Evaluation möglicher Saugprobleme

Dieser Fragebogen dient dazu abzuklären, ob ein mögliches Saugproblem seitens des Babys vorliegt, was zu wunden Brustwarzen, zum Rückgang der Milchbildung und schlechter Gewichtszunahme führen kann. Entsteht ein Verdacht, empfiehlt es sich häufig, diesen durch Kinderärzte und weitere Therapeuten wie z.B. Logopäden, Zungenband-Experten oder Osteopathen näher abzuklären. Zudem müssen Strategien gewählt werden, welche eine adäquate Milchbildung der Mutter und eine adäquate Milchaufnahme durch das Baby trotz Saugprobleme sicherstellen. Erscheinen Saugprobleme seitens des Babys unwahrscheinlich, kann auf die oft aufwendige Abklärung verzichtet werden, die gute Saugfähigkeit des Babys kann bei der Lösung des Stillproblems mit einbezogen werden.

Geburtsverletzungen

Babys mit bekannten Verletzungen am Kopf, Gesicht oder Oberkörper können eine beeinträchtigte Saugfähigkeit haben. Zu solchen Verletzungen gehören Schnitt- und Platzwunden, Prellungen, Kephalhämatom (Bluterguss am Schädel), Knochenbrüche (z.B. vom Schlüsselbein, Schädel, Gesicht, Arm, Schulter, Nasenscheidenwand), Verletzungen des Plexus brachialis (Armgeflecht), Nervenverletzung, Hirnblutung usw.

Absaugen und Intubieren

Heute empfiehlt man bei gesunden Neugeborenen auf das Absaugen zu verzichten und stattdessen Mund und Nase mit einem Tuch abzuwischen. Durch das Absaugen bzw. auch durch das Intubieren von Neugeborenen zur Beatmung oder Ernährung können Reizungen oder Verletzungen des Rachenhinterwands und eine orale Aversion entstehen, d.h. das Baby kann nichts mehr im Mund ertragen. Diese medizinischen Maßnahmen können das Saugen an der Brust beeinträchtigen.

Muskeltonus

Sowohl ein schwacher als auch ein übersteigerter Muskeltonus kann die Saugfähigkeit beeinträchtigen und braucht angepasste Strategien.

Symmetrie

Asymmetrie des Kopfes, des Halses und des Körpers ist oft die Folge einer schwierigen Geburt inklusive Kaiserschnitt mit unphysiologischem Druck auf den Körper des Kindes. Bei einer Asymmetrie besteht oft eine vorübergehende Saugschwäche (ineffektives, unorganisiertes Saugen, falsches Saugmuster), weil auch die Nerven des Babys vorübergehend in Mitleidenschaft gezogen werden. Darüber hinaus kann der unphysiologische Druck zu Verschiebungen und Verspannungen im Körper des Babys führen. Etwa 10% der Neugeborenen sind betroffen.

Erregungslevel

Sowohl eine Über- als auch eine Untererregung können die Saugfähigkeit des Babys beeinträchtigen und brauchen angepasste Strategien.

Atmung

Ein gesundes, termingeborenes Baby nimmt 30–40 Atemzüge pro Minute (basale Atmungsrate ohne Stillen). Während des Stillens muss das Baby während jedes Saugzyklus saugen, schlucken und atmen. Während des Trinkens an der Brust ist die Atmung daher verkürzt; Nach einigen Saugzyklen – am Anfang einer Stillmahlzeit in der Regel nach 10 bis 30 Zyklen – macht das Baby eine kurze Pause von 3 bis 5 Sekunden, um das Atmen nachzuholen. In diesen Pausen für die Atmung ist die Atmungsrate im Vergleich zur basalen Atmungsrate zunächst leicht erhöht, stabilisiert sich aber schnell wieder. Die Atmung in den Saugpausen ist normalerweise leise und unangestrengt. Im Laufe der Stillmahlzeit werden die Saugsalven kürzer, die Atempausen länger. Frühgeborene Babys machen aufgrund ihrer kardiorespiratorischen Unreife 40–60 Atemzüge pro Minute. Ist ein Kind krank, atmet es 60–80-mal pro Minute. Babys mit einer hohen basalen Atmungsrate können sich keine längeren Saugsalven erlauben. Sie pausieren bereits nach wenigen Saugzyklen. Eine angestrengte Atmung, auffällige Geräusche bei der Atmung und weitere Auffälligkeiten deuten darauf hin, dass das Baby Schwierigkeiten mit der Atmung und dem Schlucken haben kann und auch seine Saugfähigkeit herabgesetzt ist.

Hautfarbe

Die Hautfarbe ist ein Indikator für die Fitness des Babys. Babys mit auffälliger Hautfärbung haben oft eine herabgesetzte Saugfähigkeit.

Zunge

Die Zunge spielt eine zentrale Rolle für die effektive Entleerung der Brust. Sie ist bei jedem Menschen individuell unterschiedlich geformt, unterschiedlich lang, breit, hat eine unterschiedliche Beweglichkeit. Die meisten dieser höchst unterschiedlichen Zungen können Muttermilch effektiv ausmelken. Bei manchen Zungenvariationen ist es für das Baby schwieriger, effektiv zu saugen als bei anderen. Auch das Zungenband kann unterschiedliche Formen und Ausprägungen haben. Es gibt Zungenbänder, welche die Beweglichkeit der Zunge einschränken. Gelegentlich wird das Trennen des Zungenbands empfohlen.

(Dieser Aspekt ist am schwierigsten zu beurteilen. Am besten sieht man die Zungenhebung, wenn das Baby wach ist und schreit. Wenn es schläft, kann die Zunge des Babys mit frisch gewaschenen Fingern angehoben werden, um festzustellen, wie weit sie hochgehoben werden kann.)
(Dieser Aspekt lässt sich am ehesten beurteilen, wenn das Baby zum Stillen andockt oder aus einem Löffel oder Becher Milch herausschleckt. Alternativ können Sie die äußere Seite des unteren Gaumens mit Ihrem frisch gewaschenen Finger streicheln, woraufhin das Baby mit seiner Zunge Ihren Finger suchen wird.)
Um dies zu prüfen, können Sie den Gaumen auf beiden Seiten von der Mitte her seitlich mit Ihrem frisch gewaschenen Finger streicheln. Die Bewegung der Zunge soll zu beiden Seiten symmetrisch, also gleich stark sein.
Manche Babys können keine Grube mit ihrer Zunge bilden, um die Brustwarze von unten zu umhüllen und für die Milch eine Rinne zu bilden. Die Zunge bleibt flach und drückt die Brustwarze platt. Bei anderen Babys fehlt die koordinierte peristaltische Bewegung, welche die Brust ausmelkt, oder diese ist zu schwach. Wenn Sie möchten, können Sie versuchen, dies mit Ihrem Finger zu testen. Ihr Finger muss frisch gewaschen, der Nagel sauber und kurz geschnitten sein. Sie bieten Ihrem Baby Ihren Finger an, indem Sie damit seine Lippen von oben nach unten streicheln. Das Baby saugt den Finger aktiv ein – ein Eindringen in den Mund des Babys ist nicht respektvoll und sollte unterbleiben. Der Nagel sollte nach unten, zur Zunge hin zeigen. Wenn Sie möchten, können Sie mit einer Sonde Fingerfeeding praktizieren und beobachten, wie das Baby Milch entleeren kann.
Machen Sie vorsichtig den Mund des schlafenden Babys auf, indem Sie seinen Kiefer nach unten ziehen und kurz unten halten: Liegt die Zunge unten am Mundboden? Oder oben am Gaumen und löst sich vom Gaumen durch den Zug mit einem Plopp? Bitte schauen Sie sich das Video an (nächste Zeile):
Video zur Untersuchung der Zungenruhelage im Schlaf: https://www.youtube.com/watch?v=Qb-TO-ZvNEM
(hinten kann das Baby die Zunge hochheben, vorne ist es unten durch das Zungenband „angebunden“)

Lippen

Die Lippen bilden beim Stillen einen „Dichtungsring“. Die Unterlippe ist komplett nach außen gestülpt. Die Oberlippe wird leicht nach außen gestülpt oder bleibt neutral.

Manche Babys haben an falschen Stellen Lippenbänder, welche die Beweglichkeit im Mundraum einschränken. Fahren Sie mit Ihrem Finger am oberen und unteren Zahnfleisch die Taschen zwischen Zahnleisten und Wange ab (oben, unten, vorne, links, rechts). Nur das obere und untere Lippenband in der Mitte gelten als normal.

Nase

Eine unbehinderte Nasenatmung ist eine Voraussetzung für das Trinken an der Brust.

Wangen

Dellenbildung (Wangengrübchen) während des Saugens weist auf ein oberflächliches Anlegen, eine Schwäche / Instabilität des Wangenmuskels oder auf die Unfähigkeit des vorderen Zungenanteils hin, sich hochzuheben und um die Brustwarze herum eine Grube zu bilden.

Kiefer

Die meisten Babys haben ein flaches Kinn. Ein Baby mit ausgeprägt fliehendem Kinn, also einem sehr kurzen Unterkiefer, kann Milch nicht so effektiv entleeren. Es kann auch ein Missverhältnis zwischen Brustwarze und Mund auftreten. Es können auch Probleme im Kiefergelenk vorkommen.

Harter und weicher Gaumen

Der harte und der weiche Gaumen spielen beim Trinken und Schlucken eine wichtige Rolle.

Schlucken

Die Schluckgeräusche während des Stillens sind normalerweise subtil, mit einem leisen „köh“-Laut. Wenn ein neuer Milchspendereflex kommt, können die Schluckgeräusche etwas lauter sein. Ein lautes, angestrengtes Schluckgeräusch („gölp“) zeigt, dass das Baby eher wenig schluckt.