Stillen nach Verletzung oder Operation der Brust

BrustoperationDie Sorgen, ob eine Frau ihr Baby stillen kann, sind nach einer Operation oder Verletzung der Brust besonders groß. Verbreitete Operationen aus ästhetischen Gründen sind Brustvergrößerungen, Brustverkleinerungen, oder das Piercing der Brustwarzen. Manchmal sind es Erkrankungen der Brust, wie Krebs oder gutartige Tumoren, oder auch Brandverletzungen, die das spätere Stillen erschweren können. Man kann leider nicht mit Sicherheit vorhersagen, ob Teil- oder Vollstillen nach einer Beschädigung der Brust möglich sein wird. Dies hängt von der Art und vom Ausmaß der Gewebeschädigung ab. Es gibt nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob die Mutter genügend Milch bilden kann: Sie muss es ausprobieren.

Es empfiehlt sich, nach Verletzungen oder Operationen der Brust eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC bereits während der Schwangerschaft zu kontaktieren (siehe auch unser IBCLC-Verzeichnis) und sich von ihr insbesondere in den ersten Tagen nach der Geburt und anschließend in regelmäßigen Abständen begleiten zu lassen. Die Gewichtszunahme des Säuglings muss sorgfältig verfolgt werden und falls notwendig, muss es zugefüttert werden. Erfahrungsberichten zufolge kann die Milchmenge im Laufe der Stillzeit steigen, da durch Stillen neues Brustdrüsengewebe gebildet wird. Eine medikamentöse Steigerung der Milchmenge mittels sog. Galactogoga ist nach Brustbeschädigung meist wirkungslos.

Eine eventuelle Zufütterung sollte möglichst nicht mit der Saugflasche, sondern durch alternative Fütterungstechniken erfolgen, da die Verwendung einer Saugflasche mit künstlichem Sauger zu einer Saugverwirrung und somit zur Ablehnung der Brust führen kann. Alternativ kann man die Milch mithilfe eines Bechers oder eines sog. Softcups geben, oder am Finger mithilfe einer Pipette. In der Regel ist das Brusternährungsset das beste Hilfsmittel zur Zufütterung. Informationen zur Zwiemilchfütterung können Sie unter anderem dem Beitrag Relaktation entnehmen.

Wenn nur eine Brust beschädigt und die andere gesund ist, kann die gesunde Brust die volle Milchbildung übernehmen, es muss nicht zugefüttert werden. Auch wenn eine Brust deutlich mehr Milch spendet als die andere, sollten beide angeboten werden. Es kann in solchen Fällen mitunter vorkommen, dass das Baby die eine Brust bevorzugt. Vor allem ältere Säuglinge oder Kleinkinder, die bereits selbstbestimmt an der Brust saugen, verschmähen mitunter die „schlechte“ Brust irgendwann ganz. Auch in diesem Fall gilt natürlich, dass eine Brust für volles Stillen ausreicht.

Aufgrund von durchtrennten Milchkanälen kann es im Laufe des Milcheinschusses zu Stauungen kommen, da die gebildete Milch nicht abfließen kann. Diese Stauungen lösen sich in der Regel innerhalb weniger Tage auf. Die Stellen können zur Linderung gekühlt werden, bei Bedarf kann die Frau stillverträgliche Schmerzmittel nehmen.

Kosmetische Operationen der Brust

Falls Sie noch vor der Operation stehen, empfiehlt es sich einen sehr erfahrenen plastischen Chirurgen in einem großen Chirurgiezentrum zu wählen, der sich auf solche Operationen spezialisiert hat. Bei solchen komplexen Operationen spielt die Erfahrung des Chirurgen für den Erfolg und auch für die spätere Stillfähigkeit eine wichtige Rolle. Ihren Wunsch, dass Sie später stillen möchten, sollten Sie Ihrem Arzt mitteilen. Die Operationstechniken diesbezüglich haben sich sehr verbessert. Eine Garantie für den Erhalt der Stillfähigkeit gibt es leider nicht.

Mitunter befürchten Frauen nach kosmetischen Operationen, dass die Brust ihre Form einbüßt. Das kosmetische Ergebnis der Operation wird durch das Stillen jedoch nicht beeinträchtigt. Veränderungen der Brust sind in erster Linie der Schwangerschaft, natürlichen Alterungsprozessen und ggf. dem Rauchen anzulasten. Durchs Stillen verändert die Brust ihre Form nur vorübergehend: Nach dem Milcheinschuss wird sie zunächst sehr groß, ihre Größe nimmt im Laufe der Stillzeit langsam wieder ab. Nach dem Abstillen ist die Brust kleiner als vor der Schwangerschaft, nimmt aber durch die Einlagerung von Fettgewebe nach einer Weile ihre Ursprungsgröße wieder an – vorausgesetzt, die Frau erreicht wieder ihr Ursprungsgewicht.

Brustverkleinerung

Bei einer Brustverkleinerung ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Stillfähigkeit eingebüßt wird, relativ hoch, da bei solchen Operationen immer Brustdrüsengewebe entfernt und das Nervengewebe beschädigt wird. Ältere Operationstechniken, bei denen die Brustwarze mit dem Brustwarzenhof komplett abgelöst und versetzt wurde, haben das Stillen gänzlich unmöglich gemacht, da die Nerven und die Milchkanäle, die zur Brustwarze führen, durchtrennt worden sind. Neuerdings gibt es verschiedene Techniken, bei denen der Brustwarzen-Warzenhof-Komplex über einen gestilten Transplantationslappen versetzt wird. Das Gewebe in der Nähe der Brustwarze wird dadurch geschont. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau teilweise oder sogar voll stillen können wird.

Es gibt einzelne Erfahrungsberichte, nach denen sich das Brustgewebe nach einer Brustverkleinerung regeneriert und die Frau zum vollen Stillen übergehen kann (siehe die Facharbeit von Claudia Gisler: Brustreduktion-Facharbeit_Gisler). Doch in der Regel ist damit zu rechnen, dass die Mutter zufüttern muss. Auch wenn die Brust das Baby nicht ausschließlich ernähren kann, ist Teilstillen sehr oft möglich. Im Buch „Defining Your Own Success: Breastfeeding After Breast Reduction Surgery“ beschreibt die sehr erfahrene Autorin und La-Leche-Liga-Beraterin Diana West, wie Stillen nach einer Brustverkleinerung möglich ist und wie die Milchmenge gesteigert werden kann.

Brustvergrößerung

Wenn der Schnitt um die Brustwarze herum geführt wird, ist der Verlust der Stillfähigkeit sehr hoch. Wird der Schnitt an der unteren oder seitlichen Basis der Brust gesetzt, bleibt das Nerven- und das Brustdrüsengewebe darüber intakt. In dem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass die Frau voll stillen können wird; es sei denn, die sehr kleinen oder tubulären Brüste waren ein Hinweis auf eine Unterentwicklung des Brustdrüsengewebes.

Implantate aus Silikon sind ungefährlich für das Baby. Es gibt daher keine Bedenken gegen das Stillen. Bei beweglichen Implantaten braucht die Mutter für das richtige Anlegen Unterstützung, da die Fixierung der Brust durch das Implantat erschwert sein kann.

Stillen mit/nach Brustkrebs

Erkrankte Mutter im KrankenhausWenn Brustkrebs während der Schwangerschaft oder der Stillzeit festgestellt wird, ist Stillen meist nicht möglich, da Brustkrebs in der Regel mit aggressiven Chemotherapien behandelt wird, die die Gesundheit des Babys beschädigen. Die Operation und die Bestrahlung der betroffenen Brust verhindert das Stillen zusätzlich.

Falls Brustkrebs während der Stillzeit vermutet wird, kann zunächst weitergestillt werden. Erfahrungsberichten zufolge kann allerdings vorkommen, dass das Baby aufgrund von verändertem Geschmack oder erschwertem Milchfluss die kranke Brust verweigert. Biopsien, Ultraschalluntersuchungen und weitere Testverfahren schließen das Stillen nicht aus. Es kann jedoch sein, dass die Angst in dieser schwierigen Situation den Milchspendereflex hemmt und dadurch das Stillen erschwert. Für die diagnostischen Verfahren muss nur dann abgestillt werden, wenn Radioisotope zum Einsatz kommen. Radioisotope zur Stadieneinteilung werden jedoch erst eingesetzt, wenn die Diagnose Krebs gesichert ist. Ob die Mutter nach der Brustoperation an der gesunden Brust stillen will und kann, hängt von der individuellen Situation ab. Wenn die Chemotherapie beginnt, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit abgestillt werden. Theoretisch besteht die Möglichkeit, während der Chemotherapie die Milchbildung an der gesunden Brust aufrechtzuerhalten und nach der Beendigung der Therapie weiterzustillen. Ob das für das Mutter-Kind-Paar möglich und sinnvoll ist, muss individuell abgewogen werden.

Wenn ein Knoten in der Brust gespürt wird, muss er noch lange nicht bösartig sein. Manchmal bildet sich ein lokaler Milchstau, der nach wenigen Tagen verschwindet. Manchmal dauert es länger, bis der Knoten sich auflöst. Mitunter bleibt eine harmlose Milchzyste (sog. Galaktozele) ein Leben lang bestehen. Es gibt auch noch weitere gutartige Brusttumoren, die auch in der Stillzeit auftreten können wie z.B. Fibrome. Sicherheitshalber sollten sie dem Frauenarzt immer gezeigt werden. Weder die Diagnostik noch die Therapie darf durch die Tatsache, dass die Mutter stillt, verzögert werden, da dadurch wertvolle Zeit verloren gehen kann, die über den Erfolg der eventuellen Krebsbehandlung entscheiden kann.

Wenn die Schwangerschaft nach einer abgeschlossenen Krebsbehandlung eintritt, ist Stillen an der gesunden Brust möglich. Die Qualität der Muttermilch leidet nicht und enthält keine Giftstoffe mehr, wenn die Therapie bereits abgeschlossen ist. Die betroffene Brust (falls erhalten) spendet durch die Operation und die Bestrahlung erfahrungsgemäß wenig oder gar keine Milch.

Es ist davon auszugehen, dass sich das Risiko, dass der Krebs wiederkehrt oder sich ausbreitet, durch längeres Stillen etwas verringert. Vor allem beim so genannten Hormonrezeptor-positiven Krebs ist davon auszugehen, dass sich die östrogenarme Phase zwischen der Geburt und der ersten Menstruation (die sog. Laktationsamenorrhö) günstig auf die Prognose auswirkt. Diese Phase kann durch häufiges Stillen nach Bedarf über viele Monate (manchmal 1-2 Jahre) aufrechterhalten werden.

Stillen mit Piercing

Piercing der Brustwarzen stellt kein Stillhindernis dar. Vernarbungen oder MilchBrust mit Piercing und Tatooabsonderungen aus dem Loch können jedoch vorkommen. Der Schmuck sollte beim Stillen unbedingt entfernt werden, da er beim Stillen stört und das Kind im Mundbereich verletzt. Schlimmstenfalls verschluckt es den Schmuck.

Tätowierung

Auch eine Tätowierung der Brust stellt kein Stillhindernis dar. Kritisch sind die Infektionen mit Hepatitis B und C, HIV sowie weiterer Infektionskrankheiten, die man sich durch eine Tätovierung hinzuziehen kann.

Quellen:

    • Abou-Dakn M, Bauer Zs: Die stillende Frau in der gynäkologischen Praxis. ComMed 2008.
    • Both D, Frischknecht K: Stillen kompakt. Atlas zur Diagnostik und Therapie in der Stillberatung. Urban & Fisher, 2007.
    • Lawrence RA, Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. Elsevier Mosby, 2005, 6. Auflage.

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.