Es gibt verschiedene Methoden, Milch von Hand auszustreichen oder abzupumpen. Eigentlich sollte jede stillende Mutter wissen, wie sie Milch aus der Brust von Hand ausstreicht, um sich bei Milchstau, Brustentzündung, wunden Brustwarzen oder bei einer Brustverweigerung helfen zu können. Man lernt das Ausstreichen idealerweise persönlich von einer Stillberaterin, Freundin oder Hebamme. Anhand von Beschreibungen ist das Erlernen nicht ganz einfach, wenn auch nicht aussichtslos. Bei Stillorganisationen sind Videos und Broschüren mit Ausstreich-Techniken erhältlich. Die Technik der sog. "Marmet-Massage" ist in einem La Leche Liga Informationsblatt beschrieben. Im Internet finden sich Beschreibungen bei www.kellymom.com.
Der große Vorteil des Handausstreichens ist, dass es - im Gegensatz zu Milchpumpen - überall und jederzeit verfügbar ist. Es muss nichts zusammen- bzw. auseinandergeschraubt und anschließend gereinigt werden. Das Erlernen des Handaustreichens braucht allerdings eine gewisse Zeit und Übung. Um eine komplette Stillmahlzeit auszustreichen, sind 20-30 Minuten notwendig.
Auch die in Drogerien und Apotheken erhältliche Handpumpen sind sehr praktisch, wenn man gelegentlich Milch abpumpen will. Die wiederholten Pumpbewegungen können für die Hände allerdings etwas anstrengend sein. Für berufstätige Mütter, oder wenn das Kind wegen einer Erkrankung längere Zeit von der Mutter getrennt ist, sind vollautomatische elektrische Milchpumpen, bei denen beide Brüste gleichzeitig abgepumpt werden, die beste Wahl. Diese kann man in spezialisierten Apotheken, Sanitätsgeschäften oder bei Stillorganisationen (siehe Kontaktadressen für die Stillzeit) leihen oder kaufen. Bei einer effektiven elektrischen Pumpe mit Doppelpumpset braucht die Mutter nur 10-15 Minuten, um eine komplette Stillmahlzeit zu erhalten.
Es gibt große Unterschiede zwischen den Milchpumpen. Schlechte Milchpumpen verursachen Schmerzen und beschädigen die Brustwarze, das Abpumpen ist langwierig und wenig effektiv. Aber es gibt ausgezeichnete Pumpen, die schonend und effektiv sind. Es ist daher sinnvoll, sich bei Stillorganisationen oder Müttern mit Erfahrung beraten zu lassen. Außerdem sind Brust und Brustwarzen bei verschiedenen Frauen unterschiedlich groß. Ein zu kleiner Trichter kann Wundreibung der Brustwarze verursachen, ein zu großer ist nicht effektiv. Daher kann es notwendig sein, zu passenden Trichtern zu wechseln.
Es kann Panik auslösen, wenn man bei seinen Bemühungen, Milch abzupumpen oder auszustreichen, kaum Milch erhält... Die meisten Probleme beim Entleeren der Brust ergeben sich aus dem Ausbleiben des Milchspendereflexes und nicht aus einer geringen Milchproduktion. Die verschiedenen Milchpumpen unterscheiden sich bzgl. ihrer Effektivität, den Milchspendereflex auszulösen. Daher ist es wichtig, eine geeignete Milchpumpe zu wählen. Weiterhin muss das Abpumpen bzw. Ausstreichen geübt werden. Die ersten Pumpversuche sollten als Übung betrachtet werden.
Während des Pumpens können Sie den Milchspendereflex immer wieder auslösen, wenn Sie nach 5-7 Minuten das Abpumpen für eine Brustmassage unterbrechen oder wenn Sie auf die andere Brust wechseln, sobald der Milchfluss nachlässt. Sie können den Milchspendereflex mit einer Brustmassage unterstützen, indem Sie an Ihrer Brust spiralförmig von außen nach innen entlangstreichen oder sternchenförmig von außen nach innen streichen - in der Richtung also, in der sich auch die Milch bewegen soll. Ältere Säuglinge und Kleinkinder wissen instinktiv, wie sie den Milchspendereflex auslösen können - viele Mütter können ein Lied davon singen. Während des Trinkens "massieren" sie die Brüste, spielen mit der Brustwarze der anderen Brust und wechseln mehrfach die Brust, wenn keine Milch mehr kommt.
Folgende Punkte sollten Sie zur Unterstützung des Milchspendereflexes zusätzlich beachten:
Wie oft man pumpt, hängt von der Zielsetzung des Pumpens ab. Wenn ein früh- oder neugeborenes Baby ausschließlich von abgepumpter Muttermilch ernährt werden soll, ist 8-12-maliges Pumpen an einem Tag erforderlich, also alle 2-3 Stunden und einmal während der Nacht. Wenn sich die Milchproduktion nach den ersten Wochen stabilisiert hatte, ist 6-maliges Pumpen in der Regel ausreichend. Wenn die Milchproduktion nachläßt, sollte wieder häufiger (nicht länger!) gepumpt werden. Für die Aufrechterhaltung der Milchproduktion durch Pumpen alleine ist eine Pumpzeit von mind. 100 Minuten täglich nötig.
Bei berufstätigen Müttern mit einer normalen Arbeitszeit reicht 2-3-maliges Pumpen in der Regel aus.
Die folgenden Angaben beziehen sich auf gesunde Säuglinge, die die Milch ihrer eigenen Mutter erhalten. Wenn Muttermilch gespendet oder einem kranken oder frühgeborenem Kind gegeben wird, sollten die Richtlinien des Krankenhauses befolgt werden.
Eine Voraussetzung für die hygienische Aufbewahrung von Muttermilch ist Händewaschen kurz vorm Abpumpen und Einfüllen der Milch und die Verwendung sauberer Aufbewahrungsbehälter. Am besten sind für diesen Zweck entworfene verschließbare Glasgefäße. Trübes Hartplastik (Polypropylen, PP) ist nach neuesten Erkenntnissen die zweite Wahl. Klares Hartplastik aus Polycarbonat (PC) ist in letzter Zeit wegen des enthaltenen Bisphenol A in Kritik geraten. Weiterhin sind Einmalbeutel für Muttermilch aus der Apotheke oder Drogerie erhältlich. Die Glas- und Plastikgefäße sollten gründlich mit warmem Spülwasser gereinigt und an der Luft getrocknet werden. Die Behälter sollten mit Datum beschriftet werden, um die Milch in der Reihenfolge zu verbrauchen, in der sie abgepumpt wurde.
Grundsätzlich gilt, dass Muttermilch so frisch wie möglich verfüttert werden soll. Wenn sie innerhalb von 3 Tagen nach dem Abpumpen verbraucht wird, wird sie am besten im Kühlschrank zwischen 0-4°C aufbewahrt. Denn beim Einfrieren gehen gewisse Eigenschaften der Muttermilch verloren. Bei einer längeren Aufbewahrung muss die Milch eingefroren werden.
Gelagerte Muttermilch trennt sich im Gegensatz zu homogenisierter Kuhmilch in Sahne, die oben schwimmt, und die untere wässrige Phase, die bläulich - bisweilen gelblich oder sogar bräunlich - aussieht. Vor dem Trinken sollten die Phasen durch vorsichtiges Schütteln miteinander vermischt werden.
Muttermilch sollte schonend aufgetaut werden. Entweder sehr langsam im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur. Wenn es schnell gehen soll, kann sie unter fließend kaltem Wasser und allmählich wärmerem Wasser (bei maximal 37 °C) aufgetaut werden. Muttermilch sollte nicht in der Mikrowelle erhitzt werden, da Bestandteile der Milch zerstört werden. Außerdem kann die ungleichmäßige Erwärmung Verbrennungen beim Kind verursachen. Einmal aufgetaute Muttermilch kann im Kühlschrank 24 Stunden gekühlt werden. Sie sollte jedoch nicht wieder eingefroren werden.
Muttermilch muss nicht unbedingt bei 37°C gefüttert werden. Raumtemperatur reicht aus.
Bitte holen Sie weitere Informationen und persönliche Unterstützung bei Stillberaterinnen ein (siehe Kontaktadressen für die Stillzeit).
Quellen:
Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2005, 2011; letzte Änderung: 10. Nov. 2011
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