Stillpositionen – So stillen Sie Ihr Baby bequem

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Stillen ist in vielen Positionen möglich (© Nikolay Suslov)

Es gibt verschiedene Positionen, in denen die Mutter ihr Baby stillen kann. Wichtig ist, dass die Mutter selber stabil abgestützt ist, sich wohl fühlt und entspannen kann. Welche Haltung die Mutter schließlich wählt, hängt von ihren persönlichen Präferenzen und der jeweiligen Situation ab.

Bei ungünstigen Stillpositionen kann das Baby die Brustwarze nicht richtig erfassen. Dadurch kann die Brustwarze wund werden und der Säugling kann nicht effektiv trinken. Bei der Mutter können außerdem Verspannungen entstehen.

Es gibt ein paar Grundregeln, die bei allen Stillhaltungen gleichermaßen gelten:

  • Das Baby sollte in engem Körperkontakt zur Mutter, Bauch an Bauch so angelegt werden, dass seine Nase oder Oberlippe direkt vor der Brustwarze liegt. Es sollte den Kopf nicht neigen, überstrecken oder drehen müssen, um die Brustwarze zu erreichen. Ohr, Schulter und Hüfte des Kindes bilden eine Linie.
  • Arme des Babys liegen rechts und links von der Brust, an der es saugt; wenn beide Arme auf einer Seite der Brust liegen, kann es nicht effektiv saugen.
  • Ziehen Sie das Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind!

Die drei klassischen Stillhaltungen

Es gibt im Wesentlichen drei klassische Stillpositionen, die sich bei den meisten Still-Paaren bewähren; diese sollten hier näher vorgestellt werden. Lassen Sie alle drei Anlegepositionen von Ihrer Hebamme zeigen und begutachten. Natürlich gibt es darüber hinaus unzählige weitere Möglichkeiten, das Baby beim Stillen zu halten.

Die Wiegen-Haltung

Mutter stillt ihr Baby in der Wiegenhaltung

Stillen in der Wiegehaltung

Die Wiegen-Haltung gilt als die „klassische“ Stillhaltung, weil sie am häufigsten zu sehen ist. Dabei ist sie wahrscheinlich eine relativ neue Entwickung des modernen Menschen. Die Mutter sitzt aufrecht und hält das Baby in ihrem Arm. Sie stützt den Rücken oder umfasst den Oberschenkel des Babys. Der Kopf des Babys ruht auf dem Unterarm oder in der Ellenbeuge. Arm, Schultern und Rücken der Mutter sollten bequem, z.B. mithilfe eines Stillkissens, abgestützt werden. Die Mutter kann ihre Brust mit der freien Hand mit dem C-Griff (Daumen oben, die Finger unten) stützen. In der Neugeborenenzeit kann vorkommen, dass die Mutter während der gesamten Mahlzeit die Brust auf diese Weise stützen muss, damit sie nicht aus dem Mund des Babys rutscht, später gibt sich das vor allem bei kleineren, festeren Brüsten.

Die Wiegen-Haltung ist überall anwendbar, ob zu Hause oder unterwegs. Im Vergleich zum Stillen im Liegen ist die Wiegen-Haltung allerdings relativ umständlich durch die erforderliche Polsterung, die man sich zum Stillen jedes Mal bauen muss. Zu Hause wird sie daher nicht von allen Müttern bevorzugt.

Stillen in Football-Haltung

Football-Haltung

Football-Haltung

Bei dieser Haltung, die auch Seitenhaltung oder Rückenhaltung genannt wird, liegt das Baby seitlich, unterhalb des Arms der Mutter. Die Beinchen des Babys zeigen zum Rücken der Mutter und stemmen sich gegen die Rückenlehne. Der Vorteil der Seitenhaltung gegenüber der Wiegenhaltung ist, dass der Kopf des Kindes gezielter an die Brust herangezogen werden kann. So lässt sich das Baby vor allem in der Neugeborenenzeit besser anlegen. Gut geeignet ist diese Position auch nach Kaiserschnitt, beim Milcheinschuss sowie für frühgeborene und kranke Neugeborene. Sie kann auch zum Einsatz kommen, um einen Milchstau im seitlichen Brustsegment zu lösen. Auch für die Football-Haltung braucht man ein Stillkissen oder andere Polsterungen. Sie ist vergleichsweise umständlich und daher eher kurzfristig im Einsatz.

Stillen im Liegen

Stillen im Liegen

Stillen im Liegen

Stillen im Liegen (in Seitenlage) ist in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt für manche Mütter eine Herausforderung. Der Mund des Babys und die Brust sind im Liegen schwieriger zu sehen und zurechtzurücken als in anderen Stillpositionen. Für fortgeschrittene Stillpaare ist das Stillen im Liegen allerdings eine sehr bequeme und unkomplizierte Haltung, bei der sich die Mutter am besten ausruhen und auch dösen kann. Daher lohnt es sich, diese Position immer wieder zu üben, bis Mutter und Baby damit gut zurechtkommen.

Es ist ganz normal, dass man beim Stillen schläfrig wird und auch eindöst. Wenn das Baby beim Stillen einschläft, kann es liegen bleiben und muss nicht extra geweckt werden. Die Mutter kann trotzdem aufstehen. Die Schlafumgebung muss aber sicher sein. Man kann z.B. eine Futonmatratze auf dem Boden zum Stillplatz einrichten. Auch im Ehebett oder in einem Familienbett kann man sehr gut stillen, wenn die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden (siehe den Beitrag Stillen in der Nacht). Stillen im Liegen eignet sich auch für die nächtlichen Stillmahlzeiten ausgezeichnet, damit die Mutter nicht extra aufstehen muss und sich trotz häufigem nächtlichen Stillen ausschlafen kann.

In dieser Stillposition liegen Mutter und Baby ganz dicht nebeneinander auf der Seite, sie berühren sich Bauch an Bauch. Der Rücken eines Neugeborenen muss noch gestützt werden: entweder durch den Oberarm der Mutter oder z.B. durch ein zusammengerolltes Handtuch oder ein (Still)Kissen. Ältere Babys können sich auch selbst schon ganz gut halten. Die Mutter stützt sich durch ihren angewinkelten Arm und ihre angewinkelten Beine und umrandet so das Baby. Wer mag, kann zur Abstützung auch eine Deckenrolle im Rücken und ggf. ein Kissen zwischen den Knien verwenden. Jede zusätzliche Polsterung erhöht allerdings den Aufwand vor und nach dem Stillen. Je besser sich das Baby selbst stützen kann, umso einfacher und erholsamer wird auch diese Stillposition.

Auch in dieser Stillposition kann das Kind an beiden Brüsten trinken, ohne dass sich die Mutter auf die andere Seite drehen muss. Es ist oft angenehmer, wenn zuerst die untere Brust entleert wird. Dann bietet die Mutter die obere Brust an: Dafür dreht sie ihren Oberkörper weiter zum Kind und legt sich ein Stück weit auf die untere Brust. Wenn die Mutter sich auf die andere Seite drehen möchte, drückt sie das Baby an ihren Bauch und dreht sich zusammen mit dem Baby langsam um.

Stillen im Liegen ist vielleicht die bedeutendste Stillposition: Es ist wichtig, dass möglichst alle stillenden Mütter lernen, in dieser Position zu stillen, um auf diese Weise viele Monate und ggf. Jahre bequem und erholsam im Bett und vor allem nachts stillen zu können.

Zurückgelehntes Stillen / Laid-back-Nursing

Baby stillend auf dem Bauch der Mutter

Auf den Bauch der Mutter gelegt findet das Neugeborene die Brustwarze und dockt selbstständig an.

Es gibt Hinweise, dass Stillprobleme von Anfang an vermieden werden können, wenn beim Andocken das Baby die Führung übernehmen darf. Auf den Bauch der Mutter gelegt robben Neugeborene zur Brustwarze (das nennt man „Breastcrawl“)und erfassen diese selbstständig und korrekt. Möglicherweise kommen Stillprobleme in den klassischen Stillpositionen, in denen die Mutter das Baby anlegt und die angeborenen Such- und Andock-Reflexe der Neugeborenen nicht sinnvoll eingesetzt werden können, viel öfter vor. Auch bei bereits aufgetretenen Stillproblemen, wie wunde, schmerzende Brustwarzen, Anlegeschwierigkeiten oder Brustverweigerung wurde diese Stillhaltung als nützlich beschrieben. In der Stillberatung wird zunehmend empfohlen, das Stillen in dieser zurückgelehnten Stillposition zu erlernen und einzuüben. Die anderen, klassischen Stillpositionen werden eher für fortgeschrittene Stillpaare empfohlen.

Eine zurückgelehnte Haltung gibt dem Baby eine große Oberfläche (© Kati Molin)

Die zurückgelehnte Haltung bietet dem Baby eine große Oberfläche zum Festhalten und Krabbeln (© Kati Molin)

Für das zurückgelehnte Stillen, das auch Biological Nurturing, Laid-back-Nursing, Intuitive Nursing oder Baby-led-Latching genannt wird, lehnt sich die Mutter in eine bequeme, halb sitzende, halb liegende Position zurück. Ihr Kopf, Nacken, Schultern, Rücken und Arme sind mithilfe eines bequemen Sessels oder Bettes und verschiedenen (Still)Kissen bequem abgestützt. Sie fühlt sich wohl und stabil – sie kann sich weitestgehend entspannen, ohne sich selbst halten zu müssen. Die Mutter legt das leicht bekleidete Baby bäuchlings in Längs-, Quer- oder Schräglage auf sich rauf. Sie muss das Baby nicht halten, es wird von ihrem Körper stabil abgestützt – ihre Hände sind frei. Das Gesicht des Babys sollte in der Nähe und etwas unterhalb der nackten Brust sein, um ihm das Finden der Brust zu erleichtern. Das Baby findet die Brustwarze spontan und dockt völlig selbstständig an. Die Mutter braucht keine weitere Anleitung, sie bildet mit dem Baby intuitiv ein Team: Sie kann dem Baby helfen und es bei seinem Vorhaben unterstützen. Sie kann mit ihren Händen die Füße des Babys stützen, um ihm beim Schreiten und Festhalten an ihrem Körper zu helfen. Sie kann auch ihre Brust mit der Hand stützen oder auch nicht, wie es ihr am sinnvollsten erscheint. Hauptsache, Mutter und Kind entspannen sich und fühlen sich wohl.

Mehr Bilder und Anleitungen finden sich u.a. auf der Seite www.biologicalnurturing.com. Diese Stillhaltung ist noch relativ neu und wenig bekannt, auch unter Hebammen und Krankenschwestern. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine natürliche „Ur-Stillhaltung“.

Eine ausführliche deutschsprachige Anleitung zu allen Stillpositionen und insbesondere zum „Laid-back-Nursing“ findet sich im Buch von Regine Gresens „Intuitives Stillen“ und in einem Video-Online-Kurs von ihr (www.stillkinder.de, kostenpflichtig).

Stillpositionen für besondere Fälle

Stillen nach Kaiseschnitt

Stillen nach Kaiserschnitt

Stillpositionen nach Kaiserschnitt

Nach einem Kaiserschnitt kann sich die Mutter kaum bewegen und der Bauch ist sehr empfindlich auf Druck und Berührung, auch das Sitzen ist zunächst nicht möglich. Nach einem Kaiserschnitt empfiehlt sich zunächst das Stillen im Liegen in Rückenlage. So kann die Mutter trotz Narbe schmerzfrei stillen. Das Baby kann mithilfe eines Stillkissens neben der Mutter gestützt werden. Auch das Laid-back-Nursing (s. Abschnitt weiter oben) kann gut funktionieren, wobei das Baby wegen der Narbe nicht auf den Bauch der Mutter gelegt werden soll, sondern weiter oben auf den Brustkorb oder in den Schulterbereich quer. Damit das Baby anhand seiner angeborenen Reflexe andocken kann, soll es Bäuchlings auf die Mutter gelegt und sich dort sicher abstützen können.

Sobald sich die Mutter auf die Seite drehen kann, ist auch diese Stillposition empfehlenswert. Die Mutter dreht sich – ggf. mit Unterstützung von Angehörigen oder Pflegekräften – ganz langsam und vorsichtig auf die Seite, und stützt sich dann mithilfe eines Stillkissens hinter dem Rücken und zwischen den Beinen ab. Die Narbe wird mit einem kleinen Kissen oder Handtuch geschützt, damit das Baby nicht dagegen tritt. Auch die Football-Haltung ist nach einem Kaiserschnitt empfehlenswert (Mehr zum Thema im Artikel Stillen nach Kaiserschnitt).

Die modifizierte Wiegenhaltung

Die Mutter stützt mit ihrer Hand die Brust im C-Griff.

Stillen in der modifizierten Wiegenhaltung

Bei der modifizierten Wiegenhaltung sitzt die Mutter genauso wie bei der einfachen Wiegenhaltung aufrecht. Das Baby liegt Bauch an Bauch vor ihr. Die Mutter stützt mit der Hand ihre Brust von hinten im C-Griff. Sie stützt Rumpf, Schulter und Kopf des Babys mit der anderen Hand. Diese Haltung eignet sich gut bei Anlegeproblemen, großen Brüsten, starkem Milcheinschuss sowie für Frühgeborene und kranke Neugeborene.

 

Mutter stillt ihr Baby im Hoppe-Reiter-Sitz

Stillen im Hoppe-Reiter-Sitz

Hoppe-Reiter-Sitz

Das Kind sitzt aufrecht auf dem Schoss der Mutter, das Gesicht vor der Brust. Diese Position eignet sich gut bei sehr starkem Milchspendereflex und bei einem Milchstau im unteren Bereich der Brust. Neugeborene müssen sehr gut gestützt werden.

Vierfüßlerposition

Die Mutter stillt ihr Baby im Vierfüßlerstand.

Stillen im Vierfüßlerstand

Wenn die Milch in die Richtung der Gravitation fließen kann, dann verstärkt sich der Milchfluss. Diese etwas umständliche Position wird daher verwendet, um einen Milchstau aufzulösen. Die Mutter steht im Vierfüßlerstand auf Händen und Knien. Das Kind liegt unter ihr auf dem Rücken. Das Kind wird mithilfe von einer Matratze, Kissen oder Decken höher gehoben, damit es bequem an der Brust trinken kann, ohne dass die Mutter eine „Liegestütze“ durchführen muss. Das Kind sollte so angelegt werden, dass sein Kinn zur gestauten Stelle zeigt.

Mutter stillt ihr Baby in einer Babytrage

Stillen in der Babytrage

Stillen im Tragetuch oder in der Babytrage

Wenn Babys im Tragetuch oder in der Tragetasche gestillt werden, sind sie im Paradies. Sie dürfen immer in Haut- oder Körperkontakt mit der Mama bleiben und haben die Milchbar direkt vor der Nase. Auf diese Weise können Babys auch unterwegs einfach gestillt werden. Dabei ist allerdings noch zu beachten, dass Babys normalerweise etwas höher gebunden werden (sodass die Mutter auf das Köpfchen einen Kuss geben kann) und die Brust somit relativ weit unten liegt. Manche Mütter heben ihre Brust zum Stillen höher und/oder binden ihr Kind etwas niedriger, damit das Stillen problemlos klappt.

Stillen im Tragetuch ist in traditionellen Kulturen unter den Müttern, die trotz Stillen harte körperliche Arbeit verrichten müssen, sehr verbreitet. Das Baby, das von der Mutter immer am Körper getragen wird, kann sich an der Brust selbst bedienen oder wird zum Stillen nach vorne geschwenkt.

Stillen im Schaukelstuhl

Mutter still ihr Baby im Schaukelstuhl

Stillen im Schaukelstuhl

Durch Stillen in einem Schaukelstuhl lassen sich Babys sehr schön beruhigen. Gleichzeitig kann sich auch die Mutter ausruhen.

Quellen:

  • Katharina von Herff: Schmerzen beim Stillen. Vortrag auf dem La Leche Liga Regionaltreffen, Mai 2017.
  • Gresens R: Intuitives Stillen. Kösel Verlag, 2016.
  • Both D, Frischknecht K: Stillen kompakt. Atlas zur Diagnostik und Therapie in der stillberatung. Urban Fischer, 2006.
  • Guoth-Gumberger M, Hormann E: Stillen. So versorgen Sie Ihr Baby rundum gut. Gräfe und Unzer, 2004.
  • Gresens R: Macht unsere Anleitung das Stillen so schwierig? Mittels „Biological Nursing“ können viele der anfänglichen Stillprobleme vermieden werden. Laktation & Stillen. 2014(2).
  • Persönliche Erfahrungen

 


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© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Aktualisierung: Mai 2017.