Stillen bei Neugeborenen-Gelbsucht (Ikterus)

Baby mit hohen Bilirubin-Werten liegt im Bilibed

Bei hohen Bilirubin-Konzentrationen bekommt das Neugeborene eine Fototherapie (© Paul Hakimata)

Neugeborenen-Gelbsucht, bei der sich die Haut vorübergehend gelb verfärbt, kommt zu einem gewissen Grad bei allen Babys vor. Der Ikterus stellt einen natürlichen Umstellungsprozess auf das Leben außerhalb des Mutterleibes dar. Die stärkste Ausprägung der Gelbsucht wird meistens zwischen dem 3. und 5. Tag nach der Geburt beobachtet. Der Ikterus geht innerhalb der ersten Wochen, spätestens nach 3 Monaten vorüber. Interessanterweise ist der erhöhte Bilirubinwert bei gestillten Babys stärker ausgeprägt und dauert länger an als bei Babys, die mit künstlicher Säuglingsnahrung ernährt werden. Doch, es handelt sich in aller Regel um einen natürlichen Vorgang.

Die Gelbsucht wird durch den gelbbraunen Gallenfarbstoff Bilirubin verursacht, der beim Abbau von roten Blutkörperchen entsteht. Da sehr hohe Bilirubin-Konzentrationen für die Hirnentwicklung schädlich sind, werden Neugeborene beobachtet und bei Bedarf durch eine Fototherapie behandelt, bei der Bilirubin durch blaues Licht in eine unschädliche Form umgewandelt wird. Nur bei extrem hohen Konzentrationen ist ein Blutaustausch erforderlich. Manche Säuglinge haben unabhängig von der Fütterungsform ein erhöhtes Risiko zu übermäßig erhöhten Bilirubin-Konzentrationen, darunter u.a. frühgeborene oder dehydrierte Babys, oder bei einer AB0-Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind. Besonders gefährdet sind unterernährte Neugeborene. Eine verzögerte Ausscheidung vom Mekonium, dem ersten, stark Bilirubin-haltigen Stuhl, erhöht ebenfalls die Gefahr.

Bilirubin wird über den Stuhl ausgeschieden. Durch den Verzehr von Muttermilch wird die Ausscheidung vom Stuhl und somit von Bilirubin angeregt. Unzureichende Versorgung mit Muttermilch erhöht die Gefahr von einem Ikterus. Ein gutes Stillmanagement trägt daher dazu bei, schädliche Bilirubin-Konzentrationen zu vermeiden:

  • Erstes Stillen direkt innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt, möglichst auch bei Kaiserschnitt
  • Das Baby sollte nichts anderes außer Muttermilch erhalten, also auch keinen Tee oder Wasser mit/ohne Zucker
  • Das Baby bereits bei den ersten Hungerzeichen anlegen, insgesamt 8-12-mal am Tag
  • Überprüfung des Anlegens und des effektiven Trinkens durch geschultes Fachpersonal

Babys mit ausgeprägter Gelbsucht werden lethargisch und schläfrig und müssen zum Stillen alle zwei Stunden geweckt werden, damit sie die 8-12 Stillmahlzeiten am Tag erhalten (s. auch Ein schläfriges Baby zum Stillen wecken). Wenn das Baby nicht oft oder effektiv genug trinkt, muss die Milchbildung über zusätzliche Entleerung der Milch per Hand oder Pumpe aufrechterhalten werden, die gewonnene Milch sollte dem Baby gegeben werden – idealerweise mit alternativen Fütterungsmethoden. Falls Probleme auftauchen sollten, können Eltern eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC kontaktieren: am besten eine Still- und Laktationsberaterin im Haus, falls das nicht geht, ggf. eine externe (siehe auch unser IBCLC-Verzeichnis).

Es gibt verschiedene Apparaturen zur Fototherapie:

  • Bei der traditionellen Form (siehe Bild) wird das Baby von oben mit Blaulicht bestrahlt. Für diese Therapieform müssen die Augen mit einer Klappe geschützt werden, außerdem wird das Baby vorübergehend von der Mutter getrennt. Auch in diesem Fall sollte das Baby alle zwei Stunden gestillt werden und nach dem Stillen unverzüglich unter die Lampe gelegt werden.
  • Bei neueren Therapieformen liegt das Baby auf einem transportablen Bili-Teppich oder in einem Bili-Schlafsack. Das Licht kommt von unten, das Baby wird zugedeckt. Auf diese Weise sind keine Augenklappen erforderlich und das Baby kann bei der Mutter bleiben. Auf dem Bili-Teppich kann das Baby sogar gestillt werden.

Es hängt vom Krankenhaus ab, welche Apparaturen zur Fototherapie zur Verfügung stehen. Auch wenn die traditionelle Form verwendet wird, kann das Baby zum Stillen jederzeit von der Bilibank genommen werden. Die Fototherapie wird nach dem Stillen fortgesetzt.

Quellen:

  • Academy of Breastfeeding Medicine: Clinical Protocol #22: Guidelines for management of jaundice in the breastfeeding infant equal to or greater than 35 weeks’ gestation. Breastfeeding Medicine 2010;5(2).
  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learning. 2015, 5. Aufl.
  • Wilson-Klay B, Hoover K: The Breastfeeding Atlas. LactNews Press, 2013, 5. Aufl.

 


Weitere Online-Publikationen zum Thema:


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.