Der Stillstart

Liebe Mutter,

auf dieser Seite erhalten Sie die wichtigsten Informationen zum Beginn des Stillens.


Inhaltsübersicht:


Erstes Stillen nach der Geburt

Das erste Stillen findet unter guten Rahmenbedinungen innerhalb der 1. Stunde nach der Geburt statt. Dies hilft die Milchbildung anzukurbeln, das natürliche Stillverhalten des Babys sowie die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Das Neugeborene wird direkt nach der Geburt auf den nackten Bauch der Mutter gelegt, wo es bis zu 2 Stunden ungestört verbringen kann. Das Neugeborene ruht sich nach der Geburt zunächst etwa eine halbe Stunde lang aus und ist anschließend ganz aufmerksam. Es bewegt sich selbstständig zur Brust, nimmt die Brustwarze nach etwa einer Stunde in den Mund und fängt an zu saugen.

Folgendes Video zeigt kleine Ausschnitte des sog. „Breast Crawl“ („Zur-Brust-Kriechen“), wie also ein neugeborenes Baby – in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt auf den Bauch der Mutter gelegt – nach der Brust sucht, zuerst an seinem Händchen lutscht und schließlich die Brust erreicht und daran andockt.


Ist Stillen innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt nicht möglich, kann Kolostrum stattdessen manuell gewonnen und dem Baby verabreicht werden, z.B. mithilfe einer Pipette, einer Spritze oder einer Löffels.

 



Körperkontakt rund um die Uhr

Ihr Baby war bis vor Kurzem in Ihrem Bauch und wurde dort rund um die Uhr über die Nabelschnur versorgt. Ihr Körper ist auch jetzt, nach der Geburt, sein Zuhause. Es möchte den ganzen Tag an Ihrer Brust verbringen, von Ihrem Körper gewärmt und beschützt werden. So wird die Grundlage der Eltern-Kind-Bindung und des Stillens gelegt.


Halten Sie Ihr Baby den ganzen Tag nah bei sich, am besten in Haut-zu-Haut-Kontakt. So klappt das Stillen am besten.


Zur Beruhigung Ihres Babys können Sie die Brust uneingeschränkt anbieten. Vermeiden Sie den Schnuller, da er das Erlernen des Stillens und den Aufbau der Milchbildung erschweren kann.


Das Tragen ist „das Stillen der Väter“: Es bietet dem Baby Geborgenheit und fördert die Vater-Kind-Bindung.



Stillpositionen

Probieren Sie aus, mit welchen Stillpositionen Sie und Ihr Baby am besten zurechtkommen. Mit der Zeit können sich Ihre Präferenzen ändern.

Zurückgelehntes Stillen

Lehnen Sie sich in eine bequeme halb sitzende, halb liegende Position zurück. Ihr Körper sollte bequem abgestützt sein. Legen Sie Ihr Baby bäuchlings in Längs-, Quer- oder Schräglage auf Ihren Bauch. Ihr Baby dockt nach einer Weile des Suchens selbstständig an. Wenn Ihre Brust seitlich zu sehr herunterhängt, können Sie sie mit Ihrem Arm stützen. Nach einem Kaiserschnitt legen Sie Ihr Baby quer über Ihren Brustkorb, unter Ihren Oberarm oder über Ihre Schulter.


Wiegenhaltung

Die Mutter sitzt aufrecht oder leicht zurückgelehnt, das Baby liegt Bauch-an-Bauch zur Mutter zugewandt. Der Kopf des Babys ruht auf dem Unterarm oder in der Ellenbeuge der Mutter. Die Wiegenhaltung gilt als die klassische Stillhaltung, die von vielen stillenden Müttern nach der Neugeborenenperiode praktiziert wird. Bei Neugeborenen ist gutes Anlegen in dieser Position allerdings schwierig.

 


Modifizierte Wiegenhaltung

Bei der modifizierten Wiegenhaltung sitzt die Mutter genauso wie bei der einfachen Wiegenhaltung aufrecht oder leicht zurückgelehnt. Das Köpfchen des Babys liegt jedoch nicht in der Armbeuge, sondern wird durch die Hand der Mutter gestützt. Der Handballen der Mutter stützt den oberen Rücken des Babys, ihre Finger stützen sein Köpfchen am Nacken, ohne Druck auf seinen Hinterkopf auszuüben, was das Stillen stören würde. Das Anlegen von kleinen Neugeborenen ist in der modifizierten Wiegenhaltung einfacher als in der klassischen.


Footballhaltung (Seitenhaltung)

Die Mutter hält ihr Baby seitlich unter ihrem Arm, das Baby trinkt an der äußeren Brust. Das Baby wird seitlich auf Kissen gelagert. Da die Lagerung des Babys auf der richtigen Höhe relativ umständlich ist, wird diese Stillhaltung meist nur vorübergehend in der Neugeborenenzeit praktiziert. In dieser Haltung lässt sich das Köpfchen des Babys gut führen und das Anlegen gut sehen.


Stillen im seitlichen Liegen

Mutter und Kind liegen beide auf ihren Seiten einander zugewandt in engem Körperkontakt, Bauch an Bauch. Die Mutter zieht ihre Beine hoch und winkelt ihren unteren Arm unter dem Kopf an, um sich zu stabilisieren. In den ersten Wochen ist es hilfreich, wenn beide im Rücken z.B. durch Kissen abgestützt werden.


Hoppe-Reiter-Position

Bei manchen Mutter-Kind-Paaren klappt das Anlegen in der Hoppe-Reiter-Position am besten: Das Baby sitzt auf dem Oberschenkel der aufrecht sitzenden oder leicht zurückgelehnten Mutter und wird am oberen Rücken und Nacken gestützt.



Das Anlegen des Babys

Legen Sie Ihr Baby so an, dass es Sie mit seiner gesamten Körpervorderseite Bauch an Bauch berührt und den Kopf zum Andocken seitlich nicht drehen muss. Ihre Brustwarze sollte etwa unter seiner Nase liegen. Das Anlegen kann vom Baby oder von Ihnen geleitet werden.

Vom Baby geleitetes Anlegen (intuitives Anlegen)

Lehnen Sie sich bequem zurück und legen Sie Ihr Baby auf Ihren Bauch in Haut-zu-Haut-Kontakt. Es wird Ihre Brust von allein suchen und daran andocken. Gut geeignet sind dabei das zurückgelehnte Stillen oder die Hoppe-Reiter-Position.

Intuitiv anlegen in der zurückgelehnten Haltung

Intuitiv anlegen in der Hoppe-Reiter-Position


Von der Mutter geleitetes Anlegen

Halten Sie Ihr Baby so, dass Ihre Brustwarze unter seiner Nase liegt. Es wird den Mund weit aufmachen, um anzudocken. Ziehen Sie Ihr Baby in diesem Moment mit dem Kinn führend nah an sich heran. Der Kopf Ihres Babys ist leicht nach hinten geneigt. Mit der anderen Hand können Sie ihre Brust abstützen und auch die Brustwarze stabilisieren.

Das Baby soll seinen Kopf zum Stillen nicht seitlich drehen müssen: Ohr – Schulter – Hüfte sind in einer Linie. Stützen Sie Ihr Baby am oberen Rücken und am Nacken, drücken Sie jedoch nicht gegen seinen Kopf, das stört es beim Stillen.



Tiefes Andocken

Ein gut angelegtes Baby hat den Mund weit auf und hat viel Brustgewebe im Mund. Erfasst das Baby wenig Brustgewebe, dann ist das Stillen schmerzhaft und wenig effektiv, die Brustwarze kann wund werden. Das Baby kann dann mit einem sauberen kleinen Finger von der Brust abgelöst und erneut angelegt werden.

Tief angedockt

Das Baby hat viel Brustgewebe im Mund. Sein Mund ist groß aufgemacht, sein Kinn stützt sich an der Brust ab. Die Unterlippe ist nach außen gestülpt.


Oberflächlich angedockt

Das Baby erfasst zu wenig von der Brust, das Stillen ist schmerzhaft und wenig effektiv, die Brustwarze kann wund werden. Das Kinn berührt die Brust nicht.


Das Baby von der Brust lösen

Sollte Ihr Baby nicht tief genug an der Brust angedockt sein, können Sie es mit Ihrem kleinen Finger ablösen und dann erneut anlegen.



Wie oft anlegen?

Stillen Sie Ihr Baby rund um die Uhr ohne Einschränkungen, auch nachts. Es ist kein Mindestabstand, kein fester Stillrhythmus erforderlich. Egal, wann sich Ihr Baby wieder meldet, nach 1,5 oder 3 Stunden oder alle 10 Minuten: Sie können es jederzeit wieder stillen. Babys trinken in den ersten 6 Monaten durchschnittlich 8–12-mal in 24 Stunden; Eine Stillmahlzeit kann beide Brüste, eine Brust oder Cluster-Stillen bedeuten. Übrigens, Jäger- und Sammlervölker, die mit ihren Babys den ganzen Tag in Hautkontakt sind und sehr feinfühlig auf ihre Stillzeichen reagieren, trinken Babys bis zu 100-mal am Tag (4-mal pro Stunde).


Stillzeichen

Bieten Sie Ihrem Baby die Brust möglichst bei den frühen oder aktiven Stillzeichen an, dann ist Ihr Baby noch geduldiger. Schreien ist ein spätes Stillzeichen und kann das Anlegen erschweren. Wenn Sie Ihr Baby viel in Körperkontakt halten, werden Sie seine Stillzeichen intuitiv frühzeitig wahrnehmen.

Frühe Stillzeichen

Schlecken, Schmatzen, Saugen, leicht herausgestreckte Zunge


Aktive Stillzeichen

Unruhe, Bewegen von Armen und Beinen, Wimmern, Quietschen, suchende Kopfbewegungen, Hand / Finger im Mund


Späte Stillzeichen

Erhöhte Körperspannung, Schreien


Video mit aktiven Stillzeichen

Das Baby im Video möchte schon ganz ungeduldig an die Brust: Es ist unruhig, bewegt Kopf, Beine und Arme, wimmert und quietscht, führt das Händchen zum Mund und saugt daran.


Ein schläfriges Baby zum Stillen wecken

Babys, die sich zum Stillen nicht regelmäßig melden, müssen geweckt werden.

Ein schläfriges Baby kann z.B. durch Ansprechen, Hochheben, Ausdecken, Ausziehen, Wickeln, Streicheln, Reiben am Rücken oder an den Füßen geweckt werden.

(© famveldman)


Ein schläfriges Baby kann mit ausgedrückten Kolostrumtropfen zum Trinken animiert werden.

(© Kindestmilk).


Wecken eines schläfrigen Babys zum Stillen als Video

In folgendem Video versucht die Mutter ihr schläfriges Baby zum Stillen zu wecken, indem sie etwas Milch unter seiner Nase ausdrückt, es hochnimmt, auf seinen Rücken klopft, es nackt auszieht und dann wieder versucht es mit Milchtropfen zum Trinken zu animieren, schließlich mit Erfolg.


Erste Maßnahmen bei Stillschwierigkeiten

Nicht immer verläuft der Stillbeginn komplikationslos. Manchmal können Mutter und Kind nicht zusammenbleiben, manchmal kann das Baby noch nicht effektiv an der Brust trinken. In einem solchen Fall empfiehlt es sich, dass die Mutter ihr Kolostrum manuell und dann per elektrischer Doppelpumpe gewinnt: In den ersten Stunden nach der Geburt 2-3-mal stündlich per Hand und anschließend insgesamt 8-12-mal in 24 Stunden per Hand und/oder per Doppelpumpe (jeweils beide Brüste).

Das Kind kann das gewonnene Kolostrum per Spritze, Pipette oder Löffel bekommen (Saugflaschen sollten nach Möglichkeit gemieden werden, um dem Risiko einer Saugverwirrung vorzubeugen).



Urheberrechte: © Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung, Kindestmilk, Isabel Ries, privat