Stillbegleiterin (DAIS) – stillkundige Fachpersonen in verschiedenen Berufsfeldern

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Dorothee Schmitz, Geschäftsführerin des Deutschen Ausbildungsinstituts für Stillbegleitung (DAIS)

In der Reihe „Who is who in der Stillförderung“ werden alle Berufsgruppen und Organisationen in der Stillförderung nach und nach vorgestellt, um den Müttern eine Orientierung zu bieten. In diesem Beitrag geht es um die Stillbegleiterinnen (DAIS), durch das 2013 gegründete Deutsche Ausbildungsinstitut für Stillbegleitung ausgebildete Fachpersonen in verschiedenen Berufsfeldern. Unsere Interviewpartnerin ist Dorothee Schmitz, Geschäftsführerin des Ausbildungsinstituts.

Liebe Frau Schmitz, wo sehen Sie den Unterschied zwischen Stillbegleitung und Stillberatung?

Es gibt zwei Aspekte einer Stillbegleitung im Vergleich zu einer Stillberatung: Während der Begriff Beratung erst greift, wenn die Frau bereits Hilfe braucht, findet eine Stillbegleitung bereits statt, bevor ein Problem entsteht. Stillbegleitung ist also eine präventive Arbeit. Die Frauen müssen nicht konkret ein Problem haben, um eine positive Unterstützung zu bekommen.

Zum Zweiten begleiten viele unserer Absolventinnen stillende Frauen im Rahmen ihrer bereits vorhandenen beruflichen Tätigkeit mit Müttern und Babys: Sie arbeiten nicht gezielt als Stillberaterinnen, sondern integrieren die Ausbildung in ihre bisherige Tätigkeit. Ich leite z.B. Eltern-Baby-Kurse, in deren Rahmen immer wieder Fragen auch zum Stillen auftauchen: der Alltag der stillenden Mutter, Gedanken über das weitere Stillen, Beikost, Abstillen usw. Die Mütter erhalten keine eigenständige Stillberatung von mir, werden aber im Rahmen des Eltern-Baby-Kurses auch bei Fragestellungen rund um das Stillen kompetent beraten und über die gesamte Kursdauer begleitet. Eine Apothekerin wiederum kann mit dieser Fortbildung besser zur Gewinnung von Muttermilch beraten, eine Logopädin lernt die Zusammenhänge zwischen Mundmotorik, Stillen und der Sprachentwicklung besser zu verstehen, eine Wochenbettkrankenschwester, die vielleicht keine eigene Stillerfahrung hat, lernt, warum das Bonding so wichtig ist, warum die Mutter mit ihrem Kind so eng zusammensein muss und was Stillen nach Bedarf für den Stillerfolg bedeutet.

Weshalb wurde das DAIS gegründet?

Für Stillberatung gab es zunächst Ausbildungen für ehrenamtliche Mutter-zu-Mutter-Beratung und später zusätzlich umfangreiche Ausbildungen mit medizinischem Schwerpunkt wie z.B. zur IBCLC oder zur Stillbeauftragten in Kliniken. Viele Menschen, die beruflich mit Müttern und Säuglingen zu tun haben, wollen diese auch beim Stillen unterstützen, und zwar im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit. Dafür benötigen sie eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Ausbildung, die in Umfang und Anspruch dazu passt und ihnen ein solides Grundwissen vermittelt. Das gab es damals noch nicht. Wir haben für diesen Bedarf ein geeignetes Curriculum erarbeitet und als organisatorischen Rahmen das Deutsche Ausbildungsinstitut für Stillbegleitung gegründet.

Wie viele DAIS-Absolventinnen gibt es bereits und welchen Hintergrund bringen sie mit?

Im Moment (Dezember 2016) haben wir knapp 100 Absolventinnen. Das Zertifikat ist für zwei Jahre gültig und wird verlängert, wenn entsprechende Fortbildungen nachgewiesen werden. Da nicht alle Absolventinnen ihr Zertifikat verlängern, gibt es aktuell rund 80 DAIS-Stillbegleiterinnen mit gültigem Zertifikat.

Unsere Teilnehmerinnen haben vielfältige Hintergründe. Ein Teil hat einen medizinischen Grundberuf, z.B. Hebammen, Krankenschwestern, Ärztinnen oder Mitarbeiterinnen aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst. Viele sagen, dass sie das, was sie in den Kursen lernen, gerne schon früher gewusst hätten, das habe ihnen in ihrer Ausbildung gefehlt. Auch Apothekerinnen haben wir regelmäßig, die über die Initiative Babyfreundliche Apotheke über unsere Ausbildung erfahren haben. Wir haben auch viele Teilnehmerinnen ohne medizinischen Hintergrund, darunter viele Trageberaterinnen oder andere Frauen, die in der Beratung von Müttern tätig sind. Sie streben die DAIS-Ausbildung an, um eine Zusatzqualifikation zu ihrer bereits vorhandenen Beratungstätigkeit zu erwerben.

Bieten DAIS-Stillbegleiterinnen auch gesondert Stillberatung bei konkreten Stillproblemen an?

Das ist unterschiedlich. Ein Teil unserer Absolventinnen benutzt diese Fortbildung ausschließlich in seinem vorhandenen beruflichen Umfeld und möchte nicht zusätzlich aktiv werden. Andere bieten auch einzelne Stillberatung an, oft als zusätzliches Standbein neben weiteren Angeboten für junge Familien.

Wo sehen Sie Ähnlichkeiten und Unterschiede zu den ehrenamtlichen Stillberaterinnen und den IBCLCs?

Ähnlichkeiten zu den ehrenamtlichen Stillberaterinnen liegen darin, dass DAIS-Absolventinnen Mütter in alltäglichen Zusammenhängen, bei grundlegenden Fragen zum Stillen begleiten und dass manche von ihnen Stillgruppentreffen ohne Honorar für sich anbieten. Unterschiede bestehen darin, dass die DAIS-Ausbildung stärker auf fachliche Anliegen für berufliche Anwendung ausgerichtet ist und DAIS-Absolventinnen Stillberatung auch gegen Honorar anbieten. Außerdem kann die DAIS-Ausbildung auch ohne eigene Stillerfahrung absolviert werden.

Unterschiede zur IBCLC-Ausbildung bestehen im Umfang der Ausbildung und darin, dass wir keinen medizinischen Grundberuf voraussetzen. Wir vermitteln die physiologischen Grundlagen und den Umgang mit häufigen Schwierigkeiten, keine vertieften medizinischen Kenntnisse für besondere Stillprobleme. Da vermitteln wir gerne an entsprechende Expertinnen wie z.B. IBCLCs weiter.

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Ausbildung liegt in der Befassung mit den gesellschaftlichen Bedingungen, die Müttern gelingendes Stillen erleichtern oder auch Hürden darstellen. Wir wollen dazu beitragen, diese Bedingungen zu verbessern.

Liebe Frau Schmitz, vielen Dank für das Interview.


Das Interview wurde im Dezember 2016 aufgenommen.

© Dr. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.