Nahrungsergänzungen in der Stillzeit: meist unnötig und überdosiert

2. Dezember 2017 | Von | Kategorie: Leitartikel
Tabletten und Pillen auf einem Löffel und in einer Schüssel

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in der Stillzeit sollte in Absprache mit dem Arzt und nur bei individuellem Bedarf erfolgen. (© Aleksej Ukhov)

Zahlreiche Hersteller bieten über Apotheken, Drogerien und das Internet Nahrungsergänzungsmittel für stillende Mütter an, um den erhöhten Nährstoffbedarf in der Stillzeit zu decken. Sind diese Supplemente aber wirklich erforderlich, damit Mutter und Kind mit allen Nährstoffen gut versorgt sind? Die Verbraucherzentrale Hamburg hat anlässlich der Weltstillwoche 14 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel unter die Lupe genommen. Dabei verglichen sie den Inhalt der Supplemente mit offiziellen Empfehlungen zur Nährstoffversorgung in der Stillzeit und Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung für die Verwendung von Mineralstoffen und Vitaminen in Lebensmitteln. Die Bewertung der einzelnen Präparate hat die Verbraucherzentrale Hamburg in einer übersichtlichen Tabelle zusammengefasst.

Die Verbraucherzentrale kommt zum Schluss, dass 9 der 14 untersuchten Supplemente die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Höchstdosierungen für verschiedene Inhaltsstoffe weit überschreiten. Somit kann die Einnahme dieser Nahrungsergänzungsmittel mehr schaden als nützen. Zudem bemängelt die Verbraucherzentrale, dass sich die meisten Supplemente gleichzeitig an Schwangere und Stillende richten, obwohl sich der Nährstoffbedarf in beiden Lebensphasen unterscheidet.

Zu den einzelnen Nährstoffen in den Supplementen schreibt die Verbraucherzentrale Folgendes:

  • Jod ist das einzige Supplement, das für die Stillzeit empfohlen wird – in Absprache mit dem Arzt (siehe auch unseren Artikel Die Einnahme von Jod-Tabletten ist auch in der Stillzeit wichtig).
  • Folsäure wird nur bei Kinderwunsch und in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft empfohlen (400 μg am Tag), ansonsten ist eine Supplementierung überflüssig. In mehreren Präparaten wird sie über die Höchstmengenempfehlung dosiert.
  • DHA braucht nur bei fischfreier Ernährung zusätzlich zugeführt zu werden.
  • Vitamin D: Eine Supplementierung ist nur bei fehlender Eigensynthese (z.B. bei zu wenig Sonnenlicht) bzw. bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.
  • Eisen sollte nur bei individuell diagnostiziertem Eisenmangel in Absprache mit dem Arzt zusätzlich eingenommen werden.
  • Vitamin B12: In der Regel ist eine Supplementierung nur bei Veganerinnen erforderlich.
  • Zink wird in den Präparaten häufig um ein mehrfaches überdosiert.
  • Selen wird in den Präparaten ebenfalls häufig überdosiert.
  • Kupfer: Supplementierung wird nicht empfohlen.
  • Mangan: Supplementierung wird nicht empfohlen.
  • Weitere Vitamine und Mineralstoffe sind in aller Regel überflüssig.

Fazit:

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittelpräparaten eigens für die Stillzeit ist nicht generell sinnvoll und kann sogar potenziell schädlich sein. In den meisten Fällen können Mütter ihren erhöhten Nährstoffbedarf in der Stillzeit durch eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung decken. Lediglich die Einnahme von Jod ist für die meisten Mütter sinnvoll – in Absprache mit dem Arzt. Folsäure braucht nur zusätzlich eingenommen zu werden, wenn eine weitere Schwangerschaft in Aussicht ist oder die Mutter bereits schwanger ist. Weitere Mineralstoffe und Vitamine sollten nur bei individuellem Bedarf in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Quelle:

 

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