Stillen und Karies – ein komplexes Thema

30. Januar 2016 | Von | Kategorie: Aus der Still-Forschung
(© scigelova)

Idealerweise werden Zahnarztbehandlungen bei Kleinkindern erst gar nicht erforderlich (© scigelova)

Ende 2015 sind gleich zwei systematische Übersichtsartikel zum Zusammenhang zwischen Stillen und Karies erschienen, die sämtliche bis dahin erschienene Forschungsarbeiten zu diesem Thema zusammenfassten. Absolut gesicherte Ergebnisse, aus denen man eindeutige Handlungsempfehlungen ableiten könnte, hat die Wissenschaft bis heute nicht erbracht. Sie liefert aber Hinweise auf gewisse Zusammenhänge: So erkranken Kinder, die als kleine Säuglinge gestillt wurden, seltener an Karies, als nie gestillte Kinder. Stillen scheint im Vergleich zur Flaschenfütterung vor Karies zu schützen. Ob dabei der Inhalt der Flasche die wichtigste Rolle spielt (Formulamilch oder Muttermilch) oder die Ernährungsweise, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich spielen beide Faktoren eine Rolle. Formulamilch (also Premilch, Folgemilch, HA-Nahrung usw.) hat einen höheren Zuckergehalt als Muttermilch und wird als kariogener eingestuft. Andererseits geht man heute davon aus, dass die Milch beim Stillen die Zähne tendenziell weniger umspült als bei der Flaschenfütterung, da beim Stillen die Milch weiter hinten, in den Gaumen geleert wird. Darüber hinaus unterstützt das Stillen wahrscheinlich die Entwicklung einer gesunden Mundflora.
Nach dem Durchbruch der Zähne, etwa ab dem 1. Geburtstag, scheint das weitere Stillen das Kariesrisiko jedoch zu erhöhen. Je mehr Zähne ein Kind bereits hat, umso höher ist das Kariesrisiko. Vor allem das nächtliche Stillen scheint sich auf die Karieswahrscheinlichkeit ungünstig auszuwirken.
Das heißt allerding noch lange nicht, dass jedes langzeitgestillte Kind automatisch an Karies erkrankt. Langzeitstillen und auch nächtliches Stillen sind mit gesunden Milchzähnen durchaus vereinbar. Wichtig ist, dass das Kind durch Kariesbakterien gar nicht erst angesteckt wird. Die hilfreichste Maßnahme gegen die Infektion sind gesunde Zähne bei den Angehörigen, also bei den Eltern, Geschwistern und weiteren Bezugspersonen. Am wichtigsten ist die Mundhygiene bei der Mutter selbst. Sind die Zähne der Angehörigen durch gesunde Ernährung, regelmäßiges Zähneputzen und regelmäßige Zahnarztbesuche kariesfrei, so ist die Gefahr, dass die Angehörigen Kariesbakterien auf das Kind übertragen, am geringsten. Darüber hinaus sollte man Speichelkontakt meiden: Durch Küssen auf die Lippen, das Ablutschen des Schnullers, eine gemeinsame Benutzung von Besteck oder Trinkgefäßen, oder durch das Auspusten von heißem Babybrei können Bakterien aus dem Mund übertragen werden. Schließlich ist eine gute Mundhygiene beim Kind unerlässlich, um auch bei langzeitgestillten Kindern gesunde Milchzähne zu erhalten. Auch bei den Kleinen sind der eingeschränkte Zuckerkonsum und konsequentes Zähneputzen ab dem ersten Zahn essenziell.

Quellen:

  • Tham R, Bowatte G, Dharmage SC, Tan DJ, Lau M, Dai X, Allen KJ, Lodge CJ: Breastfeeding and the risk of dental caries: a systematic review and meta-analysis. Acta Paediatr Suppl. 2015 Dec;104(467):62-84.
  • Avila WM, Pordeus IA, Paiva SM, Martins CC: Breast and Bottle Feeding as Risk Factors for Dental Caries: A Systematic Review and Meta-Analysis. PLoS One. 2015 Nov 18;10(11):e0142922.

 

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