Zusammenschlafen in einem Bett fördert den Stillerfolg

26. Mai 2015 | Von | Kategorie: Hätten Sie es gewusst?
Mutter stillt Baby im Halbschlaf

Wenn Mutter und Baby in einem Bett schlafen, kann die Mutter nachts problemlos stillen, ohne richtig aufzuwachen (© Evgeny Atamanenko)

In unserer modernen, industrialisierten Welt hat sich durchgesetzt, dass Babys in einem eigenen Bett schlafen, häufig sogar in einem eigenen Kinderzimmer. Dementsprechend finden werdende Eltern in Läden praktisch nur Gitterbettchen als Schlafstätte für ihr Baby. Das ist eine relativ neue Entwicklung in der Menschheitsgeschichte, denn früher bedeutete eine Trennung von den Eltern für Säuglinge den sicheren Tod. Laut Prof. McKenna, Anthropologe und Mutter-Baby-Schaf-Experte, ist das Zusammenschlafen von Mutter und Kind das älteste und erfolgreichste Schlafarrangement der Menschheitsgeschichte, welches sich entwickelt hat, um das Überleben und das Wohlbefinden der Säuglinge zu sichern. Nur in einigen westlichen Industrieländern schlafen Säuglinge von ihren Eltern getrennt. Das Teilen einer gemeinsamen Schlafstätte ist auch heute noch in zwei Dritteln aller menschlichen Kulturen die Norm, und zwar nicht nur in wirtschaftlich schwachen traditionellen Ländern, sondern z.B. auch in Skandinavien oder Japan.
Säuglinge haben einen kleinen Magen und brauchen für ihre optimale Entwicklung auch nachts regelmäßige Mahlzeiten. Manche Babys wachen nachts nur wenige Male auf, andere wiederum 10-15-mal, wobei sich die Mütter morgens nur an einen Bruchteil dieser Mahlzeiten erinnern, wenn sie mit ihrem Baby in einem Bett geschlafen haben. Verschiedenen Studien zufolge wachen stillende Mütter, die mit ihrem Baby in einem Bett schlafen, zwar häufiger auf, aber nur für eine kürzere Zeitdauer. Sie schlafen schneller wieder ein und insgesamt schlafen sie mehr als stillende Mütter, die getrennt von ihren Babys schlafen.

Interessanterweise saugen Babys umso seltener, je weiter weg sie von der Mutter entfernt liegen. Wie Forschungsarbeiten von Prof. Helen Ball, Leiterin eines Mutter-Baby-Schlaflabors zeigen, trinken Babys in einem eigenen Bettchen neben dem Elternbett etwa nur halb so häufig als wenn sie direkt neben ihrer Mutter schlafen. Wenn Babys nachts aufwachen und nach der Brust suchen, spüren Mütter die unruhigen Bewegungen ihrer Babys, wenn sie direkt beisammen schlafen, und bieten ihnen die Brust an. Wenn das Baby jedoch in einer eigenen Krippe neben dem Bett schläft, nehmen die Mütter die Unruhezeichen des Babys weniger wahr. So bleibt die Suche des Babys nach der Brust oft unbeantwortet und es wird seltener gestillt. Durch das seltenere Stillen wiederum wird die Milchbildung weniger angeregt. Häufiges Stillen ist eine wichtige Voraussetzung für die Bildung der Muttermilch. Dass zwischen Stillen und Bed-sharing ein eindeutiger Zusammenhang besteht, wurde in mehr als 20 Studien weltweit gezeigt. Insbesondere hängt Bed-Sharing mit einer längeren Stilldauer zusammen: Bad-Sharing hat in einer Studie von Prof. Ball die Häufigkeit des Stillens zum Zeitpunkt von 6 Monaten verdoppelt.

Mehr über nächtliches Stillen und insbesondere eine sichere Schlafumgebung finden Sie im Artikel Stillen in der Nacht.

Quellen:

  • http://cosleeping.nd.edu; Webseite von Prof. McKenna
  • McKenna J, Mosko S, Richard C. Bedsharing promotes breastfeeding. Pediatrics 1997;100:214–9.
  • Mosko S, Richard C, McKenna J. Maternal sleep and arousals during bedsharing with infants. Sleep 1997;20:142-50
  • Quillin SI, Glenn LL. Interaction between feeding method and co-sleeping on maternal-newborn sleep. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs 2004;33:580-8
  • Ball H: Sleeping with the baby. Breastfeeding Briefs 2012(53). http://www.infactcanada.ca/pdf/Breastfeeding-Briefs-53.pdf

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