Sport während der Stillzeit

Junge Mutter joggtRegelmäßige sportliche Aktivität ohne Überbelastung – z.B. Rückbildungsgymnastik als gezieltes Muskeltraining, Laufen, Joggen, Schwimmen oder Radeln als Kreislauftraining – wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Mutter aus, ohne Probleme beim Stillen zu verursachen. Es gibt dabei eine Handvoll Aspekte zu beachten.

Sehr intensiver Sport kann in seltenen Fällen Probleme beim Stillen bereiten. Die Erschütterung der Brüste und das Reiben der Brustwarze an der Kleidung – z.B. beim Joggen ohne gut stützenden BH – können möglicherweise zu einer gewissen Reduktion der Milchmenge führen. Weiterhin gelangt die bei belastender sportlicher Tätigkeit in anaerobem Bereich (z.B. bei schnellen, viel Energie fordernden Bewegungen wie dem 400-Meter-Lauf) entstehende Milchsäure aus dem Blut in die Milch. Zwar richtet Milchsäure keinen Schaden an, aber die sonst süße Muttermilch wird durch die Milchsäure etwas bitter und sauer, was bei manchen Babys zur vorübergehenden Ablehnung der Milch führen kann. Die höchste Konzentration von Milchsäure wurde in einer Studie 10 bzw. 30 Minuten nach der sportlichen Aktivität gemessen, je nachdem, ob die Mutter mit „vollen“ oder „leeren“ Brüsten Sport trieb. Die Milchsäurekonzentration blieb insgesamt über 90 Minuten erhöht. Schweiß an der Brustwarze kann manchmal ebenfalls zur Ablehnung der Brust führen.
Sport in Maßen ist gesund und verursacht keine Probleme. Durch folgende Maßnahmen können eventuelle Probleme vermieden werden:

  • Die Brust kann nach schweißtreibendem Sport mit klarem Wasser abgespült werden, damit die Brustwarze wieder gut „schmeckt“.
  • Ein gut stützender BH
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    schützt die Brust vor starker Erschütterung und Reibung.
  • Überbelastung tut dem Körper nichts Gutes und führt zur Entstehung von Milchsäure. Statt seltenem Sport bis zur Erschöpfung wird regelmäßige und schonende Bewegung im aeroben Bereich empfohlen. Einer Beobachtungsstudie zufolge halten allerdings stillende Mütter auszehrende körperliche Aktivitäten ohnehin nicht lange durch, vermutlich weil sie ihre Energie fürs Stillen und die Pflege ihres Kindes benötigen…
  • In den meisten Fällen entstehen durch Sport überhaupt keine Probleme. Für den Fall, dass das Kind die Brust verweigert, kann Milch auf Vorrat gewonnen und dem Kind verfüttert werden. Bei Ablehnung der Brust durch das Baby kann die Mutter die ersten 3-5 ml Milch entleeren und die Brust dem Baby wieder anbieten. Wenn das Kind nicht ausgehungert ist, kann die Brust einfach später wieder angeboten werden. Abpumpen hilft nicht, die Brust von der Milchsäure zu „reinigen“, da sich die Konzentration in der Milch der jeweiligen Konzentration im Blut anpasst.
  • Insbesondere bei schweißtreibendem Sport sollte die stillende Mutter ausreichend trinken. Ihr Bedarf an Flüssigkeit und Mineralien ist durchs Stillen erhöht.

Baden in der Stillzeit

Babyschwimmen (© Stefan Ember)

Babyschwimmen (© Stefan Ember)

Auch Schwimmen ist kein Problem und tut sowohl der Mutter als auch dem Baby gut. Bei kleinen Babys muss man auf die richtige Wassertemperatur achten. Neugeborene können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren wie ältere Kinder oder Erwachsene und kühlen schnell aus bzw. sind schnell überhitzt. Kleine Babys sind auch den Keimen gegenüber empfindlicher, die sich im Wasser der öffentlichen Bäder befinden. Sobald das Baden für die Babys sicher ist, ist auch das Stillen im Bad unbedenklich. Denn die Babys sind den Keimen beim Baden viel stärker ausgesetzt als beim Stillen über die Brustwarze.

Manche Frauen befürchten, dass das Schwimmbadwasser oder das Meer / der See die Brustwarzen austrocknet oder evtl. sogar mit Keimen infiziert. Gesunden Brustwarzen kann das chloridierte Schwimmbadwasser oder das Salzwasser des Meers nicht viel anhaben. Nach dem Baden empfiehlt es sich, mit klarem Wasser zu duschen, um die Haut vom Chlor und eventuellen Verunreinigungen im Wasser zu säubern. Falls die Mutter sich sehr viel im Wasser aufhält und die Haut der Brustwarze austrocknen sollte, kann diese mit einer unparfümierten Bodylotion oder einer Brustwarzensalbe eingecremt werden. In aller Regel können Mutter und Kind das Baden ungeniert genießen und stillen, wann und wie es ihnen gefällt.

Die Wassertemperatur hat nur einen kurzfristigen Effekt auf die Brüste und wirkt sich daher auch nicht auf die Milchbildung aus. Kaltes Wasser zieht die Blutgefäße in den Brüsten zusammen, warmes Wasser weitet die Blutgefäße. Manche Frauen berichten, dass durch die hohen Temperaturen in der Sauna Milch aus den Brüsten austritt. Selbst, wenn ein paar Tropfen Muttermilch ins Schwimmbadwasser gelangen sollten, stellt dies für die anderen Badegäste keine Gefährdung dar.

Quellen:

  • Lawrence RA, Lawrence RM: Breastfeeding; A guide for the medical profession. 6. Aufl. Elsevier Mosby, 2005
  • Kroth C: Stillen und Stillberatung. Ullstein Medical 1998.
  • Bonyata K: Exercise and Breastfeeding. http://kellymom.com/bf/can-i-breastfeed/lifestyle/mom-exercise/

© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2016. Letzte Ergänzungen: Februar 2017.