Arzneimittel und Stillen

Ärzte lassen stillende Mütter mit der Frage des Weiterstillens oft allein, wenn sie ihnen Medikamente verschreiben. Häufig empfehlen sie sogar, in solchen Fällen abzustillen. Dabei erfordert eine medikamentöse Therapie nur sehr selten eine Stillpause oder sogar Abstillen - Dies erläutert Dr. Christof Schaefer in seinem Beitrag "Arzneimittel und Stillen - verträgt sich das?" im Buch" Stillen und Muttermilchernährung" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2001). Informationen auf dem Beipackzettel oder in der Roten Liste, auf die sich die behandelnden Ärzte berufen, sind zu allgemein gehalten und bieten wenig praktische Entscheidungshilfe. Denn: Zwar gehen bei den meisten Medikamenten Spuren in die Muttermilch über, Symptome beim gestillten Kind sind selten und kaum dramatisch. Bei Antibiotika z.B. wird bei lediglich 10 % der Säuglinge ein dünnerer Stuhlgang beobachtet, die anderen Babys zeigen keine Symptome.

Es lässt sich für fast jede Behandlungsindikation eine Therapie finden, die weiterstillen erlaubt.

Toxische Effekte sind grundsätzlich eher beim jungen Säugling zu bedenken. Außerdem gibt es unter den Säuglingen individuelle (genetisch festgelegte) Unterschiede, die dafür sorgen, dass manche Säuglinge Symptome zeigen und andere nicht.

Das Standardnachschlagwerk für Fachleute ist das Buch "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von C. Schaefer, H. Spielmann und K. Vetter (Urban & Fischer Verlag, 7. Aufl., 2006). Seit 2008 werden vom Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (Berlin) auch im Internet Informationen für Fachkreise zur Verfügung gestellt (http://www.embryotox.de). Über Medikamente in der Stillzeit informieren auch die Stillorganisationen (siehe: Kontaktadressen in der Stillzeit). Die Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen hat einen Arbeitskreis "Medikamente in der Muttermilch" eingerichtet, bei dem über E-Mail, Fax und Telefon Fragen gestellt werden können. In komplizierten Fällen können sich Fachleute (Ärzte, Apotheker, Hebammen, Stillberaterinnen) auch direkt an die Embryonaltoxikologie in Berlin wenden.


Generelle Empfehlungen zur Medikamenteneinnahme während der Stillzeit


Medikamente bei alltäglichen Erkrankungen

Quellen:


Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2003-2008; Letzte Änderung: 26. November 2008
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