Forschungsprojekt zur Optimierung der Stillförderung in Deutschland gestartet

1. September 2017 | Von | Kategorie: Neues aus der Stillwelt
Wissenschaftler bei der Arbeit

Zwei Jahre lang sollen Daten zum Stand der Stillförderung erhoben und evaluiert werden. (© rawpixel)

Dass Stillen die ideale Ernährung für Säuglinge darstellt, ist heute allgemein bekannt. Fast alle Mütter wollen heute ihre Kinder stillen. Dennoch liegen die tatsächlichen Stillraten hinter den internationalen und nationalen Empfehlungen deutlich zurück. Die WHO empfiehlt ausschließliches Stillen für die ersten 6 Monate und neben Beikost Weiterstillen, bis das Kind mindestens zwei Jahre alt ist. Deutsche Empfehlungen sind etwas bescheidener und sehen ausschließliches Stillen bis Anfang des 5. bis 7. Monats vor und Weiterstillen neben fester Kost, solange Mutter und Kind wünschen.

Entsprechend der repräsentativen KiGGS-Studie fangen in Deutschland etwa 82% aller Mütter an, ihre Kinder zu stillen (Geburtsjahrgänge 2002–2012). Im Durchschnitt stillen sie lediglich 7,5 Monate (von der Lippe et al., 2014). Die Stilldauer stagniert seit Jahren, möglicherweise gibt es laut der DONALD-Studie (DOrtmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed) sogar einen gewissen Negativtrend, sodass heute mehr Kinder weniger als 4 Monate gestillt werden als noch vor einem Jahrzehnt (Foterek et al., 2014).

Woran liegen die suboptimalen Stillraten? Wie könnte man den Anteil stillender Mütter und deren Stilldauer auf nationaler Ebene erhöhen? Bislang weiß man wenig über Ursachen und effektive Maßnahmen.

Um den aktuellen Stand der Stillförderung in Deutschland zu evaluieren und Maßnahmen zu ihrer Optimierung zu entwickeln, wurde auf die Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), des Netzwerks Gesund ins Leben am Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Forschungsprojekt „Becoming Breastfeeding Friendly“ unter der wissenschaftlichen Leitung der Yale Universität (Arbeitsgruppe Pérez-Escamilla) gestartet. Zwei Jahre lang sollen Daten in insgesamt acht Teilbereichen mit Einfluss auf die Stillraten gesammelt und ausgewertet werden:

  1. Anwaltschaft (gesellschaftliche Befürwortung)
  2. politischer Wille
  3. gesetzgeberische Maßnahmen
  4. Finanzierung und Ressourcen
  5. Bildung und Kompetenzerwerb
  6. Öffentlichkeitsarbeit
  7. Forschung und Evaluation
  8. Koordination, Ziele und Monitoring

Aufbauend auf diese Ergebnisse können internationale Vergleiche gezogen und auf das jeweilige Land maßgeschneiderte Maßnahmen entwickelt werden.

Weitere Infos:

Quellen:

  • Foterek K, Hilbig A, Alexy U. Breast-Feeding and Weaning Practices in the DONALD Study: Age and Time Trends. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2014;58(3):361-367
  • von der Lippe E, Brettschneider A-K, Gutsche J, Poethko-Müller C, KiGGS Study Group. Einflussfaktoren auf Verbreitung und Dauer des Stillens in Deutschland. 2014;57:849-859.

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