Die Bedeutung des direkten Hautkontakts

Mutter und Neugeborenes in direktem Hautkontakt

Mutter und Neugeborenes in direktem Hautkontakt (© Tyler Olson)

Das so genannte „Känguruhen“, oder direkter Hautkontakt unter der Bekleidung der Eltern ist ursprünglich in einem Krankenhaus in Bogota (Kolumbien) entstanden, weil dort aufgrund mangelnder finanzieller Mittel Inkubatoren für Frühgeborene fehlten. In seiner Notsituation hat das Personal die Frühgeborenen an die Haut der Mütter gelegt, um ihre Überlebenschancen auf diese Weise zu erhöhen. Die positiven Ergebnisse des Känguruhen waren überraschend.

Der direkte Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem hat zahlreiche positive Auswirkungen:

  • Körpertemperatur, Blutzuckerwerte, Atmung und Herzschlag passen sich beim Neugeborenen schneller ans Leben außerhalb des Mutterleibs an.
  • Das Baby ist weniger gestresst, schreit kaum und schläft besser.
  • Das Baby hat ungehinderten Zugang zur Brust. Es kann die Brustwarze mithilfe der Duftstoffe, die die Montgomery-Drüsen absondern, eigenständig suchen und andocken. Der Duft der Brustwarzen stimuliert das Stillen beim Baby, das dadurch schneller zunimmt und die Milchbildung anregt.
  • Der Prozess der Milchbildung wird durch die Hormone, die beim direkten Hautkontakt ausgeschüttet werden, beschleunigt. Auch der stabilere körperliche Zustand des Babys, der durch den Hautkontakt gefördert wird, trägt dazu bei, dass das Baby an der Brust effektiver andocken und saugen kann.
  • Gesunde Bakterien von der Hautflora der Mutter besiedeln die Babyhaut und schützen sie auf diese Weise vor krankheitserregenden Keimen.
  • Das Baby zeigt weniger starke Schmerzreaktionen bei schmerzvollen medizinischen Interventionen wie Blutentnahme.
  • Auch die Mutter fühlt sich wohler und neigt weniger zur Wochenbettdepression.
  • Die Bindung zwischen Eltern und Kind wird gefördert.
  • Die Mutter kann auf die Signale des Babys unmittelbar reagieren und fühlt sich kompetenter in seiner Versorgung.
Bonding-Top mit Baby 1

Hautkontakt mithilfe von Tragetüchern (© Rebdesign)

Es verwundert daher nicht, dass viel direkter Hautkontakt die Häufigkeit und die Dauer des ausschließlichen Stillens um ein mehrfaches ansteigen lässt. Idealerweise werden Mutter und Baby direkt nach der Geburt in direkten Hautkontakt miteinander gebracht und verweilen mindestens eine Stunde so. Auch nach einem Kaiserschnitt ist dies häufig möglich. Das Känguruen wird am besten auch im Wochenbett für mehrere Stunden am Tag fortgesetzt. Es ist sowohl für Frühgeborene als auch für gesunde Neugeborene sinnvoll. Das intensive Känguruen lässt sich mit Tragetüchern gut unterstützen (siehe den Artikel Mit Tragetüchern die Milchbildung fördern).

Quelle:

  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learnings, 2015, 5. Aufl. S. 228-232.
  • Walker M: Breastfeeding management for the clinician. Using the evidence. Jones and Bartlett Publishers. 2014, 3. Aufl. S. 84-85.

 


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.