Stillvorbereitung während der Schwangerschaft

Häufig wird Schwangeren geraten, ihre Brustwarzen abzuhärten, um sich so auf das Stillen vorzubereiten. Maßnahmen zur Vorbereitung der Brustwarzen z.B. durch Abschrubben mit Frottierhandtüchern sind jedoch sinnlos und überflüssig. Studien konnten keinerlei positiven Effekte dieser Manipulation im Hinblick auf die Entstehung wunder Brustwarzen feststellen, ganz im Gegenteil: eine agressive Behandlung der Brustwarzen kann sogar zu Verletzungen führen. Die einzig sinnvolle "Vorbereitung" der Brustwarzen besteht höchstens darin, sie möglichst in Ruhe zu lassen, d.h. nicht mit Seife, sondern nur mit Wasser zu waschen und keine Kosmetika aufzutragen.

Viele Schwangere erzählen, dass sie sich bei der Vorbereitung auf das Baby für alle Fälle eine Notration industrieller Säuglingsmilch und Saugflaschen anlegen. Auch Schnuller werden "rechtzeitig" besorgt. Mitunter sind es die sorgenden Großeltern oder Ehemänner, die schon mal alle Säuglingsnahrungsprodukte und Saugflaschen unter die Lupe nehmen, Qualität und Preise vergleichen. Diese Einstellung untergräbt jedoch das Durchhaltevermögen beim Stillen. Die Schwelle, bei Unsicherheiten und bei eventuellen Stillproblemen zur Flasche zu greifen, wird deutlich niedriger. Sie können gut gemeinte Unterstützung solcher Art ruhig ablehnen und einen großen Bogen um die Regale mit Säuglingsnahrung machen. Sie können allen deutlich machen:

"Ich werde mein Kind stillen!"

Ein weiterer Punkt, den man sich gut überlegen sollte, ist das Einrichten des Kinderzimmers. Heute gilt es praktisch als elterliche Pflicht, das Baby mit einem komplett eingerichteten Kinderzimmer samt Gitterbettchen zu erwarten. Aber warum muss ein Baby von seinen Eltern separiert werden? Warum soll man Unmengen von Geld in ein extra Kinderzimmer investieren, wenn ein Baby doch rund um die Uhr bei seinen Eltern sein will? Ist es nicht viel praktischer, im elterlichen Schlaf- und Wohnzimmer ein sicheres Plätzchen für das Kind einzurichten? Die meisten Mütter, die ihre Kinder lange und erfolgreich stillen, schlafen in der direkten Nähe ihrer Kinder (s. auch Familienbett oder nicht?). Das Bedürfnis nach einem eigenen Zimmer oder Eck entwickelt sich frühestens im Kindergartenalter.

Am meisten können Mütter zum Gelingen der Stillbeziehung beitragen, indem sie sich schon während der Schwangerschaft aus guten Stillbüchern und durch persönliche Kontakte informieren und richtige Entscheidungen treffen. Es ist außerdem sehr hilfreich, schon während der Schwangerschaft Stilltreffen zu besuchen. Wenn man anderen Müttern beim Stillen zugeschaut und das richtige Anlegen gezeigt bekommen hat, wird man von Anfang an viel selbstsicherer mit dem Stillen umgehen. Bei der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen und der La Leche Liga ist außerdem ein Video oder DVD erhältlich, auf dem natürliches Stillen gezeigt wird. Bei Schwangeren, die sich auf Komplikationen einstellen müssen, z.B. wegen besonderen Brustwarzenformen, Erkrankungen der Mutter oder des Kindes, Früh- oder Zwillingsgeburten usw., ist es empfehlenwert, bei den verschiedenen Organisationen zusätzliche Literatur zu besorgen und Spezialisten zu suchen, die auf dem Gebiet erfahren sind (siehe: Wo bekommt man Unterstützung? und Kontaktadressen ).

Die wichtigste Entscheidung für das Etablieren einer erfolgreichen Stillbeziehung ist die Wahl der Geburtsklinik. Am günstigsten ist es, in einem "babyfreundlichen" Krankenhaus mit der Auszeichnung der WHO/UNICEF-Initiative zu entbinden. Zur Zeit (Februar 2009) wurden in Deutschland nur 39 Kliniken ausgezeichnet, weitere 40 Krankenhäuser streben die Auszeichnung an. In 2007 fand nur jede zwanzigste Geburt unter "babyfreundlichen" Bedingungen statt. Daher muss man häufig auch Krankenhäuser, die die Bedingungen der WHO/UNICEF-Initiative nicht erfüllen, in Betracht ziehen. Hierbei kommen insbesondere diejenigen Krankenhäuser in Betracht, die sich um die Auszeichnung bemühen. Auch über die Stillfreundlichkeit der weiteren Kliniken kann man sich z.B. bei einer Informationsveranstaltung des Krankenhauses, im Geburtsvorbereitungskurs oder in einer Stillgruppe im Vorfeld informieren:

Sie können an einer Informationsveranstaltung auch fragen, ob die Quote ausschließlich stillender Frauen bei Entlassung dokumentiert wird und wenn ja, wie hoch sie ist (ein Anteil von über 70% ausschließlich stillender Mütter ist schon ein gutes Zeichen, viele babyfreundliche Krankenhäuser erreichen allerdings über 90%). Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn das Personal keine Antwort auf diese Frage hat. Die andere Frage, die gestellt werden sollte, ob das Personal der Geburtshilfe und der Wochenstation zum Thema Stillmanagement regelmäßig fortgebildet wird und ob es für das Haus schriftliche Richtlinien zum Stillmanagement gibt. Es existieren in Deutschland immer noch unzählige Krankenhäuser, in denen das Personal noch nie eine Aus- oder Fortbildung zum Stillen absolviert hat. Nicht selten werden den Müttern seit Jahrzehnten überholte Mythen erzählt. Jede Krankenschwester erzählt etwas anderes, das, was sie zu Hause erlebt oder irgendwo gehört hat. Stillfeindliche Routinen, wie z.B. Trennung von Mutter und Kind, Einsammeln der Babys in Säuglingszimmern, routinemäßige Zufütterung, das Austeilen von "Geschenken" und "Informationsmaterialien" der Säuglingsnahrungsindustrie, "Versorgung" der Mütter mit Saugflaschen und Milchpulver, routinemäßiges Einweisen in die Flaschenfütterung usw. können auch Teil der Krankenhauskultur sein.

Die Verwirklichung stillfreundlicher Bedingungen bei der Geburt und im Wochenbett ist entscheidend für ein erfolgreiches Stillen (siehe auch Warum das Stillen häufig nicht klappt). Scheuen Sie sich nicht, im Krankenhaus diese Fragen zu stellen. In unserer Zeit müssen sich die Krankenhäuser nach den Wünschen der Patientinnen richten. Je mehr Frauen sich eine stillfreundliche Umgebung wünschen, umso eher werden diese verwirklicht.

Auch auf die Stillzeit nach der Klinikentlassung ist es ratsam, sich schon während der Schwangerschaft vorzubereiten. Bei einem schmerzhaften Milchstau, einer Brustentzündung mit hohem Fieber oder wunden Brustwarzen ist es sehr mühsam, kompetente Hilfe zu organisieren. Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie schon jemanden ausfindig gemacht haben, der sich mit so etwas gut auskennt, jederzeit erreichbar ist und idealerweise zu Ihnen nach Hause kommt. Manche Mütter bekommen nie Milchstau und Brustentzündung, andere wiederum sehr häufig. Es können aber auch andere Probleme auftreten, wo schnelle Hilfe erforderlich sein kann. Z.B. ein Stillstreik, d.h. wenn das Baby konsistent die Brust verweigert, oder wenn es unaufhörlich schreit. In solchen Fällen ist es sehr von Vorteil, wenn Sie bereits wissen, an wen Sie sich wenden können. (Siehe auch: Wo bekommt man Unterstützung?)

Quellen:


Zs. Bauer, www.still-lexikon.de, 2002–2009: Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2009
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