Buchempfehlungen
Gute und schlechte Stillratgeber
Es ist eine große Anzahl verschiedener Stillratgeber im Umlauf, viele
davon sehr hilfreich. Am wichtigsten ist es, "Infobroschüren" der Säuglingsnahrungsindustrie als Werbung zu identifizieren. Sie werden Schwangeren und jungen Müttern oft als Willkommensgeschenk bei Frauenärzten und in Entbindungskliniken überreicht. Sie sind in der Regel aufwendig und ansprechend gestaltet, bebildert mit schönen und glücklichen Müttern und Babys. Sie geben sich als Stillratgeber aus und enthalten häufig tatsächlich einige brauchbare Tipps mit dem Ziel, das Vertrauen der Mütter zu wecken. Doch sie implizieren, dass Stillen problematisch und frühes Abstillen normal sei, und dass Säuglingsmilch ein gleichwertiger Ersatz für Muttermilch sei. Sie setzen bei den Leserinnen dadurch die Hemmschwelle herab, bei Stillproblemen zur Flasche zu greifen. Wenn Sie solche Broschüren bekommen, sollten Sie sie gleich wegwerfen und sich am besten bei dem Frauenarzt oder der Entbindungsklinik beschweren, da die Verteilung solcher Broschüren den internationalen Code für die Vermarktung von Muttermilchersatznahrung verletzt. Stattdessen können Sie z.B. die Stillempfehlungen der Nationalen Stillkommission verlangen, die idealerweise während der Schwangerenvorsorge bei jeder Frau in den Mutterpass gelegt werden sollte.
Empfehlenswerte Stillbücher
Zum Glück gibt es Stillratgeber, die mit ihrer Kompetenz und Aktualität hervorstechen. Hier sollen einige Beispiele genannt werden.
- Broschüre der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens
Die schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens koordiniert die Auszeichnung
und die Evaluierung stillfreundlicher Krankenhäuser in der Schweiz, überwacht die
Werbung für Muttermilchersatznahrung und setzt sich dafür ein, dass auch außerhalb
der Krankenhäuser stillfreundliche Voraussetzungen geschaffen werden, wie z.B. am
Arbeitsplatz. Ein wichtiger Teil ihrer Öffentlichkeitsarbeit ist die Herausgabe einer
Stillbroschüre für werdende und junge Mütter. Die Broschüre enthält die wichtigsten
Informationen, die für den Erfolg des Stillens notwendig sind. Man kann sie im Internet
herunterladen
oder bei der Stiftung bestellen.
Dora Schweitzer: Stillen
Das sehr beeindruckende Buch der Stillberaterin Dora Schweitzer fasst alle wesentlichen Informationen, die werdende und frische Mütter für ein gelingendes Stillmanagement brauchen, gut gegliedert, anschaulich und leicht verständlich zusammen. Eine besondere Aktualität wird dem Buch durch die zahlreichen Erfahrungsberichte von Müttern verliehen, die die Autorin während ihrer jahrzehntelangen Stillberatungstätigkeit akribisch gesammelt hat. Diese Erfahrungberichte spiegeln die Situation, in der sich die frischen Mütter von Heute befinden, wunderbar wider. Viele Leserinnen werden ihre eigene Situation wiedererkennen und hieraus Kraft und Mut schöpfen.
Es gibt ein Unterkapitel zu homöopathischen Mitteln bei Stillproblemen und auch sonst werden Homöopathika immer wieder positiv erwähnt. Frauen, die Homöopathika befürworten, werden diese Infos hilfreich finden. Aber auch diejenigen, die Homöopathie für Humbug halten, können versichert sein, dass die restlichen Informationen fast ausnahmslos dem heute gültigen Stillwissen entsprechen.
Besonders hilfreich fand ich das ausführliche Kapitel für werdende Mütter. Es wäre wünschenwert, dass möglichst viele Frauen schon während der Schwangerschaft dieses Buch in die Hände bekommen, damit Stillprobleme gar nicht erst aufkommen.
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Marta Guoth-Gumberger / Elizabeth Hormann: Stillen. So versorgen Sie Ihr Baby rundum gut.
Dieser Stillratgeber vom Gräfe und Unzer (GU) -Verlag ist in den meisten Buchhandlungen erhältlich.
Die alte Ausgabe des Buches wurde vielfach als das beste Stillbuch in
Deutschland gepriesen. Auf Wunsch des Verlages wurde die Neuauflage stark komprimiert. Die
Autorinnen haben diese Herausforderung gemeistert, indem fast jeder Satz eine wichtige Botschaft
enthält. Durch die Kürze ist das Buch sehr gut geeignet als eine erste Einführung für Schwangere
und frisch gebackene Mütter. Es räumt mit Irrglauben und Vorurteilen auf und enthält neueste
wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Stillbeginn und die ersten Tage sind hervorragend beschrieben
und stellen eine echte Hilfe dar. Am besten sollte man das Buch zur Geburt mit ins Krankenhaus nehmen.
Dieser Stillratgeber bietet außerdem eine Orientierung, mit welchen häufigen Stillproblemen eine junge
Mutter rechnen kann und schildert Lösungsansätze. Für besondere Fälle (Frühgeborene, Intensivstation,
Erkrankung von Mutter oder Kind, Babys mit Behinderungen, Relaktation, Adoptivstillen, Babys mit einer
Spalte) empfehlen die Autorinnen die Beschaffung der alten Ausgabe (z.B. über eBay).
- Bücher der La Leche Liga
Die Stillgruppen der La Leche Liga verleihen sehr hilfreiche Stillratgeber. Aber auch wer keine La Leche
Liga Stillgruppe in der Nähe hat, kann die Bücher
bei der LLL bestellen. Die LLL hat spezielle Infoblätter
über den Stillbeginn, funktionierende Stilltechniken, dem Ausstreichen von Muttermilch und verschiedene
Stillprobleme. Leider sind diese Infoblätter allerdings nicht mehr immer auf dem neuesten Stand. Die LLL hat auch Bücher für besondere Stillsituationen, wie Stillen von Frühgeborenen oder
eines Babys mit Down-Syndrom, Stillen eines Adoptivkindes und Relaktation.
Bei der LLL gibt es zwei allgemeine Stillbücher für Mütter: "STILLEN -einfach nur stillen", welches die Erfahrung
zahlreicher stillender Mütter wiedergibt und das "Handbuch für die stillende Mutter", welches als ein umfassendes
Nachschlagwerk für die gesamte Stillzeit gedacht ist. Es ist sehr empfehlenswert, diese Bücher zu besorgen, da
sie für die Stillzeit eine große Unterstützung darstellen. Die Lösungswege für besondere Stillsituationen, wie
Relakation, Adoptivstillen etc. sind im "Handbuch für die stillende Mutter" möglicherweise zu einfach und
unrealistisch beschrieben. Daher braucht eine Mutter nicht an sich selbst zu zweifeln, wenn sie anhand
dieses Buches solche Situationen nicht meistern kann.
Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2005, 2010; Für die Nutzung der Titelbilder wurde die Erlaubnis der Verlage bzw. der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens eingeholt.