Stillen bei besonderen Brustwarzenformen wie Flachwarzen, Schlupfwarzen oder Hohlwarzen

untypische Brustwarzenform

Frauen mit besonderen Brustwarzenformen brauchen beim Anlegen professionelle Unterstützung und viel Ausdauer

Jeder Mensch ist anders gebaut: auch in Bezug auf die Brustwarzenform kommen verschiedene natürliche Varianten vor. Etwa jede dritte Frau hat eine sog. Flach- oder Schlupfwarze, bei der die Brustwarze flach oder eingestülpt ist. Eine Schlupfwarze lässt sich durch sanften Druck auf den Warzenhof zwischen Daumen und Zeigefinger herausdrücken. Die Brustwarzenform „bessert“ sich häufig im Laufe der Schwangerschaft und der Stillzeit und steht mit jedem gestillten Kind weiter hervor. Nur 1% der Frauen hat eine Hohlwarze, bei der eine eigentliche Brustwarze fehlt. Der Warzenvorhof hat eine zentrale Vertiefung mit einem kleinen Randwall. Bei dem Druck zwischen Daumen und Zeigefinger zieht sich die Brustwarze noch mehr nach innen. Eine Hohlwarze geht manchmal mit einer geringeren Anzahl von Milchgängen einher, die zu kurz sind und die Brustwarze ins umgebende Gewebe nach innen ziehen.

⇒ Auch Frauen mit besonderen Brustwarzenformen können ihr Kind in der Regel voll stillen, wenn sie eine professionelle Unterstützung erhalten.

Deshalb ist es in solchen Fällen besonders wichtig, dass diese Frauen rechtzeitig, idealerweise bereits während der Schwangerschaft, kompetente Hilfe organisieren. In diesen Situationen können Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC in Eins-zu-eins-Beratungen am effektivsten helfen (siehe auch unser IBCLC-Verzeichnis).

Die mögliche Problematik besteht darin, dass das Kind die Brustwarze eventuell nicht ausreichend erfassen und deshalb nicht an ihr saugen kann. Daher müssen diese Frauen die für sie richtige Anlegetechnik erlernen. Wenn sich das Baby in einer guten Stillposition befindet und richtig angelegt ist, verursachen besondere Brustwarzenformen keine Stillprobleme. Frauen mit besonderen Brustwarzen sollten ihr Baby sehr häufig und frühzeitig nach der Geburt anlegen, damit ihre Babys das richtige Saugen an der Brust vor dem Milcheinschuss gut kennenlernen, solange die Brüste noch weich sind. Denn durch die Brustdrüsenschwellung ist das Saugen an der prallen Brust bereits schwieriger.

Bei Kindern von Müttern mit den genannten Brustwarzenformen ist es besonders wichtig, keine andere Saugmöglichkeit als die Mutterbrust zur Verfügung zu stellen, vor allem in den ersten 4-6 Wochen. Durch andere Saugmöglichkeiten erfährt das Kind nämlich eine Saugstimulation, die ihm die Mutterbrust nicht bieten kann, sodass es diese möglicherweise verweigert. Wenn Stillen an der Brust auf Anhieb nicht klappt, kann Milch abgepumpt werden und dem Baby mittels alternativer Fütterungstechniken gegeben werden, zum Beispiel mithilfe eines Bechers.

⇒ Es sollte auf die Verwendung von Schnullern und Saugflaschen möglichst verzichtet werden.

Frau mit besonderen Brustwarzenformen

Diese Frau hat an der linken Brust eine Hohlwarze, an der rechten eine hervorstehende Brustwarze. Manchmal bevorzugen Babys die Brust mit der hervorstehenden Brustwarze.

Unter Fachleuten ist es sehr umstritten, ob eine Vorbereitung besonderer Brustwarzenformern während der Schwangerschaft sinnvoll ist. Wissenschaftlich konnte bisher nicht belegt werden, dass Brustwarzenformer oder die Niplette etwas bringen. Das Baby saugt nämlich nicht an der Brustwarze, sondern erfasst Brustwarze und einen Mund voll Brust. Manchmal kann es hilfreich sein, die Brustwarze direkt vor dem Stillen mithilfe einer Milchpumpe herauszuziehen.

Stillhütchen können, wenn effektives Stillen anders nicht möglich ist, kurzfristig eingesetzt werden, aber sie sollten die letzte Option darstellen. Auch hierzu ist professionelle Anleitung notwendig.

Quellen:

  • Mohrbacher N, Stock J: Handbuch für die Stillberatung. La Leche Liga Deutschland 2002, S. 488-495.
  • Schele M: Stillen bei Erkrankungen der Mutter aus frauenärztlicher Sicht. In: Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.

 


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.