Wo erhalte ich Unterstützung?

Hebamme unterstützt die Mutter beim Anlegen

Das Fachpersonal in der Geburtsklinik zeigt das richtige Anlegen.

Es gibt eine Reihe von Berufsgruppen und ehrenamtlichen Organisationen, die an der Betreuung der Mütter und der Unterstützung des Stillens beteiligt sind. Für werdende und frische Mütter ist diese Vielfalt kaum zu überblicken. Die Versorgung- und Beratungsangebote gestalten sich zudem regional unterschiedlich.

Die Nationale Stillkommission empfiehlt, dass alle Fachkräfte, die schwangere Frauen und junge Mütter betreuen, sich an der Stillförderung beteiligen: Hebammen, Gynäkologen, (Kinder)krankenschwestern sowie Kinderärzte. Für Unterstützung und Beratung zum Stillen und zahlreiche praktische Fragestellungen zum Alltag mit einem gestillten Baby stehen ehrenamtliche Stillberaterinnen und Stillgruppen zur Verfügung.

Unterstützung durch verschiedene Stillorganisationen

Die La Leche Liga (LLL, www.lalecheliga.de), eine ehrenamtliche Selbsthilfeorganisation von Müttern, spielt weltweit eine herausragende Rolle in der Unterstützung stillender Frauen. Die LLL wurde 1956 in den USA gegründet, in einer Zeit, wo stillwillige Mütter völlig auf sich gestellt waren. Die LLL ist auch in Deutschland mit zahlreichen Stillgruppen vertreten und unterstützt die Mütter vor Ort. Ihre Stillberaterinnen begleiten die Eltern während der Stillzeit und bieten ihnen emotionale Unterstützung und Hilfe bei Stillschwierigkeiten und Unsicherheiten per E-Mail, Telefon und vor allem in Stillgruppen. Die von ihnen geleiteten monatlichen Stilltreffen bieten Müttern außerdem die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen. Die Stillgruppen verleihen auch zahlreiche Bücher.

Mutter telefiniert mit Baby im Tragetuch

Über das Telefon erhalten alle Mütter kompetente Beratung, auch wenn keine Stillberatung vor Ort verfügbar ist.

Die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS, www.afs-stillen.de) ist eine Organisation auf nationaler Ebene. Sie wurde als loser Zusammenschluss von unabhängigen Stillgruppen gegründet. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der AFS (Mütter mit eigener Stillerfahrung) bieten über das ganze Bundesgebiet verteilt Telefon- und E-Mail-Beratung sowie Treffen in über 100 Stillgruppen an. Die AFS engagiert sich sowohl auf Bundes- als auch auf regionaler Ebene in der Stillförderung. Sie veröffentlicht auch im Internet herunterladbare Informationsschriften und eine Fachzeitschrift. Unter der Nummer 0228 92959999 biete sie auch eine Telefonhotline an.

Examinierte Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC sind medizinische Fachkräfte (Hebammen, (Kinder)Krankenschwestern, ÄrztInnen usw.), die anschließend eine Zusatzausbildung mit einer Prüfung nach internationalem Standard (International Board Certified Lactational Consultant, IBCLC) abgeschlossen haben. Laktationsberaterinnen sind häufig in Entbindungs- oder Kinderkliniken angestellt, wo sie das Stillmanagement leiten. Einige führen eigene Stillberatungspraxen. Sie sind Spezialisten für komplexe Fälle, wie z.B. hartnäckige Stillprobleme, Stillen bei Erkrankungen von Mutter oder Kind, bei Frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen. Sie suchen nach Lösungen, wenn gestillte Säuglinge nicht ausreichend gedeihen. Beraterinnen finden Sie in unserem Smartphone-freundlichen Verzeichnis, in dem IBCLCs gelistet und auch nach Beratungsschwerpunkten gesucht werden können (http://verzeichnis.still-lexikon.de/listings/category/ibclc-verzeichnis/). Weitere Beraterinnen finden Sie auf der Webseite des Berufsverbands Deutscher Laktationsberaterinnen (http://www.bdl-stillen.de/stillberatungsuche.html) und des Ausbildungszentrums für Laktation und Stillen (www.stillen.de/laktationsberatung-finden/). Die Beratung ist kostenpflichtig und wird momentan noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, wobei die Erstattung z.T. im Ermessen des Sachbearbeiters liegt. Es lohnt sich daher, die Rechnung bei der Krankenkasse einzureichen. Die Gebühren erfragen Sie am besten bei Ihrer Beraterin. Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC bieten im Gegensatz zu den ehrenamtlichen Stillberaterinnen auch persönliche Einzelberatung in ihrer Praxis oder bei Ihnen zu Hause an. Mehr über Still- und LaktationsberaterInnen erfahren Sie in unserem Interview („Was machen Still- und LaktationsberaterInnen IBCLC?“).

Zuständigkeiten der Berufsgruppen – Wer macht was in der Stillförderung?

Hier folgt eine Übersicht der Zuständigkeiten verschiedener Berufsgruppen in der Stillförderung. Diese Zuständigkeiten ergeben sich aus den Empfehlungen der Nationalen Stillkommission für die Schwangerschaft, die Geburt und die Stillzeit, und die Rolle dieser Berufe bei der Betreuung der Mütter in diesen Phasen.

Schwangerschaft

Schwangere Frau bei der Hebamme

Hebammen und Frauenärztinnen betreuen die schwangeren Frauen

Während der Schwangerenvorsorge und bei der Geburtsanmeldung im Krankenhaus sollten die betreuenden Frauenärzte und Hebammen ein erstes Gespräch über Stillen führen: sie sollten über die gesundheitlichen Vorteile gegenüber der künstlichen Babyernährung aufklären, über die Praxis des Stillens informieren, bei Bedenken der Frau die Brust untersuchen und eventuelle Unsicherheiten klären. Sie sollten Kontaktadressen örtlicher Stillgruppen mitgeben und z.B. die schriftliche Information der Nationalen Stillkommission in den Mutterpass legen. Wenn damit zu rechnen ist, dass Stillen eine Herausforderung werden könnte (z.B. bei besonderen Brustwarzenformen, Erkrankungen von Mutter oder Kind usw.), ist es sinnvoll, Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC bereits während der Schwangerschaft zu kontaktieren).

Klinikaufenthalt

Idealerweise beschäftigt die Klinik eine interne oder externe Stillbeauftragte und hat schriftliche Richtlinien zum Stillmanagement. Die betreuenden Hebammen und Ärzte während der Geburt sollten bei der Auswahl der Schmerzmedikation deren Effekt auf den Stillerfolg berücksichtigen. Weiterhin sollten sie dafür sorgen, dass das Baby in den ersten Stunden nach der Geburt in Hautkontakt mit der Mutter bleibt und es schon vor dem Wiegen, Messen und Baden das erste Mal angelegt wird. Die (Kinder)Krankenschwestern und Hebammen auf der Wochenstation sind für die Anleitung der korrekten Anlegetechnik in verschiedenen Stillpositionen sowie zum Stillen nach Bedarf zuständig. Sie stehen bei eventuellen Problemen ebenfalls mit Rat und Tat zur Verfügung.

Zu Hause

Hebamme zeigt Mutter das Windelwechseln

Die Nachsorgehebamme beantwortet auch Fragen zum Stillen.

Nach der Klinikentlassung steht die Nachsorgehebamme zur Verfügung. Bei einem normalen Wochenbettverlauf kommt die Hebamme bis zum zehnten Lebenstag einmal täglich. Bei Problemen kann die Hebammenhilfe auch länger in Anspruch genommen werden. Zwischen dem 11. Tag bis zum Ablauf von 8 Wochen sind insgesamt 16 Beratungen bei der Krankenkasse abrechenbar (inklusive telefonischer Beratung). Nach Ablauf von 8 Wochen bis zum Ende der Abstillphase sind höchstens 8 Beratungen telefonisch oder persönlich abrechnungsfähig. Weitere Beratungen können ärztlich angeordnet werden. Diese Beratungsleistungen gelten pro Patientin, d.h. sie kann auch verschiedene Hebammen innerhalb des Leistungsrahmens der Krankenkassen in Anspruch nehmen und für die Stillberatung eine andere Hebamme kontaktieren als für die sonstige Wochenbettbetreuung. Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC machen ebenfalls Hausbesuche oder können in ihrer eigenen Praxis aufgesucht werden.

Manche Entbindungskliniken stellen eine 24-Stunden-Klinik-Hotline zur kurzfristigen Besprechung von Stillproblemen zur Verfügung. Fragen Sie danach vor der Klinikentlassung. Zur Behandlung und Betreuung schwerwiegender Stillprobleme gibt es mancherorts Stillambulanzen.

Unterstützung erhalten Mütter auch in den Stillgruppen. Diese werden neben den Selbsthilfegruppen der La Leche Liga und der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen auch von vielen Geburtskliniken, Hebammen, freiberuflichen IBCLCs, Mütterzentren und Familienbildungsstätten angeboten.

Quellen:

  • Empfehlungen der Nationalen Stillkommission Deutschlands zur Stillförderung in Krankenhäusern. Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001
  • Riordan J, Auerbach K: Breastfeeding and Human Lactation. Jones and Bartlett Publishers, 1999
  • Laktation und Stillen; Zeitschrift des Verbandes Europäischer LaktationsberaterInnen. 1/2004
  • Morrow et al: Efficacy of home-based peer counselling to promote exclusive breastfeeding: a randomised controlled trial. 1999. Lancet 354(9173):161-2
  • weitere Quellen: persönliche Erfahrungen, Austausch mit Stillberaterinnen und Müttern.

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.