Artikel „Das zu kurze Zungenband“ vollständig überarbeitet

25. Juni 2021 | Von | Kategorie: Neu im Still-Lexikon

Das „zu kurze Zungenband“ ist wahrscheinlich das komplexeste und umstrittenste Thema in der Stillberatung. Seit langem ist bekannt, dass verkürzte Zungenbänder mit wunden Brustwarzen und weiteren Stillproblemen assoziiert sein können. Seit einigen Jahren verbreitet sich darüber hinaus zunehmend die Ansicht, dass es neben dem klassischen, gut sichtbaren zu kurzen Zungenband auch eine verstecktere Zungenbandform gibt, welche die Zungenbeweglichkeit einschränken kann: das so genannte „posteriore Zungenband“. Damit verwoben ist eine neue, etwas invasivere Form der Zungenband-Trennung (Frenotomie), bei der nicht nur die gut sichtbare Bindegewebsmembran getrennt wird, die bei klassischen „zu kurzen Zungenbändern“ die Zungenspitze an den Mundboden bindet, sondern der „vollständig klinisch erreichbare Anteil des Zungenbands“, wobei eine rautenförmige Wunde auf der Zungenunterseite entsteht.

Belege für die Existenz von so genannten „posterioren Zungenbändern“ und der Überlegenheit dieser neuen, invasiveren Frenotomie-Methode stehen im Sinne der Evidenz-basierten Medizin bislang aus. Darüber hinaus fehlen bislang eine eindeutige Definition und eine allgemein akzeptierte Diagnostik von „zu kurzen Zungenbändern“. Auch deren Rolle bei Stillproblemen sowie Ess- und Sprechstörungen ist bislang nicht abschließend geklärt.

Anhand von praktischen Erfahrungen in der Arbeit mit Müttern und Babys plädieren trotz bislang fehlendem wissenschaftlichen Nachweis einige führende StillexpertInnen dafür, „zu kurze Zungenbänder“ systematisch abzuklären und möglichst frühzeitig und „vollständig“ zu trennen. Sie halten eine Frenotomie bei betroffenen Babys für einen relativ kleinen, harmlosen Eingriff mit signifikanter positiver Wirkung auf das Stillen, das Essen und die Sprechentwicklung. Aus der Sicht anderer StillexpertInnen überwiegen allerdings die potenziellen Risiken und der bislang fehlende wissenschaftliche Nachweis für den Nutzen des Eingriffs.

Im vollständig überarbeiteten Beitrag erhalten interessierte Eltern und Fachpersonen auf ca. 30 Seiten einen Einblick in den Stand des aktuellen Wissens zum Thema „zu kurzes Zungenband“ und verwandter „oraler Restriktionen“ wie Lippen- und Wangenband mit den aktuell diskutierten, zum Teil widersprüchlichen Theorien. Eine abschließende Antwort auf die vielen offenen Fragen kann auch dieser Beitrag nicht liefern.

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