Häufige Stillprobleme und deren Behandlung

Viele Mütter reagieren auf Stillprobleme mit der Schlussfolgerung, dass das Stillen bei ihnen nicht klappt und stillen ab. Stillprobleme lassen sich jedoch mit der Unterstützung kompetenter Hebammen, Stillberaterinnen oder in schwierigen Fällen Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC, in den meisten Fällen beheben. Ausdauer und Entschlossenheit muss man natürlich auch mitbringen. Also, bei Stillproblemen bitte nicht abstillen, sondern Hilfe holen!!! (siehe unter Wo bekommt man Unterstützung? und Kontaktadressen für die Stillzeit). Viele Stillprobleme lassen sich durch ein gutes Stillmanagement in der Entbindungsklinik von vornherein vermeiden (siehe: Warum das Stillen häufig nicht klappt). Insbesondere "zu wenig Milch" und "wunde Brustwarzen" können von einer mangelhaften Unterstützung in der Entbindungsklinik zeugen.

Im Folgenden werden häufige Stillprobleme und ihre Behandlung beschrieben. Die Behandlung von Stillproblemen basiert überwiegend auf Tradition und Erfahrungen von Müttern und Fachleuten. Die Wirksamkeit einiger Methoden wurde in Studien untersucht, bei den meisten steht dies noch aus. Es gibt große Unterschiede in der Behandlung von Stillproblemen, die von Stillberaterin zu Stillberaterin und von Krankenhaus zu Krankenhaus variieren.

Übersicht




Schmerzen beim Stillen

Wenn Stillen schmerzhaft ist, besteht der Verdacht, dass das Kind falsch angelegt wurde oder dass es mit falscher Saugtechnik trinkt. Eine falsche Saugtechnik kann durch Saugverwirrung oder durch andere kindliche Probleme entstehen, wie z.B. ein verkürztes Zungenbändchen oder bestimmte Erkrankungen. Wenn Stillen schmerzhaft ist, soll daher die richtige Saug- bzw. Anlegetechnik von einer Fachkraft kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden, um die Entstehung wunder Brustwarzen zu vermeiden. Unerfahrene Mütter sind manchmal der falschen Ansicht, dass es ausreiche, wenn das Kind nur die Brustwarze in den Mund nimmt. Damit das Baby jedoch effektiv aus der Brust trinken kann, muss es nicht nur die Brustwarze selbst, sondern auch den größten Teil des Warzenhofs mit einsaugen. Auch bei spannenden Brüsten infolge des initialen Milcheinschusses kann das Kind Schwierigkeiten bekommen, die Brustwarze richtig zu erfassen. Das Problem kann auch dadurch bedingt sein, dass das Kind die Brustwarze und den Warzenhof etwas asymmetrisch in den Mund genommen hat. In einem solchen Fall soll man das Kind von der Brust nehmen, indem man im Mundwinkel des Babys das Saug-Vakuum mit einem Finger löst. Dann soll das Kind wieder angelegt werden. Es kann sein, dass dieser Vorgang mehrere Male wiederholt werden muss, bis das Kind korrekt angelegt ist. Es lohnt sich, auf die korrekte Stillposition acht zu geben, und bei auftretenden Schmerzen die Stillposition gleich zu korrigieren. So kann man die Entstehung wunder Brustwarzen vermeiden.

In den ersten Tagen und Wochen kann Stillen auch bei korrekter Stilltechnik schmerzhaft sein, weil die Brustwarzen in dieser Zeit besonders empfindlich sind. Diese Schmerzen sind beim Anlegen am unangenehmsten und lassen im Laufe der Stillmahlzeit nach. Eine Abhärtung der Brustwarzen während der Schwangerschaft (z.B. durch Abreiben mit Frottehandtüchern), die in der Vergangenheit häufig empfohlen wurde, verringert die Empfindlichkeit der Brustwarzen nicht und kann eher zu Schädigungen der Haut führen. Die Brust bereitet sich während der Schwangerschaft sozusagen selber aufs Stillen vor, Schwangere können darüber hinaus nichts mehr dazu beitragen.

Manche Frauen können den Milchspendereflex, bei dem feine Muskelkontraktionen die Milch in Richtung Brustwarze treiben, spüren und empfinden ihn als unangenehm oder als leicht schmerzhaft. Auch im Bauch können in den ersten Tagen nach der Geburt durch Kontraktionen der Gebärmutter Schmerzen auftreten. Nachdem die Gebärmutter zurückgebildet ist, sind diese Schmerzen vorbei.

Schmerzen beim Stillen können auch nach einer problemlosen Stillperiode auftreten. In einem solchen Fall kommen andere potenzielle Ursachen vor, wie z.B. eine Pilzinfektion (Soor-Infektion). Auch bei einem Milchstau treten während des Stillens Schmerzen auf, weil der Milchfluss behindert wird.


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Wunde Brustwarzen

Wunde Brustwarzen sind leider ein sehr häufiger Grund von vorzeitigem Abstillen. Sie entstehen meistens durch falsche Anlegetechnik oder falsche Saugtechnik des Kindes. Die Stillposition und das Saugverhalten des Kindes sollten von Anfang an von einer Stillexpertin kontrolliert und eventuell korrigiert werden. Leider sind wunde Brustwarzen meist das Zeichen eines mangelhaften Stillmanagements durch das Personal in der Entbindungsklinik.

Gründe für die Entstehung wunder Brustwarzen:

Maßnahmen bei wunden Brustwarzen

Was man bei wunden Brustwarzen meiden sollte


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Spannende Brüste infolge des initialen Milcheinschusses (Brustdrüsenschwellung)

Der Beginn der Milchbildung (Milcheinschuss) findet meist am dritten (bzw. am zweiten bis zehnten Tag) nach der Geburt statt. Sie kann mild und allmählich oder aber sehr unangenehm verlaufen. Im letzteren Fall schwillt die Brust an und spannt, und die Venenzeichnung der Brust ist sehr ausgeprägt. Manche Frauen entwickeln auch eine Fieberzacke.

Der große Druck in den Brüsten entsteht nicht durch große Milchmengen, sondern durch Lymphstauungen im Zwischendrüsengewebe.

Die Brustwarze wird durch Spannung und Schwellung flach ausgezogen und das Kind kann Schwierigkeiten bekommen, Brustwarze und Warzenhof zu fassen. Es muss so viel Milch abgepumpt oder ausgestrichen werden, dass die Brustwarze wieder zu fassen ist.

Die beste Behandlung von Brustdrüsenschwellung ist die Vorbeugung, indem das Kind häufig (etwa alle 2 Stunden) und mit der richtigen Technik angelegt wird. Das Ausmaß der Brustdrüsenschwellung nimmt außerdem mit jeder Geburt ab. Erstgebärende leiden am häufigsten darunter. Nach Anwendung von feuchter Wärme kann geschultes Personal durch eine Tiefdruckmassage die gestaute Lymphflüssigkeit in Richtung der Lymphbahnen abführen. Eine falsche Anwendung der Tiefdruckmassage von Unerfahrenen schadet allerdings mehr als es nützt. Nach dem Stillen wird die Brust für 15-20 Minuten gekühlt, z.B. durch Auflage von kalten Quarkwickeln oder Eisbeuteln (Achtung: kein direkter Kontakt zwischen Haut und Eis, da Gefahr der Hautschädigung durch Erfrierung!). Besonders bewährt hat sich auch die Anwendung von Weißkohlblättern, mit denen die Brust eingehüllt werden kann, nachdem die Oberfläche der einzelnen Kohlblättern durch Beklopfen oder Auswalzen geöffnet wurde.


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Besondere Brustwarzenformen

Wie auch jeder Mensch anders gebaut ist, kommen auch verschiedene natürliche Brustwarzenformen vor. Etwa jede dritte Frau hat eine sog. Flach- oder Schlupfwarze, bei der die Brustwarze flach oder eingestülpt ist. Eine Schlupfwarze lässt sich durch sanften Druck auf den Warzenhof zwischen Daumen und Zeigefinger herausdrücken. Die Brustwarzenform "bessert" sich häufig im Laufe der Schwangerschaft und der Stillzeit und steht mit jedem Kind weiter hervor. Nur 1% der Frauen hat eine Hohlwarze, bei der eine eigentliche Brustwarze fehlt. Der Warzenvorhof hat eine zentrale Vertiefung mit einem kleinen Randwall. Bei dem Druck zwischen Daumen und Zeigefinger zieht sich die Brustwarze noch mehr nach innen. Eine Hohlwarze geht mit einer geringeren Anzahl von Milchgängen einher, die zu kurz sind und die Brustwarze ins umgebende Gewebe nach innen ziehen.

Auch Frauen mit besonderen Brustwarzenformen können ihr Kind in der Regel voll stillen, wenn sie eine professionelle Unterstützung erhalten.

Deshalb ist es in solchen Fällen besonders wichtig, dass diese Frauen rechtzeitig kompetente Hilfe organisieren (Kontaktadressen für die Stillzeit). Die mögliche Problematik besteht darin, dass das Kind die Brustwarze nicht ausreichend erfassen und deshalb nicht an ihr saugen kann. Daher müssen diese Frauen die für sie richtige Anlegetechnik erlernen. Unter Fachleuten ist es sehr umstritten, ob eine Vorbereitung besonderer Brustwarzenformern während der Schwangerschaft sinnvoll ist. Wissenschaftlich konnte bisher nicht belegt werden, dass Brustwarzenformer oder die Niplette etwas bringen. Das Baby saugt nämlich nicht an der Brustwarze, sondern erfasst Brustwarze und einen Mund voll Brust. Vor dem Stillen muss die Brustwarze mithilfe einer abgeschnittenen Plastikspritze oder einer Milchpumpe unter Umständen herausgezogen werden.Es ist aber unumstritten, dass Kindern von Müttern mit den genannten Brustwarzenformen keine andere Saugmöglichkeit als die Mutterbrust zur Verfügung gestellt werden soll, vor allem im ersten Monat. Durch andere Saugmöglichkeiten erfährt das Kind nämlich eine Saugstimulation, die ihm die Mutterbrust nicht bieten kann, sodass es diese möglicherweise verweigert.

Es sollte auf die Verwendung von Schnullern und Saugflaschen daher möglichst verzichtet werden.

Stillhütchen können, wenn effektives Stillen anders nicht möglich ist, eingesetzt werden. Auch hierzu ist professionelle Anleitung notwendig. Die modernen Stillhütchen sollen - im Gegensatz zu den alten Modellen - nicht zur Verringerung der Milchbildung führen.


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Blutungen aus der Brust

Bei blutigen Sekretionen aus der Brust verfärbt sich die Milch rot, rosa oder braun. Blutungen können eine Folge von wunden Brustwarzen oder vom Zerreißen (Rupturen) kleinster Gefäße während des Saugens sein. Manche Frauen haben eine Veranlagung zu Gefäßrupturen. Eine schmerzlose Blutung kann bei Frauen mit besonderen Brustwarzenformen durch Tragen eines Brustwarzenformers ausgelöst werden. Auch Ödeme beim initialen Milcheinschuss können Blutungen verursachen. Auch gewisse gutartige Veränderungen in der Brust, wie eine Papilloma, kann zu Blutungen führen. Eine Papilloma kann sich von alleine zurückbilden, oder sie kann chirurgisch entfernt werden. Auch Brustkrebs kann Blutungen aus der Brust verursachen und muss daher in Betracht gezogen werden (im Vergleich zu den anderen Ursachen sehr selten und in der Regel nur einseitig). Am häufigsten treten Blutungen bei Erstgebärenden auf.

In der Regel reduziert sich die Blutung im Laufe der Stillzeit oder stellt sich völlig ein.

Die Frau kann prinzipiell stillen, wenn die Milch nicht zu stark kontaminiert ist und vom Kind akzeptiert wird. Die Mutter soll sich nicht erschrecken, wenn das Kind Blut spuckt.


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Soor-Infektion

Soor ist eine Infektion mit gewissen Hefepilzen (Candida). Die Symptome können von Infektion zu Infektion bzw. von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein, daher ist eine eindeutige Diagnose auch für Ärzte nicht immer einfach. Sichtbare Symptome können auch komplett fehlen. Hinzu kommt, dass sich diese Hefepilze labordiagnostisch trotz Infektion nicht unbedingt nachweisen lassen, bzw. umgekehrt, selbst der Nachweis von Candida ist noch kein Beweis für eine Infektion, da diese Pilze auch natürlich auf der Haut vorkommen.

Folgende Symptome bei der Mutter sind möglich:

Bei einem Verdacht auf Soor muss ein Arzt aufgesucht werden (Haus- oder Frauenarzt, evtl. Überweisung an Hautarzt, evtl. Kinderarzt). Die Krankheit wird medikamentös durch lokale Anwendung behandelt, und zwar müssen Mutter und Kind immer beide behandelt werden, auch wenn die Symptome nur bei einem der beiden auftreten. Falls eine lokale Anwendung nicht hilft, werden zusätzlich Medikamente zum Einnehmen eingesetzt. Weiterstillen ist erlaubt.

Beim Kind können folgende Symptome vorkommen:


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Weiße Bläschen auf der Brustwarze

Weiße Bläschen auf der Brustwarze können aus verschiedenen Gründen entstehen:


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Zu viel Milch

Zu viel Milch kommt in der ersten Zeit nach der Geburt bei vielen Müttern vor. Am Anfang der Stillzeit wird die Milchbildung hormonell reguliert. Erst im Laufe der Wochen stellt sich die Milchbildung auf die Bedürfnisse des Kindes ein. Spannende Brüste, häufige Milchstaus und Brustentzündungen können die Folge sein. Abpumpen, das bei Milchstaus und Brustentzündungen oft eingesetzt wird, steigert zusätzlich das Milchvolumen und sollte daher vermieden oder verringert werden.

Bei zu viel Milch spuckt das Baby viel und nimmt prächtig zu, eventuell ist es unruhig und schreit viel. Im Gegensatz zu den mit künstlicher Säuglingsmilch ernährten Babys können Babys, die ausschließlich gestillt werden, kein Übergewicht bekommen. Sobald das Kind krabbelt, wird es allmählich abspecken. Das Kind kann prekärerweise allerdings auch schlecht gedeihen, wenn es die Brust nicht genug entleert, um an die kalorienreiche Hintermilch ranzukommen.

Ob eine übermäßige Milchproduktion künstlich reduziert werden kann, ist umstritten. In der Stillberatung gibt es jedoch einige Ratschläge. Dementsprechend sollte die Mutter das Kind pro Mahlzeit nur an einer Seite anlegen. Durch dieses Vorgehen soll die Milchproduktion weniger stimuliert werden, als wenn immer beide Seiten angeboten werden. Wenn das Kind innerhalb einer Stunde wieder an die Brust will, soll dieselbe Brust angeboten werden, wie bei der letzten Stillmahlzeit. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass das Kind so die Gelegenheit hat, die Brust ausreichend zu leeren und erhält somit auch die Hintermilch. Kalte Umschläge sollen den Druckschmerz lindern und die Milchmenge reduzieren. Nur jeweils 20 Minuten nach dem Stillen anwenden!

Ein Milchüberschuss ist häufig mit einem überschießendem Milchspendereflex verbunden.


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Zu wenig Milch

Häufig beklagen sich unerfahrene stillende Mütter darüber, dass ihre Milch nicht ausreiche. Dieses Problem ist der häufigste Grund zum Zufüttern und zum vorzeitigen Abstillen. Dabei kann fast jede Mutter genügend Milch produzieren, auch für Zwillinge. So versorgten Ammen im Mittelalter bis zu sechs Babys mit ihrer Milch.

Ob die Milch ausreicht, kann man anhand der nassen Windeln und Stuhlwindeln feststellen. 6-8 nasse Stoffwindeln (5 oder mehr nasse Wegwerfwindeln) und 2 oder mehr Stuhlgänge pro Tag werden als ausreichend erachtet (nach den ersten 6 Wochen sind seltenere Stuhlgänge auch normal). Noch genauer ist das Testwiegen des Kindes in regelmäßigen Abständen. In der Regel reicht das Wiegen durch die Nachsorgehebamme und den Kinderarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen aus. Bei Verdacht können Babywaagen in spezialisierten Apotheken und Sanitätshäusern ausgeliehen werden. Wenn Verdacht auf ungenügende Milchproduktion besteht, weil das Kind zu wenige nasse Windeln hat, permanent unzufrieden ist oder wenig zunimmt, sollte man unbedingt den Kinderarzt sowie eine kompetente Hebamme, Stillberaterin oder - in komplizierten Fällen - eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC konsultieren. Eine Zufüttung soll nur auf medizinische Indikation hin, möglichst nur vorübergehend erfolgen. Zufüttern führt nämlich tatsächlich zur Reduktion der Milchproduktion. Es entsteht ein Teufelskreis, und es besteht die Gefahr, dass das Kind mit der Zeit vollständig abgestillt wird. Erfahrene Stillstillspezialisten können feststellen, ob eine unzureichende Milchproduktion tatsächlich besteht oder ob Missverständnisse vorliegen. Sie können die Ursache herausfinden und suchen nach Lösungen.

Die Milchproduktion hängt nämlich hauptsächlich vom Appetit des Kindes ab.

Ein Kind, das nach Bedarf gestillt wird, reguliert die Milchproduktion durch die Nachfrage.

Die Milchproduktion hängt einerseits von der Häufigkeit der Stillmahlzeiten ab, andererseits davon, wie viel das Kind pro Stillmahlzeit trinkt. Dies wiederum hängt davon ab, wie lange und wie intensiv das Kind saugt. Denn das Baby trinkt die Brust praktisch nie leer. Es trinkt nur soviel wie es braucht. Wenn es mehr trinkt, wird auch mehr Milch nachproduziert. Sogenannte Milchbildungstees oder Trinken über den Durst hinaus steigern die Milchmenge allerdings nicht.

In unserer "hochzivilisierten" Gesellschaft sind falsche Ansichten über Stillen tief verwurzelt. Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass viele Mütter nicht genug Milch produzieren können. Diese Angst entsteht meist schon während der Schwangerschaft oder noch früher und führt dazu, dass Mütter das kindliche Verhalten und andere Beobachtungen häufig als ein Anzeichen für zu wenig Milch interpretieren, obwohl das Kind prächtig gedeiht. Leider sind es auch manchmal die "Fachleute", die die Mutter dazu drängen, zuzufüttern: "Sie wollen Ihr Kind doch nicht verhungern lassen, oder?"

Andererseits können falsche Annahmen tatsächlich zu Stillproblemen führen. In ganz seltenen Fällen verursachen medizinische Probleme eine unzureichende Milchproduktion.

Es können folgende Ursachen für ein vermeintliches oder tatsächliches Problem mit der Milchproduktion vorkommen:

Falsches Stillverhalten, das ein Stillen nach Bedarf erschwert

Wenn die Mutter sich an falschen Ratschlägen statt an den Hinweisen des Babys orientiert, kann es tatsächlich dazu kommen, dass das Kind nicht genug Milch bekommt.


Unbegründete Ängste:


Medizinische Probleme

In seltenen Fällen gibt es medizinische Probleme, die dazu führen, dass das Kind zu wenig Milch bekommt. Direkt nach der Geburt kommt z.B. das Verbleiben von Plazentaresten in der Gebärmutter in Betracht. Blutarmut infolge von starkem Blutverlust oder ausgeprägtem Eisenmangel kann ebenfalls zu Problemen mit der Milchbildung führen. Unter den relevanten Hormonstörungen sind wahrscheinlich die Unterfunktion der Schilddrüse, die auch erstmalig nach der Geburt auftreten kann, und eine unentdeckte Insulin-Resistenz am häufigsten. So ist das sog. polyzystische Ovarsyndrom, das ebenfalls mit einer Insulinresistenz einhergehen kann, eine relativ häufige Erkrankung, bei der neben der Schwierigkeit schwanger zu werden und zu bleiben, auch die Milchbildung gehemmt sein kann. Die Wochenbettdepression kann ein Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion sein. Frauen mit einer Zuckerkrankheit (Diabetes I oder II) müssen sehr auf eine gute Einstellung achten, um normal Milch bilden zu können.

Weiterhin reduzieren verschiedene Medikamente die Milchproduktion. Wenn die Frau Medikamente nimmt, sollte sie diese durch Ihren Arzt auf Stillverträglichkeit prüfen lassen. Für die meisten Erkrankungen gibt es stillverträgliche Mittel. Östrogenhaltige Verhütungsmittel sollten bei Verdacht auf zu wenig Milch durch stillfreundliche Mittel ersetzt werden. Auch Genussmittel (insb. starker Alkohol- oder Tabakkonsum) sowie eine intensive Reduktionsdiät oder massive Fehlernährung der Mutter können für "zu wenig Milch" verantwortlich sein. Stress und Angstzustände können den Milchspendereflex hemmen. Es gibt auch seltene Fälle, bei denen die Brust tatsächlich nicht in der Lage ist, genug Milch zu produzieren, weil nicht genug Milchdrüsengewebe vorhanden ist. Dieser Verdacht besteht, wenn bei einer Frau die Brust während der Schwangerschaft nicht größer wird. Manchmal zeigen die Brüste von Frauen mit diesem Problem sehr starke Größenunterschiede. Tubuläre und konische Brustformen können ein Hinweis auf unzureichendes Brustdrüsengewebe darstellen. Manchmal ist bei Hohlwarzen die Anzahl der Milchgänge stark reduziert. Bei solchen Problemen sollte man rechtzeitig - idealerweise noch während der Schwangerschaft - Kontakt zu erfahrenen Professionellen herstellen. Mit ihrer Unterstützung besteht durchaus die Wahrscheinlichkeit, voll oder teilweise stillen zu können.

Weiterhin wird bei Operationen oder bei Verletzungen Milchdrüsengewebe in unterschiedlichem Maß entfernt oder verletzt. Selbst wenn noch genügend Milchdrüsengewebe vorhanden ist, verhindert das Durchtrennen von Milchkanälen und größeren Nerven das Entleeren der Brust. Insbesondere eine Schnittführung um die Brustwarze herum geht mit einem Verlust der Stillfähigkeit einher. Wenn eine Brust oder der Großteil des Brustdrüsengewebes intakt bleiben, kann durch häufigeres Anlegen wahrscheinlich voll gestillt werden. Ansonsten ist eventuell noch Teilstillen möglich (z.B. mit einem Brusternährungsset). Ob und wie das Stillen klappen wird, muss ausprobiert werden. Die Begleitung durch eine sehr erfahrene Still- und Laktationsberaterin ist empfehlenswert. Bei vielen Operationen ist es heute möglich, durch ausgewählte Techniken das Durchtrennen von Milchgängen und größeren Nerven zu vermeiden. Brustvergrößerungen können eher so durchgeführt werden, dass die Stillfähigkeit erhalten bleibt, aber auch bei Brustverkleinerungen besteht unter Umständen noch die Chance, Stillen zu können.

Es kann aber auch am Kind liegen, wenn es nicht genug Milch bekommt. Ein Kind kann schläfrig sein oder Saugschwierigkeiten haben. Viele Erkrankungen können dazu führen, dass das Kind nicht gedeiht.


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Ablehnung der Brust durch das Kind

Ablehnung der Brust beim ersten Anlegen

Ablehnung der Brust in der frühen Stillzeit

Ablehnung der Brust nach einer Phase des erfolgreichen Stillens

Wenn nach einer Phase des erfolgreichen Stillens das Kind die Brust ablehnt, kann dies vorübergehend oder endgültig sein.

Ablehnung nur einer Brust

Es kommt vor, dass ein Kind die eine Brust gegenüber der anderen bevorzugt oder eine Brust vollständig ablehnt. Manche Kinder liegen lieber auf einer ihrer eigenen Körperseite. In einem solchen Fall kann es helfen, wenn bei einem Seitenwechsel das Kind von der einen zur anderen Brust geschoben wird, ohne es dabei um die eigene Achse zu drehen. Es kann aber auch passieren, dass die eine Brust wegen physiologischer Unterschiede mehr Milch produziert als die andere, oder weil die eine Brust mehr stimuliert wird. Eine ungleichmäßige Stimulation kann vorkommen, wenn das Kind nachts immer nur aus derselben Brust trinkt, weil das Kind die Brustwarze an der einen Brust besser fassen kann als an der anderen, oder weil wegen wunden Brustwarzen die Mutter die eine Brust schont.

Nach einer Brustentzündung schmeckt die Milch salzig, was ebenfalls zur Ablehnung dieser Brust führen kann. Wenn das Kind in diesen Fällen die eine Brust partout ablehnt, kann man, um einem Milchstau vorzubeugen und die Milchproduktion aufrechtzuerhalten bzw. wieder anzukurbeln, die abgelehnte Seite öfter ausstreichen oder abpumpen und immer wieder versuchen, das Kind dort anzulegen. Nachts, wenn das Kind im Halbschlaf trinkt, ist die Wahrscheinlichkeit höher als tagsüber, dass es auch die abgelehnte Brust akzeptiert.

In einigen Fällen spielt sich die Stillbeziehung derart ein, dass die Frau nur noch an einer Seite stillt und auf der anderen Seite sich die Milchbildung vollständig einstellt.

Erfahrungsgemäß reicht eine Brust aus, um das Kind ausreichend zu ernähren.

Allerdings ist es des öfteren beobachtet worden, dass Wochen oder Monate nach der Ablehnung einer Brust in dieser ein bösartiger Tumor diagnostiziert wurde. Insofern ist es sinnvoll, sich einer Ultraschalluntersuchung und Mammographie unterziehen zu lassen, um Brustkrebs als Ursache auszuschließen.


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Milchstau

Milchstau macht sich durch eine schmerzhafte, harte Stelle an der Brust bemerkbar. Die harte Stelle kann klein sein oder eine größere Fläche umfassen und wird durch Stillen nicht wieder weich. Beim fortschreitenden Milchstau sind harte Knötchen, mit Milch überfülltes Drüsengewebe, spürbar. Die Haut kann über die betroffene Stelle gerötet sein. Milchstau kann ein grippeartiges Gefühl und hohes Fieber verursachen und zur Brustentzündung führen. Mütter mit reichlicher Milchproduktion bekommen häufiger Milchstau. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit für einen Milchstau in den ersten Wochen am größten, und am niedrigsten, wenn ein älterer Säugling oder Kleinkind nur noch teilgestillt wird. Die Ursachen für Milchstau können in drei Gruppen geteilt werden:

  1. Der Milchfluß wird mechanisch behindert, z.B durch Verstopfung eines Milchganges durch einen Fettpfropf oder ein Häutchen an der Öffnung eines Milchganges, wie beschrieben unter: weiße Bläschen auf der Brustwarze. Bei manchen Müttern wurden weiße, sandartige Körnchen in der Milch beobachtet. Es wird vermutet, dass bei einer sehr Kalzium-reichen Ernährung sich Kalzium-Körnchen in der Muttermilch bilden und die Milchgänge verstopfen. Es wird auch vermutet, dass abgestorbene Zellklumpen die Milchgänge verstopfen können. Auch Einengen der Brust durch Babytragetücher oder einen einengenden BH, z.B. einen Bügel-BH, kann eine mechanische Behinderung des Milchflusses verursachen. Wenn Milchstau immer wieder an derselben Stelle auftritt, muss ein Tumor in Erwägung gezogen werden. In solchen Fällen sollte man sich von einem Frauenarzt untersuchen lassen. Es muss sich dabei keineswegs um einen bösartigen Tumor handeln.
  2. Milchstau kann auch durch eine ungenügende Entleerung der Brust durch das Kind verursacht werden, wenn das Kind vorzeitig von der Brust genommen wird, oder eine ungewöhnlich große Pause zwischen den Stillmahlzeiten besteht. Das Kind kann auch von sich aus plötzlich weniger oder gar nicht mehr trinken wollen, z.B. bei einem Stillstreik.
  3. Milchstau kann auch durch eine Beeinträchtigung des Milchspendereflexes entstehen, z.B. durch Stress, Erschöpfung, Rauchen oder Alkoholkonsum der Mutter.

Für die Behandlung eines bestehenden Milchstaus ist es wichtig, zunächst die Ursache zu erkennen und zu beheben. Zum Entleeren der gestauten Milch sollte man alle zwei Stunden oder häufiger stillen und jedes Mal mit der betroffenen Brust anfangen. Dabei sollte das Baby beim Stillen so angelegt werden, dass sein Kinn zur betroffenen Stelle zeigt. Ist das Kind mit dem häufigen Stillen nicht einverstanden, sollte die Milch ausgestrichen oder abgepumpt werden.

Über diese allgemeinen Maßnahmen hinaus gibt es noch eine Reihe von Praktiken, die bei einem Milchstau häufig empfohlen werden. Wer interessiert ist, kann sie ausprobieren:


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Brustentzündung (Mastitis)

Bakterien gelangen über die Milchporen in die Brust und vermehren sich dort. Zu fast 95 % handelt es sich dabei um Staphylokokkus aureus. Dieses Bakterium gelangt in der Regel von der Mutter oder dem Pflegepersonal zu den Händen und in den Nasenrachenraum des Kindes und von dort zur Brustwarze. Wunde Brustwarzen, Brustwarzenrhagaden und ein Milchstau können die Entstehung einer Mastitis fördern. Die Symptomatik der Brustentzündung ist nahezu identisch wie die des Milchstaus: Schmerzen in der Brust, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Temperaturerhöhung, Schüttelfrost. Da manche Frauen keine Brustschmerzen wahrnehmen, denken sie eventuell an eine beginnende Grippe.

Die Differenzierung zwischen Milchstau und Mastitis findet durch die Bestimmung der Anzahl der weißen Blutkörperchen und der Bakterien in der Muttermilch statt. Auch die Therapie der beiden Krankheiten ist nahezu identisch mit dem Unterschied, dass bei einer Brustentzündung die Mutter zusätzlich mit Antibiotika behandelt wird. Zur Behandlung einer Brustentzündung muss ein Arzt konsultiert werden. Dies ist der Fall, wenn die Symptome sich innerhalb von 48 Stunden nicht deutlich bessern, oder wenn sich der Zustand der Mutter sich innerhalb von 24 Stunden deutlich verschlechtert. Das Kind kann und soll weitergestillt werden.

Die große Gefahr bei einer Mastitis ist die Entwicklung eines Abszesses, der immer chirurgisch eröffnet und drainiert werden muss. Deshalb ist es wichtig, eine Brustentzündung frühzeitig zu behandeln.


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Beißen durch das zahnende Kind

Das Wichtigste ist zu wissen, dass Zahnen kein Grund zum Abstillen ist!!! Die WHO empfiehlt, dass Kinder sechs Monate voll- und mindestens bis zum zweiten Geburtstag nach Bedarf weitergestillt werden sollen, ein Alter also, in dem die meisten Kinder schon voll bezahnt sind. Entgegen des häufigen Vorurteils tut es nicht Weh, ein bezahntes Kind zu stillen! Das Erscheinen der vorderen Zähne kann jedoch unangenehm sein, geht aber innerhalb von Wochen, schlimmstenfalls Monaten vorbei. Das Kind beißt wegen den Schmerzen mit der Zahnleiste auf die Brust. Das Kind beißt kaum während des Stillens, weil beim Saugen die Zunge die unteren Zähne bedeckt. Vielmehr beißt es zu Beginn und zum Ende der Brustmahlzeit, meist kurz vor dem Einschlafen. Man sollte dem Kind eine Alternative zum Beißen anbieten (z.B. einen gekühlten Beißring) und ihm beibringen, mit Beißen auf die Brust aufzuhören. Man soll möglichst nicht schreien, um das Kind nicht zu erschrecken. Stattdessen soll man das Kind mit dem Finger von der Brust lösen und ihm im entsprechenden Tonfall vermitteln, dass es nicht beißen darf. Man soll aber nicht zu heftig oder spielerisch schimpfen, damit das Kind keinen Anreiz hat, das Experiment zu wiederholen. Das Kind soll lernen, dass Beißen ein Ablösen von der Brust bedeutet. Nach dem Abnehmen von der Brust kann das Kind erneut angelegt werden.

Während des Zahnens kann Stillen auch dadurch unangenehm sein, dass allein stehende Zähne sich tief in das Brustgewebe drücken. Dieses Problem löst sich, wenn das Kind mehr Zähne kriegt und der Zahnfront gleichmäßiger wird.


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Quellen:


Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2004-2008; Letzte Änderung: 4. April 2008
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