Der Stillstart

Liebe Mutter,

auf dieser Seite erhalten Sie die wichtigsten Informationen zum Beginn des Stillens.


Inhaltsübersicht:


Die Bedeutung des Stillens

Stillen ist die normale Säuglingssernährung, welche auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt ist. Es stärkt die Mutter-Kind-Bindung und schützt die körperliche und seelische Gesundheit von Mutter und Kind kurz- und langfristig. Unter anderem schützt Stillen das Baby vor Infektionen: Gestillte Babys werden seltener krank, und wenn sie doch krank werden, erholen sie sich schneller und erkranken nicht so schwer – so müssen gestillte Babys seltener in die Kinderklinik eingewiesen werden. Darüber hinaus hat Stillen eine protektive Wirkung vor verschiedenen chronischen Erkrankungen und dem plötzlichen Kindstod. Ehemals gestillte Menschen sind im Schul- und Erwachsenenalter durchschnittlich um 2–3 IQ-Punkte intelligenter, und zwar unabhängig vom Bildungsstand der Eltern.

Die positiven Effekte des Stillens entfalten sich am besten, wenn das Baby in den ersten 6 Lebensmonaten ausschließlich und neben adäquater Beikost bis zum Alter von 2 Jahren oder darüber hinaus weitergestillt wird, wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Gleichzeitig wirken sich auch Teilstillen und jegliches Stillen positiv aus.

Stillen unterstützt das Baby dabei in den Schlaf zu finden, es wirkt auf ein aufgebrachtes Baby beruhigend, und es ist sogar das wirksamste Mittel zur Linderung von Schmerzen außer Medikamenten – und ist ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Stillen wirkt sich auch auf die Gesundheit der Mutter günstig aus. Stillen unterstützt eine schnelle Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt und reduziert das Risiko nachgeburtlicher Blutungsgefahr. Es verzögert das Einsetzen der Monatsblutung und schon dadurch die Eisenreserven. Es vereinfacht das Leben einer jungen Mutter – indem es die Versorgung des Babys vereinfacht, den Stress reduziert und das Einschlafen fördert. Stillen hat auch eine schützende Wirkung vor einer Reihe von chronischen Erkrankungen: Je länger eine Frau in ihrem Leben gestillt hat, umso geringer ist ihr Risiko, an Brustkrebs, Eierstockkrebs, Diabetes Typ 2, Bluthochdruk und Herzinfarkt zu erkranken.

 

Die besonderen eigenschaften des Kolostrums, der ersten Muttermilch

Nach einer Geburt trinkt ein Baby seine erste Muttermilch, das goldgelbe und dickflüssige Kolostrum, welches bereits während der Schwangerschaft gebildet wurde. Kolostrum ist leicht verdaulich, voller Energie, stabilisiert den Blutzuckerspiegel, hilft dem Baby das eigene Abwehrsystem aufzubauen und schützt es vor Infektionen. Es überzieht den Darm mit Millionen Antikörpern und aktiven Abwehrzellen wie eine Schutzschicht und hilft ein gesundes Mikrobiom aufzubauen. Es hilft beim Ausscheiden des ersten zähen Stuhlgangs (Mekonium) und enthält besonders viele Stammzellen. Deshalb hilft es dem Baby, wenn es möglichst bald nach der Geburt und häufig Kolostrum erhält.

Auch wenn sich eine Mutter gegen das Stillen entscheiden sollte, kann sie das Kolostrum manuell gewinnen und dem Baby geben.

 



Bonding und erstes Stillen

Die ersten Stunden nach der Geburt sind eine besondere Phase im Leben der neuen Familie: Sie lernen sich kennen und verlieben sich: Dieser Bindungsprozess wird auch Bonding genannt.

Wird das Neugeborene direkt nach der Geburt auf den nackten Bauch der Mutter gelegt, ruht es sich zunächst etwa eine halbe Stunde lang aus und ist anschließend ganz aufmerksam. Es bewegt sich mit kleinen, langsamen Bewegungen selbstständig Richtung Brust, nimmt die Brustwarze nach etwa 30 bis 80 Minuten in den Mund und fängt an zu saugen. Hierfür ist es wichtig, dass das Neugeborene mindestens eine Stunde oder bis es das erste Mal gestillt wurde, ungestört in Haut-zu-Haut-Kontakt mit seiner Mutter verbringen kann. So findet das erste Stillen innerhalb von 1 bis 2 Stunden nach der Geburt statt. Dies hilft die Milchbildung der Mutter anzuregen und das natürliche Stillverhalten des Babys sowie die Mutter-Kind-Bindung zu fördern.

Das Neugeborene kann auf dem Bauch seiner Mutter abgetrocknet und für die Apgar-Werte beurteilt werden. Routinemaßnahmen wie z.B. Wiegen und Messen, können Stunden später, nach diesem so genannten Bonding vorgenommen werden.

Übrigens, auch nach einem Kaiserschnitt mit Regionalanästhesie ist Bonding möglich. Während der Schnitt genäht wird, kann sich das Baby auf der Brust der Mutter ausruhen. Es wird so positioniert, dass kein Druck auf den Bauch der Mutter ausgeübt wird. Bei einer Vollnarkose wird das Baby nach Möglichkeit mit dem Vater oder einer anderen Bezugsperson in Hautkontakt gebracht, die Mutter kann es in Empfang nehmen und das Bonding nachholen, sobald es wach ist.

Video zum ersten Stillen

Folgendes Video zeigt kleine Ausschnitte des sog. „Breast Crawl“ („Zur-Brust-Kriechen“), wie also ein neugeborenes Baby – in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt auf den Bauch der Mutter gelegt – nach der Brust sucht, zuerst an seinem Händchen lutscht und schließlich die Brust erreicht und daran andockt.


Falls Stillen nicht geht: Erste Kolostrumgewinnung nach der Geburt

Nach komplizierteren Geburten ist erstes Stillen innerhalb der ersten 1(-2)Stunden nach der Geburt nicht immer möglich. In solchen Fällen empfiehlt es sich, Kolostrum stattdessen so bald wie möglich manuell zu gewinnen und dem Baby zu verabreichen, z.B. mithilfe einer Pipette, einer Spritze oder einer Löffels. So wird die Milchbildung der Mutter angeregt und das Neugeborene mit Kolostrum versorgt.

 



Zusammen bleiben rund um die Uhr

Bleiben Sie mit Ihrem neugeborenen Baby rund um die Uhr zusammen und halten es möglichst viel in Haut-zu-Haut-Kontakt. So können Sie umgehend auf seine Bedürfnisse reagieren, Ihr Baby fühlt sich geborgen und die Ausschüttung der Still- und Bindungshormone wird stimuliert. Das Stillen sowie die Mutter-Kind-Bindung werden auf diese Weise optimal gefördert. Babys, die bei ihren Müttern bleiben, sind körperlich stabiler, zufriedener und weinen weniger; ihre Mütter entwickeln schneller Zuversicht und Kompetenz im Umgang mit ihnen.

Geburtskliniken unterstützen das Zusammenbleiben von Mutter und Kind durch 24-Stunden-Rooming-in, d.h. Mutter und Kind verbleiben während ihres gesamten Klinikaufenthalts rund um die Uhr in einem gemeinsamen Zimmer. Eine Zeitlang war es in Geburtskliniken vorgesehen, Neugeborene von ihren Müttern zu trennen und in separaten Säuglingszimmern zu versorgen. Doch, durch diese Trennung entstanden vielfältige Stillprobleme und weniger Mütter konnten ihre Neugeborenen erfolgreich stillen. Studien zeigen, dass Schlafdauer und Schlafqualität der Mütter nicht davon abhängen, ob sich ihre Babys bei ihnen oder in separaten Säuglingszimmern aufhalten.

Ausgiebiger Haut-zu-Haut-Kontakt wärmt und stabilisiert das Neugeborene und bietet ihm uneingeschränkten Zugang zur Brust. Die natürlichen Stillreflexe des Babys werden stimuliert und die Mutter kann unmittelbar und intuitiv reagieren. So wird das ausschließliche und lange Stillen optimal gefördert.

Tragen und Haut-zu-Haut-Kontakt mit dem Vater wirkt sich ebenfalls beruhigend und stabilisierend auf das Baby aus: Das Tragen ist „Das Stillen der Väter“. Es bietet dem Baby Geborgenheit, fördert die väterliche Einfühlsamkeit und die Vater-Kind-Bindung. Auf diese Weise kann der Vater die Mutter entlasten und sich mit ihr in der Säuglingsfürsorge abwechseln. Gleichzeitig lässt sich das Stillen am besten fördern, indem das Neugeborene die überwiegende Zeit mit der Mutter in Haut-zu-Haut-Kontakt verbringt.



Stillpositionen

Lernen Sie verschiedene Stillpositionen kennen und probieren Sie aus, mit welchen Sie und Ihr Baby am besten zurechtkommen. Mit der Zeit können sich Ihre Präferenzen ändern. In der Neugeborenenperiode bewährt sich für viele Mutter-Kind-Paare das zurückgelehnte Stillen am besten.

Zurückgelehntes Stillen (Laid-back-Nursing)

In dieser Position kann das Anlegen durch das Baby gesteuert werden, und zwar mithilfe seiner angeborenen Such- und Andock-Reflexe. Die Schwerkraft unterstützt Mund-, Kiefer- und Zungenbewegungen. Anlegeschwierigkeiten, schmerzende, wunde Mamillen, Brustverweigerung kommen in dieser Position seltener als in den aufrechten Positionen vor, in denen die angeborenen Such- und Andockreflexe des Babys nicht sinnvoll eingesetzt werden können und eher hinderlich sind.

Lehnen Sie sich in eine bequeme halb sitzende, halb liegende Position zurück. Ihr Rücken und Ihre Arme sollten bequem mit Kissen abgestützt sein. Legen Sie Ihr Baby bäuchlings in Längs-, Quer- oder Schräglage auf Ihren Bauch, sodass die Brustwarze etwa auf der Höhe seiner Nase liegt. So liegt Ihr Baby bäuchlings auf Ihrem Körper, stabil und gut abgestützt. Sie dürfen Ihr Baby am Po oder an den Füßen mit Ihren Händen zusätzlich abstützen und ihm intuitiv assistieren, während es nach Ihrer Brust sucht. Ihr Baby dockt nach einer Weile des Suchens an. Nach einem Kaiserschnitt legen Sie Ihr Baby z.B. quer über Ihren Brustkorb, damit die Kaiserschnittnarbe nicht belastet wird.


Klassische Wiegenhaltung

Die Mutter sitzt aufrecht oder leicht zurückgelehnt in einem Bett, auf einem Sofa oder Sessel, Rücken und Arme bequem auf Lehnen und Kissen abgestützt. Ein Fußschemel kann manchmal zusätzlich hilfreich sein. Manche Mütter nach Kaiserschnitt schützen ihren Bauch mithilfe eines Kissens. Ein Kissen unter den Knien kann die Narbe zusätzlich entlasten.

Die Mutter nimmt ihr Baby so in den Arm, dass es auf der Seite und ihr Bauch-an-Bauch zugewandt liegt. Ohr – Schulter – Hüfte bilden eine Linie. Der Kopf des Babys ruht auf dem Unterarm oder in der Ellenbeuge der Mutter, die Mutter hält das Baby am Po. Mit der zweiten Hand kann die Mutter ihre Brust in der C- oder U-Haltung stützen und formen. Die Wiegenhaltung gilt als die klassische Stillhaltung, die von vielen stillenden Müttern nach der Neugeborenenperiode gerne praktiziert wird. Bei Neugeborenen ist gutes Anlegen in dieser Position allerdings nicht einfach, die Gefahr wunder Brustwarzen ist höher als z.B. in der zurückgelehnten Haltung oder der modifizierten Wiegenhaltung.

 


Modifizierte Wiegenhaltung

Bei der modifizierten Wiegenhaltung sitzt die Mutter so wie bei der einfachen Wiegenhaltung aufrecht oder leicht zurückgelehnt. Das Köpfchen des Babys liegt jedoch nicht in der Armbeuge, sondern wird durch die Hand der Mutter gestützt. Der Handballen der Mutter stützt den oberen Rücken des Babys, ihre Finger stützen sein Köpfchen am Nacken, ohne Druck auf den Hinterkopf auszuüben, was das Baby beim Stillen stören würde. Das Anlegen von kleinen Neugeborenen ist in der modifizierten Wiegenhaltung einfacher als in der klassischen, weil der Kopf besser geführt wird.

Wenn das Baby an der Brust gut positioniert ist, kann die Mutter ihr Arm umgreifen und die klassische Wiegenhaltung entwickeln: Das ist für die Arme bequemer.


Footballhaltung (Seitenhaltung oder Rückenhaltung)

Die Mutter sitzt aufrecht und hält ihr Baby seitlich unter ihrem Arm, das Baby trinkt an der äußeren Brust. Das Baby wird unter dem Arm der Mutter auf Kissen gelagert, es liegt seitlich, seine Beinchen zeigen in Richtung des Rückens der Mutter. Die Mutter stützt den Kopf ihres Babys am Nacken mit ihrer äußeren Hand. Da die Lagerung des Babys auf der richtigen Höhe relativ umständlich ist, wird diese Stillhaltung meist nur vorübergehend in der Neugeborenenzeit praktiziert. In dieser Haltung lässt sich das Köpfchen des Babys gut führen und das Anlegen gut sehen. Manche Frauen nach Kaiserschnitt und manche Frauen mit großen Brüsten bevorzugen diese Stillhaltung.


Stillen im seitlichen Liegen

Mutter und Kind liegen beide auf ihren Seiten einander zugewandt in engem Körperkontakt, Bauch an Bauch. Die Mutter zieht ihre Beine leicht hoch und winkelt ihren unteren Arm unter dem Kopf an, um sich zu stabilisieren. Mit dem oberen Arm stützt sie ihr Baby am Rücken oder Po und holt es ganz nah an sich heran. Die Mutter kann mit ihrem Becken ein leichtes Hohlkreuz bilden, um den Beinchen des Babys Platz zu schaffen. Vor dem Anlegen liegt die Brustwarze unter der Nase des Babys. Falls sich das Baby mit seinen Beinchen hochturnt, kann es wieder nach unten gezogen werden. Nach einem Kaiserschnitt kann die Narbe mithilfe eines Kissens geschützt werden.


Hoppe-Reiter-Position

Bei manchen Mutter-Kind-Paaren klappt das Anlegen in der Hoppe-Reiter-Position am besten: Das Baby sitzt auf dem Oberschenkel der aufrecht sitzenden oder leicht zurückgelehnten Mutter und wird am oberen Rücken und Nacken gestützt. Die Hoppe-Reiter-Position unterstützt schläfrigere, trinkschwächere Neugeborene dabei, länger am Stück aktiv zu bleiben. Für manche Frauen ist es die einzige Stillposition, in der sie in der Neugeborenenphase schmerzfrei stillen können. Je nach den Proportionen der Frau ist es günstiger, wenn sie sich weiter nach hinten lehnt oder aufrecht sitzt, bzw. wenn sie ihre Brust stützt oder nicht.



Das Anlegen des Babys

Das Anlegen kann vom Baby oder von der Mutter gesteuert werden.

Vom Baby gesteuertes Anlegen (intuitives Anlegen)

Lehnen Sie sich gut unterstützt bequem zurück und legen Ihr nacktes, ggf. mit einer Windel bekleides Baby auf Ihren nackten Bauch in Haut-zu-Haut-Kontakt. Mit etwas Geduld wird Ihr Baby Ihre Brust von allein suchen und daran andocken. Achten Sie darauf, dass Ihr Oberkörper und Ihre Arme mit Hilfe von Kissen gut abgestützt sind und Sie sich längere Zeit in dieser Position bequem entspannen können. Das Baby kann parallel zu Ihrem Körper liegen, quer über Ihren Brustkorb oder schräg, was für Sie beide am besten passt. Sie können die Arbeit Ihres Babys erleichtern, wenn Sie es mit dem Mund in die Nähe der Brust platzieren, mit der Brustwarze etwa unter seiner Nase. Sie können Ihr Baby mit Ihren Händen an den Füßen oder am Po abstützen, Kopf und Rücken bleiben frei. Für den Anfang ist es hilfreich, wenn das Baby keine Kleidung anhat, mit etwas Routine klappt das intuitive Anlegen auch mit Kleidung.

 

Intuitiv anlegen in der zurückgelehnten Haltung

Intuitiv anlegen in der Hoppe-Reiter-Position


Von der Mutter gesteuertes Anlegen

Nehmen Sie eine bequeme, gut abgestützte Körperposition ein, in der Sie längere Zeit stabil und entspannt verbringen können. Legen Sie Ihr Baby so an, dass es Sie mit seiner gesamten Körpervorderseite Bauch an Bauch berührt und den Kopf zum Andocken seitlich nicht drehen muss. Der Körper des Babys ist mit Hüfte und Beinen um den Körper der Mutter gerundet, seine Hände sind auf beiden Seiten hochgewinkelt und umarmen die Brust. Halten Sie Ihr Baby so, dass Ihre Brustwarze unter seiner Nase liegt. Es wird den Mund weit aufmachen, wie bei weitem Gähnen, um anzudocken. Ziehen Sie Ihr Baby in diesem Moment am oberen Rücken und mit dem Kinn führend nah an sich heran. Der Kopf Ihres Babys neigt sich dabei leicht nach hinten. Mit der anderen Hand können Sie Ihre Brust in einem C- oder U-Griff halten und formen (nicht zu nah zur Brustwarze, sonst kann das Baby nicht andocken). Ihre Brustwarze wird durch dieses Anlegen in Richtung des Gaumens des Babys zeigen.

Das Baby soll seinen Kopf zum Stillen nicht seitlich drehen müssen: Ohr – Schulter – Hüfte sind in einer Linie. Stützen Sie Ihr Baby am oberen Rücken und am Nacken, drücken Sie jedoch nicht gegen seinen Kopf, das stört es beim Stillen.



Tiefes Erfassen der Brust

Ein gut angelegtes Baby hat den Mund weit auf und erfasst viel Brustgewebe. Der Brustwarzenhof verschwindet größtenteils im Mund des Babys; je nach Größe des Warzenhofs bleibt von dessen oberem Bereich zur Oberlippe hin ein Rand sichtbar.

Tiefes Erfassen

Der Mund des Babys ist weit auf und erfasst viel Brustgewebe. Sein Kinn sinkt in die Brust ein, seine Wangen berühren die Brust. Der Kopf ist leicht nach hinten geneigt, die Unterlippe ist nach außen gestülpt bzw. sie wird von der Wange bedeckt und ist somit nicht sichtbar.


Oberflächliches Erfassen

Das Baby erfasst zu wenig von der Brust, das Stillen ist schmerzhaft und wenig effektiv, die Brustwarze kann wund werden. Das Kinn steht oft von der Brust ab.


Den Saugschluss lösen

Ist das Erfassen oberflächlich und schmerzhaft, können Sie Ihren kleinen Finger über den Mundwinkel zwischen die Zahnleisten des Babys schieben und Ihr Baby dann erneut anlegen.




Stillen nach Bedarf

Ihr Baby zeigt Ihnen, wenn es gestillt werden möchte. Darf Ihr Baby nach Bedarf trinken, wird Ihre Brust in der Regel so viel Milch bilden, wie es braucht: „Die Nachfrage bestimmt das Angebot“. Stillen Sie Ihr Baby rund um die Uhr ohne Einschränkungen, auch nachts. Es ist kein Mindestabstand, kein fester Stillrhythmus erforderlich. Egal, wann sich Ihr Baby wieder meldet, nach 1 oder 3 Stunden oder alle 10 Minuten: Sie können es jederzeit wieder stillen.

Babys trinken in den ersten 6 Monaten durchschnittlich 8- bis 12-mal in 24 Stunden. Eine Stillmahlzeit kann eine Brust, beide Brüste, Wechselstillen oder Cluster-Stillen bedeuten, d.h. viele kleine Stillepisoden hintereinander, oft über mehrere Stunden. Das Cluster-Stillen tritt bei vielen Babys überwiegend nachmittags, abends und in der ersten Nachthälfte auf und sorgt für eine gute Milchproduktion. Übrigens, bei Jäger- und Sammlervölkern, die den ganzen Tag in Hautkontakt mit ihren Babys verbringen und sehr feinfühlig auf deren Stillzeichen reagieren, trinken Babys bis zu 100-mal am Tag (durchschnittlich 4-mal pro Stunde).

Wie lange eine Stillmahlzeit dauert, kann sehr unterschiedlich sein. Am Anfang der Stillzeit trinken Babys häufig 20 bis 45 Minuten, mit der Zeit werden sie effektiver und schneller. Manchmal sind Babys schon nach 5 minuten satt.

Damit beide Brüste gleichmäßig geleert werden, können Sie sie abwechselnd anbieten und mit der Brust beginnen, die bei der Stillmahlzeit zuvor zuletzt dran war.

 

Stillen dient nicht nur der Sättigung von Hunger und Durst, sondern auch der Befriedigung seelischer Bedürfnisse: als Beruhigung, Entspannung und Schlafbegleitung. Stillen nach Bedarf stellt sicher, dass die Bedürfnisse Ihres Babys körperlich wie seelisch optimal erfüllt werden und Ihr Baby so viel Milch erhält, wie es braucht.

Übrigens, Stillen nach Bedarf schließt die Mutter mit ein: Auch wenn sich Ihre Brüste mit Milch gefüllt haben und spannen, sollten Sie Ihr Baby wecken und anlegen.


Stillzeichen

Ihr Baby signalisiert, wann es an die Brust möchte. Bieten Sie ihm die Brust möglichst bei den frühen oder aktiven Stillzeichen an, dann ist Ihr Baby noch geduldig. Schreien ist ein sehr spätes Stillzeichen. Aufgebrachte Babys lassen sich nicht so gut anlegen. Wenn Sie Ihr Baby viel in Körperkontakt halten, werden Sie seine Stillzeichen intuitiv frühzeitig wahrnehmen.

Frühe Stillzeichen

Schlecken, Schmatzen, Saugen, leicht herausgestreckte Zunge


Aktive Stillzeichen

Unruhe, Bewegen von Armen und Beinen, Wimmern, Quietschen, suchende Kopfbewegungen, Hand / Finger im Mund


Späte Stillzeichen

Erhöhte Körperspannung, Schreien


Videos mit Stillzeichen

Frühe Stillzeichen

Das Baby im folgenden Video macht Saugbewegungen im Halbschlaf, wacht langsam auf, macht Lippenbewegungen, streckt kurz die Zunge raus. Das Stillen bahnt sich an.

Aktive Stillzeichen

Das Baby im folgenden Video möchte schon ganz ungeduldig an die Brust: Es ist unruhig, bewegt Kopf, Beine und Arme, wimmert und quietscht, führt das Händchen zum Mund und saugt daran. Wäre dieses Baby nicht abgelegt, sondern in der zurückgelehnten Haltung auf dem Bauch der Mutter, würde es sich aktiv an die Brust bewegen und daran andocken.


Nächtliches Stillen und Schlafen

Babys möchten rund um die Uhr häufig gestillt werden, auch nachts, und zwar bis zum Ende der Stillzeit.

Üben Sie das Stillen im seitlichen Liegen! So lässt sich das nächtliche Stillen mit Schlafen gut kombinieren. Zusammenschlafen in einem Bett ermöglicht das häufige nächtliche Stillen ohne Aufstehen und richtiges Wachwerden.

Untere Brust – obere Brust. Bei Bedarf kann an beiden Brüsten gestillt werden, ohne sich auf die andere Seite drehen zu müssen.

Sicherheitsmaßnahmen für das Zusammenschlafen in einem Bett (Bedsharing)

  • Kein Konsum von Tabak, Alkohol und sonstigen Suchtmitteln; Legen Sie Ihr Baby nicht in Umgebungsluft, die von Tabakrauch belastetet ist, nicht in die Nähe von Personen, die regelmäßig rauchen und nicht in die Nähe von Bekleidung und Gegenständen, die nach Rauch riechen.
  • Schlafen Sie mit Ihrem Baby auf einem breiten Elternbett mit einer harten, nicht einsinkenden Matratze, aber auf keinen Fall auf Sofas und in Sesseln.
  • Halten Sie Kissen und Decken und andere Gegenstände, die eine versehentliche Bedeckung des Kopfes und Erstickung verursachen könnten, fern von Ihrem Baby.
  • Legen Sie Ihr Baby auf seinen Rücken zum Schlafen.
  • Damit der Kopf des Babys nicht in eine Spalte rutschen kann, sollte das Bett von Möbeln und der Wand weggestellt werden.

Baby im Beistellbett

Raucht die Mutter, wird Bedsharing nicht empfohlen, aber das Baby kann in ein Beistellbett gelegt und auch häufig nachts gestillt werden. Auch hier gilt, dass das Baby nicht in Umgebungsluft gelegt werden soll, die von Tabakrauch belastetet ist, und nicht in die Nähe von Bekleidung und Gegenständen, die nach Rauch riechen.



Wie sich effektives Stillen erkennen lässt

Trinkt mein Baby an meiner Brust effektiv? Folgende Zeichen sprechen dafür:

I. Saugverhalten

  • Das Baby saugt an der Brust zuerst mit kleineren, schnelleren Bewegungen, um den Milchspendereflex auszulösen. Dann – wenn die Milch kommt – wechselt es in ein langsameres, tieferes, rhythmisches Saugmuster mit Pausen. Sein Unterkiefer senkt sich rhythmisch nach unten (das Baby schluckt). Zwischendurch macht das Baby kleine Verschnaufpausen, bevor es weitertrinkt.
  • Ein effektiv trinkendes Baby saugt konzentriert, ruhig und ausdauernd.
  • Das gut trinkende Baby entspannt sich während der Stillmahlzeit allmählich, seine Augen schließen, die Fäustchen entspannen sich.
  • Ein sattes Baby lässt die Brust von alleine los oder schläft ein und kann mit dem Kleinen Finger von der Brust genommen werden.

Folgendes Video zeigt ein gut trinkendes Baby:

Das Baby trinkt, macht eine Verschnaufpause und trinkt dann weiter. Man kann gut beobachten, wie sich sein Unterkiefer regelmäßig senkt. Zum Auslösen des Milchspendereflexes bewegt sich sein Unterkiefer 2-3-mal kurz schneller und oberflächlicher und dann – sobald die Milch kommt – tiefer und seltener.

Folgendes Video zeigt ein dösendes Baby an der Brust

Dieses Baby ist gut angelegt, trinkt aber nicht, sondern döst nur. An einer Stelle nuckelt es kurz, bevor es weiterdöst. Die Brust ist der beste Ort für ein Baby auch zum Dösen, Hauptsache, es verbringt genug Zeit mit aktivem Trinken.

II. Ausscheidungen

Stuhlgang

Bei einem erfolgreich gestillten Baby nimmt die Anzahl der Windeln mit Stuhlgang in den ersten sieben bis zehn Tagen kontinuierlich zu – parallel zur steigenden Milchmenge, der Stuhl wird immer heller.

Tag 1: innerhalb von 8 Stunden nach der Geburt wird der erste Stuhlgang, das schwarze Mekonium (Kindspech) abgesetzt.

Mekonium, teerartiger, schwarzer Stuhl

Tag 2: 1-2 gelb-grünliche Neugeborenenstühle

gelb-grünlicher Neugeborenenstuhl

Tag 3: mind. 3 gelb-grünliche Neugeborenenstühle

gelb-grünlicher Neugeborenenstuhl

Ab Tag 4: mind. 3 gelbe Muttermilchstühlegelber muttermilchstuhl

Nach 4–6 Wochen nimmt die Anzahl der täglichen Stuhlgänge allmählich ab, die individuellen Unterschiede werden größer. Manche Babys haben weiterhin täglich mehrmals Stuhlgang, andere Babys nur alle paar Tage bis alle 1 bis 2 Wochen.

Urin

Hinweise auf eine gute Versorgung des Babys mit Muttermilch:

  • Der Urin ist geruchlos, klar, blassgelb bis farblos;
  • Die Urinmenge nimmt jeden Tag nach der Geburt zu; ab Tag 4 füllt er 6–8 Stoffwindeln bzw. 4–6 Einmalwindeln in 24 Stunden.

III. Gewichtsverlauf

  • Das gesunde Neugeborene verliert in den ersten beiden Tagen nach der Geburt an Gewicht, in der Regel aber nicht mehr als 7%, in Ausnahmefällen bis zu 10%. Wenn das Baby mehr als 7% an Gewicht verliert, ist eine Überprüfung und ggf. Optimierung des Stillens durch eine Fachkraft erforderlich.

  • Innerhalb von 10 Tagen sollte das Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben und anschließend entlang seiner Wachstumsperzentile auf den WHO-Wachstumskurven zunehmen. Ist das Geburtsgewicht nach 10 Tagen nicht erreicht, dann ist eine Überprüfung und ggf. Optimierung des Stillens erforderlich.

Grafik mit den WHO-Wachstumskurven



 

Zunahme der Milchmenge

Muttermilch passt sich in ihrer Zusammensetzung und Menge optimal an die kindlichen Bedürfnisse an. Die Magenkapazität eines Neugeborenen ist noch klein, es lernt das Saugen, Schlucken und Atmen miteinander zu koordinieren. Daher ist das Kolostrum nur in kleinen Mengen vorhanden – mit zu großen Milchmengen wäre das Neugeborene überfordert. Anschließend nimmt die Milchmenge von Tag zu Tag zu, die Zusammensetzung und die Farbe der Muttermilch verändern sich.

  • Zunahme der Milchmenge und Änderung der Farbe von Gelb (Kolostrum) zu Weiß (reife Muttermilch) in den ersten 7 Tagen nach der Geburt.

    Am 1. Tag nach der Geburt bekommt das neugeborene Baby das gelbe, dickflüssige Kolostrum, welches in der Schwangerschaft gebildet wurde, im Laufe der ersten 24 Stunden insgesamt 10 bis 50 ml.

  • Am 2. Tag beginnt die Bildung reifer Muttermilch (gemischt mit Kolostrum spricht man von Übergangsmilch), die Milchmenge nimmt geringfügig zu.
  • Am 3./4. Tag spüren die meisten Frauen die initiale Brustdrüsenschwellung, umgangssprachlich Milcheinschuss: Die Brust wird größer und schwerer.
  • In den ersten 4–6 Wochen nimmt die Milchmenge auf 500 bis 1300 ml, durchschnittlich etwa 780 ml pro Tag weiter zu, anschließend bleibt sie bis zum Beikostalter etwa konstant.
  • Nach der Einführung von Beikost nimmt die gebildete Milchmenge allmählich ab.

 

 

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Umgang mit dem Milcheinschuss

Am 2. bis 4. Tag nach der Geburt – bei manchen Frauen etwas später – schwellen die Brüste an, sie spannen und können schmerzhaft hart werden. Die Venenzeichnung auf der Haut wird sichtbar. Dabei handelt es sich nicht nur um eine erhöhte Milchmenge, sondern auch um vermehrte Lymphflüssigkeit im Zwischendrüsengewebe. Bei manchen Frauen verläuft der Milcheinschuss mild, bei anderen heftiger. Manchmal schwellen die Brüste samt Brustwarzenhof derart an, dass das Anlegen des Babys erschwert wird.

Was Sie tun können, um den Milcheinschuss erträglicher zu machen:

  • Weiterhin häufig rund um die Uhr stillen
  • Falls der Brustwarzenhof anschwillt und das Stillen erschwert, können Sie den sog. „Reverse Pressure Softening“ einsetzen.
  • Eine Lymphmassage leitet überflüssige Lymphe ab.
  • Nach dem Stillen können Sie
    • die Brust kühlen
    • einen kühlenden Quarkwickel verwenden
    • ausgewalzte, gekühlte Weißkohlblätter in den BH legen

(sparen Sie die Brustwarze jeweil aus)

 


Auf Schnuller und Flaschen besser verzichten, um das Stillen zu schützen

Sobald das Baby Stillzeichen zeigt, sollte es zum Stillen angelegt werden. Erhält das Baby stattdessen einen Schnuller, wird es weniger Zeit an der Brust verbringen und möglicherweise nicht ausreichend Muttermilch bekommen. Der künstliche Sauger im Mund des Babys könnte außerdem zu einer Saugirritation und somit zu einem ungünstigen Saugmuster an der Brust führen.

Sie können Ihr Baby durch Stillen, Hautkontakt und Tragen mit Auf- und Abbewegungen beruhigen.

Ausgiebiger Haut-zu-Haut-Kontakt, korrektes, frühes und häufiges Anlegen rund um die Uhr sorgen dafür, dass die Mutter so viel Milch bildet, wie ihr Baby braucht. Auf der anderen Seite führt unnötige Zufütterung dazu, dass das Baby bereits durch die Zusatzmilch gesättigt wird, sich die Milchproduktion der Mutter auf eine zu geringe Nachfrage einstellt und ihr Milchbildungspotenzial nicht ausreichend aufgebaut wird. Wird mit der Saugflasche zugefüttert, kann der künstliche Sauger ähnlich wie beim Schnuller zu einer Saugirritation und somit zu einem ungünstigen Saugmuster an der Brust führen, wodurch die Brust wund werden kann und das Stillen weniger effektiv ist. Nicht wenige Babys, die neben dem Stillen per Flasche zugefüttert werden, entwickeln mit der Zeit eine Ablehnung gegenüber der Brust.

In Einzelfällen kann Zufütterung von Muttermilch, Frauenmilch oder industriellem Muttermilchersatz erforderlich sein, wenn das Baby aufgrund medizinischer Ursachen nicht effektiv an der Brust trinken oder die Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht genug Milch bilden kann. Sollte eine Zufütterung aus medizinischen Gründen erforderlich sein, sollte dies mit alternativen Methoden für gestillte Säuglinge erfolgen – also per Pipette, Löffel, Becher oder Sonde / Brusternährungsset –, um das Saugbedürfnis und das Saugmuster des Babys nicht zu beeinträchtigen und somit das Stillen zu schützen.

 



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