Stillen und Zahngesundheit

Zahnärztliche Fachgesellschaften warnen weltweit vor häufigem Stillen nach dem Durchbruch der Zähne und empfehlen, dass abends nach dem Zähneputzen nicht mehr gestillt wird. Da Muttermilch sehr zuckerreich ist, wird sie als kariesfördernd eingestuft. Die Gefahr der Kariesentstehung wird insbesondere nachts als sehr hoch angesehen, da vermutet wird, dass nachts Muttermilch lange im Kontakt mit den Zähnen verbleibt.

Andererseits empfehlen die WHO und weitere Fachgesellschaften, Kinder mindestens bis zu ihrem 2. Geburtstag und darüber hinaus nach Bedarf zu stillen – auch nachts und ohne Beschränkung der Häufigkeit. Diese widersprüchlichen Empfehlungen angesehener Organisationen sorgen für viel Verwirrung. Im Übrigen fehlen bislang eindeutige Beweise aus hochwertigen Studien, dass Langzeitstillen die Kariesentwicklung fördert; Die Datenlage ist widersprüchlich. Daher empfehlen die Autoren einer systematischen Übersichtsarbeit (Valaitis et al., 2000), dass neben einer gründlichen Zahnhygiene Stillen nach Bedarf beibehalten wird. Einer aktuellen Studie von Kramer und Mitarbeitern zufolge (Kramer et al., 2007) hatte längeres Stillen weder eine positive noch eine negative Wirkung auf die Entstehung von Karies.

Karies ist eine Erkrankung, die durch mehrere Faktoren verursacht wird. Häufiger Verzehr zuckerhaltiger Nahrungsmittel, ein dicker Zahnbelag und eine schlechte Zahnhygiene der Mutter und weiterer Bezugspersonen sind die wichtigsten. Folgende Empfehlungen sollen helfen, Stillen nach Bedarf mit gesunden Milchzähnen zu verknüpfen:

Wenn diese Punkte eingehalten werden können, hat Ihr Kind auch bei Langzeitstillen nach Bedarf sehr gute Chancen, gesunde Milchzähne zu behalten. Wenn Ihr Kind jedoch erste Zeichen von Karies zeigt oder bestimmte Punkte nicht realisiert werden können, ist es möglicherweise sinnvoller, nach dem Durchbruch der Zähne auf nächtliches und sehr häufiges Stillen zu verzichten.

Da steckt Zucker drin

In den meisten für Kinder industriell hergestellten Produkten steckt viel Zucker. Rohr- oder Rübenzucker (Saccharose), Fruchtzucker (Fruktose), Malzzucker (Maltose), Milchzucker (Laktose), Traubenzucker (Glukose) und Glukosesirup sind verschiedene Zuckersorten, die die Zähne gleichermaßen ruinieren. Auch Bioprodukte können die Zähne kaputtmachen. Die dort statt Kristallzucker verwendeten Gemüse- und Obstextrakte (Malzsirup, Birnendicksaft etc.) bzw. Honig bestehen ebenfalls überwiegend aus Zucker und sind ruinös für die Zähne.

Wenn auf der Packung "Ohne Zusatz von Zucker", "Ohne Kristallzucker" usw. stehen, kann man davon ausgehen, dass eine andere Zuckersorte drin ist, die die Zähne ruiniert. Ganz heimtückisch ist Maltodextrin, das u.a. in Säuglingstees und anderen Kindernahrungsmitteln "ohne Zucker" enthalten ist. Maltodextrin wird im Mund innerhalb von Sekunden zu Zucker abgebaut und führt somit auch zu Karies.

Quellen


Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2005-2009; Letzte Änderung: 12. Juli 2009.
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