Regelmäßige Gabe von Prenahrung als Allergieprophylaxe?

Eine Mutter stellt aus Milchpulver und Wasser Säuglingsmilch her.
Regelmäßige Gabe von Pulvermilch, obwohl Vollstillen möglich wäre? (© Robert Hainer)

In letzter Zeit werden stillende Mütter von manchen Kinderärzten und Hebammen häufiger angehalten, ihren Babys als Allergieprophylaxe regelmäßig, z.B. täglich, Prenahrung zu geben, wenn diese schon einmal mit Prenahrung zugefüttert worden sind, z.B. in den ersten Tagen nach der Geburt. Obwohl die Mütter nach der Überwindung der anfänglichen Stillschwierigkeiten ausschließlich stillen könnten, geben sie regelmäßig und langfristig Formulanahrung.

Die Grundlage der Empfehlung von manchen Kinderärzten und Hebammen sind Studien, die darauf hinweisen, dass eine regelmäßige Gabe von potenziellen Allergenen das Risiko für die spätere Entwicklung von Lebensmittelallergien senkt, während die einmalige oder unregelmäßige Gabe das Risiko erhöht. So sollen Kinder, die nach einer ersten Zufütterung im Wochenbett schon einmal Prenahrung erhalten haben und anschließend regelmäßig weiterhin Prenahrung bekommen, später seltener eine Kuhmilcheiweißallergie entwickeln.

Die Ableitung einer allgemeinen Empfehlung wird jedoch von verschiedenen Stillorganisationen kritisiert:

Euroscheine
Eine Empfehlung, die vor allem der Säuglingsnahrungsindustrie nützt.

Die Stellungnahmen heben hervor, dass

  1. die Studienergebnisse, die für eine regelmäßige Zufütterung zur Allergieprävention sprechen, zweifelhaft sind,
  2. Teilstillen anstelle von ausschließlichem Stillen das Risiko von vorzeitigem Abstillen und einer Reihe von Erkrankungen bei Mutter und Kind erhöht,
  3. Kuhmilchallergie relativ selten und meist von vorübergehender Natur ist und es sich deshalb nicht lohnt, die Nachteile der Zufütterung in Kauf zu nehmen,
  4. die regelmäßige Zufütterung nicht dem Interesse der Babys, sondern dem Profit der Säuglingsnahrungsindustrie dient,
  5. die Zufütterung in den ersten Tagen mit Formulanahrung durch bessere Schulung des Personals und verbesserte Krankenhausroutinen von vorne herein vermieden werden könnte und sollte.

Es handelt sich also um eine Empfehlung, die unter dem Einfluss der Säuglingsnahrungsindustrie entstanden ist und den meisten Babys deutlich mehr Schaden zufügt als nützt.


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