Plazenta-Präparate können die Milchbildung hemmen

5. Juli 2018 | Von | Kategorie: Hätten Sie es gewusst?

Plazenta

Plazenta-Präparate in der ersten Zeit nach der Geburt können die Milchbildung hemmen. (©Eraxion)

Der Verzehr konservierter Plazenta-Produkte (Plazenta-Pulver, Plazenta-Kapseln usw.) ist in letzter Zeit in Mode gekommen. Dem Mutterkuchen werden erstaunliche Heilwirkungen zugeschrieben. Er soll den Wöchnerinnen Energie und Kraft geben, die Rückbildung beschleunigen und die Stimmung aufhellen: So soll die Einnahme von Plazenta-Präparaten sogar vorbeugend und heilend bei Wochenbettdepression wirken. Darüber hinaus soll der Mutterkuchen aber auch den Milcheinschuss fördern und die Milchbildung anregen.

Für all diese Behauptungen gibt es jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege. Der Verzehr von Plazenta-Präparaten kann die Milchbildung sogar hemmen. Denn Plazenta bildet wie die Eierstöcke Progesteron. Dieses Hormon hilft nicht nur, den Menstruationszyklus und anschließend die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten, sondern es sorgt auch dafür, dass während der Schwangerschaft die Vormilch, das Kolostrum, produziert und die Bildung reifer Muttermilch (Laktogenese II) unterdrückt wird. Nach der Geburt des Babys und der Plazenta sinkt der Progesteron-Spiegel dramatisch ab. Das ist das Startsignal für die Bildung reifer Muttermilch. Deshalb ist es auch so wichtig, dass nach der Geburt auch die Plazenta restlos aus dem Körper der Mutter ausgeschieden wird. Verbleiben Reste der Plazenta im Körper der Mutter (sog. Plazenta-Retention), dann kann die Bildung reifer Muttermilch nicht in Gang kommen. Den gleichen Effekt können Plazenta-Präparate haben, wenn sie in konzentrierter Form in der ersten Zeit nach der Geburt eingenommen werden: Sie hemmen und verzögern die Bildung reifer Muttermilch.

Ist die Milchbildung bereits gut aufgebaut und wird sie durch die regelmäßige Brustentleerung reguliert (Laktogenese III), dann sollen Progesteron-Präparate wie die Mini-Pille laut Studien keine hemmende Wirkung mehr auf die Milchbildung haben. Daher dürfen reine Progesteron-Präparate ab 6 Wochen nach der Geburt zur Verhütung eingenommen werden. Möglicherweise haben Plazenta-Präparate nach dieser Zeit auch keine milchbildungshemmende Wirkung mehr.

Quellen:

  • Berens P, Labbok M and The Academy of Breastfeeding Medicine: ABM Clinical Protocol #13. Contraception During Breastfeeding, Revised 2015. Breastfeeding Medicine 2015;10(1):1-10, S. 311. S. 9
  • Brodribb W and The Academy of Breastfeeding Medicine: ABM Clinical Protocol #9: Use of Galactogogues in Initiating or Augmenting Maternal Milk Production, Second Revision 2018. Breastfeeding Medicine 2018;13(5):307-314, S. 311.
  • Lauwers J, Swisher A: Counseling the nursing mother. John & Bartlett Learning, 2016, 6. Aufl. S. 146
  • http://www.hebammenwissen.info/plazenta/ (Zugang: 5.7.2018: Hier werden angebliche Heilwirkungen der Plazenta vorgestellt)

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