Verhütung und Sexualität

Die Laktationsamenorrhö

Häufiges Anlegen in der ersten Zeit nach der Geburt verhindert den Eisprung. Somit bleibt die Menstruation aus und eine erneute Schwangerschaft ist die meiste Zeit ausgeschlossen. Dieses Phänomen (genannt Laktationsamenorrhö) kann je nach Stillintensität und -dauer auch 1-2 Jahre anhalten. Dies ist in Deutschland jedoch äußerst selten, da ältere Säuglinge und Kleinkinder kaum rund um die Uhr nach Bedarf gestillt werden. Wenn die Stillintensität auch nur vorübergehend abnimmt, kehrt die Menstruation und somit die Fruchtbarkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück. So kann es z.B. passieren, dass die Menstruation bei einer vollstillenden Frau bereits im 3. Monat nach der Geburt zurückkehrt, weil sie in der ersten Woche aus Krankheitsgründen von ihrem Baby getrennt war und zu selten stillte oder abpumpte. Auch wenn das Baby nachts regelmäßig durchschläft, kann die Menstruation trotz Vollstillen schon relativ bald zurückkehren.

Dass eine erneute Schwangerschaft trotz Ausbleiben der Menstruation nicht 100-prozentig ausgeschlossen ist, hängt damit zusammen, dass ein erster Eisprung einmalig bereits vor der ersten Menstruation stattfinden kann. Die ersten Zyklen nach der Laktationsamenorrhö sind in der Regel jedoch weniger fruchtbar, da die Hormone noch in "Ungleichgewicht" sind. Erst etwa ab dem 3. Zyklus kann man von einer "normalen" Regel sprechen. Anschließend kann man davon ausgehen, dass die Frau normal fruchtbar ist. Allerdings gibt es einzelne Berichte, nach denen intensives Weiterstillen auch nach der Rückkehr der Menstruation eine erwünschte Schwangerschaft verhinderte und die Befruchtung erst nach dem Abstillen erfolgen konnte.

Verhütung während der Stillzeit

Obwohl Stillen weltweit mehr zur Geburtenkontrolle beiträgt, als alle anderen Methoden der Empfängnisverhütung zusammen, ist eine bewusste Verhütung in der Stillzeit - und zwar auch während der Laktationsamenorrhö - erforderlich, wenn eine erneute Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden soll.

Folgende Methoden kommen dabei infrage:

Sexuelles Verlangen der stillenden Mutter

Sexuelles Desinteresse der Mutter in der ersten Zeit nach der Geburt ist hauptsächlich auf Erschöpfung, Zeitmangel und Verletzungen durch die Geburt zurückzuführen. Außerdem steht das Baby im Zentrum der Aufmerksamkeit und Zuneigung.

Verschiedenen Studien zufolge fangen stillende Mütter zu einer vergleichbaren Zeit nach der Geburt mit der sexuellen Aktivität an und haben gleich häufig Sex wie nicht stillende Mütter.

Stillen wirkt sich auf das sexuelle Verlangen der Frau jedoch unterschiedlich aus. Stillende Frauen haben häufig eine positivere Einstellung zu ihrem Körper und zur Sexualität als nicht stillende. Außerdem kann sich die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Schwangerschaft während der Laktationsamenorrhö gering ist, ebenfalls positiv auf eine unbeschwerte Sexualität auswirken.

Manche Frauen berichten andererseits, dass ihr sexuelles Verlangen während der Laktationsamenorrhö geringer war und erst nach der Rückkehr der Menstruation wiederkehrte. Während der Laktationsamenorrhö ist außerdem die Scheide weniger befeuchtet und elastisch, was bei manchen Frauen dazu führen kann, dass der Verkehr schmerzhaft oder unangenehm ist. In der Stillberatung wird für solche Fälle empfohlen, Gleitmittel zu benutzen. Frauenärzte empfehlen mitunter östrogenhaltige Salben oder Scheidenzäpfchen, die nur lokal angewendet werden und somit die Milchmenge nicht beeinflussen. Wenn die Laktationsamenorrhö vorbei ist, hat das weitere Stillen keinen Einfluss mehr auf die Elastizität und die Befeuchtung der Scheide.

Die stillende Brust im Liebesspiel

Die Brüste können während der Stillzeit ungestört in das Liebesspiel einbezogen werden. Die Wahrscheinlichkeit von Infektionen oder Brustentzündungen erhöht sich dadurch nicht. Manche stillende Frauen finden es jedoch unangenehm, wenn ihre ohnehin strapazierten Brustwarzen stimuliert werden. Die Brustwarzen können während der Stillzeit vorübergehend weniger empfindlich sein.

Es kann vorkommen, dass während des Orgasmus der Milchspendereflex aktiviert wird und Milch aus den Brüsten schießt. Dies ist normal und kein Grund zur Besorgnis. Falls die schießende Milch stören sollte, kann die Mutter vor dem Geschlechtsverkehr das Baby stillen, Milch ausstreichen oder sie kann sanft auf ihre Brustwarzen drücken und so das Schießen der Milch verhindern.

Brustästetik und Stillen

Manche Frauen befürchten, dass ihre Brüste durch das Stillen ästhetisch ruiniert werden. Tatsache ist, dass die meisten Mütter nicht mehr so feste Brüste haben wie in der Pubertät. Dies liegt in der Regel aber nicht am Stillen, sondern am natürlichen Alterungsprozess und den Schwangerschaften. Nichtstillen hilft also nicht, diesen Prozess zu vermeiden. Durch gut stützende BHs kann man dem Ausleiern der Haltebänder jedoch etwas entgegenwirken.

Bei den meisten Müttern nehmen die Brüste noch während der Stillzeit ihre Größe an, die sie vor der Schwangerschaft hatten. Durch das Abstillen werden die Brüste häufig etwas weich und schlaff, aber im Laufe der Monate und Jahre gewinnen sie ihre Festigkeit zurück. Bei manchen Frauen fallen die Brüste nach dem Abstillen zusammen, weil das Fettgewebe, welches durch das Milchdrüsengewebe ersetzt wurde, sich nur langsam wieder regeneriert. Innerhalb von wenigen Jahren gewinnen die Brüste ihr Fettgewebe zurück, wenn keine weiteren Schwangerschaften und Stillzeit folgen. Insbesondere wenn das Abstillen allmählich, über einen längeren Zeitraum erfolgt, kann sich das Fettgewebe parallel zum Abbau des Milchdrüsengewebes regenerieren, so dass große Änderungen im Volumen und der Festigkeit der Brüste ausbleiben. Es gibt hier gewisse individuelle Unterschiede.


Quellen:

Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2003-2008; Letzte Änderung: 4. April 2008
Vervielfältigung und Verbreitung ist entsprechend den Bestimmungen des Copyright-Vermerks gestattet.