Genussmittel in der Stillzeit

Die Gifte des Tabakkonsums wie Nikotin und weitere hochtoxische und krebserregende Substanzen treten rasch in die Muttermilch über. Nikotin erreicht in der Muttermilch eine dreifach höhere Konzentration als im Blut der Mutter. Bei gestillten Säuglingen von starken Raucherinnen werden Unruhe, geringeres Saugvermögen, Koliken, Erbrechen und eine verminderte Gewichtszunahme beobachtet. Außerdem hemmt ein starker Tabakkonsum den Milchspendereflex und reduziert die Milchmenge.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, bis zu welchem Zigarettenkonsum die Gifte in der Muttermilch weniger Schäden anrichten als wenn das Baby keine Muttermilch bekommt. Babys von rauchenden Müttern haben allerdings eine bessere allgemeine Gesundheit, leiden seltener an Atemwegserkrankungen und sterben seltener am plötzlichen Kindstod, wenn sie gestillt werden. Deshalb wird trotz der Belastung der Muttermilch auch Raucherinnen zum Stillen geraten.

Ein wesentlicher und vermeidbarer Teil der gesundheitlichen Schädigungen von Säuglingen kommt durch das Inhalieren des Tabakrauches zustande (Passivrauchen). In Gegenwart des Babys sollten deshalb weder die Mutter noch andere Personen rauchen, und auch die Räume, in denen sich das Kind aufhält, sollten rauchfrei bleiben. Idealerweise sollte nur außerhalb des Hauses oder der Wohnung geraucht werden.

Wenn ein Rauchstopp nicht zu erreichen ist, ist eine Verringerung der gerauchten Zigarettenzahl anzustreben. Außerdem, je später das Kind nach dem Rauchen wieder angelegt wird, umso weniger Giftstoffe kriegt es ab. Die höchste Konzentration von Nikotin in der Muttermilch ist 10 Minuten nach dem Rauchen. Nach 95 Minuten ist die Konzentration nur noch halb so hoch. Deshalb sollte die Mutter unmittelbar nach der Stillmahlzeit rauchen und darauf hoffen, dass das Kind danach für mehrere Stunden nicht an die Brust will.

Rauchentwöhnungsprogramme werden unter anderem von Krankenkassen angeboten. Sie sollen nicht nur die körperliche sondern auch die seelische Abhängigkeit bekämpfen, indem sie die Situationen identifizieren, in denen die Betroffenen nach einer Zigarette greifen. Wenn ein Rauchstopp sonst nicht zu erreichen ist, können für die Entwöhnung niedrigdosierte Nikotin-Pflaster oder -Kaugummis sinnvoll sein. Dann wird das gestillte Baby zumindest den anderen giftigen Produkten des Tabakkonsums nicht ausgesetzt. Allerdings dürfen Nikotin-Pflaster und Kaugummis nicht verwendet werden, wenn die Mutter noch gleichzeitig raucht, weil dann die hohe Konzentration an Nikotin das Baby vergiften kann.

Auch Alkohol geht in die Muttermilch über. Regelmäßiger Alkoholkonsum der stillenden Mutter führt zu Entwicklungsverzögerungen und zu Gesundheitsschäden beim Säugling und macht Abstillen erforderlich. Gelegentlicher und geringer Alkoholgenuss (z.B. 1- bis 2-mal wöchentlich ein Glas Sekt) verursacht keine Schäden. Die Alkoholkonzentration in der Milch ist 30-90 Minuten nach dem Verzehr am höchsten. In den ersten zwei Stunden nach dem Trinken sollte daher nicht gestillt werden. Auch der Alkoholkonsum hemmt den Milchspendereflex und reduziert die Milchmenge.

Kaffe, schwarzer Tee und weitere Getränke mit Koffein wie z.B. Cola sind in geringen Mengen (1-2 Tassen am Tag) unproblematisch. Bei größeren Mengen (ab 6-8 Tassen am Tag) äußern sich die Koffein-Symptome beim gestillten Kind in Hyperaktivität und wenig Schlaf. Auch Kräutertee soll nicht in Übermaß getrunken werden, weil er auch Wirkstoffe enthalten kann, die in größeren Mengen schädlich sind.

Wenn ein Baby mit der Muttermilch und durch Inhalieren Haschisch oder andere Drogen aufnimmt, wird seine Gehirnentwicklung gestört.


Durch Abpumpen und Wegschütten kann man die Muttermilch von den Schadstoffen nicht "reinigen". Deren Konzentration hängt von derjenigen im Blut der Mutter ab. Wenn sie im Blut mit der Zeit geringer wird, verringert sie sich auch in der Milch.


Hotlines und Informationsmaterialien für Abhängige:

Info- und Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
01805 - 31 31 31 (12 Cent pro Minute)
Beratung von Montag bis Freitag 9.00-17.00 Uhr

Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums:
0 62 21 - 42 42 00 (Normaltarif für Ferngespräche)
Beratung von Montag bis Freitag 15.00-19.00

Info- und Beratungstelefon für die Prävention des Plötzlichen Säuglingstodes, für Schwangere und junge Eltern:
0180 - 50 99 555 (12 Cent pro Minute)
Beratung Dienstag bis Donnerstag von 8.00 - 10.00 Uhr und Dienstag von 16.00-18.00 Uhr
Infotext und kostenloser Faxabruf rund um die Uhr

Helpline-Bayern wird rauchfrei!
Telefon 0800 - 141 81 41 (kostenfrei)
Beratung täglich von 14.00 - 18.00 Uhr

Rauchertelefon des Instituts für Raucherberatung und Tabakentwöhnung
Telefon 089 - 68 99 95 11 (Normaltarif für Ferngespräche)
Beratung Montag, Dienstag, Donnerstag von 9.30 - 13.30 Uhr, Mittwoch von 15.30 - 19.30 Uhr

Rauchertelefon des Instituts für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung Erfurt
Telefon 0361 - 645 08 16 (Normaltarif für Ferngespräche)
Beratung von Montag bis Donnerstag von 7.00 - 16.00 Uhr, Freitag 7.00 - 12.00 Uhr.

Beratungsmaterial der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de:
rauchfrei - Der Elternratgeber (I): Ich bekomme ein Baby
rauchfrei - Der Elternratgeber (II): Das Baby ist da

Quellen:


Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2004
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