Stillen eines älteren Säuglings

Ab dem 7. Lebensmonat meiner Tochter wurde es immer mühsamer, mich gegen meine stillfeindliche Umgebung zu behaupten. Ich wurde vom Kinderarzt über Oma, Bekannte und Passanten (ich stille auch öffentlich, da ich eigentlich stolz drauf bin) mit einer Flut von Ratschlägen und Entsetzensschreien überhäuft, da ich mein Kind "so groß" noch stille. Als mein Kind nach einem Sturz mit 7 Monaten zur Beobachtung ins Krankenhaus musste, wurde ihm - trotz meines mehrfach wiederholten Hinweises, dass es gestillt wird - ständig Babybrei serviert. Die Schwestern redeten mir fortan ins Gewissen, mein Kind bräuchte dringend noch etwas anderes, als Muttermilch.

Auf eine Frau im Zug aus der dominikanischen Republik, die Lobeshymnen trällerte, dass eine deutsche Frau mal so vernünftig ist, ein 9 Monate altes Kind noch zu stillen, kommen 100 andere, die einen dafür verurteilen oder zumindest belächeln.

Ich denke, dass vielen Frauen einfach Wissen und Selbstbewusstsein fehlt, sich von der Norm abzuwenden und nach 6 Monaten weiterzustillen. Das Gerücht, dass Muttermilch nach 6 Monaten ihren Nährwert verloren hätte und dass das Kind dringend andere Nahrung bräuchte, hält sich sehr hartnäckig.

Ich habe mich davon nicht beeindrucken lassen. Ich habe auf das Stillen bestanden, da ich alles andere irgendwann nachholen kann; Die Gelegenheit, meine Tochter zu stillen, habe ich nur einmal.

Edda Oulrhazi
Februar 2006