entleerung der Brust.
  • Das Baby uneingeschränkt und oft anlegen, z.B. alle 1,5 bis 2 Stunden tagsüber und alle 3 Stunden nachts (keinen Wecker stellen; wenn Mutter und Baby direkt nebeneinander schlafen, melden sich viele Babys von alleine; aber auch die Mutter kann ihr Baby zum Stillen wecken, falls es zu lange am Stück schläft – zum Schlafen in einem Bett s. Stillen in der Nacht). Es ist auch völlig in Ordnung, das Baby mehrmals die Stunde anzulegen, wenn es sich so häufig meldet. Manche Mütter sind überwältigt von der Häufigkeit des Stillens. Man sollte aber bedenken, dass das ungeborene Baby im Mutterleib rund um die Uhr kontinuierlich mit Nahrung versorgt war.
  • Möglichst viel direkten Haut-zu-Haut-Kontakt praktizieren, z.B. im Bett und mit einem Tragetuch, unter dem die Mutter nichts anhat. Der direkte Haut-zu-Haut-Kontakt erleichtert den Zugang zur Brust und fördert die Oxytocin-Bildung. Außerdem verbrauchen Babys weniger Kalorien, wenn sie sich sicher und geborgen fühlen.
  • Bei jeder Stillmahlzeit beide Brüste anbieten: Das heißt, wenn das Baby die erste Brust geleert hat, wird es an die zweite Brust gelegt. Dieser Ratschlag gilt nur für die erste Zeit, um die Milchmenge zu steigern. Hat sich die Milchbildung auf die Bedürfnisse des Babys eingestellt, reicht oft auch eine Brust.
  • Wechselstillen: Das Baby auf die andere Brust legen, sobald es eindöst, nicht mehr schluckt oder die Brust loslässt. Wechsel immer wieder, z.B. bis jede Brust zwei- bis dreimal dran war. So kann die Brust zu einem hohen Grad entleert werden. Das Baby wird jedes Mal kürzer trinken, aber die Brust wird effektiv entleert. Ältere Babys und Kleinkinder, die sich schon eigenständig bewegen und sich an der Brust „bedienen“ können, praktizieren das Wechselstillen ganz selbstständig. Nachdem sie an einer Brust fertig sind, wechseln sie zur zweiten Brust. Wenn sie auch dort fertig sind, gehen sie zur ersten Brust zurück und wechseln insgesamt mehrfach hin- und her, zum Schluss nur noch für einzelne Züge. So entleeren sie die Brüste zu einem hohen Grad und induzieren damit eine Steigerung der Milchmenge.
  • Die Entleerung der Brust kann auch manuell durch Brustkompression oder Hands-on-Pumping unterstützt werden (mehr im Artikel Abpumpen, Aufbewahren und Füttern von Muttermilch ). Bei der Brustkompression drückt man die Brust, an der das Kind gerade angedockt ist, weiter oben zusammen, um den Milchfluss zu fördern – und zwar immer dann, wenn das Baby gerade pausiert. Dies stimuliert das Baby zum Weitersaugen. Die Brustkompression funktioniert in erster Linie bei Babys, die zu früh geboren wurden oder schwache Trinker sind.
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  • Sehr langes Stillen an einer Seite (30–60 Min) kann die Milchbildung möglicherweise nicht so effektiv anregen, wie kürzeres (10-15 Min pro Seite). Wenn das Baby sehr lange an einer Seite trinkt, dann kann es empfehlenswert sein, den Milchtransfer durch Brustkompression und Massage zu unterstützen und nach 15 Minuten die Seite zu wechseln.
  • „Stillferien“: 2-3 Tage sich mit dem Baby zurückziehen, sich wohl fühlen, viel Haut-an-Haut kuscheln und natürlich viiiel stillen.
  • Ist Zufütterung wirklich noch erforderlich? Die Zufütterung soll überdacht und auf das erforderliche Minimum reduziert werden, da das Zufüttern von Säuglingsmilch die Muttermilchmenge wirklich reduziert. Parallel zur Steigerung der Milchmenge wird die Zufütterung ausgeschlichen (s. Woher man weiß, dass das Baby genug Milch erhält und zum Ausschleichen der Säuglingmilch)
  • Muss das Baby zugefüttert werden, weil die Mutter noch nicht genug Milch bildet und/oder das Baby noch nicht effektiv saugen kann, dann soll die Zufütterung an der Brust erfolgen. Saugflaschen und Schnuller sollten möglichst weggelassen werden. Falls eine andere Person das Baby zufüttert, dann am besten mit einem Becher oder Softcup.
  • Kann das Baby die Brust (vorübergehend) nicht effektiv genug leeren, dann muss die Brust noch zusätzlich entleert werden: durch Abpumpen, Handentleeren, bzw. aus einer Kombination von beiden. Die gewonnene Muttermilch wird ans Baby verfüttert.
  • Nach dem Stillen (wenn das Baby nicht mehr will) zusätzlich pumpen, das Pumpen 2-5 Minuten fortsetzen, nachdem auch der letzte Tropfen Milch geflossen ist (nicht länger: zu langes Pumpen ohne Milchgewinnung kann sich sogar negativ auswirken).
  • Wenn die Milch abgepumpt wird, dann sollte eine hochwertige elektrische Krankenhausmilchpumpe mit Doppelpumpset gemietet werden. Es sollten beide Brüste gleichzeitig geleert werden. Dies spart nicht nur Zeit – die Brüste werden auch gründlicher entleert. Die Pumpe sollte für die Anregung des Milchspendereflexes zunächst auf die Stimulationsphase eingestellt werden und sobald die Milch läuft, sollte das Vakuum auf die höchste Stufe eingestellt werden, die noch nicht schmerzhaft ist.
  • Auch das Abpumpen / Handentleeren möglichst häufig ausüben. Wenn das Baby nicht an die Brust kann, dann mindestens 8-mal am Tag. Es ist zwar verlockend, zwischen zwei Entleerungen länger zu warten, da dann höhere Milchmengen gewonnen werden können. So scheint sich die Milchgewinnung besser zu lohnen. Aber die Gesamtmilchmenge, die am ganzen Tag gewonnen wird, bleibt dann geringer.
  • Wärmen der Brust vor und während des Pumpens (auf 37°C) hilft die Brust gründlicher zu entleeren (s. auch Temperaturkompressen für die Brust).
  • Entspannung: Ist die Mutter innerlich verkrampft, weil sie Angst hat, nicht genug Milch zu haben, dann blockiert der Stress den Milchspendereflex.
  • Brustmassage vor dem Pumpen; Pumpen und Massage öfter abwechseln
  • Schnuller sollten vermieden werden, weil das Baby nicht genug Zeit an der Brust verbringt.

Unterstützung organisieren

Durch Literatur allein ist es nicht so einfach, die Milchbildung auf Touren zu bringen. Stillberaterinnen helfen ein individuell angepasstes Konzept herauszuarbeiten und begleiten die Frauen mit Rat und Ermutigung (s. z.B. unser Stillberaterinnen-Verzeichnis). In Stillgruppen können sich die Frauen mit anderen Müttern austauschen und sich gegenseitig Mut zusprechen.

Quellen:

  • Academy of Breastfeeding Medicine: ABM Clinical Protocol #9: Use of Galactogogues in Initiating or Augmenting the Rate of Maternal Milk Secretion (First Revision January 2011)
  • Cadwell K, Turner-Maffei C: Pocket guide for lactation management. Jones & Bartlett Learning, 2017, 3. Aufl., S. 195: Alternate Massage / Breast Compression.
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  • Daly SEJ, Owens RA, Hartmann PE: The short-term synthesis and infant-regulated removal of milk in lactating women. Exp Physiol 1993;78:209-220.
  • Expertenforum Medikamente in der Stillzeit. Hüttel E, Hultzsch S, Nehlsen E, Porz F. 10. Still- und Laktationskongress, Berlin, 2015.
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  • Walker M: Breastfeeding management for the clinician. Using the evidence. Jones & Bartlett Learning, 2014. 3. Aufl. S. 104, 108-112 und 359.

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