Familienbett oder nicht?

Über die Frage, wo das Baby schlafen soll, gibt es sowohl unter Fachleuten wie auch unter Eltern sehr kontroverse Meinungen. Es gibt keine Antwort, die aus jeder Hinsicht optimal ist. Letztendlich muss jede Familie für sich entscheiden, wo sie Prioritäten setzt.

Vorteile des gemeinsamen Schlafens (Co-Sleeping)

Organisationen, die sich fürs Stillen engagieren - die La Leche Liga, die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen, professionelle Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC und auch der Verein "Babyfreundliches Krankenhaus" - setzten sich dafür ein, dass Mutter und Kind zusammen schlafen können. Und das ist kein Zufall. Denn zum Stillen nach Bedarf gehört auch, dass das Baby auch nachts so häufig angelegt wird, wie es möchte. Nächtliches Stillen wird allerdings zur Tortur, wenn die Mutter dafür jedes Mal aufstehen muss, um das Kind aus seinem Bettchen zu holen und es nach dem Stillen wieder zurückzubringen, da dadurch sowohl die Mutter als auch das Baby komplett aus dem Schlaf gerissen werden. Wesentlich einfacher ist es, sich im Halbschlaf umzudrehen und dem Kind bei den ersten Unruhezeichen die Brust zu geben und anschließend wieder zusammen einzuschlafen. So müssen weder das Kind noch die Mutter richtig wach werden. Im Idealfall erinnert sich die Mutter am Morgen kaum oder gar nicht mehr an die nächtlichen Mahlzeiten, und sie ist gut erholt. Es liegt also auf der Hand, dass das Zusammenschlafen von Mutter und Kind das Stillen nach Bedarf erleichtert. Mehrere unabhängige Studien haben außerdem gezeigt, dass eine nächtliche Trennung von Mutter und Kind das Risiko für ein frühzeitiges Abstillen erhöht.

Man sollte auch bedenken, dass sich die Aussage, dass Babys im Alter von drei Monaten durchschlafen, auf Stillkinder nicht zutrifft. Bei vollgestillten Babys nimmt die Häufigkeit des nächtlichen Aufwachens innerhalb des ersten halben Jahres in der Regel kaum oder gar nicht ab. Außerdem wollen nach Bedarf gestillte Babys weit über das erste Halbjahr hinaus auch nachts regelmäßig gestillt werden. Daher ist es sinnvoll, sich von vornherein auf ein gemeinsames Schlafen einzurichten.

Risiken des gemeinsamen Schlafens

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöht ist, wenn das Kind im Elternbett schläft. Daher raten verschiedene Fachorganisationen vom Familienbett ab (siehe www.schlafumgebung.de). Dabei wurde es in den meisten der Studien versäumt, die genauen Ursachen für die höhere Sterblichkeit im Elternbett zu untersuchen. So gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Babys durch Familienangehörige (Eltern oder Geschwister) erdrückt werden. Es wird andererseits angenommen, dass junge Mütter (nicht aber Väter) im Schlaf instinktiv auf ihr Baby aufpassen. Soviel scheint bereits festzustehen, dass die erhöhte Sterblichkeit im Elternbett kaum signifikant ist, wenn man alkoholisierte und rauchende Eltern aus den Statistiken ausklammert.

Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren differenziertere Studien durchgeführt werden, um die genauen Bedingungen herauszufinden, die zum Tod der Babys im Elternbett führen. Allerdings kommen diese Studien für die Eltern von heute zu spät.

Die aktuelle Empfehlung der genannten Fachorganisationen ist, dass das Kind im selben Zimmer wie die Eltern, aber im eigenen Bett schläft. Um Stillen mit getrennten Betten zu vereinbaren, wird in Stillkreisen oft empfohlen, ein Kinderbett direkt an der Seite des Elternbetts (ohne trennendes Gitter) zu befestigen. Doch, diese Variante hat im Vergleich zum Familienbett etliche Nachteile: Auch bei diesem sog. "Babybalkon" muss die Mutter vor und nach der Stillmahlzeit halbwegs aufstehen, um das Kind aus dem Bettchen zu holen und es zurückzulegen. Wenn die Mutter es schafft, das Kind noch im Kinderbett zu stillen, liegt das Kind immer auf derselben Körperseite, was theoretisch zur asymmetrischen Entwicklung der Kopfform führen kann. Nichtsdestotrotz ist der Babybalkon für viele Mütter die beste Lösung, weil sie ihr Baby einerseits in ihrer direkten Nähe haben und andererseits in Ruhe schlafen können, ohne dass sie im Halbschlaf ständig auf ihr Baby aufpassen müssen.

Viele der Umstände, die das Risiko des Kindstodes erhöhen, konnten bereits identifiziert werden:

Eltern stellen im gemeinsamen Bett eine Gefahr für das Baby dar, wenn sie

Wenn diese Gefahren durch die Eltern nicht vermieden werden können, sollte das Kind im eigenen Bett, aber noch im gleichen Raum wie die Eltern schlafen.

Folgende Faktoren in der Schlafumgebung gefährden das Kind und sollten beim Zusammenschlafen in einem Bett unbedingt vermieden werden:

Übrigens: Man hört immer wieder die Empfehlung, dass Babys nach der Etablierung der Stillbeziehung (nach dem 1. Monat) mit einem Schnuller einschlafen sollten, um das Risiko für den plötzlichen Kindstod zu verringern. Anhand verschiedener Studien in Europa und den USA wurde nämlich festgestellt, dass die Häufigkeit des plötzlichen Kindstods verringert ist, wenn Säuglinge mit Schnuller einschlafen. Diese Empfehlung ist für gestillte Babys allerdings sehr fragwürdig. Gestillte Säuglinge werden in der Regel in den Schlaf gestillt und saugen mehrfach im Laufe der Nacht, so dass das Risiko des plötzlichen Kindstods auf natürliche Weise reduziert wird.

Empfehlungen für ein sicheres Zusammenschlafen im Elternbett

Das Risiko des gemeinsamen Schlafens kann durch die Vermeidung der oben genannten Umstände verringert werden. Verschiedene Organisationen (Academy of Breastfeeding Medicine, die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen und der Verein "Babyfreundliches Krankenhaus") haben darüber hinaus Vorkehrungen zusammengetragen, die die Sicherheit des Zusammenschlafens im Elternbett erhöhen:

Es muss insbesondere beachtet werden, dass Betten für Erwachsene ein potenzielles Risiko für Säuglinge darstellen, weil sie nicht den allgemeinen Sicherheitsstandards für Säuglinge genügen. Eine sichere Alternative ist eine harte Matratze in einigem Abstand zur Wand.

Verursacht gemeinsames Schlafen Schlafstörungen?

Immer wieder hört man, dass Kinder, die mit den Eltern in einem Zimmer schlafen, häufig aufwachen. Videoaufnahmen zeigten jedoch, dass diejenigen Kinder, die in ihrem eigenen Zimmer schlafen, genauso häufig aufwachen. Der einzige Unterschied liegt darin, dass die Eltern weniger gestört werden, wenn die Kinder nicht bei ihnen sind und gelernt haben, selbstständig wieder einzuschlafen.

Das nächtliche Aufwachen von Babys und Kleinkindern ist keine Krankheit sondern ein ganz normales Verhalten.

Durch Nähe, Körperkontakt und Stillen schlafen die Kleinen meist schnell wieder ein. Dennoch kommen viele Eltern mit dieser nächtlichen Ruhestörung nicht klar. Kinderärzte und Psychiater werden häufig von geplagten Eltern aufgesucht, die nach medikamentöser Behandlung dieser "Schlafstörung" verlangen. Ein getrenntes Schlafzimmer mit "Einschlaftraining" ab dem 2. Halbjahr ist sicherlich eine bessere Lösung als Schlafmittel.

Übrigens: Eine interessante und kritische Website zum Durchschlaftraining nach der Ferber-Methode findet sich unter www.ferbern.de.

Quellen:


Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2005-2009; Letztes Update: 23. November 2009
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