Unterschiedlich große Brüste in der Stillzeit

29. August 2018 | Von | Kategorie: Leitartikel

asymmetrische Brüste (Zeichnung)

Im Laufe des Stillens können die beiden Brüste einer Frau unterschiedliche Größen annehmen, auch wenn sie vor der Schwangerschaft etwa gleich groß waren. Aus der Sicht des Stillens ist dies kein Grund zur Sorge, es handelt sich lediglich um ein kosmetisches Problem, wenn die Asymmetrie die Mutter stört. Der folgende Artikel zeigt mögliche Ursachen für die Brustasymmetrie auf und wie diese wieder ausgeglichen werden kann.

Die beiden Brüste einer Frau produzieren unterschiedlich viel Milch. Bei manchen Frauen ist dieser Unterschied ausgeprägter als bei anderen. Meistens ist die Brust größer, welche mehr Milch produziert. Im späteren Verlauf der Stillzeit kann sich dieses Verhältnis in Einzelfällen auch umkehren. Dies liegt daran, dass die Brust im Laufe der Stillzeit an Volumen abnimmt und dass die Brust, welche die Milchbildung weitgehend eingestellt hat, mit der Zeit mehr Fettgewebe einlagern kann als die milchproduzierende Brust. Nach dem kompletten Abstillen gleichen sich die Brüste mit der Zeit an und werden das Größenverhältnis annehmen, welches sie vor der Schwangerschaft hatten.

Meist fällt die Asymmetrie anderen Personen viel weniger auf als der betroffenen Frau selbst. Sollte die Asymmetrie die Mutter zu sehr stören, kann sie versuchen, die Milchbildung in beiden Brüsten auszugleichen. Alternativ kann sie den Größenunterschied auch mithilfe von BH-Einlagen optisch verkleinern. Viele stillende Frauen finden sich mit dem Größenunterschied jedoch einfach ab und stören sich nicht weiter daran.

Warum die eine Brust mehr Milch produziert als die andere

Die beiden Brüste sind bei jeder Frau mehr oder weniger unterschiedlich. Die vollkommene Symmetrie ist nur eine Idealvorstellung. Unter anderem können sich die Brüste in folgenden Merkmalen unterscheiden:

  • In der einen Brust kommt mehr aktives Brustdrüsengewebe (Milchbläschen (Alveolen) und Milchgänge) vor als in der anderen, somit ist an der Brust die Milchspeicherkapazität höher, d.h. die Brust kann mehr Milch fassen.
  • An der einen Brust ist der Milchspendereflex stärker als an der anderen, die Milch fließt dort schneller – in der Regel an der Brust mit der größeren Speicherkapazität.
  • Die Brustwarzen einer Frau können unterschiedlich groß und unterschiedlich geformt sein. Das Baby kann die eine Seite dadurch besser erfassen und dort effektiver trinken als an der anderen.

Diese Unterschiede können veranlagt sein, d.h. die Mutter startet mit unterschiedlichen Brüsten in die Stillzeit. Trinkt außerdem ein Baby an der einen Seite öfter, länger oder effektiver, dann entsteht dort mehr Milchdrüsengewebe.

Mögliche Gründe für die Bevorzugung einer Brust durch das Baby:

  • Das Baby kommt mit dem schnelleren oder aber dem langsameren Milchfluss besser zurecht.
  • Das Baby liegt in bestimmten Körperpositionen nicht so gerne, z.B. aufgrund von bestimmten Muskelverspannungen oder z.B. Ohrenschmerzen nach einer Erkältung
  • Im Zuge eines Milchstaus oder einer Brustentzündung schmeckt die Milch ungewohnt oder das Baby kann die Brust an der betroffenen Seite nicht so gut erfassen.

Mögliche Gründe für die bewusste oder unbewusste Bevorzugung einer Brust durch die Mutter:

  • Das Anlegen ist für die Mutter bequemer an der einen Seite als an der anderen (z.B. sie ist Rechtshänderin) und sie stillt dort öfter oder länger.
  • Nachts liegt das Baby immer auf derselben Seite der Mutter und sie stillt dann immer mit derselben Brust.
  • Die Mutter schont eine Brust z.B. aufgrund wunder Brustwarzen oder Schmerzen an einer Brust.
  • Die Mutter achtet auf die gründliche Entleerung der anderen Brust aufgrund von Milchstau und Brustentzündung

Die Bevorzugung kann sich soweit verstärken, dass die eine Brust mit der Zeit komplett abgelehnt wird. Sollte dies der Fall sein, dann kann die Mutter auch an einer Brust weiterstillen und das Kind weiterhin gut versorgen. Die Brust passt die Milchbildung an den Milchbedarf des Säuglings an. Hauptsache, das Baby wird häufig und nach Bedarf angelegt.

Wie die Milchbildung an beiden Brüsten angeglichen werden kann

Damit die Brüste wieder gleich groß sind, kann die Milchbildung angeglichen werden: An der größeren Brust wird die Milchbildung gedrosselt, an der kleineren gesteigert. Je nachdem, ob das Kind beide Brüste gleichermaßen akzeptiert oder nicht, gestaltet sich die Vorgehensweise etwas unterschiedlich.

Das Baby akzeptiert beide Brüste

Akzeptiert das Baby prinzipiell beide Brüste, dann kann die Mutter jedes Stillen an der kleineren Brust beginnen. Alternativ kann die kleinere Brust öfter angeboten werden, z.B. doppelt so oft wie die größere. Erste Erfolge sind bei dieser Methode bei den meisten Müttern innerhalb von 3 bis 5 Tagen sichtbar. Manche Mütter hören mit diesen Maßnahmen anschließend auf, andere setzen sie langfristig fort.

Das Baby verschmäht die kleinere Brust

Es gibt folgende Möglichkeiten, dem Baby die verschmähte kleinere Brust schmackhaft zu machen:

  • Verschiedene Stillpositionen ausprobieren, um eine zu finden, in der das Baby die weniger bevorzugte Brust besser akzeptiert.
  • Die verschmähte Brust insbesondere nachts anbieten oder tagsüber im Halbschlaf, wenn das Baby den Unterschied weniger merkt.
  • Das Baby von der „guten“ zur „schlechten“ Brust hinübergleiten lassen, ohne dass die Stillposition gewechselt wird.
  • Anlegen des Babys an der „schlechten“ Brust während sanftem Hüpfen auf einem Gymnastikball oder in der Babytrage beim Laufen (das wirkt beruhigend).
  • Ist die Brustwarze an der einen Brust flacher und schlechter erfassbar, dann kann hier besonders auf ein tiefes und asymmetrisches Anlegen geachtet werden, damit das Baby die Brust gut entleeren kann. Weitere Methoden, um das Erfassen der Brust bei flachen Brustwarzen zu erleichtern, ist die Sandwich-Methode oder das Aufrichten / Herausziehen der Brustwarze durch Kneten, Kältereiz oder Brustwarzenformer (siehe im Artikel Stillen bei Flachwarzen, Schlupfwarzen und Hohlwarzen).
  • Lehnt das Baby eine Brust ab, weil dort der Milchspendereflex zu langsam ist, dann kann dieser schon vor dem Anlegen durch Brustmassagen oder Handentleeren / Abpumpen ausgelöst werden oder indem das Baby zunächst an der anderen Brust angelegt wird. Das bringt die Milch an beiden Brüsten zum Fließen. Auch mithilfe der Brustkompression kann der Milchfluss verstärkt werden.
  • Zusätzliche Entleerung der verschmähten Brust per Pumpe oder per Hand nach dem Stillen oder zwischen zwei Stillmahlzeiten. Die gewonnene Milch kann dem Kind gegeben werden (idealerweise mit alternativen Fütterungstechniken, wie einem Becher) oder als Sicherheitsvorrat eingefroren werden. Um die Milchbildung zu steigern, können Brustmassagen, Handentleeren und Hands-on-Pumping eingesetzt werden (siehe auch den Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch). Wird das Baby an der größeren Brust seltener angelegt, reduziert sich dort mit der Zeit die Milchbildung.

Quellen:

  • Mohrbacher N, Stock J: Handbuch für die Stillberatung. Le Leche League International, La Leche Liga Deutschland, 2002, S. 149-153.
  • Both D, Frischknecht K: Stillen kompakt. Atlas zur Diagnostik und Therapie in der Stillberatung. Urban & Fischer, 2007, S. 26.
  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learning, 2016, 5. Aufl.S. 126-128: Differences in milk volume between breasts.
  • Bonyata K: Lopsided! What can I do?…When baby prefers one side, or when supply or breast size is greater on one side. https://kellymom.com/bf/got-milk/lopsided/

 

Schreibe einen Kommentar