Milchstau

Frau tastet ihre Brust ab

Milchstau offenbart sich mit Schmerzen und harten Knoten in der Brust (© Jacek Chabraszewski)

Milchstau macht sich durch eine schmerzhafte, harte Stelle an der Brust bemerkbar. Die harte Stelle kann klein sein oder eine größere Fläche umfassen und wird durch Stillen nicht wieder weich. Beim fortschreitenden Milchstau sind harte Knötchen, mit Milch überfülltes Drüsengewebe, spürbar. Die Haut kann über der betroffenen Stelle gerötet sein. Milchstau kann ein grippeartiges Gefühl und auch hohes Fieber verursachen und eine Infektion mit Bakterien begünstigen (siehe Brustentzündung). Mütter mit reichlicher Milchproduktion bekommen häufiger Milchstau. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit für einen Milchstau in den ersten Wochen am größten, und am niedrigsten, wenn ein älterer Säugling oder Kleinkind nur noch teilgestillt wird. Die Ursachen für Milchstau können in drei Gruppen geteilt werden:

  1. Der Milchfluss wird mechanisch behindert, z.B. durch Verstopfung eines Milchganges durch einen Fettpfropf oder ein Häutchen an der Öffnung eines Milchganges, wie beschrieben unter: weiße Bläschen auf der Brustwarze. Bei manchen Müttern wurden weiße, sandartige Körnchen in der Milch beobachtet. Es wird vermutet, dass sich Kalzium-Körnchen in der Muttermilch bilden und die Milchgänge verstopfen. Es wird auch vermutet, dass abgestorbene Zellklumpen die Milchgänge verstopfen können. Auch Einengen der Brust durch Babytragetücher oder einen einengenden BH, z.B. einen Bügel-BH, kann eine mechanische Behinderung des Milchflusses verursachen. Wenn Milchstau immer und immer wieder an derselben Stelle auftritt, kann ein Tumor in Erwägung gezogen werden. In solchen Fällen sollte man sich von einem Frauenarzt untersuchen lassen. In der Regel handelt es sich um gutartige Veränderungen der Brust.
  2. Milchstau kann auch durch eine ungenügende Entleerung der Brust durch das Kind verursacht werden, wenn das Kind vorzeitig von der Brust genommen wird, oder eine ungewöhnlich große Pause zwischen den Stillmahlzeiten besteht. Das Kind kann auch von sich aus plötzlich weniger oder gar nicht mehr trinken wollen, z.B. bei einem Stillstreik.
  3. Milchstau kann auch durch eine Beeinträchtigung des Milchspendereflexes entstehen, z.B. durch Stress, Erschöpfung, Rauchen oder Alkoholkonsum der Mutter.

fertiger QuarkwickelZur Therapie des Milchstaus soll die Brust regelmäßig entleert werden. Häufig verbessert sich die Situation ganz von alleine, wenn das Baby weiterhin häufig (z.B. alle 1-3 Stunden) gestillt wird. Zusätzlich kann die Milch manuell oder mithilfe einer Milchpumpe entleert werden. Es wird auch empfohlen, beim Stillen mit der betroffenen Brust anzufangen, um diese Brust besonders effektiv zu leeren. Um die effektive Entleerung weiter zu fördern, sollte das Baby beim Stillen so angelegt werden, dass sein Kinn zur betroffenen Stelle zeigt. In diesem Bereich ist der Sog am stärksten. Zur Schmerzlinderung darf die stillende Mutter Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen, dabei kann sie weiterstillen (Fragen Sie Ihre Ärztin, Apothekerin, Hebamme oder Laktationsberaterin).

Über diese allgemeinen Maßnahmen hinaus gibt es noch eine Reihe von Methoden, die bei einem Milchstau häufig empfohlen werden.

  • Zur Vorbeugung von Milchstau wird gelegentlich empfohlen, die Brust täglich zu massieren, eventuell mit Stillöl. Auch bei Auftreten eines Milchstaus wird eine Brustmassage oft empfohlen z.B. mit der Marmet- oder der Plata-Rueda-Technik.
  • 15-20 min vor dem Stillen kann an der betroffenen Stelle Wärme angewendet werden z.B. durch eine warme Dusche, Kompresse oder Rotlicht (nicht zu heiß!), um den Milchfluss zu fördern.
  • Beim Stillen in Vierfüßlerstand unterstützt die Schwerkraft den Milchfluss.
  • Vor und während des Stillens kann man die betroffene Stelle sanft massieren, indem man mit dem Daumen oder den Fingern die Milch Richtung Brustwarze schiebt. Man kann auch versuchen, in der Dusche die eingeseifte Brust hinter der harten Stelle Richtung Brustwarze zu massieren und die Milch anschließend unter der warmen Dusche zu leeren.
  • Nach dem Stillen bzw. der Entleerung von Milch werden Kälteanwendungen empfohlen: Quarkwickel sowie kalte Umschläge sollen sich bewährt haben. Die Kälteanwendung sollte etwa 20-30 Minuten dauern. Hierzu eignen sich besonders gut fertige Kühlkompressen für die Brust (z.B. von Ardo oder Mamivac) oder gebrauchsfertige Quarkpackungen (wiederverwendbar, lange haltbar, auch ohne Kühlen). Auch ausgewalzte Kohlblätter können zwischen den Stillmahlzeiten zum Einsatz kommen.
  • Falls der Ausgang eines Milchgangs an der Brustwarze durch ein zugewachsenes Hautbläschen oder einen Fettpfropf verstopft wird, kann der Milchgang z.B. unter der warmen Dusche durch Reiben oder manuelles Entfernen wieder eröffnet werden (siehe weiße Bläschen auf der Brustwarze).
  • Zur Unterstützung des Milchspendereflexes konnte vom Arzt früher Oxytozin-Nasenspray verschrieben werden. Seit 2008 ist dies aufgrund von fehlenden Untersuchungen zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Oxytozin-Sprays nicht mehr möglich.
  • Bei Müttern, die zur Bildung von Fettpfröpfchen neigen, kann es möglicherweise helfen, wenn sie auf die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren durch die Nahrung achten und zusätzlich täglich einen Esslöffel Lezithin (Lecithin) nehmen.
  • Auch Ultraschall wurde im Ausland hilfreich gefunden. In Deutschland ist eine derartige Behandlung jedoch nicht üblich und es besteht Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Hier wird eine Massage der Brust manuell durchgeführt.

 

Quellen:

  • S3-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit 2013.
  • Scheele M: Stillen bei Erkrankung der Mutter aus frauenärztlicher Sicht. In Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
  • Kroth C: Stillen und Stillberatung. Ullstein Medical 1998
  • Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. 5. Auflage, 1999, Mosby and 6. Auflage, 2005, Elsevier Mosby
  • Riordan J und Auerbach KG: Breastfeeding and Human Lactation, 2. Auflage, 1999; Jones and Bartlett Publishers
  • American Academy of Pediatrics: New mother’s guide to breastfeeding. Bantam books, 2002

 


Weitere Online-Publikationen zum Thema:


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017. Letzte Korrektur: Januar 2017.