Muttermilch oder Säuglingsmilch stillfreundlich füttern

Mutter füttert ihr Baby an der Brust mit der Sonde

Zufütterung per Ernährungssonde und Spritze (© Rebdesign)

Es kann sich negativ auf den Stillerfolg auswirken, wenn Muttermilch oder Säuglingsmilch mit der Flasche gefüttert werden. Idealerweise bekommt ein Säugling daher ausschließlich direkt die Mutterbrust. Das ist in den ersten 4–6 Wochen nach der Geburt – wenn das Baby das Stillen erlernt – besonders wichtig. Selbst wenn die Muttermilch zur Fütterung des Säuglings vorübergehend oder auch längerfristig nicht ausreichen sollte, kann die Zufütterung direkt an der Brust erfolgen, sodass auf künstliche Sauger komplett verzichtet werden kann. Auch für Situationen, in denen das Baby von der Mutter getrennt ist oder aus anderen Gründen nicht direkt an der Brust trinken kann, gibt es Fütterungsmethoden ohne künstliche Sauger. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über alternative Fütterungsmethoden und geht auch auf die Flaschenfütterung gestillter Säuglinge ein.

Die Entstehung von Saugverwirrung

Vor allem in den ersten Tagen und Wochen der Stillzeit – wenn das Baby das Trinken an der Brust erlernt – ist es besonders wichtig, dass es keine Flasche und möglichst auch keinen Schnuller bekommt. Es gibt Hinweise, dass die Verwendung künstlicher Sauger das Risiko von Saugschwierigkeiten erhöht (Saugverwirrung). Es gibt Babys, die ohne Probleme zwischen Brust und Flasche hin- und herwechseln. Andere Babys können an der Brust nicht mehr effektiv saugen, nachdem sie mit der Flasche gefüttert wurden, da sie bei künstlichen Saugern ein ganz anderes Bewegungsmuster ausführen müssen als an der Brust.

Vergleich zwischen Stillen und Flaschenfütterung:

Stillen Flaschenfütterung
Mundöffnung Weite Mundöffnung erforderlich Schmalere Mundöffnung
Lippen Die Lippen liegen nach außen gestülpt und entspannt auf der Brust und bilden einen „Dichtungsring“ für die Erzeugung des Vakuums. Die Lippen werden schmaler zusammengepresst, um den Kontakt zum Sauger herzustellen.
Kiefer Intensive Kieferbewegungen Minimale Kieferbewegung
Zunge Die Zunge legt sich von unten um die Brustwarze herum und bewegt sich peristaltisch von vorne nach hinten Die Zunge wird hochgehoben und gegen den Sauger geschoben, um den Milchfluss zu kontrollieren.
Saugen Stillen besteht aus nutritivem Saugen, bei dem Milch fließt und geschluckt wird (Saugfrequenz: 1-mal pro Sekunde) und nicht-nutritivem Saugen (Saugfrequenz: 2-mal /Sekunde) am Anfang des Stillens zum Auslösen des Milchspendereflex, zwischendurch, wenn der Milchfluss nachlässt, und am Ende der Stillmahlzeit.
Nur nutritives Saugen, niedrigere Saugfrequenz als beim Stillen
Kontrolle Das Baby kontrolliert den Milchfluss, der durch die Saugbewegungen des Kindes ausgelöst wird. Wenn das Baby nicht mehr saugt, hört die Milch auf zu fließen.
Die Milch läuft kontinuierlich ohne Zutun des Babys. Das Baby muss den Milchfluss durch Zudrücken des Saugers stoppen.
Quelle: Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation, Jones & Bartlett Learning, 2016. S. 104.

Es wäre wünschenswert, dass alle Fachkräfte, die stillende Mütter in den ersten Tagen und Wochen begleiten, sich mit alternativen Fütterungsmethoden auskennen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Alternative Fütterungstechniken sind eine vergleichsweise neue Entwicklung und sind im Curriculum von Hebammen, (Kinder)Krankenschwestern, Frauen- und Kinderärzten in aller Regel nicht enthalten. Mit stillfreundlichen Zufütterungsmethoden kennen sich in der Regel Still- und LaktationsberaterInnen IBCLC am besten aus, auch manche ehrenamtliche Stillberaterinnen oder Hebammen mit einer Fortbildung auf diesem Gebiet können weiterhelfen. Einige Stillfachleute können oft noch helfen, falls bereits eine Saugverwirrung aufgetreten ist und das Baby die Brust ablehnt (s. auch Das Baby von der Flasche an die Brust gewöhnen).

Löffelfütterung

gelber Plastiklöffel

Löffel für die Fütterung in den ersten Tagen, falls direktes Stillen noch nicht möglich ist. (© tobi)

Mit dem Löffel werden Neugeborene in den ersten Tagen gefüttert, wenn sie zum Stillen zu schläfrig sind oder nicht effektiv stillen können. Das Kolostrum wird am besten mit der Hand auf den Löffel ausgedrückt und dem Baby gegeben. Um das Baby mit dem Löffel zu füttern, platziert die Mutter den Rand des Löffels an die Spitze der Zunge. Sie schöpft mit dem Löffel wenige Tropfen Kolostrum auf die Zunge. Die meisten Babys lieben den Geschmack des Kolostrums und strecken die Zunge heraus, um es zu lecken. Ein Video der Stanford School of Medicine zeigt, wie Kolostrum gewonnen und dem Baby per Löffel verabreicht wird (Englisch). Idealerweise wird jegliche künstliche Fütterung in der Neugeborenenzeit direkt neben der nackten Brust der Mutter durchgeführt, damit das Baby Nahrung mit dem Duft und dem Anblick der Brust assoziiert.

Becherfütterung

kleiner Plastik-Becher mit Milch

Fütterungsbecher für junge Säuglinge

Nach den ersten Tagen, sobald die Muttermilchmenge zunimmt, ist es einfacher, das Baby mit einem Becher als mit dem Löffel zu füttern. Mutter und Baby erlernen die Technik schnell und sind nach 4-5 Bechermahlzeiten routiniert. Am besten wird ein kleiner Becher mit einem weichen Rand verwendet. Fütterungsbecher für Säuglinge kann man sehr günstig (unter 1 € bis wenige €) in Apotheken bestellen. Es eignen sich auch andere kleinere Becher (Medikamentenschiffchen, Schnapsglas, Papierbecher) ohne scharfen Rand zur Fütterung. Die Becherfütterung ist weniger invasiv als die Flaschenfütterung, d.h. es wird kein Fremdkörper in den Mund des Kindes eingeführt. Studien weisen darauf hin, dass nach einer Becherfütterung später häufiger zum erfolgreichen Stillen übergegangen werden kann als wenn Babys in der ersten Zeit nach der Geburt mit der Flasche gefüttert werden (Collins et al. 2008; Abouelfettoh et al. 2008). Die Becherfütterung ist bei jungen Babys keine Dauerlösung, weil sie ihr Saugbedürfnis nicht befriedigt. Ist längerfristig Zufütterung erforderlich, ist die Zufütterung an der Brust die beste Wahl (s. weiter unten).

Vorgehensweise bei der Becherfütterung:

  • Den Becher höchstens halb voll mit 10-15 ml Milch füllen
  • Das Baby umwickeln, damit es mit den Ärmchen den Becher nicht umstößt; Ein Lätzchen um den Hals herum fängt ggf. verschüttete Milch aus
  • Auch die Eltern sollten ihre Kleidung bedecken, um diese vor verschütteter Milch zu schützen
  • Idealerweise erhält das Baby die Milch direkt neben der nackten Brust der Mutter.
  • Das wache und aufmerksame Baby wird aufrecht, in einer halb sitzenden Position gehalten
  • Der Rand des Bechers wird sanft und ohne Druck an die Unterlippe gelegt, sodass die Ecken des Mundes berührt werden
  • Den Becher schräg halten, bis erste Milchtropfen die Unterlippe des Babys berühren
  • Das Baby fängt an, die Milch aus dem Becher zu lecken. Das Baby formt mit seiner Zunge eine Rinne und befördert die Milch zum Rachen, sodass es schlucken kann

Die Milch darf auf keinen Fall in das Baby hineingeschüttet werden, sonst kann es sich verschlucken. Durch langsames Füttern wird dem Verschlucken vorgebeugt, das Baby kann sich zwischendurch erholen. Das Tempo des Fütterns wird vom Baby vorgegeben. In einem Kurzfilm präsentiert der Laktationsberater Jack Newmann die Becherfütterung.

Manche Fachleute benutzen Milchauffangschalen zur Becherfütterung, weil diese einen kleinen Ausguss haben und sonst verschlossen sind. So wird keine Milch verschüttet. Gegen Milchauffangschalen spricht, dass die Tülle recht klein ist und das Baby die Milch nicht ausschlecken kann wie bei einem offenen Becher.

CamoCup

Der CamoCup

Eine gute Alternative zum gewöhnlichen Becher ist der so genannte CamoCup (erhältlich z.B. bei Amazon, s. Link), bei dem der Becher schnabelförmig endet. Die Milch läuft schmal auf den Mund des Babys zu und kann einfacher dosiert werden als bei einem Becher. Auch das runde Ende kann zum Trinken genutzt werden. Mithilfe einer Skalierung kann die getrunkene Milchmenge abgelesen werden. In einen Becher passen 120 ml. Der CamoCup ist für Säuglinge, Kinder und Erwachsene mit Saug-, Trink- und Schluckstörungen entwickelt worden und eignet sich auch hervorragend als Trinklernbecher ab dem zweiten Halbjahr. Ein ähnliches schnabelförmiges Trinkbehältnis (das Paladai) wird in Indien traditionellerweise zum Füttern von Neugeborenen und Frühgeborenen verwendet, wenn sie nicht effektiv an der Brust saugen können.

Der SoftCup

Der SoftCup

Eine beliebte Zufütterungshilfe ist der so genannte SoftCup. Mithilfe des SoftCups wird weniger Milch verschüttet als mit dem Becher und es können größere Mengen gefüttert werden. Er wird daher gerne eingesetzt, wenn ein Baby aufgrund von Saugproblemen noch nicht effektiv stillen kann. Der SoftCup besteht aus einer Flasche für die Milch, einem Ventil, um den Milchfluss zu kontrollieren, und dem Mundstück, das wie ein tiefer, weicher Löffel geformt ist. Das Baby trinkt aus dem SoftCup ähnlich wie aus einem Becher/Löffel. Das weiche, löffelförmige Mundstück liegt auf der Unterlippe des Säuglings. Wenn das Baby das Mundstück zusammenpresst, fließt Milch in die Kammer des Mundstücks. Auf diese Weise kann das Baby den Milchfluss selber kontrollieren. Der vordere Teil muss durch Schwenken des SoftCups immer wieder mit Milch aufgefüllt werden. Auch den SoftCup kann man über Apotheken oder bei Amazon bestellen (s. Link zum SoftCup).

Fingerfütterung

Baby wird mit dem Finger gefüttert

Fingerfütterung mithilfe einer angeklebten Ernährungssonde (Fotolia, Vichie81)

Bei der Fingerfütterung steckt eine Fachperson oder ein Elternteil einen Finger in den Mund des Babys (sauberer Finger oder Handschuh, Nägel kurz geschnitten und sauber), um das Saugen auszulösen. Die Milch wird mithilfe einer an den Finger geklebten Ernährungssonde oder einer Spritze mit Silikonaufsatz in den Mund getropft. Der Fingernagel zeigt dabei zur Unterseite, Richtung Zunge und nicht zum Gaumen. Die Fingerfütterung ist eine invasive Fütterungsmethode und kann sich negativ auf den Stillerfolg auswirken, da das Baby eine Saugtechnik einübt, die an der Brust nicht funktioniert. Sie ist nicht für den Routineeinsatz gedacht. Sie wird therapeutisch bei niedrigem Muskeltonus, unorganisiertem Saugen oder zum Saugtraining verwendet. Auch bei Babys, die einen starken Stimulus brauchen, um zu saugen, wird diese Methode eingesetzt. Dies kann nach schweren Geburten vorkommen, wenn das Nervensystem des Babys vorübergehend beeinträchtigt ist. Die Fingerfütterung wird von manchen Stillfachleuten bei Neugeborenen, welche die Brust ablehnen, kurzfristig eingesetzt, um das Saugen auszulösen. Sobald das Baby anfängt am Finger zu saugen und Milch zu trinken, wird es nach wenigen Sekunden bis Minuten schnell an die Brust angesetzt, wo es das Saugen fortsetzt. Klappt das Stillen an der Brust nicht gleich, dann kann man die Fütterung per Becher fortsetzen und man versucht es ein nächstes Mal. Eltern können für die Fingerfütterung bei sauberen Händen ihren bloßen Finger verwenden, Fachpersonal benutzt aus hygienischen Gründen Handschuhe.

Zufütterung an der Brust

Zufütterung von abgepumpter Muttermilch per Ernährungssonde

Zufütterung an der Brust per Ernährungssonde und Spritze (© Rebdesign)

Hilfsmittel zur Zufütterung an der Brust beinhalten einen Behälter für das Supplement sowie einen dünnen Plastikschlauch (Sonde), der vom Milchbehälter zur Brustwarze der Mutter führt. Während das Baby an der Brust saugt, kommt zusätzlich Milch aus dem Schlauch. Die Zufütterung an der Brust hat viele Vorteile. Das Baby kann an der Brust sein Saugbedürfnis befriedigen (im Gegensatz zum Becher) und es übt die richtige Saugtechnik (im Gegensatz zur Saugflasche) sowie die Prägung auf die Brust. Während das Baby an der Brust saugt, wird die Milchbildung der Mutter angeregt und mit der Zeit gesteigert. Auch aus der Sicht der Kieferentwicklung ist die Zufütterung an der Brust optimal.

Wenn das Baby an der Brust aufgrund von anfänglichen Saugproblemen (z.B. nach schwierigen Geburten, unter Medikamenteneinfluss, bei Frühgeburten oder Erkrankungen) nicht genug Muttermilch erhält, sollte idealerweise abgepumpte Muttermilch zugefüttert werden. Wenn die Mutter (vorübergehend) nicht genug Milch bilden kann (bei einem verzögerten Stillbeginn, verspätetem Milcheinschuss, Brust-OPs, Hormonstörungen usw.), kann künstliche Säuglingsmilch an der Brust zugefüttert werden. Auch bei wunden Brustwarzen kann die Zufütterung an der Brust hilfreich sein, vor allem wenn sie mit zu wenig Milch einhergehen und das Stillen auch nach fachkundiger Korrektur des Anlegens zu schmerzhaft ist. Die aus dem Schlauch fließende Milch kann die Brustwarzen entlasten.

Um an der Brust zuzufüttern, eignen sich das Brusternährungsset oder eine Ernährungssonde (auch Nahrungssonde oder Magensonde genannt).

Sonde in Saugflasche

Die Sonde kann man auch in ein Milchfläschchen stecken, welches mit einer Schnur um den Hals gehängt werden kann.

Pädiatrische Ernährungssonden (z.B. mit dem Durchmesser CH 4,5, 5, 6, oder 8) können bei Apotheken oder spezialisierten Anbietern zusammen mit 10- oder 20-ml-Spritzen für 1-2 Euro pro Stück bestellt werden: Die 6-er Sonde von B. Braun kann bei Apotheken über die PZN-Nummer 2197159 bestellt werden. Die Gottlob Kurz GmbH bietet die 6-er (Art.-Nr. 8007.006.005) und die 5-er Sonden (8007.005.005) bei telefonischer Bestellung. Durch die dickeren Sonden läuft die Milch schneller als durch die dünneren. Im Mund des Babys und an der Brust sind die dünneren Sonden angenehmer.

Es lohnt sich, gleich mehrere Sonden und Spritzen zu besorgen. Eine Sonde darf im Krankenhaus nur einmal, im häuslichen Gebrauch bis zu dreimal verwendet werden. Evtl. muss die Spitze der Sonden abgeschnitten werden, damit die Löcher am Sondenende und nicht an der Seite liegen. Der Rand darf aber nicht scharfkantig sein (mit dem Finger überprüfen). Der Schlauch wird mithilfe von Klebestreifen an der Brust so befestigt, dass er an der Spitze der Brustwarze endet; oder man schiebt den Schlauch in den Mund des Babys, während es an der Brust saugt. Am einfachsten ist es, die Sonde im Mundwinkel des Babys in den Mund zu schieben. Allerdings wird sie dann vom Baby oft durch die Zunge herausgeschoben. Platziert man die Sonde an der Oberlippe des Kindes (oberhalb der Zunge), dann bleibt die Sonde eher im Mund.

Das Verabreichen der Milch mit der Spritze ist sinnvoll, wenn das Baby nicht effektiv saugen kann. Die Mutter dosiert die Milch in kleinen Mengen, damit das Baby sich nicht verschluckt. Sie kann gleich mehrere Kolben mit Milch befüllen, um während der Stillmahlzeit die Kolben schnell wechseln zu können. Wenn das Baby an der Brust effektiv saugen kann, nur die Mutter vorübergehend noch nicht genug Milch bildet, kann das Ende des Schlauches in eine Saugflasche mit Milch gesteckt werden (Spitze des Saugers ggf. abschneiden), das Baby zieht die Milch beim Saugen an der Brustwarze durch das Vakuum hoch. Zur Veranschaulichung siehe die Filmsequenz von Dr. Jack Newmann (zu 19:00 Minuten vorspulen).

Stillen mit Brusternährungsset

Zufüttern an der Brust mit dem Brusternährungsset (© Medela)

Das Brusternährungsset, welches über Apotheken oder auch bei Amazon (siehe Link) bestellt werden kann, lohnt sich, wenn längerfristig zugefüttert werden muss, da es mehr kostet und seine Handhabung und Reinigung komplizierter sind als die der Sonde. Praktisch ist jedoch, dass der Milchbehälter um den Hals gehängt werden kann und dass beide Brüste gleichzeitig mit einem Schlauch versehen werden können. Die Schläuche können abgeklemmt werden, um den Milchfluss zu regulieren. Das Brusternährungsset wird mit drei verschieden dicken Schläuchen ausgeliefert. Die Fließgeschwindigkeit der Milch hängt davon ab, wie hoch der Milchbehälter hängt, welcher Schlauch eingesetzt wird und ob der andere Schlauch abgeklemmt ist. Die Fließgeschwindigkeit soll so eingestellt werden, dass das Baby pro Schluck einmal saugen muss. Wenn das Baby anfängt stärker zu saugen, dann kann der Milchbehälter gesenkt werden.

Dickflüssige Säuglingsmilch läuft nicht gut durch die feinen Schläuche. Säuglingsmilch aus Pulver kann die feinen Schläuche außerdem verstopfen. Daher soll die Säuglingsmilch gründlich geschüttelt werden. Evtl. muss man für Säuglingsmilch die dickeren Schläuche wählen, während Muttermilch auch in den dünneren Schläuchen gut fließt.

Die Schläuche sollen nach jedem Gebrauch mithilfe einer Spritze in drei Schritten gereinigt werden:

  1. Spülen mit kaltem wasser
  2. Spülen mit heißem Wasser mit Spülmittel
  3. Spülen mit klarem Wasser

Zur Reinigung eignen sich am besten Spülreiniger für Babyfläschchen, die Milcheiweiß enzymatisch abbauen. Sonst bleibt ein Film zurück. Die Reiniger sind in Drogerien in der Babyabteilung und in Online-Geschäften erhältlich (s. Link für Amazon). Zum Trocknen werden die Schläuche aufgehängt. Einmal am Tag können die Schläuche sterilisiert werden, indem sie für 20 Minuten in heißem Wasser oder im Vaporisator gekocht werden. Dabei sollte auch innerhalb der Schläuche Flüssigkeit sein und keine Luft.

Der Gaumen des Babys soll täglich untersucht werden, um mögliche Verletzungen durch das Kunststoffröhrchen auszuschließen.

Die Menge des Supplements bestimmen

Wenn das Baby an der Brust zugefüttert wird, stellt sich die Frage, wie viel Milch die Mutter produziert und wie viel extern zugefüttert werden muss. Wenn die Mutter anfängt mehr Milch zu bilden, dann kann die zugefütterte Milchmenge langsam ausgeschlichen werden. Fühlt sich die Brust nach der Mahlzeit weicher und leerer als vorher an, bleibt im Behälter mehr Milch übrig, ist das ein Hinweis, dass die Milchmenge der Mutter zunimmt.

Das Wiegen des Babys vor und nach dem Stillen ist die zuverlässigste Methode, um festzustellen, wie viel Muttermilch das Baby aus der Brust erhalten hat: Das Gewicht des Babys wird vor und nach dem Zufüttern an der Brust genau protokolliert und es wird festgehalten, wie viel zusätzliche Milch es getrunken hat. Beispiel: Wiegt das Baby nach dem Zufüttern an der Brust 60 g mehr als davor und hat 30 ml Milch aus dem Behälter getrunken, dann hat es 30 ml Milch aus der Brust erhalten. Übrigens: Da die Milchmenge erfahrungsgemäß morgens am reichlichsten ist, kann morgens entsprechend weniger Milch zugefüttert werden.

Wenn die Mutter genug Milch bildet, um das Baby teilzustillen bzw. wenn das Baby die Brust akzeptiert, dann kann die Mutter das Baby zunächst ohne Schlauch an der Brust anlegen. Wenn das Baby die Brust weitgehend geleert hat (es hört auf zu trinken, es wird unruhig an der Brust oder es döst ein), dann führt die Mutter den Schlauch vorsichtig in den Mund des Kindes ein und das Stillen wird mit der Sonde fortgesetzt. Um sicherzustellen, dass das Baby mit Milch ausreichend versorgt wird, werden die Urin- und Stuhlausscheidungen protokolliert und der Gewichtsverlauf engmaschig überprüft (mehr darüber im Abschnitt Habe ich wirklich zu wenig Milch?).

Herausforderungen beim Zufüttern an der Brust

Manche Babys lehnen den Schlauch im Mund am Anfang ab und brauchen Zeit, um sich daran zu gewöhnen. In solchen Fällen hilft, den Schlauch an der Brust einzuführen, wenn das Baby kurz vor dem Aufwachen, noch im Halbschlaf ist und somit die Änderungen weniger wahrnimmt. Idealerweise läuft die Milch gleich beim Ansaugen, damit das Baby gleich belohnt wird. Ein ausgehungertes, aufgebrachtes Baby kann schlechter an neue Ernährungsmethoden gewöhnt werden als ein zufriedenes Baby. Um das Baby zu beruhigen, kann sich die Mutter während des Stillens z.B. auf einem stabilisierten Gymnastikball sanft bewegen. Wenn die Zufütterung an der Brust nicht gleich klappt, dann lohnt es sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu probieren, ein- bis zweimal am Tag. Viele Babys nehmen den Schlauch im Mund problemlos an.

Andere Babys gewöhnen sich so sehr an den Schlauch, dass sie ohne die Brust ablehnen. Um das Baby vom Schlauch zu entwöhnen, kann man das Stillen mit angeklebtem Schlauch beginnen und den Schlauch während des Stillens vorsichtig entfernen. Wieder andere Babys lernen, dass die Milch aus dem Schlauch kommt und wollen nur am Schlauch wie an einem Strohhalm trinken, ohne die Brustwarze in den Mund zu nehmen. In solchen Fällen soll der Schlauch nicht über die Brustwarze hinaus ragen und am Brustwarzenhof festgeklebt werden.

Zufütterung an der Brust mit der Sonde

Die Sonde kann vor dem Anlegen mit einem Klebestreifen direkt an die Basis der Brustwarze geheftet werden, die Brustwarze selbst wird nicht beklebt. Das Ende der Sonde sollte bis zur Spitze der Brustwarze oder darüber hinaus reichen, der Mund des Babys darf den Klebestreifen berühren.

Mit dem Brusternährungsset / Zufüttern per Sonde kennen sich leider bei weitem nicht alle Hebammen und (Kinder-)Krankenschwestern aus. Daher kann es vorkommen, dass das Personal im Krankenhaus oder die betreuende Nachsorgehebamme diese Methoden nicht kennen und sich aufgrund ihrer knappen Zeitressourcen auch nicht damit beschäftigen können. Generell sind Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC die besten Ansprechparterinnen, falls es Probleme mit dem Saugen oder der Milchbildung gibt und zugefüttert werden muss. Sie zeigen auch die Anwendung des Brusternährungssets oder der Sonde. Auch einige ehrenamtliche Stillberaterinnen und Hebammen mit einer Fortbildung auf diesem Gebiet können weiterhelfen.

Schriftliche Anleitungen für die Anwendung des Brusternährungssets in deutscher Sprache wurden von der Laktationsberaterin Márta Guóth-Gumberger verfasst (siehe z.B. die kurze Anleitung in Laktation & Stillen oder die ausführliche Elterninfo zum Bestellen, in der die Handhabung im Detail erklärt wird).

Das Brusternährungsset mit Stillhütchen kombinieren

Vielfach erhalten Frauen Stillhütchen, wenn das Anlegen nich klappen will. Manche Babys können ohne Stillhütchen nicht an der Brust saugen oder sie akzeptieren die Brust eher mit Stillhütchen, wenn sie an die Flasche gewöhnt sind. Bei solchen Fällen lassen sich das Brusternährungsset oder die Nahrungssonde auch mit Stillhütchen anwenden. Man kann die Schläuche sowohl unterhalb der dünnen Silikon-Stillhütchen anwenden als auch oberhalb ankleben oder während des Stillens mit Stillhütchen in den Mund des Babys schieben. Wenn das Brusternährungsset verwendet wird, empfiehlt Márta Guóth-Gumberger den dicksten Schlauch zu wählen und ihn unterhalb des Stillhütchens anzukleben. Dazu klebt sie den Klebestreifen zum Anheften des Schlauchs weiter oben an die Brust, damit unterhalb des Stillhütchens kein Klebestreifen liegt und das Hütchen besser an der Brust haftet. Das Schlauchende ragt über die Spitze der Brustwarze hinaus und liegt im Nippel des Stillhütchens. Zuerst bleiben beide Schläuche des Brusternährungssets geschlossen. Dann wird ein Schlauch geöffnet und das Hütchen wird mit Milch aus dem Milchbehälter befüllt. Hierzu drückt man auf den Milchbehälter. Zum Stillen werden beide Schläuche geöffnet.

Wenn das Baby an der Brust zappelig ist und das Stillhütchen-Sonden-Arrangement wegreißt, kann man auch das Hütchen an der Brust festkleben, z.B. mit einem größerflächigen Wundverband oder Fix-o-Moll (in die Mitte ein Loch schneiden).

Flaschenfütterung von gestillten Säuglingen

Fläschen

Viele Eltern entscheiden sich für die Saugflasche

Für stillende Mütter sind Flaschen dann praktisch, wenn sie nach mehreren Monaten des ausschließlichen und erfolgreichen Stillens regelmäßig und längere Zeit von ihren Babys getrennt sind, z.B. wenn sie zur Arbeit zurückkehren. Auch wenn Eltern mit anderen, alternativen Fütterungsmethoden nicht zurechtkommen bzw. wenn sie keine Unterstützung dabei erhalten, entscheiden sie sich oft für die Flasche. Je später die Flasche eingeführt wird, umso besser, aber allerfrühestens sollte sie nach 4–6 Wochen erfolgreichen Stillens eingeführt werden. Entgegen der Werbung von Saugerherstellern kann kein künstlicher Sauger die Brust nachahmen. Auch ältere Babys können komplett ohne Flasche gefüttert werden, am besten mithilfe eines Bechers oder z.B. des CamoCups (s. oben).

Nicht alle Babys bekommen eine Saugverwirrung. Die Gefahr einer Saugverwirrung ist höher, wenn die Mutter Flach- oder Hohlwarzen hat, oder wenn die Mutter vergleichsweise „wenig“ Milch bildet und der Milchfluss aus der Brust sehr langsam ist. Auch wenn die Flaschenfütterung überwiegt, kann eine Präferenz zur Flasche und eine Ablehnung der Brust resultieren. Andererseits hat man bei der Wahl des Saugers und der Flasche bzw. durch die Art und Weise der Flaschenfütterung einen gewissen Einfluss darauf, ob eine Saugverwirrung entsteht.

Stillfreundliche Wahl des Saugers und der Flasche

Unter den Saugflaschen sind für Stillkinder Weithalsflaschen mit möglichst rundem, weichem Sauger und einer breiten Lippenauflage am besten. Denn bei Flaschen und Saugern mit einer schmalen Basis pressen die Babys ihre Lippen zusammen. Es erschwert das Stillen, wenn sich das Baby das Zusammenpressen der Lippen angewöhnt. Bei Weithalsflaschen mit einer breiten Lippenauflage muss das Baby seinen Mund weiter aufmachen, ähnlich wie beim Stillen. Ist der Saugteil für das Baby allerdings zu lang, dann hilft auch keine breite Basis. Dann presst das Baby seine Lippen am schmalen Saugteil zusammen. In einem solchen Fall sollte ein anderer Sauger mit kürzerem Saugteil gewählt werden. Kleine Neugeborene brauchen tendenziell kürzere Sauger als größere Neugeborene oder ältere Babys. Darüber hinaus sollte der Sauger möglichst weich sein, um wenig Druck auf den Gaumen des Kindes auszuüben. Silikon-Sauger sind tendenziell weicher als Latex-Sauger. Der Sauger soll eine langsame Fließgeschwindigkeit ermöglichen: Das Saugerloch sollte so klein sein, dass bei umgedrehter Flasche nicht mehr als 1 Tropfen Milch pro Sekunde herausfällt. Zurzeit gelten die weichen Natural Wave-Sauger in Größe S am ehesten geeignet.

Der so genannte „Muttermilchsauger“ (Calma), eine Neuentwicklung mit hartem Saugteil, hat sich laut Stillberaterinnen nicht bewährt und kann Anlegeprobleme möglicherweise sogar verschärfen. Der Muttermilchsauger geht aufgrund der Membran außerdem kaputt, wenn er zur Fütterung von Säuglingsmilch verwendet wird.

Stillfreundliche Flaschenfütterung

Beim Füttern mit der Flasche sollte das Baby wie zum Stillen auf den Arm genommen werden, mit angehobenem Oberkörper und Blickkontakt zur fütternden Person. Mit dem Sauger wird die Unterlippe des Babys in der Mitte von oben nach unten gestreift. Wenn das Baby daraufhin den Mund weit öffnet, kann der Sauger in den Mund gebracht werden und das Baby fängt aktiv an zu trinken. Künstliche Sauger kann man zwar in den Mund des Kindes schieben, auch wenn das Kind den Mund kaum öffnet – beim Stillen funktioniert das nicht. Daher ist die weite Öffnung des Mundes als Voraussetzung für das Füttern so wichtig. Die Flasche sollte waagerecht bis leicht schräg gehalten werden, damit die Milch einerseits langsam läuft und das Baby – wie beim Stillen – aktiv saugen muss, andererseits aber der Sauger immer mit Milch gefüllt ist, damit das Baby keine Luft schluckt. Die Fütterung sollte etwa 20 Minuten dauern. Fünf bis 10 Minuten sind zu schnell, 35–40 Minuten zu langsam (Kassing, 2001). Wenn das Baby Zeichen von Stress zeigt, sollte die Flasche aus dem Mund genommen und flacher gehalten werden. Große Hektik beim Trinken kann ein Hinweis darauf sein, dass das Kind Probleme hat, Schlucken und Atmen zu koordinieren. Langsames Füttern mit tief gehaltener Flasche führt wieder zur Entspannung. Zum Ende der Fütterung, wenn die Flasche schon fast leer ist und hochgehalten werden muss, damit der Sauger mit Milch gefüllt wird, soll der Oberkörper des Babys nach hinten gesenkt werden, damit der Kopf und der Körper weiterhin in einer Linie bleiben.

⇒ Muttermilch sollte natürlich nur ergänzend zum Stillen, falls wirklich nötig, gefüttert werden. Direktes Stillen ist die beste Ernährungsform für Säuglinge.

Quellen:

  • Giebel U: Alternative Stillbegleitung bei saugschwachen Kindern. Vortrag am Interdisziplinären BDL-Kongress in Fulda Künzell, 24.3.2017.
  • Lauwers J, Swisher A: Counseling the Nursing Mother. A Lactation Consultant´s Guide. Jones & Bartlett Learning, 2016, 6. Aufl. S. 514-520.
  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learning, 2016, 5. Aufl. S. 247-249.
  • Kassing D: Bottle-feeding as a tool to reinforce breastfeeding. J Human Lact 2001;18(1):56-60.
  • Bier A: Stillhilfsmittel. Fortbildung auf der LLL-Konferenz, Herbst 2016.
  • Guóth-Gumberger M: Stillen mit dem Brusternährungsset und Hütchen. Laktation & Stillen 2014;4:15-16.
  • Abouelfettoh A et al.; Cup versus bottle feeding for hospitalied late preterm infants in Egypt: A quasi-experimental study. Int breastfeed J 2008;3:27.
  • Collins C et al.: Avoidance of bottles during the establishment of breast feeds in preterm infants. Cochrane Database Syst Rev 2008;CD005252.
  • McKinney CM, Glass RP, Coffey P, Rue T, Vaughn MG, Cunningham M: Feeding Neonates by Cup: A Systematic Review of the Literature. Matern Child Health J. 2016 Mar 25.
  • Deutsche Nationale Stillkommission am Institut für Risikobewertung, 2015: Zufütterungstechniken für gestillte Säuglinge. http://www.bfr.bund.de/cm/343/zufuetterungstechniken-fuer-gestillte-saeuglinge.pdf
  • Zimmerman E, Thompson K: Clarifying nipple confusion. J Perinatol 2015. doi: 10.1038/jp.2015.83. [Epub ahead of print]
  • Yilmaz G, Caylan N, Karacan CD, Bodur İ, Gokcay G: Effect of cup feeding and bottle feeding on breastfeeding in late preterm infants: a randomized controlled study. J Hum Lact. 2014;30(2):174-9. doi: 10.1177/0890334413517940. Epub 2014 Jan 17.
  • Wilson-Clay B, Hoover KL: The Breastfeeding Atlas. LactNews Press, 2013, 5. Aufl., S. 116-126.
  • Both D, Frischknecht K: Stillen kompakt. Atlas zur Diagnostik und Therapie in der Stillberatung. Urban und Fischer 2007

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© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Ergänzungen: März 2017.